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Millionenstrafe für DWS in USA wegen Greenwashings

Der Deutsche-Bank-Tochter DWS wurde von der US-Börsenaufsicht SEC eine Strafe in Höhe von 25 Mio. US-Dollar auferlegt. Die Gründe: Bei ESG-Fonds habe der Vermögensverwalter zu viel Nachhaltigkeit versprochen. Auch seien Geldwäsche-Richtlinien missachtet worden.

Es ist amtlich: Die DWS muss eine Strafe wegen Greenwashings zahlen – jedenfalls der US-Ableger DWS Investment Management Americas Inc. Das hat am Montag die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) bekannt gegeben. Hintergrund der Strafe sind falsche Statements bei ESG-Fonds des Vermögensverwalters und Missachtung von Richtlinien zur Geldwäschebekämpfung. Die Strafe teilt sich in 19 Mio. US-Dollar für die beschönigten Nachhaltigkeitsangaben sowie 6 Mio US-Dollar für die Missachtung der Geldwäschebekämpfungsrichtlinien auf.

Die Ermittlungen zu den Vorwürfen dauerten nun etwa zwei Jahre. Aufmerksam geworden war die SEC auf die Deutsche-Bank-Tochter nach Äußerungen der ehemaligen Leiterin der Abteilung für Nachhaltigkeit Desiree Fixler. Diese hatte sich im August 2021 öffentlich geäußert, dass die DWS Investitionen auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien überbewertet habe.

Nachhaltigkeitsvorschriften nicht angemessen umgesetzt

In der Mitteilung der SEC heißt es, dass sich die DWS als „Leader“ im ESG-Investing vermarket habe, der spezielle Nachhaltigkeitskriterien bei seinen Investments berücksichtige. Doch von August 2018 bis Ende 2021 habe die DWS es nicht geschafft, diese Kriterien ordnungsgemäß, so wie sie es ihren Kunden versprochen hatte, umzusetzen. Auch seien ihre öffentlichen Aussagen über ESG-Produkte nicht akkurat und ihre Aussagen über ihre Kontrollen zur Einbeziehung von ESG-Faktoren sehr irreführend gewesen.

Sanjay Wadhwa, Vizedirektorin der Abteilung für Strafverfolgung und Vorsitzende der Klima- und ESG-Taskforce bei der SEC, gibt in der Mitteilung zu verstehen, dass Anlageberater sicherstellen müssten, dass „ihre Taten ihren Worten entsprechen“. Die DWS habe damit geworben, dass ESG-Kriterien „in ihrer DNA“ seien. Doch die SEC sei zu dem Schluss gekommen, dass ihre „investment professionals“ nicht den versprochenen ESG-Anlageprozessen gefolgt seien.

DWS: „Sind froh, dass wir diese Untersuchungen abschließen konnten“

Auf Nachfrage bei der Pressestelle teilt eine Sprecherin gegenüber AssCompact mit, dass man bei der DWS froh sei, dass „wir diese Untersuchungen abschließen konnten“ und betont, dass die SEC „keinerlei falsche Angaben in Bezug auf unsere Finanzveröffentlichungen oder die Offenlegungen in unseren Fondsprospekten festgestellt“ habe. Es habe auch laut SEC keine betrügerische Absicht gegeben. Die festgestellten Schwachstellen hätten sich auf Prozesse und Vorgehensweisen bezogen, zu deren Verbesserung die Gesellschaft bereits Maßnahmen ergriffen habe, so die DWS-Sprecherin.

Der Abschluss der Untersuchungen sei ein wichtiger erster Schritt, um die Angelegenheit „insgesamt hinter uns lassen zu können“. Aktuell ermittelt noch die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Anfangsverdachts des Kapitalanlagebetrugs aufgrund von Greenwashing-Vorwürfen gegen die DWS. Doch die Deutsche-Bank-Tochter arbeite, so die Sprecherin, aktiv und transparent mit anderen Aufsichtsbehörden zusammen und hoffe, dass sie ihre ESG-Untersuchungen zeitnah abschließen. (mki)

Bild: © Tada Images – stock.adobe.com

 

Investmentgesellschaften im IVFP-Nachhaltigkeitsrating

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat erstmals Investmentgesellschaften auf ihre Nachhaltigkeitskompetenz überprüft. Dafür wurden vier Kriterien bewertet sowie die letztjährig erhobenen Daten der Lebensversicherer zu Rate gezogen.

Bewertungen von einzelnen Fonds sind in der Investmentbranche viele zu finden – Ratings von den Gesellschaften selbst dagegen schon seltener. Genau dieses Themas hat sich nun jedoch das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) angenommen. Konkret geht es um die Nachhaltigkeitskompetenz der Investmentgesellschaften, die das Institut anhand von vier Kriterien untersucht hat.

Die Bewertung der einzelnen Kriterien „Strategie“, „Prozesse“, „Produkt & Service“ sowie „Kennzahlen“ erfolgt dabei im Benchmark-Verfahren, mit einer Gewichtung von 40% auf „Strategie“. Dadurch habe das Rating einen „stark zukunftsgewandten Charakter“, so das IVFP, weil die Unternehmen nicht für etwaige Altlasten abgestraft, sondern für eine glaubhafte nachhaltige Transformationsstrategie belohnt würden.

