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„Dreifache Machtprobe“: Damit können Anleger bis 2028 rechnen

Der Vermögensverwalter Robeco hat seinen jährlichen Fünfjahresausblick „Expected Returns“ für den Zeitraum von 2024 bis 2028 veröffentlicht. In dem Report untersuchen Experten, was Investoren erwarten können und geben Einblick in gesamtwirtschaftliche Prognosen.

„Dreifache Machtprobe“ lautet der Titel des Fünfjahresausblicks des in Rotterdam sitzenden Vermögensverwalters Robeco. Dieser veröffentlicht jährlich seinen Report „Expected Returns“, in dem Experten des Unternehmens das wirtschaftliche Umfeld in den nächsten fünf Jahren prognostizieren – insbesondere mit Blick auf Geldanlage und was Investoren erwarten können.

Die „dreifache Machtprobe“ steht für eine „starke Machtdynamik“, die die Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren prägen wird, so Robeco. Dabei finden auf drei Ebenen Machtkämpfe statt: zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Steuer- und Geldpolitik sowie zwischen den USA und China.

Kapital vs. Arbeit

In den letzten Jahrzehnten haben die Unternehmen rekordhohe Gewinne erwirtschaftet, während der Anteil des Produktionsfaktors Arbeit an der Wirtschaftsleistung zurückgegangen ist. Der zunehmende Trend zur Rückverlagerung von Produktion und Betrieben ins Inland könnte die Unternehmensgewinne angesichts der gestärkten Verhandlungsposition der Arbeitnehmer jedoch vor Herausforderungen stellen, meldet Robeco. Eine erneute Fokussierung der Regierungen auf höhere Einnahmen aus Unternehmenssteuern könnte das Gleichgewicht wieder in Richtung Arbeit verschieben.

Fiskal- vs. Geldpolitik

Während der Pandemie wurde die Wirtschaft vor allem mit fiskalischen statt geldpolitischen Maßnahmen gestützt. Doch bergen staatliche Konjunkturprogramme das Risiko, die Inflation weiter anzufachen, während starke Zentralbanken die Auswirkungen abmildern. Regierungen, die ihren Fokus von haushaltspolitischer Vorsicht auf wachsende Investitionen in die Bereiche Sicherheit und Klima verlagern, könnten für zusätzliche Inflation sorgen. Indessen könnten sich die Zentralbanken weigern, eine übermäßig ausgabenfreudige Regierung mit einer Politik des lockeren Geldes zu unterstützen, solange die Inflation über der Zielmarke liegt.

USA vs. China

Der Kampf um die technologische Vorherrschaft zwischen den USA und China mache laut Robeco mehr als deutlich, dass wir uns in Richtung einer multipolaren Weltordnung bewegen. Die Friedensdividende scheint aufgezehrt, während zunehmende Handelsspannungen auf das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts drücken könnten. Westliche Regierungen könnten darauf mit stärkerer Regulierung, höheren Militärausgaben und weniger „Laissez-faire-Wirtschaft“ reagieren, um den Status quo aufrechtzuerhalten.

Wenn diese Machtkämpfe gemeistert werden können, dann erwartet Robeco einen wirtschaftlichen Stillstand mit einer leichten Rezession im Jahr 2024 und einer sich stabilisierenden Inflation bei durchschnittlich etwa 2,5% bis 2029. In einem optimistischen Szenario könnte eine schnelle und breit angelegte Einführung von künstlicher Intelligenz enorme technologische Fortschritte in Gang setzen, die einen inflationsdämpfenden Angebotsschock für die Weltwirtschaft auslösen könnten. In einem pessimistischen Szenario hingegen könnte das Misstrauen zwischen den Supermächten das Wachstum ausbremsen und Stagflation zur Folge haben.

Diese Renditen erwartet Robeco

Die großen Gewinner bei den Renditeerwartungen 2024 bis 2028 sind für Robeco eindeutig die Aktien aus Schwellenländern. Hier rechnet das Unternehmen bei Euro-Anlagen mit 7,25% (US-Dollar: 8,25%). Aktien aus entwickelten Ländern liegen auf Platz 2 mit 5,75% (US-Dollar: 6,75%). Immobilienaktien (REITs) liegen mit 5,50% ebenfalls gut.

