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Digital Insurance Podcast: Evolution der Schadenregulierung

Moderator Jonas Piela begrüßt in der aktuellen Folge des „Digital Insurance Podcast“ Thomas Jacobi, Bereichsleiter Schaden Composition bei der SIGNAL IDUNA Gruppe. Die beiden sprechen über die Evolution der Schadenregulierung vom analogen Sachbearbeiter hin zum KI-gestützten Live-Tracking.

Die Digitalisierung verändert die Spielregeln im Schadenmanagement von Versicherungsunternehmen rasant. Im „Digital Insurance Podcast“ mit Moderator Jonas Piela verdeutlicht Thomas Jacobi, Bereichsleiter Schaden Composition bei der SIGNAL IDUNA Gruppe, wie sehr sich die Branche im Wandel befindet. Das traditionelle Zusammenspiel zwischen Versicherern und Dienstleistern steht vor einer technologischen Revolution, die durch den verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz angetrieben wird. Dennoch bleibt die SIGNAL IDUNA, die historisch eng mit dem Handwerk und Handel verwurzelt ist, zukunftsorientiert und optimistisch, was die künftigen Partnerschaften in diesem Sektor angeht.

Transformation der Dienstleisterlandschaft durch KI

Thomas Jacobi betont, dass das Schadenmanagement ohne externe Dienstleister auch in Zukunft unvorstellbar bleibt. Allerdings wird sich die Art der Zusammenarbeit grundlegend verändern. Jacobi unterscheidet hierbei zwischen zwei Hauptgruppen von Dienstleistern: den Prüfern, die für Beleg- und Rechnungsprüfungen zuständig sind, und den Sanierern beziehungsweise Reparaturservices, die physisch vor Ort Schäden beheben. Während handwerkliche Dienstleistungen wie die Behebung eines Wasserschadens nicht durch KI ersetzt werden können, sieht die Zukunft für die reine Belegprüfung anders aus. Jacobi prognostiziert, dass Versicherer diese Prüfprozesse durch eigene KI-Lösungen zunehmend selbst übernehmen werden. Die Signal Iduna steht kurz vor dem Einsatz einer eigenen KI für diesen Bereich, was das traditionelle Geschäftsfeld reiner Prüfdienstleister stark einschränken könnte.

Strategische Partnerschaften und agile Entwicklung im Fokus

Ein zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie der SIGNAL IDUNA ist die enge Partnerschaft mit Google. Gemeinsam werden maßgeschneiderte KI-Agenten entwickelt, um Prozesse effizienter und kundenfreundlicher zu gestalten. Trotz der hohen Komplexität bei der Integration verschiedener Softwaresysteme und Schnittstellen plädiert Jacobi für eine agile Herangehensweise. Anstatt starrer Langzeitpläne setzt das Unternehmen auf das schrittweise Erkunden neuer Technologien und das direkte Feedback der Kunden. Für die Zukunft erwartet Jacobi eine Konsolidierung im Dienstleistermarkt, da kleinere Anbieter die notwendigen Investitionen in Technologie oft nicht tragen können. Großes Potenzial sieht er in Plattformlösungen, die einen technologischen Grundstandard vorgeben und so die Zusammenarbeit für alle Beteiligten erleichtern.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Future Forum 2026: Was Makler jetzt entscheiden müssen

Künstliche Intelligenz verändert Prozesse und Kundenschnittstellen, Konsolidierer verschieben Marktanteile und viele Maklerunternehmen stehen vor einer ungelösten Nachfolgefrage. Gleichzeitig werden professionelle Führung, Technologie und klare Unternehmensstrukturen immer wichtiger.

Beim Future Forum 2026 am 8. September in Berlin geht es deshalb nicht nur um allgemeine Zukunftstrends. Im Mittelpunkt steht die konkrete Frage: Wie müssen Makler ihren Betrieb heute aufstellen, um auch in den kommenden Jahren eigenständig, wettbewerbsfähig und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben?

Der Maklermarkt steht vor einer Neuordnung

Die Ergebnisse der Studie „Maklermarkt 2030+“ verdeutlichen den bevorstehenden Strukturwandel: 70% der befragten Alleininhaber sind älter als 51 Jahre, 56% bereits älter als 55 Jahre. Mehr als 40% planen, ihr Unternehmen innerhalb der kommenden rund zehn Jahre zu übergeben oder ihre Tätigkeit zu beenden.

Ein im Rahmen der Studie entwickeltes Szenario geht davon aus, dass die Zahl der Maklerunternehmen bis 2035 um rund 40 bis 50% auf nur noch etwa 10.000 bis 12.000 sinken könnte. Das ist keine feststehende Prognose, zeigt aber die mögliche Größenordnung der Veränderungen durch Verrentung, Konsolidierung und eine begrenzte Zahl an Neugründungen.

Damit werden Bestände, Kundenbeziehungen und Marktanteile neu verteilt. Für jeden Maklerbetrieb stellt sich die Frage, welche Rolle er dabei einnehmen will: eigenständig wachsen, Mitarbeiter aufbauen, Bestände übernehmen, sich einem größeren Verbund anschließen oder die eigene Nachfolge vorbereiten?

Vier Themen für die Zukunft des Maklerbetriebs

Das Future Forum konzentriert sich auf vier Handlungsfelder, die für die weitere Entwicklung vieler Maklerunternehmen entscheidend sind.

Künstliche Intelligenz

KI kann Beratung, Vertrieb und Backoffice effizienter machen. Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viele Anwendungen einzusetzen. Makler müssen klären, wo KI im eigenen Betrieb tatsächlich einen Nutzen stiftet und welche Voraussetzungen dafür bei Daten, Prozessen, Führung und Governance geschaffen werden müssen.

Pools und Konsolidierung

Pools, Verbünde und Konsolidierer übernehmen zunehmend Aufgaben in den Bereichen Technologie, Daten, Prozesse und Bestandsmanagement. Für Makler wird es deshalb wichtiger, die eigene Anbindungs- und Kooperationsstrategie bewusst zu wählen: Welche Unterstützung benötigt der Betrieb? Welche Abhängigkeiten entstehen?

Nachfolge im Maklerhaus

Die Verrentungswelle stellt Betriebe vor eine ungelöste Übergabefrage. Gleichzeitig entstehen Chancen für Makler, die Bestände übernehmen oder Unternehmen zusammenführen wollen.