Freiwillige Teilnahme am Rating

Die Teilnahme an der Untersuchung stehe grundsätzlich allen Investmentgesellschaften offen und sei vollkommen kostenlos. Darüber hinaus würden alle Teilnehmer eine individuelle Einschätzung durch das IVFP erhalten, wie deren Anstrengungen im Bereich der Nachhaltigkeit im Marktvergleich zu bewerten sind. In der Regel würden jedoch, so das IVFP, vorzugsweise jene Gesellschaften teilnehmen, die sich Chancen auf eine sehr gute Bewertung ausrechnen, da die Datenerhebung sehr umfangreich und damit mit hohen internen Aufwänden verbunden sei. Die Qualität unter den teilnehmenden Gesellschaften sei daher als hoch anzusehen.

Insgesamt hätten sich daher „nur“ zehn Investmentgesellschaften dem Vergleich gestellt. Um die Ratingqualität dennoch hoch zu halten, wurden auch die letztjährig erhobenen Daten der Lebensversicherer zur Bildung der jeweiligen Benchmark herangezogen.

Das sind die Ergebnisse

Besonders überzeugen konnten das IVFP die Gesellschaften Ampega Investment, AXA Investment Managers, Carmignac, Franklin Templeton, Nordea und Union Investment. Alle diese haben ein „Sehr gut“ als Gesamtnote erhalten. Den Ergebnissen ist auch zu entnehmen, dass Ampega Investment, AXA IM sowie Union Investment in den Teilbereichen „Strategie“ und „Prozesse“ ein „Exzellent“ erhalten haben. (mki)

Weitere Information zum Rating gibt es hier.

Bild: © Rawf8 – stock.adobe.com

 

Geldanlage: Immer mehr entscheiden selbst

Eine neue Umfrage der Unternehmensberatung BearingPoint zum Wertpapiergeschäft zeigt: Der „Empowered Customer“ hält im Bereich Geldanlage immer mehr Einzug. Die Mehrheit der Befragten gab an, selbst über ihr Portfolio zu entscheiden und nicht von Beratung Gebrauch zu machen.

<p>Selbstentscheider sind im Wertpapiergeschäft auf dem Vormarsch. Das ist eines der Kernergebnisse einer aktuellen, deutschlandweiten Umfrage der Unternehmensberatung BearingPoint. Die Umfrage ist im Rahmen einer Studie zum Thema „Effizientes Wertpapiergeschäft und digitales Kundenerlebnis“ durchgeführt worden. Sie ergibt das Bild eines zunehmend „Empowered Customers“ – also von Kunden, die weniger von einer Anlageberatung abhängig sind. Sie entscheiden vielmehr selbst über das Schicksal des eigenen Portfolios mithilfe von bereitgestellten Analysen und Steuerungsmöglichkeiten.</p><h5>„Empowered Customer“ entscheidet selbst über seine Geldanlage</h5><p>Etwa drei Viertel der Befragten gaben, so BearingPoint, an, selbst über ihr Portfolio zu entscheiden, während nur wenige die Beratung von einer Vermögensverwaltung oder Anlageberatung in Anspruch nehmen würden. Gleichzeit gaben 35% an, dass sie durchaus bereit wären, mehr als 50 Euro im Monat für weiterführende Analysemöglichkeiten und eine bessere Steuerung ihres Portfolios auszugeben, wenn davon ausgegangen werden kann, dass dies die Rendite erhöht. Während 19% der Befragten zwischen 50 und 100 Euro und 12% zwischen 100 und 200 Euro ausgeben würden, wären 4% sogar bereit, mehr als 200 Euro im Monat für die oben genannten Services auszugeben.</p><p>Für Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Banking & Capital Markets bei BearingPoint, seien diese Ergebnisse gute Nachrichten für Finanzinstitute und andere Anbieter von digitalen Wertpapierdepots bzw. Brokerage, die in den vergangenen Jahren zunehmend den Wandel weg vom traditionellen Brick-and-Mortar-Geschäftsmodell vollzogen haben oder direkt rein digitale Dienstleistungen rund um das Wertgeschäft anbieten. Fast die Hälfte der Befragten würden einen Browser oder eine App nutzen, um ihr Portfolio zu verwalten, so Bosch.</p><h5>Verbesserungsbedarf und -potenzial</h5><p>Doch das Selbstbewusstsein und zunehmende Anspruchsdenken der Digitalkunden stelle die Anbieter auch vor Herausforderungen. Denn laut der Umfrage nutzen bereits 37% der Befragten mehr als einen Anbieter zum Wertpapierhandel. Insbesondere im digitalen Bereich sei hier die Konkurrenz groß. Denn bei einigen Anbietern gebe es noch Verbesserungsbedarf für digitale Lösungen. 30% der Befragten hätten angegeben, dass sie den Eröffnungsprozess eines neuen Wertpapierdepots noch nicht komplett online durchführen konnten. 20% hätten außerdem von Problemen beim Eröffnungsprozess berichtet. (mki)</p><h5>Über die Umfrage</h5><p>Die verwendeten Daten beruhen auf einer deutschlandweiten Online-Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag von BearingPoint, an der zwischen dem 28. und 31. Juli 2023 insgesamt 1.052 Wertpapierbesitzerinnen und Wertpapierbesitzer ab 18 Jahren teilnahmen. Die Studie „Effizientes Wertpapiergeschäft und digitales Kundenergebnis“ wird im Oktober 2023 erscheinen.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Thapana_Studio – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/44FDE2A9-7ABF-48EF-A4B0-5C7691AB0FA0"></div>