Auf demselben Niveau liegen globale Hochzinsanleihen (Euro), gefolgt von Staatsanleihen aus Schwellenländern (4,75%). Einen großen Sprung machen außerdem die Euro-Staatsanleihen. Hier rechnet Robeco mit einer Rendite von 2,5%, wodurch immerhin die durchschnittliche Inflation von 2,5% ausgeglichen wird. (mki)

Weitere Informationen zum „Expected Returns“-Report von Robeco gibt es hier.

Bild: © natali_mis – stock.adobe.com

 

„Das Wort AltersvorFREUDE weckt Neugierde und Begeisterung“

Frauen interessieren sich für Nachhaltigkeit, sie sind Studien zufolge die besseren Investorinnen und fürchten sich vor einer realistisch drohenden Altersarmut. Warum sorgen Frauen seltener vor und wie kann man ihnen die Geldanlage schmackhaft machen?

Interview mit Claudia Müller, Expertin für nachhaltige Geldanlage und Gründerin von Female Finance Forum
Frau Müller, Ihre Themen sind Female Finance und Nachhaltigkeit. Sind die beiden Themen für Sie verflochten?

Ja, unbedingt. Geschlechtergleichheit ist das Nachhaltigkeitsziel 5 der Vereinten Nationen. Wir sehen auch, dass Frauen sich stark für Nachhaltigkeit in der Geldanlage interessieren. Mich persönlich motiviert Gerechtigkeit: Geschlechtergerechtigkeit – Female Finance – ebenso wie Generationengerechtigkeit, also ökologische Nachhaltigkeit.

Wichtig ist Ihnen die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Auf welche Fragen stoßen Sie da?

Viele Frauen kommen mit einer diffusen Angst vor Altersarmut zu uns. Leider berechtigt! Wir helfen also, diese Angst zu nehmen und einen konkreten Handlungsplan zu entwickeln. Außerdem gibt es einige Irrtümer, die sich hartnäckig halten, z. B. „Investieren ist nur für Reiche“, „Zum Investieren braucht man viel Zeit und Wissen“ und „Finanzen sind Männersache“. Viele Frauen scheuen sich, ihre Fragen zu stellen. Deshalb bieten wir einen geschützten Rahmen, in dem Frauen sich austauschen und voneinander lernen können.

Auf femalefinanceforum.de werden Sie zitiert: „AltersvorFREUDE statt AltersvorSORGE“. Was steckt denn dahinter?

Altersvorsorge klingt so negativ, nach Sorge eben. Dabei ist positive Sprache enorm wichtig, denn sie prägt unsere Gefühle, unser Denken und somit unser Verhalten. Vor der Altersvorsorge schrecken viele Frauen zurück, weil sie den Blick auf ihre Renteninformation scheuen – und das leider zu Recht, denn Frauen sind deutlich häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Das Wort AltersvorFREUDE aber weckt Neugierde, Begeisterung und Vorfreude. Es suggeriert auch, dass wir Gestaltungsmöglichkeit haben. Damit lösen wir die Altersvorsorge auf und transformieren sie in Altersvorfreude.

Reformideen für die Altersvorsorge gibt es viele, für den Gender Pension Gap auch. Die Diskussion um Eltern­geld und Ehegattensplittung wurde im Sommer hart geführt. Welche positiven Signale wünschen Sie sich vom Gesetzgeber?

Ich wünsche mir eine echte soziale Verbesserung unseres Sozial- und Vorsorgesystems: eine Rente, die mehr als die Grundsicherung abdeckt, eine Familienunterstützung, die zuerst die finanziell schwächeren Familien unterstützt und außerdem Care-Arbeit wertschätzt, ein Steuersystem, das Familien mit Kindern unterstützt. Eine Regierung, die sich selbst als Fortschrittsregierung bezeichnet, sollte in Kinder und Familien investieren, denn sie sind die Zukunft. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch eine Veränderung des Finanzsystems: Eine Abschaffung des Provisionsvertriebs und ein klarer Fokus auf Nachhaltigkeit sind zwei Aspekte, die veränderungswert sind. Und ich wünsche mir flächendeckende Finanzbildung an allen Schulformen.