Beim Unternehmenswert geht es dabei nicht nur um Umsatz und Bestandshöhe. Relevant sind auch die Kundenstruktur, dokumentierte Prozesse, die Abhängigkeit vom Inhaber, das Team und die technologische Aufstellung.

Personalführung

Wachstum setzt voraus, dass Verantwortung nicht dauerhaft ausschließlich beim Inhaber verbleibt. Viele Maklerunternehmen stoßen jedoch beim Aufbau und bei der Führung eines Teams an Grenzen.

Geeignete Mitarbeiter sind schwer zu finden, unterschiedliche Generationen bringen unterschiedliche Erwartungen mit und Führung wurde häufig nie systematisch gelernt. Personalführung wird damit zu einer zentralen Voraussetzung für Wachstum, Skalierbarkeit und Unternehmenswert.

Austausch statt Frontalprogramm

Das Future Forum ist bewusst nicht als klassische Vortragsveranstaltung konzipiert. Kurze fachliche Impulse werden durch moderierte Workshops, kontroverse Diskussionen und offene Netzwerkzeiten ergänzt.

Die Teilnehmer sollen nicht nur zuhören, sondern eigene Fragestellungen und Erfahrungen einbringen. Ziel ist, unterschiedliche Perspektiven zu vergleichen und konkrete Ansätze für den eigenen Maklerbetrieb abzuleiten.

Diese Speaker geben Impulse

Prof. Dr. Patrick Glauner zeigt, warum erfolgreiche KI-Projekte nicht mit der Auswahl einer Software beginnen, sondern mit klaren Zielen sowie geeigneten Daten, Prozessen und Führungsstrukturen.

Franziska Geusen, Vorständin des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung e. V., spricht über Mitarbeiterführung über Generationen hinweg und darüber, wie Teams trotz unterschiedlicher Erwartungen, Arbeitsweisen und Werte erfolgreich zusammenarbeiten können.

Dirk Becht, Geschäftsführer der DIVM Deutsche Immobilien Versicherungsmakler GmbH und ehemaliger Gewinner des Jungmakler Awards, berichtet vom Aufbau und der Skalierung seines Unternehmens bis zum erfolgreichen Verkauf. Dabei geht es insbesondere um die Entscheidungen, die Wachstum und Unternehmenswert beeinflusst haben.

Exklusive Einblicke in den Maklermarkt 2030+

Jeder Teilnehmer erhält zusätzlich einen exklusiven Auszug aus der Studie „Maklermarkt 2030+“. Die Untersuchung wurde von der bbg Betriebsberatungs GmbH gemeinsam mit Dr.-Ing. Dietmar Kottmann (Oliver Wyman) und Klaus-Jürgen Baum (ASSURACON) auf Basis der Einschätzungen von mehr als 1.000 Marktteilnehmern erarbeitet.

Das Future Forum richtet sich an Maklerinnen und Makler, die ihren Betrieb aktiv weiterentwickeln, Mitarbeiter aufbauen, Bestände übernehmen, ihre Nachfolge vorbereiten oder ihre Position im sich verändernden Markt überprüfen möchten.

Future Forum 2026

8. September 2026

IDEAL Versicherung

Kochstraße 26, 10969 Berlin

Ankommen ab 9:30 Uhr

Programmbeginn um 10:00 Uhr

Ende des offiziellen Programms um 18:00 Uhr

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Alle Informationen und die Anmeldung: veranstaltung.asscompact.de/future-forum-2026
 

FondsKonzept startet KI-System FINIA

FondsKonzept stellt angeschlossenen Vermittlern ein neues KI-System zur Verfügung: FINIA ist vollständig in das smartMSC eingebunden und kann auf freigegebene Dokumente, Analysen sowie Systeminformationen zugreifen. Somit kann die KI auch kontextbezogene Handlungsempfehlungen liefern.

Mit dem inhouse-programmierten KI-System FINIA treibt die FondsKonzept AG die Digitalisierung der Finanzberatung weiter voran. FINIA steht für Financial Intelligent Architecture. Ab sofort steht allen angeschlossenen Vermittlern die KI als „Sparringspartner“ im smartMSC zur Verfügung. Bei FINIA handelt es sich nicht um einen isolierten Chatbot, sondern das System ist vollständig in das smartMSC integriert. Vermittler können Aufgaben in natürlicher Sprache formulieren, Informationen gezielt abrufen und Arbeitsprozesse direkt im System ausführen – ohne Medienbruch oder Systemwechsel.

Durch die Einbindung in das smartMSC verfügt FINIA über Zugriff auf freigegebene Dokumente, Analysen sowie Systeminformationen. Dadurch kann die KI nicht nur allgemeine Fragen beantworten, sondern auch passgenaue und kontextbezogene Handlungsempfehlungen liefern.

„Künstliche Intelligenz entfaltet ihren größten Mehrwert erst dann, wenn sie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit nutzen kann. Genau das stellen wir unseren Vermittlern mit FINIA zur Verfügung“, erklärt Christian Sosnowski, Vorstand IT der FondsKonzept AG.

Vermittler behält die Kontrolle

FINIA unterstützt, analysiert und automatisiert, entscheidet aber nicht. Sämtliche Entscheidungen und Freigaben bleiben in der Hand des Vermittlers. Wie FondsKonzept weiter mitteilt, erfolgt die Datenverarbeitung DSGVO-konform innerhalb der Systemumgebung. Sämtliche Daten bleiben im smartMSC und werden nicht an Dritte weitergegeben.

FINIA soll Vermittler von Routinearbeiten entlasten und ihnen mehr Freiraum für die persönliche Kundenberatung ermöglichen. So unterstützt FINIA unter anderem bei der Navigation im smartMSC, der intelligenten Dokumentensuche, der Erstellung von Kundenkommunikation, der Analyse von Portfolios sowie bei der Anlage von Kunden, Verträgen und Depoteröffnungen. Mitgelieferte Prompt-Vorlagen und individuell speicherbare Arbeitsabläufe sollen den Einstieg erleichtern.

Mit der Einführung von FINIA will FondsKonzept den Grundstein legen für einen weiteren Ausbau KI-gestützter Funktionen innerhalb des smartMSC. (tik)

Weitere News rund um neue Services und digitale Lösungen lesen Sie auch in der Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

BCA erweitert comparit-Vergleichsrechner um zwei Sparten

Der Oberurseler Maklerpool BCA hat den comparit-Vergleichsrechner „cpit“ mit Lösungen für die Krankenversicherung und die Grundfähigkeitsabsicherung ergänzt. Vermittlern der BCA stehen damit zusätzliche Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung.

