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Zahlungsmoral deutscher Unternehmen bricht ein
15. Juni 2020

Zahlungsmoral deutscher Unternehmen bricht ein

Die Zahlungsmoral von Unternehmen ist angesichts der Corona-Pandemie stark gesunken. So hat sich der durchschnittliche Zahlungsverzug überfälliger deutlich verlängert. Dies zeigen Daten des Informationsdienstleisters CRIFBÜRGEL.


Die Zahlungsmoral von Unternehmen ist angesichts der Corona-Pandemie stark gesunken. So hat sich der durchschnittliche Zahlungsverzug überfälliger deutlich verlängert. Dies zeigen Daten des Informationsdienstleisters CRIFBÜRGEL.


Zahlungsmoral deutscher Unternehmen bricht ein

Überfällige Rechnungen werden derzeit in Deutschland mit einem Verzug von rund 34,4 Tagen bezahlt. Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Zahlungsverzug noch bei 26,4 Tagen. Mehr als jedes zehnte Unternehmen bezahlt Rechnungen nicht oder nur mit Verspätung. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von CRIFBÜRGEL hervor. Insbesondere ab Mitte April habe sich das Zahlungsverhalten der Unternehmen dramatisch verschlechtert. „Wir beobachten derzeit vermehrt ein liquiditätsschonendes Verhalten seitens der Firmen“, kommentiert CRIFBÜRGEL Geschäftsführer Dr. Frank Schlein die aktuellen Zahlen.

Unternehmen werden zum Kreditgeber

Deutschlands Unternehmen gewähren ihren Gläubigern im Durchschnitt ein Zahlungsziel von 26 Tagen. Bei Nicht- oder Spätzahlern werden Rechnungen derzeit erst nach durchschnittlich 60 Tagen bezahlt. „Für die Unternehmen bedeutet das Verhalten, dass sie mehr als doppelt so lange auf ihr Geld warten müssen, als ursprünglich einkalkuliert. Damit werden sie unfreiwillig zum Kreditgeber ihrer Kunden“, so Schlein.

Mittelständler leiden besonders unter schlechter Zahlungsmoral

Dieses Verhalten geht CRIFBÜRGEL zufolge oft zu Lasten der mittelständischen und kleingewerblichen Betriebe, denn Liquiditätsmangel sei eine der häufigsten Insolvenzursachen. Zudem bedeute eine nicht oder zu spät gezahlte Rechnung höheren Verwaltungsaufwand und zusätzliche Kosten. Im schlimmsten Fall entstehe ein Teufelskreis, da Unternehmen durch verspätet gezahlte Rechnungen länger als geplant auf eigene Investments verzichten müssen oder Bestellungen nicht bedienen können.

Trendwende bei Insolvenzen

Bereits jetzt steht CRIFBÜRGEL zufolge fest, dass angesichts der Corona-Krise nach zehn Jahren des Rückgangs der Insolvenzzahlen in diesem Jahr wieder deutlich mehr Firmen in Deutschland in die Pleite rutschen werden. Unter der Voraussetzung, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft genauso stark sind wie in der Finanzkrise 2008, rechnet CRIFBÜRGEL in diesem Jahr mit über 29.000 Firmeninsolvenzen.

Diese Branchen sind besonders betroffen

Besonders schlecht ist die Zahlungsmoral bei den Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitbranchen. Wenn Rechnungen beglichen werden, werden diese derzeit mit 62 Tagen Verspätung bezahlt. Im Januar waren es lediglich 32 Tage. Aber auch die Zahlungsmoral im Gastgewerbe ist stark eingebrochen. Wurden im Januar Rechnungen im Durchschnitt mit 33 Tagen Verspätung bezahlt, sind es aktuell 59 Tage. Die Analyse der Branchen zeigt zudem, dass Unternehmen aus der Logistik aktuell vermehrt von Zahlungsproblemen betroffen sind. Derzeit zahlen dort 29% der Unternehmen die Rechnungen nicht oder nur verspätet. Aber auch im Gastgewerbe hat sich die Zahlungsmoral auf einen Wert von knapp 25% deutlich verschlechtert. (mh)

Bild: © blende11.photo – stock.adobe.com




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