Sehen Sie in neuen Arbeitsformen auch Impulse für ansprechendere Karrierewege für Frauen?

Auf jeden Fall! Ich sehe es sogar in meinem eigenen Unternehmen. Alle Teammitglieder arbeiten von unterschiedlichen Orten im In- und Ausland und haben flexible Arbeitszeiten. So ermögliche ich es meinen Mitarbeiterinnen, die Erwerbsarbeit mit ihrem individuellen Lebensentwurf zu vereinbaren. Frauen übernehmen in unserer Gesellschaft immer noch häufiger unbezahlte Care-Arbeit und können durch New-Work-Konzepte besser einer bezahlten Arbeit nachgehen. Natürlich löst das nicht das gravierende Problem der unbezahlten Care-Arbeit. Es ermöglicht aber eine Erwerbstätigkeit für Personen, die dem Arbeitsmarkt bisher nicht oder nur begrenzt zur Verfügung standen.

Es ist aber auch eine Herausforderung: Teamgefühl und Motivation können im Online-Alltag schon mal verloren gehen, und Flexibilität funktioniert nur mit hervorragender Kommunikation und Zuverlässigkeit. Ich versuche, dies abzufedern, beispielsweise durch regelmäßige Teamtreffen.

Glauben Sie denn, dass Frauen eine spezielle Frauen-Finanzberatung benötigen?

Inhaltlich nein. Es gelten dieselben Regeln und Gesetzmäßigkeiten beim Investieren für Männer und Frauen. Bei der Ansprache und der Umsetzung jedoch ein eindeutiges Ja! Es ist erwiesen, dass Mädchen und Frauen in einem rein weiblichen Umfeld besser lernen und eher Fragen stellen, wenn sie unter sich sind. Zudem ist der Finanzsektor in erster Linie von Männern für Männer konzipiert: Frauen fühlen sich nicht angesprochen oder sogar eingeschüchtert. Und das leider zu Recht: Frauen bekommen strukturell schlechtere und teurere Finanzprodukte verkauft als Männer. Dem wirken wir entgegen, indem wir explizit Frauen ansprechen und als weibliche Vorbilder im Finanzbereich fungieren. Frauen brauchen aber keine speziellen Produkte. Inhalte und Gesetzmäßigkeiten sind, wie erwähnt, für alle Menschen dieselben. Das Finanzprodukt soll zur Lebenssituation passen, und die muss individuell analysiert werden.

Vor der Finanzberatung kommt die Bereitschaft des Kunden, sich damit zu befassen. Wie motiviert man denn Frauen gekonnt, mehr Blicke auf ihre Finanzen zu werfen?

Frauen müssen – wie gesagt – explizit angesprochen und in ihrer eigenen Lebensrealität abgeholt werden. Das geht zunächst über inhaltliche Schwerpunkte, beispielsweise mit Themen wie finanzielle Unabhängigkeit, Vorsorge für Kinder oder Nachhaltigkeit. Zudem sprechen wir die Frauen dort an, wo sie sich aufhalten: in der Schule oder Ausbildung, bei der Arbeit, aber auch bei Frauennetzwerken und anderen Einrichtungen, wo Frauen zusammenkommen. Dadurch senken wir die zeitlichen und finanziellen Hürden und bilden die Frauen präventiv, damit sie gar nicht erst in die Abhängigkeit rutschen.

Zudem verkaufen wir keine Finanzprodukte, sondern sind eine reine Bildungsplattform. Dadurch können sich die Frauen darauf verlassen, dass wir ihnen die beste Bildung bieten und keine eigenen Interessen verfolgen. Und unsere Workshops unter Gleichgesinnten führen dazu, dass die Teilnehmerinnen merken, dass sie nicht allein sind mit ihren Ängsten und ihren Schwierigkeiten beim Thema Finanzen.

Studien zeigen, dass Frauen erfolgreicher investieren als Männer – wobei sie weniger Geld anlegen. Darauf kann man doch aufbauen, oder?