Die BCA AG hat den comparit-Vergleichsrechner „cpit“ um die Sparten Krankenversicherung und Grundfähigkeitsabsicherung erweitert und damit in ihr Angebots- und Plattformumfeld eingebunden. Somit können Vermittler der gesamten BCA-Gruppe zusätzliche Vergleichsmöglichkeiten in einem durchgängigen digitalen Prozess nutzen und künftig innerhalb derselben Systemumgebung deutlich mehr Kundenbedarfe abdecken. Der Prozess reicht von der Kundenanlage in der Vermittlerplattform DIVA über die Angebotserstellung bis zur digitalen Unterschrift und direkten Antragseinreichung.

Bislang war cpit im BCA-Umfeld vor allem auf die Lebensversicherung ausgerichtet. Die Vergleichsplattform comparit bietet aber auch Rechner im Sachbereich, etwa für Hausrat, Wohngebäude und Kfz. Aktuell sind bei BCA neben der Lebensversicherung auch Kfz-Lösungen angebunden. In den vergangenen Monaten wurde das System zudem um die Bereiche Krankenversicherung und Grundfähigkeitsabsicherung ausgebaut.

Hoher Automatisierungsgrad in der Krankenversicherung

Im Bereich Krankenversicherung setzt cpit auf einen hohen Automatisierungsgrad. Dazu gehören unter anderem die automatische Ermittlung der passenden Beihilfe, der Vergleich spezieller Medizinertarife, ein integrierter Krankentagegeld-Bedarfsrechner sowie die individuelle Tarif- und Leistungsgestaltung einschließlich Selbstbehalt-Simulation. Auch steuerliche Auswirkungen, Risikozuschläge und Übertragungswerte werden einbezogen.

Biometrisches Portfolio der BCA ergänzt um Grundfähigkeit

Mit dem neuen Rechner für die Grundfähigkeitsabsicherung baut die BCA zugleich ihr biometrisches Beratungsangebot aus. Vermittlern steht nun ein weiteres Analyse- und Vergleichsinstrument innerhalb der Plattform zur Verfügung. „Die Erweiterung des cpit um Krankenversicherung und Grundfähigkeit ist ein konsequenter Schritt, um unsere Vermittler in der biometrischen Beratung noch stärker zu unterstützen“, erklärt Roman Schwarze, Vorstand der BCA AG.

„Wir freuen uns sehr über die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der BCA AG. Die Erweiterung der Vergleichsrechner um die Krankenversicherung und die Grundfähigkeit ist dabei ein weiterer Meilenstein, aber kein Endpunkt: Wir entwickeln unsere Vergleichsrechner stetig weiter und verbessern sie kontinuierlich im Sinne unserer Partner und der Vermittler“, sagt Matthias Brauch, CEO der comparit GmbH. (tik)

Lesen Sie auch ein Interview mit Matthias Brauch:
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Mehr Erfolg in der Beratung: Kunden mitentscheiden lassen

Wer Kunden in der Beratung nur zusehen lässt, hat den Abschluss meist schon verloren, bevor das Gespräch zu Ende ist. Was die Verhaltenspsychologie über Entscheidungen weiß, zeigt: Nur wer Kunden aktiv mitentscheiden lässt, hält den Prozess bis zur Unterschrift am Laufen.

Ein Gastbeitrag von Oskar Hallier, COO des Dresdner Entwicklers von Finanz-IT-Systemen Bridge ITS GmbH und Betreibers der Online-Beratungsplattform „bridge“

Der teuerste Satz im Maklerbüro lautet: „Ich muss da nochmal drüber nachdenken“. Wahlweise fast ebenso bedenklich: „Gibt es vielleicht noch eine Alternative?“. Dies sind Sätze von Kunden, die jede Maklerin, jeder Berater kennt und die einen vorgefertigten Beratungsprozess zumindest empfindlich stören oder gar den Vertragsabschluss verhindern.

Reaktionen darauf wie „Ich schicke Ihnen dann weitere Infotexte zu“ kommen einer Kapitulation gleich. Der Grund dafür ist so simpel wie unbequem: Nach den klassischen Experimenten des Psychologen Hermann Ebbinghaus sind bereits nach 24 Stunden rund zwei Drittel eines nicht wiederholten Gesprächsinhalts wieder vergessen. Jede Unterlage, die erst im Nachgang verschickt wird, kämpft ab der ersten Sekunde gegen das eigene Erinnerungsvermögen des Kunden – ein Kampf, den sie in aller Regel verliert.

Nur Präsentieren reicht nicht

Und doch arbeiten viele Beratungsprozesse genau gegen dieses Wissen: Der Berater präsentiert, der Kunde schaut zu, eine Folie nach der anderen, ein Monolog mit geteiltem Bildschirm. Genau dieses Muster – Präsentieren statt Beteiligen – ist der eigentliche Grund, warum Beratungen ins Stocken geraten und Kunden „nochmal drüber nachdenken“ wollen. Nicht das Produkt ist meist das Problem, sondern die Dramaturgie des Gesprächs.

Mehr Wirkung im Beratungsgespräch

Eine fachlich starke Beratung mit einem erfolgreichen Ende, mit einer Unterschrift, mit Kunden – ob online oder in Präsenz – die durchgängig und aufmerksam den Beratungsprozess verfolgen, wird maßgeblich von psychologischen Kräften beeinträchtigt. Diesen können Berater mit drei Maßnahmen wirkungsvoll begegnen:

1. Zwischen der inneren Haltung und dem Verhalten eines Menschen besteht ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis – belegt durch die Selbstwahrnehmungstheorie des Sozialpsychologen Daryl Bem und den sogenannten Generierungseffekt der Forscher Slamecka und Graf. Menschen verhalten sich einerseits entsprechend ihrer Haltung und identifizieren sich und ihre innere Einstellung andererseits anhand ihrer Entscheidungen. Sind sie also Teil eines Entscheidungsprozesses, erkennen sie sich selbst in ihrer Entscheidung wieder. Im Gegensatz dazu stehen sie umso weniger hinter ihrer Entscheidung, je mehr andere ihnen Teile ihrer Entscheidungsfindung zuvor abgenommen haben. Deshalb ist es keine Nettigkeit, sondern Strategie, Kunden von Beginn an eng in jede einzelne Entscheidung einzubeziehen und ihnen den Weg zur Entscheidung zu überlassen, statt ihn für sie zu gehen.