 

DWS bringt ETFs auf Anleihen mit kurzer Laufzeit auf den Markt

Von der DWS gibt es ab sofort drei neue Anleihen-ETFs. Die Fonds konzentrieren sich dabei auf Euro-Staatsanleihen mit kurzer Restlaufzeit bis zu einem Jahr. Referenz dafür sind unterschiedliche Indizes des Anbieters iBoxx, die physisch nachgebildet werden.

Die Deutsche-Bank-Tochter und größte deutsche Vermögensverwalterin DWS ergänzt ihr Angebot an Anleihen-ETFs. Dabei handelt es sich um drei neue ETFs unter dem Xtrackers-Label. Fokus sind dabei Staatsanleihen aus dem Euroraum und Deutschland mit einer kurzen Restlaufzeit, maximal ein Jahr. Die ETFs bilden unterschiedliche Indizes des Anbieters iBoxx nach. Hintergrund der Angebotserweiterung ist die aufgrund der gestiegenen Zinsen ebenfalls gestiegene Nachfrage nach Anlagelösungen mit kurzen Restlaufzeiten, so Global Head of Xtrackers Sales Simon Klein.

ETFs auf Euro-Staatsanleihen bei der DWS

Mit dem Xtrackers II Germany Government Bond 0–1 UCITS ETF können Anleger auf deutsche Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit setzen. Der Xtrackers II Eurozone Government Bond 0–1 UCITS ETF ermöglicht dies für entsprechende Papiere aus dem Euroraum. Der Xtrackers II iBoxx Eurozone Government Bond Yield Plus 0–1 UCITS ETF schließlich bezieht sich auf einen Index, der Anleihen aus den fünf Euro-Ländern mit der höchsten Rendite erhält. Die drei neuen ETFs bilden den jeweiligen Index physisch nach und thesaurieren die Erträge. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei je 0,07%. Am 20.09.2023 wurden die ETF-Neulinge auf der Handelsplattform Xetra an der Deutschen Börse notiert. (mki)

Bild: © Carola Vahldiek – stock.adobe.com

 

FIL Fondsbank startet volldigitale Vermögensverwaltung

Die FIL Fondsbank geht den nächsten Schritt auf dem Weg der Digitalisierung und bietet ab sofort volldigital geführte Depots für die Vermögensverwaltung an – laut eigener Aussage eine Premiere. Die Initiative läuft unter dem Namen „VermögensverwaltungPlus“.

Es ist eine Neuheit im Bereich der Vermögensverwaltung – das jedenfalls meldet die FIL Fondsbank (FFB) in einer Pressemitteilung. Die Fondsbank startet mit „VermögensverwaltungPlus“ volldigital geführte Depots für die Vermögensverwaltung und ist damit nach eigener Aussage die erste Fondsplattform, die eine volldigitale Vermögensverwaltung in skalierbarer Form für die unabhängige Finanzberatung ermöglicht.

Neue Zielgruppe für Finanzberater

„VermögensverwaltungPlus“ adressiert zwei zentrale Anforderungen an eine moderne Vermögensverwaltung: einen digitalen Service und eine attraktive Kostenstruktur, so die FFB. Durch die technische Integration entlang der Wertschöpfungskette zwischen Vermögensverwaltung und Bank werden Systembrüche vermieden. Dies verbessere das Kundenerlebnis für die Vermögensverwalter und für deren Anlegerinnen und Anleger. Außerdem führe die volldigitale Umsetzung in der Abwicklung zu deutlichen Effizienzvorteilen, welche die FFB an die Endkunden weitergibt.

Das Depotführungsentgelt für die VermögensverwaltungPlus beträgt 18 Euro statt bisher 45 Euro pro Jahr. Dadurch können auch Investoren mit kleineren Anlagevolumina und Sparplänen eine professionelle Vermögensverwaltung zu attraktiveren Konditionen nutzen. Dadurch würde der unabhängigen Finanzberatung der Zugang zu neuen Zielgruppen eröffnet.

Pilotphase mit FondsKonzept

Die volldigitalen Depots werden zunächst im Rahmen einer Pilotphase mit dem offenen Maklerverband FondsKonzept angeboten. Die VermögensverwaltungPlus soll in den kommenden Monaten in der Breite ausgerollt werden, so FFB. FondsKonzept verkündet derweil in einer eigenen Pressemitteilung ebenfalls, dass die jährliche Gebühr für neu eröffnete, volldigital geführte Depots der WealthKonzept Vermögensverwaltungs AG von der FFB von 45 Euro auf 18 Euro reduziert wird. Die Ersparnis beruht darauf, dass die FFB Kostenvorteile, die für volldigitale Depots in der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, an die WealthKonzept und damit an die Kunden weitergebe.

