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18. August 2026
Flotten: Präzise Risikobewertung statt Preiserhöhungen allein
Flotten: Präzise Risikobewertung statt Preiserhöhungen allein

Flotten: Präzise Risikobewertung statt Preiserhöhungen allein

Trotz höherer Prämien bleibt die Schaden-Kosten-Situation in der Kfz-Flottenversicherung angespannt. Für Versicherer wird daher eine präzisere Risikoselektion zum entscheidenden Hebel, betont das Beratungsunternehmen Simon-Kucher. Datenqualität und Risikomodelle gewinnen dabei an Bedeutung.

Der Versicherungsschutz für Kfz-Flotten ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Steigende Schadenaufwendungen, unter anderem durch höhere Reparaturkosten und teurere Ersatzteile, setzen die Versicherer unter Druck. Die Folge waren steigende Prämien. Doch trotz der Preiserhöhungen blieb die Profitabilität unter Druck: Bei einem Prämienvolumen von rund 5,3 Mrd. Euro lag die Combined Ratio im Kfz-Flottengeschäft in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt bei rund 104%. Für das Beratungsunternehmen Simon-Kucher ist das ein klares Zeichen dafür, dass sich das Profitabilitätsproblem im Kfz-Flottengeschäft allein mit höheren Preisen nicht lösen lässt.

Preissteigerungen und Schadenhistorie allein reichen nicht

In einem Marktkommentar betont Simon-Kucher daher, dass neben dem Preisniveau vor allem die Fähigkeit der Versicherer entscheidend ist, die unterschiedlichen Risiken in ihren Flottenportfolios präzise zu erkennen und zu bewerten.

„Das Kfz-Flottengeschäft ist nicht nur eine Frage des richtigen Preisniveaus, sondern zunehmend auch der richtigen Risikoeinschätzung“, sagt Dr. Dirk Schmidt-Gallas, Senior Partner und Gründer der globalen Insurance-Practice von Simon-Kucher. Je genauer Versicherer die Risiken differenzieren könnten, desto gezielter ließen sich profitable Flotten identifizieren und angemessen bepreisen.

Auch Dr. Per-Johan Horgby, Mitglied des Vorstands der Württembergische Versicherung AG, sieht bei der Risikobewertung weiteren Handlungsbedarf. Im Marktkommentar wird er mit den Worten zitiert: „Dafür müssen wir die Schadenhistorie um weitere Risikoinformationen ergänzen. Denn die Vergangenheit allein liefert nicht immer eine belastbare Prognose für die Zukunft.“

Im klassischen Flotten-Underwriting spielt das Burning-Cost-Verfahren eine zentrale Rolle, wie der Marktkommentar erläutert. Dabei bilden historische Schadenaufwendungen die Grundlage für die zukünftige Prämienkalkulation. Die Analyse mehrerer tausend Flotten zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Besonders schadenbelastete Flotten entwickeln sich in den Folgejahren vielfach besser, während sich vermeintlich gute Risiken verschlechtern. Dahinter steht die Regression zum Mittelwert: Extreme Ergebnisse sind häufig nicht dauerhaft stabil. Wer sie linear fortschreibt, laufe Gefahr, Zufall mit strukturellem Risiko zu verwechseln.

Vom Burning Cost zur ursachenbasierten Risikobewertung

Nach Einschätzung von Simon-Kucher muss sich das Flotten-Underwriting von einer überwiegend vergangenheitsorientierten hin zu einer ursachenbasierten Risikobewertung entwickeln. Entscheidend sei nicht allein, welche Schäden eine Flotte verursacht hat, sondern welches Risikoprofil dahintersteht. Informationen etwa zu Branche, regionalen Einsatzgebieten, Fahrzeugarten, Hersteller- und Typklassen, Motorisierung oder Nutzungsart könnten dabei helfen. Moderne statistische Verfahren ermöglichten es, diese Merkmale mit der individuellen Schadenhistorie und Erkenntnissen aus größeren Beständen zu verknüpfen. Gerade bei kleineren Flotten lasse sich so vermeiden, dass einzelne Großschäden oder außergewöhnlich gute Schadenjahre die Prämienkalkulation übermäßig beeinflussen.

Datenqualität als Wettbewerbsvorteil

Aus Sicht von Simon-Kucher verändert sich damit auch die Wettbewerbslogik im Kfz-Flottengeschäft. Lange waren vor allem Vertriebskraft, Zeichnungsbereitschaft und Preis entscheidend. Künftig dürften Datenqualität und Risikomodelle stärker darüber bestimmen, wer profitabel wachsen kann.

„Die entscheidende Frage im Flottenmarkt wird künftig nicht mehr sein, wer bereit ist, ein Risiko zu zeichnen“, betont zudem Württembergische-Vorstand Horgby. „Entscheidend wird sein, wer dieses Risiko besser versteht als der Wettbewerb.“ (bh)

 

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