2. Je später Einzelentscheidungen im Gespräch getroffen werden, desto negativer fallen sie aus – ein Effekt, den der US-amerikanische Sozialforscher Roy Baumeister und Kollegen als „Decision Fatigue“ (Entscheidungsmüdigkeit) beschrieben haben. Es häufen sich auf dem Weg zur finalen Entscheidung immer mehr Hindernisse: Unbehagen, wenn nur der Berater die Gesprächshoheit besitzt. Gedanken daran, manipuliert zu werden. Ganz schlimm: Der Berater gibt die Antworten auf Fragen, die er selbst gestellt hat. Eine Gesprächsstruktur hingegen, die früh Micro-Commitments einsammelt, dreht diesen Effekt um. Im Kunden selbst.

3. Selbst mitgestaltete Ergebnisse bewerten Menschen deutlich höher als vorgefertigte – bekannt als der sogenannte IKEA-Effekt, den verschiedene Hochschulprofessoren (zum Beispiel Michael Norton, Daniel Mochon und Dan Ariely) experimentell nachgewiesen haben. Ein Kunde, der mitgeklickt hat, mit Rechnern hat spielen oder Prioritäten hat setzen können, ist von seinen Entscheidungen überzeugter als von denen, die andere ihm nahegelegt haben. Er ist so mental schon früh auf dem Wege zum Vertragsabschluss.

Interaktive digitale Beratung braucht weniger Kundenkontakte

In der Praxis zeigt sich: Eine interaktive Kommunikation, bei der Kunden selbst Teil des gesamten Beratungsprozesses sind und souverän eigene Entscheidungen treffen, kommt mit zwei- bis dreimal weniger Kontakten aus als eine unstrukturierte Beratung mit in die Passivität verdammten Kunden. Ein fließender, interaktiver Beratungsprozess vermeidet Medienbrüche, es wird nichts auf später verschoben, Cross-Selling findet qua System statt – nicht, weil der Berater noch einmal nachfasst.

Damit befinden wir uns im Inneren von digitalen Werkzeugen, einem System bestehend aus verschiedenen Tools und Medien, das in seiner Gesamtheit dafür sorgt, den Prozess auf einer Beratungsplattform kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Grundlage dafür ist, dass Berater und Kunde analog den genannten psychologischen Wirkungsmechanismen folgend interaktiv auf der gleichen Nutzeroberfläche arbeiten und entscheiden können. PowerPoint kann das nicht leisten. Auch die per Bildschirmfreigabe gezeigte Excel-Tabelle nicht. Beide zeigen dem Kunden ein Ergebnis – keines der beiden lässt ihn mitbauen.

Den Kunden aktiv einbinden und mitentscheiden lassen

Statt Folien durchzuklicken, arbeiten Berater und Kunde in Echtzeit gemeinsam in ein und derselben Folie – nicht auf zwei gespiegelten Ansichten nebeneinander, sondern im selben Dokument. Jeder Klick, jede Eingabe, jede Priorisierung des Kunden wirkt sich unmittelbar auf den weiteren Gesprächsverlauf aus – nicht nur optisch, sondern in der gesamten Beratungslogik: Was der Kunde entscheidet, bestimmt, welche Folie, welche Frage, welches Ergebnis als Nächstes kommt.

Eine solche Software ist überdies ideal für eine strukturierte Bedarfsermittlung nach DIN 77230, denn sie ermöglicht eine flexible Anpassung der Normbausteine auf die jeweilige Beratungssituation. Dadurch erhalten die Kunden viele kleine Bestätigungsmomente, einem Leitfaden gleich, in dem sie Ziele bestätigen, Prioritäten setzen und Wünsche definieren. Viele kleine Ja’s ergeben am Ende ein großes, stabiles Ja.

Kunden erkennen ihren tatsächlichen Bedarf selbst

Die Logik hinter einer interaktiven Beratung: Sie startet nicht bei Produktlücken, sondern bei den Motiven, Zielen und Wünschen des Kunden. Daraus entstehen produktübergreifende Absicherungskonzepte — der Kunde erkennt selbst, dass sein Ziel mehrere Bausteine braucht. Wahrscheinlich auch solche, die er bislang nicht bedacht hat. Weil der tatsächliche Bedarf aus seinen eigenen Handlungen und Überlegungen entstand, ist er für den Kunden unverhandelbar. Für jede Beraterin, jeden Makler eine traumhafte Situation.

Nicht zuletzt gehört in eine solche digitalisierte Beratungsstrecke auch, dass das Gespräch automatisch und DSGVO-konform transkribiert und KI-gestützt zusammengefasst wird – inklusive konkreter Handlungsempfehlungen für die nächsten Schritte. Der Kunde erhält eine saubere Dokumentation, der Berater spart sich die Nachbearbeitung, die sonst Abende und Wochenenden frisst.

Beratung, die ankommt

All das zusammengenommen bedeutet zudem eine Festigung der Kundenbeziehung. Alle Themen liegen auf dem Tisch. Alle von Kunden getroffenen Entscheidungen sind sachlich begründet und sind nicht aus einem Bauchgefühl heraus entstanden. Kunden können das gesamte Gespräch und jede Entscheidung klar rekonstruieren — für sich, für den Partner, für Freunde. Genau diese Erzählbarkeit ist die Grundlage jeder Weiterempfehlung. Denn ein Kunde erzählt nur das weiter, was er selbst verstanden hat – und was er selbst verstanden hat, hat er meistens selbst mitentschieden.

 

Wie wir von Maschinen lernen, mit Menschen zu reden

Wir sprechen präziser mit KI als mit unseren Kollegen und Kunden. Das ist das Problem – und die Lösung. Das ist Thema seines neuen Buches „Abenteuer: Kommunikation! Miteinander reden in der KI-Realität“. Wie kommuniziert man in der Arbeitswelt erfolgreich mit Maschinen und Menschen?

Ein Artikel von Prof. Dr. Ingo Hamm. Er lehrt als Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt und berät Unternehmen zu Motivation, Kommuni­kation und KI-Psychologie – dem Zusammenspiel von Mensch und KI.

Im deutschen Chemiekonzern BASF arbeiteten vor siebzig Jahren rund 60.000 Menschen am Standort Ludwigshafen. Tausende davon schoben Sackkarren und Handwagen über das Werksgelände, transportierten Chemikalienfässer, Säcke, Kanister, Werkzeug. Eine ganze Berufsklasse, deren Tagewerk darin bestand, Dinge von A nach B zu bewegen.