Für Peter Nonner, Geschäftsführer der FIL Fondsbank, ist das Projekt aufgrund des aktuellen Drucks auf die Finanzberatung eine Notwendigkeit: „Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten eine einfache Handhabung und digitale Services. Zugleich gibt es neue regulatorische Vorgaben wie etwa die EU-Kleinanlegerstrategie, die den Nutzen für Anlegerinnen und Anleger von Beratungsmodellen noch stärker in den Vordergrund rücken. Ein vereinfachter und digitaler Zugang zur Vermögensverwaltung wird somit immer relevanter."

Hans-Jürgen Bretzke, Vorstandsvorsitzender der FondsKonzept AG: "Das Angebot des 18-Euro-Depots macht fondsgebundene Vermögensverwaltungen für breitere Kundenkreise zugänglich. Wir freuen uns sehr, diesen Marktvorteil an unsere Maklerinnen und Makler weitergeben zu können." (mki)

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KI-Hype: Spekulationsblase oder Geldbringer?

Im Lauf des Jahres gab es eine massive Kursrallye um Tech-Aktien. In erster Linie war diese getrieben durch den Hype um künstliche Intelligenz. Manch einer geht davon aus, dass es sich dabei um eine Spekulationsblase handelt – nicht so Goldman Sachs.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat auf ihrer Website einen Artikel veröffentlicht, der den aktuellen Hype um KI- und Tech-Aktien behandelt. Die deutlich gestiegenen Kurse der betroffenen Unternehmen regen die Analysten zum Nachdenken darüber an, ob es sich um eine Rallye mit Substanz handelt oder eher um reine Spekulation à la Dotcom-Blase in den späten 90er-Jahren.

Goldman Sachs: 200 Mrd. US-Dollar an Investitionen bis 2025

Goldman Sachs ist sich seinerseits sicher: KI ist „here to stay“. Laut Peter Oppenheimer, Chief Global Equity Strategist, sei man aktuell in der „Anfangsphase eines neuen Technologiezyklus“. Dieser Zyklus werde auch weiterhin starke Performance einbringen. Dementsprechend rechnet die Bank auch mit einem weiteren Anstieg der weltweiten Investitionen in künstliche Intelligenz. Bis 2025 erwarte Goldman Anlagen mit einem Gesamtvolumen von 200 Mrd. US-Dollar, bedingt durch die starken wirtschaftlichen Möglichkeiten von insbesondere generativer KI.

Vermeintlich erfreulich für den S&P 500, der 2022 stark gebeutelt war. Der Hype um KI schuf hier im bisherigen Jahr 2023 Abhilfe, denn der Tech-Index konnte sich dadurch deutlich erholen. Goldman gibt allerdings zu bedenken, dass nur 15 Unternehmen für 90% der Gewinne von Januar bis Juni verantwortlich waren. Die Rallye sei also sehr „konzentriert“, was zu der Frage führe, ob es sich dabei nicht doch um eine Spekulationsblase wie in den späten 90ern handelt.

Doch derartige Sorgen macht sich Goldman Sachs nicht, denn die Bewertungen der Tech-Aktien seien historisch betrachtet noch recht verhältnismäßig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der sieben größten US-Unternehmen im Bereich generativer KI liegt durchschnittlich bei 25. Zum Vergleich: Das KGV der größten Firmen in der Dotcom-Blase lag bei 52, so Goldman. Weiterhin hätten die betreffenden Unternehmen gute Bilanzen und Investitionsrenditen vorzuweisen und ihre Wachstumsaussichten in der Zukunft seien deutlich besser als die der Firmen zu Zeiten der Dotcom-Blase. (mki)

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Lohnt es sich, in Börsenneulinge zu investieren?

Der Chip-Hersteller Arm ist an die Börse gegangen. Im Oktober folgt der deutsche Schuhhersteller Birkenstock. Ob es sich als Anleger lohnt, Investments in die ganz frischen Aktien der Börsenneulinge zu tätigen, damit hat sich HQ Trust beschäftigt.

Die deutsche Kultsandale geht an die Börse – aber nicht in Deutschland: Der Schuhhersteller Birkenstock, der 2021 von der US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft L Catterton erworben wurde, wird ab der zweiten Oktoberwoche an der Wall Street am New York Stock Exchange gelistet sein. Der ursprüngliche Bericht hierzu kam vom Handelsblatt unter Berufung auf „Finanzkreise“.

Im September ist ein weiterer großer Börsengang erfolgreich durchgeführt worden – der des britischen Chip-Herstellers Arm. Das Unternehmen ist ebenfalls an einer New Yorker Börse gelistet, allerdings an der Technologiebörse NASDAQ. Am vergangenen Donnerstag ist die Aktie Medienberichten zufolge zu einem Preis von 56,10 US-Dollar in den Handel gestartet, was einem Plus von 10% vom Ausgabepreis entspricht.