Das macht definitiv Mut! Frauen sind die besseren Investorinnen. Leider investieren sie seltener als Männer. Ich finde, wir können uns jeweils etwas voneinander abschauen: Frauen tendieren dazu, gar nicht erst zu investieren. Wenn sie es aber wagen, dann sinnvoll, gut informiert und breit gestreut – mit wenig Risiko und Emotion. Das Problem dabei ist: Manchmal kann man nicht alles vorausplanen, sondern muss einfach springen.

Männer hingegen springen. Allerdings manchmal ins eiskalte Wasser, und das kommt ihnen nicht immer zugute. Sie könnten sich also die Ruhe und Geduld der Frauen abschauen und weniger risikoreich investieren.

Welche Investmentvehikel empfehlen Sie denn?

Wir wollen nicht empfehlen, sondern über Vor- und Nachteile von Anlageklassen aufklären und Frauen dazu ermächtigen, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. Unser inhaltlicher Schwerpunkt liegt aber auf nachhaltigen ETFs. Sie sind einfach, unaufwendig, praktisch und risikoarm – perfekt für Einsteigerinnen.

Und wie wird das Thema Frauen und Geldanlage in der Investmentbranche behandelt?

Female Finance ist schon längst keine kleine Branche mehr. Es gibt z. B. Themenfonds zu Gleichberechtigung; dabei wird in Unternehmen investiert, die viele Frauen in Führungspositionen haben. Allerdings kann man hier auch schnell Pinkwashing zum Opfer fallen: Produkte werden teurer verkauft oder sind schlechter, weil sie sich an Frauen richten. Mittlerweile gibt es aber auch viele hervorragende Mitstreiterinnen. Ich freue mich darüber sehr, da wir so mehr Menschen erreichen können! Trotzdem gibt es Verbesserungs­bedarf: Erst kürzlich hat Finanzminister Christian Lindner Finfluencer zum gemeinsamen Gespräch gebeten. Die Frauen musste man mit der Lupe suchen. Es gibt noch viel zu tun!

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 09/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Claudia Müller, Female Finance Forum

 
Ein Interview mit
Claudia Müller

Metzler AM begibt als erster Kryptofondsanteile in Deutschland

Novum in der Bundesrepublik: Metzler Asset Management, der Investmentteil der Privatbank Metzler, gibt als erster tokenisierte Fondsanteile aus. Diese Kryptofondsanteile erfolgen im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Polygon-Blockchain.

Die Metzler Asset Management GmbH hat die ersten Kryptofondsanteile in Deutschland begeben, wie das Unternehmen in einer Mitteilung bekannt gibt. Kryptofondsanteile sind elektronische Anteilscheine an Investmentfonds, die mithilfe der Blockchain-Technologie tokenisiert werden. Die Emission der Anteile hat Metzler AM im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Polygon-Blockchain durchgeführt – nach Maßgabe des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB), des Gesetzes über elektronische Wertpapiere (eWpG) und der Verordnung über Kryptofondsanteile (KryptoFAV) und erfordert die Eintragung in ein Kryptowertpapierregister.

Neue Anteilklasse

Für die Ausgabe der Anteile wurde eine neue Anteilklasse des Publikumsfonds „Metzler Global Growth Sustainability“ begeben, die öffentlich nicht investierbar ist. Diese Anteilklasse trägt den Zusatz „Digital Asset – DA“ und stellt ein Novum in der Asset-Management-Industrie dar, so Metzler AM. Erstmalig würden Fondsanteile mittels Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in digitale Token überführt. Der jeweilige Token repräsentiere den Besitz des Fondsanteils und ermögliche es, diesen einfach und nahezu in Echtzeit zu handeln, zu übertragen und zu verwalten.

Im Rahmen des Live-Tests werden verschiedene Transaktionstypen und -volumina ausgeführt und abgewickelt. Das Bankhaus Metzler fungiert zum Start als Investor. Die Metzler Asset Management GmbH agiert derweil als Kapitalverwaltungsgesellschaft, das Bankhaus Metzler übernimmt die Verwahrstellenfunktion. Cashlink und fundsonchain wickeln die Transaktion innerhalb ihrer strategischen Partnerschaft ab und agieren gemeinsam für die Metzler Asset Management GmbH als regulierter One-Stop-Shop. Der Plattformanbieter fundsonchain übernimmt die technologische Ende-zu-Ende-Abwicklung der tokenisierten Fondsanteile und Cashlink fungiert als Kryptowertpapierregisterführer. Planung und Durchführung des Projekts werden vom Digital Assets Office (DAO) des Bankhauses Metzler begleitet.