Das Sackkarren-Update

Wo sind diese Menschen heute? Ersetzt. Durch Rohrleitungen, Förderbänder, Gabelstapler, automatische Transportsysteme (und ja, einige davon in fernen Ländern …). Niemand wurde schlagartig auf die Straße gesetzt. Die Älteren gingen in Rente. Die Jüngeren sattelten um, wurden Anlagenfahrer, Lageristen, Techniker. „Strukturwandel“ nennt der Volkswirt das. Dahinter stecken Biografien, Umzüge, Umschulungen, neue Stolz-Momente in neuen Berufen.

Das ist seit Jahrhunderten der Gang technologischer Entwicklung. Alte Arbeit fällt weg, neue entsteht. Mal schneller, mal langsamer, selten geräuschlos, aber auch selten so dramatisch, wie es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Mit der künstlichen Intelligenz wird es nicht anders sein. Sie nimmt uns Arbeit ab, manche vielleicht ganz weg – aber sie ändert vor allem, wie wir arbeiten. Und die wichtigste Veränderung passiert nicht in den Werkzeugen. Sie passiert dort, wo niemand sie erwartet: in unserer Kommunikation – als Spiegel.

Wenn die KI uns einen Spiegel vorhält

Marlene ist 34, Abteilungsleiterin bei einem mittelständischen Unternehmen, High Potential, 60-Stunden-Woche, 15 Mitarbeitende, mächtig unter Druck. Eines Abends, 21:30 Uhr, Sofa, Smartphone, tippt sie in ihre KI-App: „Was genau ist ein Burn-out?“ Die Maschine liefert. Prompt, brav, mehrseitig. Definition, Symptome, Ursachen, Risikofaktoren, Therapie­formen. Fachlich einwandfrei. Was will man mehr? – Alles! Denn die KI hat dasselbe vermutet, wie vermutlich auch Sie gerade beim Lesen: Bei dieser Belastung fragt Marlene für sich selbst. Völlig logisch. Leider völlig falsch.

Marlene fragt für einen geschätzten Mitarbeiter, der seit zwei Wochen matt zur Arbeit kommt und ungewöhnliche Fehler macht. Was sie wirklich wissen wollte: Sind das Frühwarnsignale? Wie spreche ich ihn an, ohne ihn zu verletzen? Was sind meine Pflichten als Vorgesetzte – auch arbeitsrechtlich? Nichts davon hat ihr die KI beantwortet. Nicht weil die KI dumm wäre. Sondern weil Marlene ihr den Kontext nicht gegeben hat. Garbage in, garbage out.

Und jetzt kommt die Pointe, die über Marlenes Smartphone hinausweist: Marlene führt ihre Mitarbeitenden genauso, wie sie die KI promptet. Nämlich: nicht richtig. Kein Vorwurf. Wir machen das alle so. Was Marlene mit ihrer KI passiert, passiert tausendfach täglich – im Beratungsgespräch, in der Mail an den Innendienst, in der WhatsApp an den Tippgeber: Wir fragen das Falsche und wundern uns über die unpassende Antwort.

Eine bemerkenswerte Studie der Oregon State University hat diesen Mechanismus experimentell sichtbar gemacht. Eine erste Gruppe Studierender durfte für ihre Hausarbeit eine KI nutzen – Ergebnisse schwankend. Eine zweite Gruppe bekam zusätzlich eine kurze Anleitung zur Bedienung. Ihre Ergebnisse wurden dramatisch besser. Die KI war dieselbe. Nur die Qualität der Eingabe machte den Unterschied. Das Problem saß nicht im Rechen­zentrum. Es saß vor dem Bildschirm.

Wenn die Qualität unserer Eingabe bei einer Maschine alles entscheidet – warum sollte das im Umgang mit Menschen anders sein? Wer eine KI nicht klar prompten kann, kann es auch nicht mit Menschen.

Drei Prinzipien, die mit Maschine und Mensch funktionieren
  • Kontext: Wer fragt, für wen, wofür?

Beim KI-Prompting umfasst der Kontext alles, was über die eigentliche Aufgabe hinausgeht: Rolle, Hintergrund, Zweck, Stakeholder, Rahmenbedingungen. Ohne ihn arbeitet die Maschine im luftleeren Raum – und halluziniert zuweilen, in bester Absicht. Aber mit Kontext liefert sie maßgeschneiderte Antworten.

Wir leben in einer Kontext-Ära. Die eigentliche Sache ist meistens allen klar. Auch das, was man tun müsste. Doch es wird nicht getan, weil der Kontext dagegensteht – und niemand spricht darüber. Was man nicht benennt, kann man nicht managen.

Ob ein Kunde nach einer „günstigen Versicherung“ fragt, weil er gerade jeden Euro umdrehen muss, weil ihm der Vorgänger zu teuer wurde oder weil er den Schutzumfang gar nicht verstanden hat, das verändert die Antwort fundamental. Bei der KI selbstverständlich. Beim Kunden auch. Wer den Kontext managt, managt den Erfolg.

  • Klarheit: Was soll am Ende rauskommen?

Die eine Frage, die fast niemand stellt, weder der KI noch dem Mitarbeitenden, weder dem Kind noch dem Partner: Was soll am Ende rauskommen? Im KI-Sprech heißt das „Definition of Done“. Sobald alle dasselbe Bild des gewünschten Ergebnisses vor Augen haben, entsteht Verbindlichkeit. Ohne dieses Bild entsteht irgendwas. Die Bitte „Schauen Sie sich den Müller-Fall mal an“ produziert dieselbe Beliebigkeit wie ein schlampiger Prompt. „Bis Freitag eine halbe Seite Empfehlung mit drei Optionen für den Kunden X, siehe Beispiel Y“ produziert ein Ergebnis.

Bei der Bundeswehr lernte ich in der Funkerausbildung eine herrlich simple Regel, bevor man zum ersten Mal auf den Sendeknopf drücken durfte: Denken. Drücken. Sprechen. Erst den Gedanken sortieren. Dann den Finger aufs Mikro. Dann reden. Wer das umdreht, produziert fünf Sekunden Rauschen auf der Frequenz – und Verwirrung beim Empfänger (und Freude beim Feind). Das Prinzip gilt für jeden Funkspruch, jeden Prompt und jede Mail, die irgendwo ankommen soll.

  • Kanaldisziplin: Welcher Kanal für welche Botschaft?