Passenderweise dazu gibt es eine Analyse des Vermögensverwalters und -dienstleisters HQ Trust, der Anlagen in solche Börsenneulinge thematisiert und über die die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Fazit ist allerdings: Auf lange Sicht hätte es sich wohl nicht ausgezahlt, auf Börsenneulinge zu setzen. Seit 2012 blieben sie bei höherer Volatilität klar hinter dem Markt zurück.

Analyse über Börsenneulinge am S&P 500

Für die Analyse hat Sebastian Dörr, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, die Wertentwicklung des S&P 500 mit der des FTSE Renaissance US IPO verglichen. In letzteren Index werden alle drei Monate Unternehmen aufgenommen, die seit Kurzem an der Börse notierten und zum Börsengang eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Mio. US-Dollar aufgewiesen hätten, so Dörr. Drei Jahre nach dem ersten Handelstag fallen die Aktien wieder aus dem Index. 300 Werte sind derzeit gelistet, u. a. Airbnb, Snowflake und Palantir Technologies.

Schaut man sich die Ergebnisse an, haben sich zwar beide Indizes positiv entwickelt, der S&P 500 allerdings um 15,3%, der FTSE Renaissance US IPO nur um 11,8%. Doch die Wertentwicklungen scheinen je nach Zeitraum sehr unterschiedlich verlaufen zu sein. Denn von 2012 bis 2019 sei die Wertentwicklung des Marktes und der Neulinge mehr oder weniger gleich gewesen. 2020 habe sich der IPO Index deutlich besser entwickelt als der S&P 500, auch aufgrund der stark gestiegenen Kurse des Fitnessgeräteherstellers Peloton und des Softwareunternehmens Zoom Video, weswegen sich der Index mehr als verdoppelt habe. Doch 2021 und 2022 habe er diese Wertentwicklung komplett wieder abgegeben, so Dörr. Peloton beispielsweise notiere nun mit 6,55 US-Dollar. Der Ausgabepreis lag 2019 bei 29 US-Dollar.

Gedämpfte Kursentwicklung

Dass die Neulinge sich unterdurchschnittlich entwickeln, könnte laut Dörr daran liegen, dass die Unternehmen oft nur mit einem kleineren Teil der Aktien an der Börse antreten. Die Alteigentümer gäben später oft weitere Anteilsscheine ab. Das könne die Kursentwicklung dämpfen. Doch es gibt auch die Kehrseite. Die Facebook-Aktie habe sich in den drei Jahren nach dem Börsengang im Kurs in etwa verdoppelt, so Dörr. Uber-Aktien dagegen seien im gleichen Zeitraum um als 40% im Wert gefallen. (mki)

Bild: © Robert Pezzuti/Wirestock Creators – stock.adobe.com

 

Trade Republic erhöht Zinsen und startet mit Anleihenhandel

Trade Republic, der Neobroker aus der Hauptstadt, erhöht zum Oktober die Zinsen auf den Verrechnungskonten der Kunden – weiterhin nur mit wenigen Auflagen. Und: Ab sofort kann man bei Trade Republic auch direkt in Anleihen investieren.

Aus Berlin ertönt ein neuer Zinshammer. Trade Republic hatte im Januar seine Zinsoffensive gestartet und allen Kunden bis auf Weiteres 2% Zinsen auf ihr Verrechnungskonto geboten (AssCompact berichtete: Trade Republic bietet allen Kunden 2% Zinsen auf Geldguthaben). Damals waren die Tagesgeldzinsen vieler Banken noch sehr gering. Jetzt greift der Neobroker erneut an und verdoppelt den Zinssatz – ohne weitere Auflagen.

Auch startet Trade Republic ab sofort den Handel mit Anleihen. Aufgrund der gestiegenen Zinsen ist die Anlageklasse mittlerweile sehr attraktiv geworden, doch bislang war die Anlage in diese Asset-Klasse nur indirekt über Anleihen-ETFs möglich. Jetzt können Anleger auch direkt in Staats- und Unternehmensanleihen investieren, wie Trade Republic am Freitag in einer Pressemitteilung meldete.

Trade Republic erhöht Zinsen

4% ist nun der Zinssatz auf das Verrechnungskonto von Trade-Republic-Kunden. Auf diesem Konto wird nichtinvestiertes Geld gelagert. Der Zinssatz gilt bis auf Weiteres sowohl für Bestands- als auch für Neukunden und zählt zu den höchsten in Deutschland verfügbaren Zinssätzen. Einzige Einschränkung bei Trade Republic: Das Angebot gilt nur bis zu einem Guthaben von 50.000 Euro. Auch behält sich der Neobroker in seinen AGB vor, nichtinvestiertes Geld nach 30 Tagen zurück ans Referenzkonto zu schicken. Große Berichte dazu, dass hiervon Gebrauch gemacht wurde, gab es jedoch keine.

