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Allianz-Experte Naumer: „Für den Nachwuchs sollte man im Prinzip zu 100% in Aktien investieren“
08. April 2015

Allianz-Experte Naumer: „Für den Nachwuchs sollte man im Prinzip zu 100% in Aktien investieren“

Aktien haben zuletzt Rekordmarke um Rekordmarke gebrochen. Einige Experten machen hierfür vor allem die Geldflut der EZB verantwortlich. Für Hans-Jörg Naumer treiben aber auch reale Gründe den Aufschwung. Aktien sollten dem Leiter der Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors zufolge ohnehin in jedem Depot eine wichtige Rolle spielen, vor allem bei der langfristigen Vorsorge.


Herr Naumer, ist die aktuelle Aktienmarktrallye nur von der Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) getrieben?

„Nur“ wäre mir zu wenig, aber natürlich ist sie auch von der hohen Liquidität getrieben. Das sieht man an nahezu allen europäischen Aktienmärkten, zum Teil auch noch in den USA. Hintergrund ist, dass man bei Bankeinlagen mittlerweile definitiv Geld verliert. Das fordert Anleger eben dazu auf, Geld umzuschichten und verleiht damit den Aktienmärkten Rückenwind. Das ist von der EZB auch teilweise gewollt, wenngleich der Effekt so stark vermutlich nicht absehbar war.

Welche anderen Faktoren begründen die Rallye?

Was noch dazu kommt ist die Konjunkturentwicklung. Wir bewegen uns einem recht guten Konjunkturumfeld und auch die Unternehmensgewinne haben sich sauber entwickelt. Das zeigt sich auch in den zu erwartenden hohen Dividendenausschüttungen der Unternehmen. Es gibt also auch reale Gründe für den Kursaufschwung.

Apropos Dividenden. Sie gelten vermehrt als der neue Zins. Zu Recht?

Das kommt darauf an. Zum einen stellt sich die Frage ob es wirklich der neue Zins ist. Dividenden sind schon seit langer Zeit ein verlässlicher Zahlungsstrom. Firmen neigen dazu Gewinnschwankungen zu glätten und Dividenden stabil zu halten oder anzuheben. In den letzten 30 Jahren haben sie rund 40% zur Gesamtperformance von Aktien beigetragen. Die positive Wirkung von Dividenden ist somit nicht neu. Sie wurde nur in der Vergangenheit nicht so stark beachtet.

Was sich geändert hat, sind die Alternativen. Seit Ausbruch der Lehman-Pleite im Herbst 2008 liegt zum Beispiel die Dividendenrendite europäischer Aktien über der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Mittlerweile verdienen Sie mit der zehnjährigen Bundesanleihe nicht einmal mehr das Schwarze unter dem Fingernagel. Berücksichtigt man die „normale“ Inflation von 2% verlieren Anleger damit Geld. Europäische Aktien liegen hingegen im Schnitt bei einer Dividendenrendite von 3,2%. Vor diesem Hintergrund bekommen sie schon einen Zinscharakter.

Also sind sie nicht skeptisch für den Aktienmarkt?

Es gab immer Korrekturen am Aktienmarkt und davon ist auch zukünftig auszugehen. Deswegen werden die Crash-Propheten auch immer mal wieder Recht haben. Man kann aber keinen Wohlstand aufbauen, wenn man nicht bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen. Wir sind insgesamt positiv gestimmt, dennoch darf man natürlich gewisse Risiken nicht verdrängen, wie die Situation in Griechenland oder die zukünftige Politik der Notenbanken. Zudem kommen immer wieder schwarze Schwäne um die Ecke, die man vorher nicht sehen kann. Aktuell sehen wir aber keinen Auslöser für eine größere Korrektur voraus.

Sind die Bewertungen aber nicht mittlerweile zu hoch?

Die Bewertungen sind zwar gestiegen und blind kaufen funktioniert daher definitiv nicht mehr. Wir können im Markt aber schließlich nicht jedes Jahr mit zweistelligen Renditen rechnen. Es gibt allerdings noch ausreichend attraktiv bewertete Titel. Jetzt ist daher das Händchen eines guten Investors gefragt. Zu spät zum Einsteigen ist es jedenfalls nicht. Wenn man nur wartet, springt man schließlich nie auf. Anleger sollten nach wie vor darüber nachdenken ob ihr Anteil an Aktien, Anleihen und sonstigen Anlagen noch zu ihrem Profil passt und schrittweise umbauen.

Wie hoch sollte denn der Aktienanteil sein?

Das kommt natürlich insbesondere auf das Alter an. Wer für seinen Nachwuchs es irgendwie erübrigen kann, sollte einen Sparplan machen und damit dann im Prinzip zu 100% in Aktien investieren. Bei Kindern, die noch nicht mit der Ausbildung oder dem Studium fertig sind, gibt es für mich keinen Grund etwas anderes zu machen.

Also kein Sparbuch mehr?

Das einzige was man mit dem Sparbuch noch machen kann, ist, es sich zu sparen.

Warum sollte man sich als Alternative lieber Aktien als Anleihen kaufen?

Der Wohlstand kommt daher, dass Menschen unternehmerische Risiken eingehen und nicht davon, dass man verschuldeten Staaten Geld leiht und hofft darauf Zinsen zu bekommen. Genau an dieser unternehmerischen Tätigkeit beteiligt man sich mit einer Aktie. Aktien sind daher Sachwerte, nur eben schwankungsanfällig. (mh)

Dies ist der erste Teil des Interviews mit Hans-Jörg Naumer. Teil 2 finden Sie hier.

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