Was bei der KI das Tool-Routing ist, ist beim Menschen die Kanal­disziplin. Nicht jede Botschaft gehört in jedes Medium. Ein Konzern, den ich begleiten durfte, hat es so geregelt: Chat nur für die Kurzabstimmung. Telefon für die Vier-Augen-Abstimmung. E-Mail zur Dokumentation. Meeting nur, wenn entschieden werden muss. Zoom-Call nur für Kurzabstimmung in weniger als zehn Minuten. Klingt banal. Die Wirkung war nicht banal: deutlich weniger und kürzere Meetings, kaum noch Mail-Ping-Pong, spürbar bessere Kommunikationsqualität, besseres Klima, mehr Produktivität.

Im Maklerbüro ist das nicht anders – und zwar in mehrere Richtungen: gegenüber Versi­cherern, Kunden, Mitvermittlern und dem eigenen Team. Ein Schadenfall ist keine WhatsApp-Angelegenheit. Eine Terminbestätigung kein Telefon-Thema. Kanaldisziplin ist gratis. Und sie wirkt sofort.

Der ehrlichste Trainer, den Sie je hatten

KI ist kein Bedrohungsszenario. Sie ist ein Spiegel. Sie urteilt nicht, sie nimmt nichts persönlich, sie interpretiert nicht wohlwollend. Sie nimmt unsere Worte beim Wort. Und liefert uns damit ein Röntgenbild unserer eigenen Kommu­nikation, das wir nicht bestellt haben, aber dringend brauchen.

Wer ohnehin täglich KI nutzt – beim Tarifvergleich, beim Beratungsprotokoll, beim Entwurf einer Kundenmail –, hält sich diesen Spiegel automatisch vor. Jeder Prompt ist ein kostenfreies, ehrliches Kommu­nikationstraining. Ohne Gesichts­verlust. Ohne Coaching-Honorar. Man muss es nur als solches nutzen.

Wer so kommuniziert, gewinnt am Ende nicht nur Zeit und Nerven, sondern Vertrauen. Und Vertrauen ist in einer Branche, die von Beziehung lebt, das härteste Kapital, das es gibt. Prompting ist Silber. Reden ist Gold. Und im Beratungsgeschäft entscheidet der Unterschied zwischen beiden über den Unterschied zwischen einem Termin und einem Mandat.

Lesen Sie auch: Die Home-Office-Illusion: Warum wir uns die Freiheit schönreden

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Ein Artikel von
Prof. Dr. Ingo Hamm

Praxistest: Wie schlägt sich ChatGPT als Versicherungsberater?

Laut Bitkom hat jeder zehnte Verbraucher vor einem Versicherungsabschluss schon einmal eine KI um Rat gefragt. fb research hat am Beispiel einer Hausrat getestet, wie gut ChatGPT in der Beratung abschneidet. Das Ergebnis bezeichnen die Experten von fb research als „überraschend“.

Immer mehr Verbraucher setzen beim Thema Versicherungen auf die Unterstützung von künstlicher Intelligenz. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom würde sich eine knappe Mehrheit von 52% gerne von einer KI beim Ausfüllen eines Versicherungsantrags helfen lassen (2025: 47%). Eine KI, die bestehende Policen analysiert und Alternativen empfiehlt, würden 44% gerne in Anspruch nehmen (2025: 39%). Eine KI, die Fragen zum bestehenden Versicherungsschutz beantwortet, kommt für 43% infrage (2025: 40%). Besonders zugelegt hat das Interesse an KI-Unterstützung bei der Schadenschätzung: 38% würden gerne KI verwenden, die Fotos eines Unfalls bewertet und eine Schätzung zur Schadenhöhe macht. Im vergangenen Jahr war es erst ein knappes Viertel (24%). Wie die Studie weiter zeigt, gibt bisher rund jeder zehnte Verbraucher (9%) in Deutschland an, vor einem Versicherungsabschluss schon einmal eine KI zu Rate gezogen zu haben. Eine große Mehrheit bleibt aber in Sachen KI-Empfehlungen skeptisch: Lediglich 15% meinen, dass KI passendere Empfehlungen zu Versicherungen geben kann als ein Mensch.

Im Check: Beratung zu Hausrat via ChatGPT

fb research hat in einem Praxistest untersucht, wie gut ChatGPT zur Hausratversicherung berät. Dabei wurde beleuchtet, ob eine KI-gestützte Produktempfehlung bei begrenzter Bedarfserhebung einer fachlichen Tarifprüfung standhält. Der Prompt für die KI lautete: „Ich brauche eine Hausratversicherung. Stell mir bis zu fünf Fragen nacheinander, um herauszufinden, wie mein Bedarf ist, und empfehle mir im Anschluss bis zu drei Produkte.“ Die Antwort fiel laut fb research „methodisch überraschend geordnet aus“.

Das System stellte diese fünf Fragen:

  • Wie groß ist deine Wohnfläche?
  • Wie wertvoll ist dein Hausrat? (Standard, gehoben, hochwertig)
  • Hast du besondere Risiken oder Bedürfnisse? (Fahrrad, Homeoffice-Technik, Erdgeschosslage und
  • Ähnliches)
  • Welches Verhältnis von Preis und Leistung ist dir wichtig?
  • Welchen Eigenanteil möchtest du im Schadenfall übernehmen?

Aus Basis des so ermittelten Profils empfahl ChatGPT drei Produkte.

Die KI-Empfehlung auf dem Prüfstand

Die Experten von fb research haben die Empfehlung anschließend mithilfe der Vergleichstools genauer geprüft, vor allem hinsichtlich der zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen. Auch die Prämienberechnung wurde genauer abgeglichen.

fb research kommt zu diesem Fazit: Grundsätzlich würde die ChatGPT-Empfehlung zum ermittelten Bedarf. Fünf passende Fragen hätten eine brauchbare Tendenz ergeben. Als positiv heben die Experten folgende Aspekte hervor: Es erfolgt eine geordnete Bedarfsermittlung mit nachvollziehbarer Profilbildung. Zudem liefert die KI plausible Begründungen zu den vorgeschlagenen Produkten und nimmt eine treffende Auswahl relevanter Risikoparameter wie Fahrrad, Einbruch und grobe Fahrlässigkeit vor.