Trade Republic ist keine eigene Bank, sondern verfügt über eine Wertpapierhandelsbanklizenz. Die Gelder der Verrechnungskonten werden bei der Citibank, der Deutschen Bank und Solaris gelagert. Laut eigenen Angaben leitet Trade Republic lediglich den von den Partnerbanken erhaltenen Zins an die Kunden weiter.

Trade Republic startet mit Anleihenhandel

Der Neobroker bietet nun als erster Broker in Europa, so die Mitteilung des Unternehmens, täglich 500 liquide Unternehmens- und Staatsanleihen an, in die ab 1 Euro investiert werden kann. Der Anleihenhandel komme zusammen mit einer neuen Version der Trade-Republic-App. Für den Handel falle wie beim Handel mit Aktien keine Orderprovision an, es gelte für die Abwicklung lediglich die Fremdkostenpauschale von 1 Euro. (mki)

Bild: © Nico Herzog/Wirestock – stock.adobe.com

 

„Dreifache Machtprobe“: Damit können Anleger bis 2028 rechnen

Der Vermögensverwalter Robeco hat seinen jährlichen Fünfjahresausblick „Expected Returns“ für den Zeitraum von 2024 bis 2028 veröffentlicht. In dem Report untersuchen Experten, was Investoren erwarten können und geben Einblick in gesamtwirtschaftliche Prognosen.

„Dreifache Machtprobe“ lautet der Titel des Fünfjahresausblicks des in Rotterdam sitzenden Vermögensverwalters Robeco. Dieser veröffentlicht jährlich seinen Report „Expected Returns“, in dem Experten des Unternehmens das wirtschaftliche Umfeld in den nächsten fünf Jahren prognostizieren – insbesondere mit Blick auf Geldanlage und was Investoren erwarten können.

Die „dreifache Machtprobe“ steht für eine „starke Machtdynamik“, die die Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren prägen wird, so Robeco. Dabei finden auf drei Ebenen Machtkämpfe statt: zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Steuer- und Geldpolitik sowie zwischen den USA und China.

Kapital vs. Arbeit

In den letzten Jahrzehnten haben die Unternehmen rekordhohe Gewinne erwirtschaftet, während der Anteil des Produktionsfaktors Arbeit an der Wirtschaftsleistung zurückgegangen ist. Der zunehmende Trend zur Rückverlagerung von Produktion und Betrieben ins Inland könnte die Unternehmensgewinne angesichts der gestärkten Verhandlungsposition der Arbeitnehmer jedoch vor Herausforderungen stellen, meldet Robeco. Eine erneute Fokussierung der Regierungen auf höhere Einnahmen aus Unternehmenssteuern könnte das Gleichgewicht wieder in Richtung Arbeit verschieben.

Fiskal- vs. Geldpolitik

Während der Pandemie wurde die Wirtschaft vor allem mit fiskalischen statt geldpolitischen Maßnahmen gestützt. Doch bergen staatliche Konjunkturprogramme das Risiko, die Inflation weiter anzufachen, während starke Zentralbanken die Auswirkungen abmildern. Regierungen, die ihren Fokus von haushaltspolitischer Vorsicht auf wachsende Investitionen in die Bereiche Sicherheit und Klima verlagern, könnten für zusätzliche Inflation sorgen. Indessen könnten sich die Zentralbanken weigern, eine übermäßig ausgabenfreudige Regierung mit einer Politik des lockeren Geldes zu unterstützen, solange die Inflation über der Zielmarke liegt.

USA vs. China

Der Kampf um die technologische Vorherrschaft zwischen den USA und China mache laut Robeco mehr als deutlich, dass wir uns in Richtung einer multipolaren Weltordnung bewegen. Die Friedensdividende scheint aufgezehrt, während zunehmende Handelsspannungen auf das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts drücken könnten. Westliche Regierungen könnten darauf mit stärkerer Regulierung, höheren Militärausgaben und weniger „Laissez-faire-Wirtschaft“ reagieren, um den Status quo aufrechtzuerhalten.

Wenn diese Machtkämpfe gemeistert werden können, dann erwartet Robeco einen wirtschaftlichen Stillstand mit einer leichten Rezession im Jahr 2024 und einer sich stabilisierenden Inflation bei durchschnittlich etwa 2,5% bis 2029. In einem optimistischen Szenario könnte eine schnelle und breit angelegte Einführung von künstlicher Intelligenz enorme technologische Fortschritte in Gang setzen, die einen inflationsdämpfenden Angebotsschock für die Weltwirtschaft auslösen könnten. In einem pessimistischen Szenario hingegen könnte das Misstrauen zwischen den Supermächten das Wachstum ausbremsen und Stagflation zur Folge haben.

Diese Renditen erwartet Robeco

Die großen Gewinner bei den Renditeerwartungen 2024 bis 2028 sind für Robeco eindeutig die Aktien aus Schwellenländern. Hier rechnet das Unternehmen bei Euro-Anlagen mit 7,25% (US-Dollar: 8,25%). Aktien aus entwickelten Ländern liegen auf Platz 2 mit 5,75% (US-Dollar: 6,75%). Immobilienaktien (REITs) liegen mit 5,50% ebenfalls gut.

