Ein Gastbeitrag von Artikel von Nele Wollert, Chief Sales Officer bei muffintech, und Vincenz Klemm, Mitgründer und Geschäftsführer von Baobab Risk Solutions
Die Versicherungswirtschaft steht vor einem fundamentalen Strukturwandel in der Kundenansprache. Während ein beachtlicher Teil der Marktteilnehmer Künstliche Intelligenz (KI) noch immer in vorsichtigen Pilotprojekten erprobt, hat sich das Verhalten der Verbraucher längst gedreht: Immer mehr Endkunden konsultieren KI-Plattformen anstelle klassischer Suchmaschinen, um komplexe Absicherungsfragen zu klären. Für Versicherungsmakler bedeutet das, dass sich ihre Relevanz im Erstkontakt künftig direkt an der Schnittstelle zu digitalen Systemen entscheidet. Wer seine Prozesse und Angebote daher nicht transparent sowie maschinenlesbar aufbereitet, droht in dieser entscheidenden Suchphase unsichtbar zu werden.
Gefangen in der Bürokratiefalle
Die eigentliche Herausforderung im Alltag deutscher Versicherungsmakler liegt tief im operativen Geschäft verborgen. Laut eigenen Schätzungen des InsurTechs muffintech ist die Realität ernüchternd: Erschreckende 60 bis 80% ihrer Arbeitszeit verbringen Vertriebsmitarbeiter nicht mit dem eigentlichen Kundengespräch, sondern mit administrativer Routine. Ständig neue Gesetzesvorgaben, stetig wachsende Produktportfolios und ausufernde Dokumentationspflichten verschärfen diesen Verwaltungsstress. Es ist eine bürokratische Mühle, die wertvolle Ressourcen genau dort bindet, wo sie am dringendsten benötigt würden: in der proaktiven Risikoanalyse und der Betreuung von Bestandskunden.
KI als Befreiungsschlag
KI ist in diesem verfahrenen Szenario daher ein Befreiungsschlag. Die Befürchtung, die Technologie könnte den Berater aus Fleisch und Blut ersetzen, greift zu kurz. Eine vollständige Verdrängung des Menschen im streng regulierten Vertrieb ist allein aus Haftungsgründen unrealistisch. Hinzukommt das tief sitzende Bedürfnisses der Kunden nach persönlicher Absicherung und dem Vertrauen zum Berater. Im herausfordernden Berateralltag ist die Technologie somit eine Entlastung, die den Fokus zurück auf die eigentliche menschliche Wertschöpfung lenkt.
Effizienzgewinne im Praxis-Check
Dort, wo Mensch und KI bereits Hand in Hand arbeiten, zeigen sich deutliche Effizienzgewinne. Analysen von muffintech gehen davon aus, dass durch den gezielten Einsatz von Algorithmen in standardisierten Vertriebsprozessen Bearbeitungszeiten um 30 bis 60% sinken. Drei Kernbereiche prägen derzeit die Praxis: Zum einen fungieren digitale Assistenten als Vernetzer verschiedener Quellsysteme. Sie führen Datenspuren aus Informationsbriefen, Schäden und Altverträgen automatisch zusammen, filtern relevante Kennzahlen für die Gesprächsvorbereitung heraus und stellen passende Dokumente sekundenschnell bereit.
Zum anderen schließen intelligente Chatbots oder Berater gefährliche Servicelücken. Anders als starre Bots nutzen moderne Sprachmodelle unternehmenskonforme Produktinformationen, um komplexe Kundenfragen rund um die Uhr personalisiert zu beantworten.
Seite 1 KI als Befreiungsschlag für den Versicherungsvertrieb
Seite 2 Einsatz von KI im Spezialvertrieb
Nele Wollert
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