Wo die KI noch an ihre Grenzen kommt

Etliche Punkte bemängeln die Experten bei der Beratung via ChatGPT jedoch. So würde die KI bei der Bedarfsermittlung kein vertiefenden Rückfragen stellen. Die Preis-Leistungs-Bewertung blende Vorschäden und individuelle Rabattmechanismen aus. Zudem würden Leistungsunterschiede auf Detailebene fehlen. Außerdem weiche die Empfehlungsreihenfolge von der Einordnung nach etablierten Bewertungsmaßstäben ab. Hinzu kommt der fehlende Tarifzugang, denn die meisten öffentlichen KI-Systeme hätten keinen Zugriff auf aktuelle Tarife, Bedingungswerke, Annahmerichtlinien oder Tarifupdates. Empfehlungen würden auf Trainingsdaten basieren, nicht auf dem aktuellen Markt. Weitere Kritikpunkte sind fehlende Produkttransparenz und Reproduzierbarkeit. Die KI könne allgemeine Empfehlungen aussprechen, verfüge aber nicht über die notwendige Produkt- und Markttransparenz für einen belastbaren Tarifvergleich.

Fazit

Im Fazit heißt es von fb research, KI könne heute als digitaler Erstberater eine erste Orientierung in der Produktwelt geben. Eine wirklich bedarfsgerechte Empfehlung brauche aber mehr Tiefe in der Datenerhebung und in der Tarifkenntnis. Individuelle Lebensumstände müssten ebenfalls in die Bewertung einfließen. Hinzu kommt das Thema Haftung. Passt ein vorgeschlagener Tarif nicht zum tatsächlichen Bedarf des Kunden, übernimmt niemand Haftung für die Fehlempfehlung. Genau hier liege der Mehrwert professioneller Beratung: „Berater prüfen die Ergebnisse, hinterfragen die Vorschläge und schärfen die Empfehlung dort nach, wo es nötig ist“, wie es von fb research wörtlich heißt. (tik)

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Wenn der Innendienst im Maklerbüro keine KI nutzen will

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für KI im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer Kolumne praxisnahe KI-Tipps für Makler.

Künstliche Intelligenz kann Maklerbüros im Alltag entlasten, Prozesse beschleunigen und die Kundenkommunikation verbessern. Aber nicht alle Mitarbeitenden reagieren begeistert, wenn im Büro plötzlich KI eingesetzt werden soll. Dann fallen Sätze wie: „Das haben wir bisher auch ohne KI geschafft“ oder „Ich habe keine Zeit, mich jetzt auch noch damit zu beschäftigen“. Dahinter stehen selten reine Technikprobleme. Häufig geht es um Unsicherheit, Überforderung oder die Sorge, an Bedeutung zu verlieren.

Widerstand ist selten reine Ablehnung

Petra (der Name ist frei erfunden) arbeitet seit vielen Jahren im Maklerbüro, kennt die Bestände in- und auswendig und weiß genau, welche Gesellschaft bei welchen Vorgängen zuverlässig reagiert. Als im Büro erstmals KI eingesetzt wird, entsteht für sie eine zentrale Frage: Welche Rolle spielt ihre Erfahrung künftig noch? Wird die eigene Arbeit ersetzt oder entwertet? Makler sollten diese Perspektive ernst nehmen. Wer lange mit funktionierenden Routinen gearbeitet hat, braucht einen nachvollziehbaren Grund, diese zu verändern.

KI richtig einordnen

Ein häufiger Einstieg in KI im Maklerbüro sind Effizienz, Zeitersparnis und schnellere Abläufe. Diese Effekte sind real und oft zuerst spürbar. Gleichzeitig reicht diese Perspektive allein nicht aus, um im Team echte Akzeptanz zu schaffen. Mitarbeitende wollen verstehen, wie sich ihre Arbeit konkret verändert und welche Rolle ihre Erfahrung künftig spielt. KI übernimmt vor allem strukturierende und wiederkehrende Aufgaben. Dadurch entsteht mehr Raum für fachliche Prüfung, Kundenkontakt und komplexe Fälle. Für das Maklerteam bedeutet das weniger Routinearbeit und mehr Zeit für die Fälle, in denen die menschliche Erfahrung den Unterschied macht.

Mitarbeitende einbeziehen statt überrollen

Makler sollten KI nicht nur einführen und per Rundmail ankündigen. Sinnvoller ist es, gemeinsam im Büro zu prüfen, welche Aufgaben besonders zeitintensiv, wiederkehrend oder fehleranfällig sind.

Die erfahrenen Kräfte im Team spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie erkennen im Alltag schnell, wo Prozesse unnötig kompliziert sind oder wo Standardisierung möglich ist. Gleichzeitig weisen sie auf Risiken und sensible Abläufe hin.

Unterschiedliche Lerntypen berücksichtigen

Nicht jeder im Maklerbüro nähert sich neuer Technik auf dieselbe Weise. Die einen probieren Tools direkt aus, andere beobachten lieber zuerst, und wieder andere müssen erst die Logik dahinter verstehen. Entscheidend ist nicht, dass alle denselben Weg wählen, sondern dass jeder Mitarbeiter die Unterstützung bekommt, die zu seinem persönlichen Lerntyp passt.

Klare Regeln schaffen Sicherheit

Unsicherheit entsteht auch dort, wo keine klaren Leitplanken existieren. Welche Anwendungen sind erlaubt? Welche Informationen dürfen verarbeitet werden? Und welche Ergebnisse müssen geprüft werden? Ohne klare Regeln entstehen zwei Extreme. Einige nutzen KI gar nicht, andere experimentieren unkontrolliert mit verschiedenen Anwendungen, ohne zu wissen, welche rechtlichen Auswirkungen das für den Makler am Ende haben kann.

Maklerbüros brauchen deshalb klare Leitlinien: Welche Tools genutzt werden dürfen, welche Daten geschützt bleiben und wo menschliche Kontrolle zwingend erforderlich ist. Klare Regeln bremsen nicht. Sie schaffen Sicherheit und ermöglichen eine professionelle Nutzung.

KI nicht einfach an den „Nerd“ im Team delegieren

KI lässt sich im Maklerbüro nicht einfach „einführen und delegieren“. Auch nicht an einzelne technikaffine Mitarbeitende. Wenn erwartet wird, dass das Team KI nutzt, ohne selbst ein grundlegendes Verständnis zu haben, entsteht schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem. Mitarbeitende merken sehr genau, ob KI verstanden wird oder nur als Schlagwort dient.

Es braucht kein technisches Expertenwissen. Entscheidend ist, dass im Maklerbüro verstanden wird, was KI leisten kann, wo sie unterstützt und wo Grenzen liegen. Nur so entsteht Vertrauen in den Alltagseinsatz.