Auf demselben Niveau liegen globale Hochzinsanleihen (Euro), gefolgt von Staatsanleihen aus Schwellenländern (4,75%). Einen großen Sprung machen außerdem die Euro-Staatsanleihen. Hier rechnet Robeco mit einer Rendite von 2,5%, wodurch immerhin die durchschnittliche Inflation von 2,5% ausgeglichen wird. (mki)

Weitere Informationen zum „Expected Returns“-Report von Robeco gibt es hier.

Bild: © natali_mis – stock.adobe.com

 

„Das Wort AltersvorFREUDE weckt Neugierde und Begeisterung“

Frauen interessieren sich für Nachhaltigkeit, sie sind Studien zufolge die besseren Investorinnen und fürchten sich vor einer realistisch drohenden Altersarmut. Warum sorgen Frauen seltener vor und wie kann man ihnen die Geldanlage schmackhaft machen?

Interview mit Claudia Müller, Expertin für nachhaltige Geldanlage und Gründerin von Female Finance Forum
Frau Müller, Ihre Themen sind Female Finance und Nachhaltigkeit. Sind die beiden Themen für Sie verflochten?

Ja, unbedingt. Geschlechtergleichheit ist das Nachhaltigkeitsziel 5 der Vereinten Nationen. Wir sehen auch, dass Frauen sich stark für Nachhaltigkeit in der Geldanlage interessieren. Mich persönlich motiviert Gerechtigkeit: Geschlechtergerechtigkeit – Female Finance – ebenso wie Generationengerechtigkeit, also ökologische Nachhaltigkeit.

Wichtig ist Ihnen die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Auf welche Fragen stoßen Sie da?

Viele Frauen kommen mit einer diffusen Angst vor Altersarmut zu uns. Leider berechtigt! Wir helfen also, diese Angst zu nehmen und einen konkreten Handlungsplan zu entwickeln. Außerdem gibt es einige Irrtümer, die sich hartnäckig halten, z. B. „Investieren ist nur für Reiche“, „Zum Investieren braucht man viel Zeit und Wissen“ und „Finanzen sind Männersache“. Viele Frauen scheuen sich, ihre Fragen zu stellen. Deshalb bieten wir einen geschützten Rahmen, in dem Frauen sich austauschen und voneinander lernen können.

Auf femalefinanceforum.de werden Sie zitiert: „AltersvorFREUDE statt AltersvorSORGE“. Was steckt denn dahinter?

Altersvorsorge klingt so negativ, nach Sorge eben. Dabei ist positive Sprache enorm wichtig, denn sie prägt unsere Gefühle, unser Denken und somit unser Verhalten. Vor der Altersvorsorge schrecken viele Frauen zurück, weil sie den Blick auf ihre Renteninformation scheuen – und das leider zu Recht, denn Frauen sind deutlich häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Das Wort AltersvorFREUDE aber weckt Neugierde, Begeisterung und Vorfreude. Es suggeriert auch, dass wir Gestaltungsmöglichkeit haben. Damit lösen wir die Altersvorsorge auf und transformieren sie in Altersvorfreude.

Reformideen für die Altersvorsorge gibt es viele, für den Gender Pension Gap auch. Die Diskussion um Eltern­geld und Ehegattensplittung wurde im Sommer hart geführt. Welche positiven Signale wünschen Sie sich vom Gesetzgeber?

Ich wünsche mir eine echte soziale Verbesserung unseres Sozial- und Vorsorgesystems: eine Rente, die mehr als die Grundsicherung abdeckt, eine Familienunterstützung, die zuerst die finanziell schwächeren Familien unterstützt und außerdem Care-Arbeit wertschätzt, ein Steuersystem, das Familien mit Kindern unterstützt. Eine Regierung, die sich selbst als Fortschrittsregierung bezeichnet, sollte in Kinder und Familien investieren, denn sie sind die Zukunft. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch eine Veränderung des Finanzsystems: Eine Abschaffung des Provisionsvertriebs und ein klarer Fokus auf Nachhaltigkeit sind zwei Aspekte, die veränderungswert sind. Und ich wünsche mir flächendeckende Finanzbildung an allen Schulformen.

Sehen Sie in neuen Arbeitsformen auch Impulse für ansprechendere Karrierewege für Frauen?

Auf jeden Fall! Ich sehe es sogar in meinem eigenen Unternehmen. Alle Teammitglieder arbeiten von unterschiedlichen Orten im In- und Ausland und haben flexible Arbeitszeiten. So ermögliche ich es meinen Mitarbeiterinnen, die Erwerbsarbeit mit ihrem individuellen Lebensentwurf zu vereinbaren. Frauen übernehmen in unserer Gesellschaft immer noch häufiger unbezahlte Care-Arbeit und können durch New-Work-Konzepte besser einer bezahlten Arbeit nachgehen. Natürlich löst das nicht das gravierende Problem der unbezahlten Care-Arbeit. Es ermöglicht aber eine Erwerbstätigkeit für Personen, die dem Arbeitsmarkt bisher nicht oder nur begrenzt zur Verfügung standen.