Die Digitalisierung des Fondsgeschäfts spielt für Metzler wohl eine tragende Rolle. Das Traditionsunternehmen verfügt über das „Digital Assets Office“ (DAO), eine bereichsübergreifende Einheit der Metzler-Gruppe, die sich mit elektronischen Wertpapieren und der Blockchain-Technologie befasst. Mario Mattera, Vorstandsmitglied bei Metzler, sagt in der Mitteilung: „Wir haben die Blockchain als strategisches Zukunftsthema identifiziert und wollen unseren Kunden langfristig Zugang zu Blockchain-Lösungen geben. Dieses Pilotprojekt ist dazu ein bedeutender Schritt.“ (mki)

Bild: © ImageFlow – stock.adobe.com

 

BVI: Wie lange reicht das Ersparte für eine Zusatzrente?

Der Fondsverband BVI stellt auf seiner Website einen Entnahme-Rechner, mit dem errechnet werden kann, wie lange Rentner ihr Erspartes für eine Zusatzrente nutzen können. Dabei können auch unterschiedliche Anlagestrategien durchgespielt werden.

Rentner können durch einen Fonds-Auszahlplan ihre regelmäßigen Einnahmen im Ruhestand erhöhen. Laut der Aktion „Finanzwissen für alle“ der im BVI organisierten Fondsgesellschaften sei das Verlustrisiko bei guter Planung sehr gering. Um besser zu planen, stellt der Fondsverband BVI einen Entnahme-Rechner, der anhand historischer Renditen simuliert, wie sich das Vermögen entwickeln kann.

Wenn ein Anleger beispielsweise bei Rentenbeginn 120.000 Euro angespart hat und er sich monatlich 500 Euro auszahlen lassen möchte, dann wird das Ersparte voraussichtlich für 20 Jahre (240 Raten á 500 Euro) reichen – vorausgesetzt, er investiert das Ersparte in Tages- oder Festgeld, sodass nach Kosten die Inflation ausgeglichen wird. Nach den 20 Jahren wäre das Kapital verzehrt.

Unterschiedliche Anlagestrategien

Mit dem Entnahme-Rechner kann der Sparer unterschiedliche Anlagestrategien durchspielen. So erhöhen sich durch einen höheren Aktienanteil die Renditechancen, aber auch die Wertschwankungen. Wenn der Sparer seine 120.000 Euro jeweils zur Hälfte in global anlegende Aktienfonds und die andere Hälfte in global investierende Rentenfonds investiert, reicht das Kapital in 96% der Fälle ebenfalls 20 Jahre lang für monatliche Auszahlungen von 500 Euro, so der BVI.

Durch das leicht erhöhte Risiko steigen die Ertragschancen deutlich. Bei üblichen renditen ergibt sich nach 20 Jahren ein Restvermögen von rund 95.000 Euro. Die Berechnungen basieren auf jährlichen Kosten der Aktien- und Rentenfonds von im Schnitt 1,2% und einem Steuersatz auf Kapitalerträge von 25%. Sämtliche Werte sind inflationsbereinigt, das heißt in heutiger Kaufkraft berechnet. Damit ist der Wert der monatlichen Auszahlungen heute und in der Zukunft vergleichbar. (mki)

Zum Entnahme-Rechner des BVI geht es hier.

Bild: © Zerbor – stock.adobe.com

 

BlackRock bringt weitere iBonds-ETFs auf den Markt

Im August hat BlackRock vier iBonds-ETFs gestartet – die ersten ihrer Art in Europa. Jetzt erweitert der führende Vermögensverwalter die Produktpalette der Anleihen-ETFs mit fester Laufzeit um fünf weitere Produkte, die allesamt unter der iShares-Marke laufen.