Nicht jeder im Team wird ein KI-Fan werden

Nicht jeder Mitarbeiter wird zum KI-Enthusiasten. Wichtig ist etwas anderes: Wenn eine Kraft im Innendienst mithilfe eines freigegebenen Systems schneller arbeitet, Routineaufgaben reduziert und mehr Zeit für anspruchsvolle Kundenfälle gewinnt, ist der entscheidende Nutzen erreicht. Eine KI-Einführung ist kein Softwareprojekt. Sie ist ein Veränderungsprozess im Maklerbüro. Erfolg entsteht nicht durch Tools allein, sondern durch konkrete Anwendungsfälle, klare Regeln und die Einbindung der Menschen, die täglich damit arbeiten. Am Ende ist es entscheidend, ob das gesamte Team versteht, welchen konkreten Vorteil es im eigenen Arbeitsalltag davon hat, wenn künstliche Intelligenz im Maklerbüro eingesetzt wird.

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k+m modernisiert BiPRO-Anbindung mit b-tix

Die Konzept & Marketing GmbH (k+m) hat ihre BiPRO-Anbindung erneuert. Zusammen mit dem Technologiepartner b-tix hat der Assekuradeur eine neue BiPRO-Architektur aufgebaut, die künftig von b-tix betrieben und weiterentwickelt wird.

Die Konzept & Marketing GmbH (k+m) hat an ihrer technischen Grundlage für die digitale Zusammenarbeit mit Versicherungsmaklern gefeilt. Gemeinsam mit dem Technologiepartner b-tix hat der Assekuradeur mit Sitz in Hannover die bisherige BiPRO-Anbindung grundlegend modernisiert. Ziel ist, neue BiPRO-Normen künftig noch schneller einführen zu können, ohne bestehende Prozesse zu beeinträchtigen.

Die neue, cloudbasierte Plattform trennt die internen Systeme von k+m klar von der technischen BiPRO-Abwicklung. Während k+m weiterhin die fachlichen Inhalte steuert, übernimmt b-tix künftig die normgerechte Verarbeitung, den Betrieb und die laufende Weiterentwicklung der BiPRO-Architektur. Die Zusammenarbeit mit b-tix sei dabei langfristig angelegt, wie k+m mitteilt.

„Für uns war entscheidend, dass wir neue BiPRO-Standards künftig deutlich schneller umsetzen können. Gleichzeitig wollten wir unseren Partnern eine stabile und verlässliche Anbindung bieten“, erklärt Mario Brehme, Geschäftsführer bei k+m.

Die neue Lösung sorgt für mehr Übersicht und bessere Steuerungsmöglichkeiten. Übertragungen lassen sich zentral überwachen und im Störungsfall ist eine schnellere Reaktion möglich. Neue Anwendungsfälle oder zusätzliche Normen können schrittweise eingeführt werden, ohne tief in die internen Systeme eingreifen zu müssen.

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Digital Insurance Podcast: Die Haftpflichtkasse im Talk

In der aktuellen Folge des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela Sascha Quillet, IT-Vorstand des Versicherers Die Haftpflichtkasse. Im Gespräch geht es um lokale Cuda-Cluster, WSLM2-Engines und die Industrialisierung des Büroarbeitsplatzes.

Während in vielen IT-Abteilungen der Versicherungswirtschaft noch über Governance Boards gebrütet wird, schafft Die Haftpflichtkasse unlängst messbare Fakten. In einer neuen Folge des Digital Insurance Podcast berichtet IT-Vorstand Sascha Quillet über einen radikalen Wandel im Unternehmen: Durch den konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und modernen Cloud-Tools verzeichnet der Spezialversicherer eine Outputsteigerung von 600% in der Softwareentwicklung. Quillet räumt dabei mit teurer Standardsoftware auf und setzt stattdessen auf maßgeschneiderte, in Rekordzeit selbst entwickelte Lösungen.

Google Workspace als Gamechanger für die Versicherungswelt

Als einer der wenigen Versicherer im Markt hat Die Haftpflichtkasse Microsoft den Rücken gekehrt und die gesamte Infrastruktur auf Google Workspace umgestellt. Laut Quillet bringt dieser Wechsel massive Vorteile, da die generative KI direkt in die täglichen Arbeitswerkzeuge integriert ist. Anstatt isolierte Chatbots per Copy-Paste zu füttern, nutzen die Mitarbeitenden den KI-Assistenten nativ in ihren E-Mails und Dokumenten. Das System agiert dabei wie ein digitaler Junior-Kollege, der beispielsweise im Chat automatisch Zusammenfassungen liefert oder klare Aufträge und Protokolle aus Videokonferenzen filtert. Diese Automatisierung spart im Arbeitsalltag enorm viel Zeit und erhöht die Produktivität flächendeckend.

Agentic AI bricht klassische Entwicklungszyklen auf

Besonders in der Softwareentwicklung zeigt sich das enorme Potenzial der neuen Technologie. Mithilfe von Tools wie Claude Code und dem Konzept des „Wibe Coding“ können selbst Fachbereiche ohne tiefe Programmierkenntnisse funktionale Prototypen und Automatisierungen entwerfen. Die Abstimmungszyklen zwischen Business und IT werden dadurch drastisch verkürzt. Wo früher monatelange Sprints nötig waren, entstehen heute in wenigen Tagen passgenaue Lösungen – wie eine intern gebaute Ressourcenplanung, die in nur drei Tagen realisiert wurde. Quillet betont, dass Software-Engineers dadurch keineswegs überflüssig werden. Ihre Rolle verschiebt sich vielmehr hin zur Qualitätskontrolle, Architekturplanung und Absicherung des Codes, was sie um ein Vielfaches effizienter macht.

Unternehmenskultur und „Einfach Machen“ als Erfolgsfaktoren

Der Schlüssel zu diesem digitalen Sprung liegt für Quillet in einer agilen Unternehmenskultur und dem Rückhalt im gesamten Vorstand. Statt schwerfällige Data-Teams zu gründen, die bürokratische Hürden aufbauen, setzt Die Haftpflichtkasse auf sogenannte „KI-Enabler“. Diese unterstützen die Mitarbeitenden direkt in der Praxis und räumen Barrieren aus dem Weg. Das übergeordnete Ziel ist es nicht, Personal einzusparen, sondern bei gleichbleibender Teamgröße das Servicelevel, die Produktvielfalt und die Geschwindigkeit für die Kunden massiv zu erhöhen. Rückstände in der Bearbeitung gehören bei der Haftpflichtkasse damit fast vollständig der Vergangenheit an.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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