Es ist aber auch eine Herausforderung: Teamgefühl und Motivation können im Online-Alltag schon mal verloren gehen, und Flexibilität funktioniert nur mit hervorragender Kommunikation und Zuverlässigkeit. Ich versuche, dies abzufedern, beispielsweise durch regelmäßige Teamtreffen.

Glauben Sie denn, dass Frauen eine spezielle Frauen-Finanzberatung benötigen?

Inhaltlich nein. Es gelten dieselben Regeln und Gesetzmäßigkeiten beim Investieren für Männer und Frauen. Bei der Ansprache und der Umsetzung jedoch ein eindeutiges Ja! Es ist erwiesen, dass Mädchen und Frauen in einem rein weiblichen Umfeld besser lernen und eher Fragen stellen, wenn sie unter sich sind. Zudem ist der Finanzsektor in erster Linie von Männern für Männer konzipiert: Frauen fühlen sich nicht angesprochen oder sogar eingeschüchtert. Und das leider zu Recht: Frauen bekommen strukturell schlechtere und teurere Finanzprodukte verkauft als Männer. Dem wirken wir entgegen, indem wir explizit Frauen ansprechen und als weibliche Vorbilder im Finanzbereich fungieren. Frauen brauchen aber keine speziellen Produkte. Inhalte und Gesetzmäßigkeiten sind, wie erwähnt, für alle Menschen dieselben. Das Finanzprodukt soll zur Lebenssituation passen, und die muss individuell analysiert werden.

Vor der Finanzberatung kommt die Bereitschaft des Kunden, sich damit zu befassen. Wie motiviert man denn Frauen gekonnt, mehr Blicke auf ihre Finanzen zu werfen?

Frauen müssen – wie gesagt – explizit angesprochen und in ihrer eigenen Lebensrealität abgeholt werden. Das geht zunächst über inhaltliche Schwerpunkte, beispielsweise mit Themen wie finanzielle Unabhängigkeit, Vorsorge für Kinder oder Nachhaltigkeit. Zudem sprechen wir die Frauen dort an, wo sie sich aufhalten: in der Schule oder Ausbildung, bei der Arbeit, aber auch bei Frauennetzwerken und anderen Einrichtungen, wo Frauen zusammenkommen. Dadurch senken wir die zeitlichen und finanziellen Hürden und bilden die Frauen präventiv, damit sie gar nicht erst in die Abhängigkeit rutschen.

Zudem verkaufen wir keine Finanzprodukte, sondern sind eine reine Bildungsplattform. Dadurch können sich die Frauen darauf verlassen, dass wir ihnen die beste Bildung bieten und keine eigenen Interessen verfolgen. Und unsere Workshops unter Gleichgesinnten führen dazu, dass die Teilnehmerinnen merken, dass sie nicht allein sind mit ihren Ängsten und ihren Schwierigkeiten beim Thema Finanzen.

Studien zeigen, dass Frauen erfolgreicher investieren als Männer – wobei sie weniger Geld anlegen. Darauf kann man doch aufbauen, oder?

Das macht definitiv Mut! Frauen sind die besseren Investorinnen. Leider investieren sie seltener als Männer. Ich finde, wir können uns jeweils etwas voneinander abschauen: Frauen tendieren dazu, gar nicht erst zu investieren. Wenn sie es aber wagen, dann sinnvoll, gut informiert und breit gestreut – mit wenig Risiko und Emotion. Das Problem dabei ist: Manchmal kann man nicht alles vorausplanen, sondern muss einfach springen.

Männer hingegen springen. Allerdings manchmal ins eiskalte Wasser, und das kommt ihnen nicht immer zugute. Sie könnten sich also die Ruhe und Geduld der Frauen abschauen und weniger risikoreich investieren.

Welche Investmentvehikel empfehlen Sie denn?

Wir wollen nicht empfehlen, sondern über Vor- und Nachteile von Anlageklassen aufklären und Frauen dazu ermächtigen, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. Unser inhaltlicher Schwerpunkt liegt aber auf nachhaltigen ETFs. Sie sind einfach, unaufwendig, praktisch und risikoarm – perfekt für Einsteigerinnen.

Und wie wird das Thema Frauen und Geldanlage in der Investmentbranche behandelt?

Female Finance ist schon längst keine kleine Branche mehr. Es gibt z. B. Themenfonds zu Gleichberechtigung; dabei wird in Unternehmen investiert, die viele Frauen in Führungspositionen haben. Allerdings kann man hier auch schnell Pinkwashing zum Opfer fallen: Produkte werden teurer verkauft oder sind schlechter, weil sie sich an Frauen richten. Mittlerweile gibt es aber auch viele hervorragende Mitstreiterinnen. Ich freue mich darüber sehr, da wir so mehr Menschen erreichen können! Trotzdem gibt es Verbesserungs­bedarf: Erst kürzlich hat Finanzminister Christian Lindner Finfluencer zum gemeinsamen Gespräch gebeten. Die Frauen musste man mit der Lupe suchen. Es gibt noch viel zu tun!

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 09/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Claudia Müller, Female Finance Forum

 
Ein Interview mit
Claudia Müller