Lange Zeit waren – zumindest in Europa – Anleihen mit einer festen Laufzeit nur über aktiv gemanagte Fonds oder direkt über Einzelkäufe erhältlich. Das ist seit einigen Wochen anders. Der US-Vermögensverwalter BlackRock hat seine iBonds-ETFs nach Deutschland gebracht (AssCompact berichtete: BlackRock bringt iBonds-ETFs nach Deutschland). Diese unterscheiden sich von klassischen Anleihen-ETFs darin, dass sie, wie Anleihen selbst, ebenfalls nach einer bestimmten Laufzeit fällig werden. Klassische Anleihen-ETFs verfügen über diesen fixen Zeitraum nicht, sondern investieren fortlaufend in neue Anleihen. Die iBonds-ETFs sollen es dem Anleger also ermöglichen, mit Anleihen ein diversifiziertes Portfolio mit fixem Enddatum aufzubauen – und bringen dabei die fortlaufende Handelbarkeit von ETFs mit sich.

BlackRock sieht hierbei anscheinend aufgrund der aktuellen Zinsverhältnisse, die Anleihen wieder attraktiv gemacht haben, einen Markt. Denn zusätzlich zu den vier iBonds-ETFs vom August bringt das Unternehmen nun fünf weitere Produkte auf den Markt. Insgesamt sind es nun neun iBonds-ETFs, die in Deutschland erhältlich sind. Die Endfälligkeiten liegen zwischen 2025 und 2028.

Neue iBonds-ETFs von BlackRock

Die fünf neuen iBonds-ETFs ermöglichen ein Exposure in Investment-Grade(IG)-Unternehmensanleihen aus verschiedenen Ländern in jedem ETF sowie in US-Staatsanleihen, so die BlackRock-Mitteilung. Sie bieten zwei definierte Fälligkeitstermine, im Dezember 2025 und Dezember 2027 für IG-Anleihen in US-Dollar und Euro. Dies gewähre den Anlegern Flexibilität bei Währungen, Laufzeiten und Ländern. Die iBonds-Palette umfasse weiterhin für IG-Unternehmensanleihen nun Fälligkeitstermine im Dezember 2025, 2026, 2027 und 2028.

Darüber hinaus haben Anleger jetzt die Option, über den iShares iBonds Dec 2025 Term $ Treasury UCITS ETF in US-Staatsanleihen zu investieren. Mit den fünf zusätzlichen Fonds der UCITS iBonds-Reihe können Anleger in ausgewählten europäischen Ländern außerdem nun skalierbare, diversifizierte Anleihe-Leiterstrategien (Bond Ladders) durch die ETFs mit fester Laufzeit verfolgen.

Laut der Mitteilung von BlackRock habe man in letzter Zeit eine hohe Nachfrage nach iBonds-ETFs wahrgenommen. In den USA startete das Unternehmen die ersten ihrer Art im Jahr 2010. 2022 waren 8,1 Mrd. US-Dollar, bis Ende Juli 2023 5,2 Mrd. US-Dollar in iBonds-ETFs geflossen. (mki)

Bild: © Funtap – stock.adobe.com

 

„Überzeugt, dass GenKI die größte Investmentchance der Dekade ist“

KI ist in der Gesellschaft angekommen – wenn nicht als Werkzeug, dann mindestens als Gesprächsthema. Die Investmentgesellschaft BIT Capital hat sich mit ihren Aktien- und Kryptofonds auf Anlagen in die „Tech-Gewinner von morgen“ spezialisiert. Geschäftsführer Marcel Oldenkott stellt das Unternehmen vor.

Interview mit Marcel Oldenkott, Geschäftsführer, Co-CIO und Fondsmanager des BIT Global Leaders bei BIT Capital
Herr Oldenkott, BIT Capital investiert in die „Tech-Gewinner von morgen“. Technologieunternehmen gibt es zuhauf. Wie identifizieren Sie die tatsächlich zukunftsträchtigen?

Die Auswahl erfolgt basierend auf unserem bewährten Investmentprozess, der klassische Fundamentalanalyse mit dem Know-how erfahrener Digitalunternehmer und einer tiefgreifenden Analyse alternativer Daten kombiniert. Hierzu haben wir ein sehr heterogenes Team aus Finanzmarktexperten, Digitalunternehmern, Dateningenieuren und Softwareentwicklern zusammengestellt, das in der Lage ist, jeden für das Geschäftsmodell unserer Portfoliounternehmen relevanten Bereich vollumfänglich zu verstehen. Dies versetzt uns in die Lage, die Technologieführer von morgen schneller und zielsicherer zu identifizieren, als dies mit einem klassischen Aktienauswahlprozess möglich wäre.

Ihr Unternehmen bietet auch Anlagen in Krypto-Assets an. Die digitalen Vermögenswerte gelten als sehr volatil. Wie kann man als Fondsanbieter so Rendite garantieren?

Ganz grundsätzlich möchte ich betonen, dass Renditen niemals garantiert werden können und Rendite und Risiko stets in einem Wirkungsverhältnis miteinander stehen. Besonders augenscheinlich wird dieses Verhältnis in der kurzfristigen Betrachtung. Berechnet man jedoch beispielsweise die Rendite eines Investments in Bitcoin über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren jeweils auf den Zeitpunkt des Jahresultimos, so lag diese in der Vergangenheit immer im positiven Bereich.

Im Hinblick auf die Volatilität haben die vergangenen zehn Jahre gezeigt, dass diese deutlich abgenommen hat. Tatsächlich erreichte die Volatilität der Asset-Klasse Krypto in diesem Jahr mehrere Wochen lang sogar ein Niveau, das unter dem der Aktienmärkte lag. Die Gründe dafür liegen unter anderem in einem gestiegenen Engagement institutioneller sowie grundsätzlich langfristig orientierter Investoren. Wir sind überzeugt, dass Krypto-Assets vor dem Hintergrund der kontinuierlich voranschreitenden technologischen Adoption und ihrer Korrelationseigenschaften ein sinnvoller Baustein in einem diversifizierten Portfolio sind.

Warum sollte sich auch ein Anlagenvermittler mit Krypto befassen?

Mit der zunehmenden Etablierung von Krypto sehen wir auch ein gesteigertes Interesse an der Asset-Klasse. Ungeachtet der Kursanstiege seit Beginn 2023 gibt es weiterhin viele Investoren mit hohen Kasse-Beständen, die noch nicht oder nicht ausreichend in Krypto investiert sind und auf Kaufgelegenheiten warten. Das bevorstehende Bitcoin Halving 2024 oder die Zulassung von Bitcoin-ETFs in den USA könnten als Katalysator für diese potenziellen Mittelzuflüsse dienen.

Anlagevermittler, die der steigenden Kundennachfrage mittels Beratungs-Know-how und entsprechenden Investmentlösungen Rechnung tragen, sichern sich einen entscheidenden Vorteil im Beratungsgespräch. Generell bietet die Auseinandersetzung mit Krypto-Lösungen Vermittlern die Chance, ihr Beratungsangebot zu erweitern, innovative Investmentprodukte anzubieten und sich auf die dynamischen Veränderungen in der Finanzlandschaft vorzubereiten.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Vermittlergeschäft allgemein?

Insgesamt ist es uns bei BIT Capital gelungen, über die Jahre eine sehr breite Kundenbasis aufzubauen, in welcher der Bereich Wholesale eine wichtige Rolle spielt. Wir freuen uns über eine lebendige Kooperation mit Banken und Vermittlern und auch darüber, dass erste Versicherer unsere Expertise in ihre Unit-Linked-Produkte integriert haben. Wir pflegen zudem Beziehungen zu den Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen – am stärksten vertreten sind wir jedoch im Bereich der Vermittler und Vermögensverwalter. Um hier unsere Zusammenarbeit weiter zu stärken und unsere Betreuung zu intensivieren, haben wir das Wholesale-Team unter der Führung von Susanne Scarpinati konsequent erweitert.

Wir streben zudem an, als führender Anbieter von aktiv gemanagten Technologieinvestments eine feste Größe in den Kundengesprächen unserer Vermittler zu werden. Es ist uns an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass wir das beratungsintensive Endkundengeschäft bewusst in die Hände unserer Vertriebspartner und Multiplikatoren legen. So wollen wir in den kommenden Jahren gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern weiterwachsen.

Spätestens seit diesem Jahr ist Generative KI in der Gesellschaft ein Riesenthema. Wie wird sie die Investmentwelt verändern?

Als technologiefokussierter Asset-Manager verfolgen wir die Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz seit geraumer Zeit. Wir sind überzeugt, dass GenKI eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien und die größte Investmentchance der kommenden Dekade ist. Funktionen neu entwickelter KI-Tools werden die Prozesse in nahezu jeder Industrie in Frage stellen und die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten und sich im Wettbewerb behaupten, grundlegend neu ordnen.

Obwohl die kommerzielle Integration von GenKI noch in den Kinderschuhen steckt, ist ihre transformative Kraft bereits unverkennbar. Die Analysen in unserem aktuellen Whitepaper „Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Die größte Investmentchance der kommenden Dekade“ machen deutlich, wie Unternehmen durch eine strategische und umfassende Implementierung von GenKI Wettbewerbsvorteile erzielen können. Investoren sind daher gut beraten, die potenziellen Wettbewerbsverschiebungen in verschiedenen Branchen sorgfältig zu beobachten und sich frühzeitig zu positionieren.

Ganz konkret: Welche Anlagechancen ergeben sich speziell aus Generativer KI?

Noch gibt es auf dem Aktienmarkt wenige „Pure Plays“ in Bezug auf künstliche Intelligenz. Doch aus dem Technologiesprung der Generativen Künstlichen Intelligenz ergeben sich Chancen für Profiteure aus verschiedenen Unternehmensgruppen. Zu diesen zählen insbesondere Infrastrukturanbieter, etwa aus den Bereichen Cloud und Hardware, welche die notwendige Rechenleistung sowie Tools bereitstellen, um Modelle Generativer KI zu trainieren und anzuwenden. Darüber hinaus profitieren vertikale Anwender, beispielsweise Plattformunternehmen wie Microsoft, Google oder Adobe, die künstliche Intelligenz in ihre bestehende Software integrieren.

Benutzen Sie selbst KI im Unternehmen?

Ja, auf jeden Fall. Die Anwendung von Techniken des maschinellen Lernens auf numerische Daten ist schon lange Teil des Investmentprozesses bei BIT Capital. Wir werten auf diese Weise sowohl klassische Marktdaten als auch alternative Daten aus. Large Language Models setzen wir seit einiger Zeit ebenfalls ein. Diese helfen uns, nicht-numerische Daten wie Texte schneller auszuwerten und entsprechende Rückschlüsse in Bezug auf unsere Portfoliounternehmen zu ziehen.

Bild: © BIT Capital

 
Ein Interview mit
Marcel Oldenkott

Aktive ETFs verbuchen deutliches Wachstum

Der Markt für Fonds, die aktives Management in einem ETF-Mantel anbieten, wächst stark, so eine neue Untersuchung des Analysehauses Scope Fund Analysis. In den letzten zwölf Monaten ist das verwaltete Vermögen um stolze 45% gestiegen.

Scope hat eine umfangreiche Studie zum Thema aktive ETFs angefertigt. Die aktiven Ableger der klassischerweise passiv gemanagten, börsengehandelten Fonds versuchen, die Vorteile von ETFs und aktiven Fonds zu vereinen, indem sie sich zwar an einer Benchmark orientieren, ein Portfoliomanager die Allokation jedoch an die Marktverhältnisse anpassen kann. Die niedrigen Kosten und die Transparenz sowie die fortlaufende Handelbarkeit, die als große Vorteile von ETFs gelten, sollen dabei erhalten bleiben.

In Deutschland sind aktive ETFs noch vergleichsweise wenig bekannt. Doch sie gewinnen laut der Scope Analyse an Zulauf. Das Analysehaus hat insgesamt 62 einschlägige Produkte untersucht, davon 37 für Aktien und 25 für Anleihen. Dabei handelt es sich um alle in Deutschland verfügbaren aktiven ETFs. Zwölf Asset-Manager sind in diesem Segment aktiv – sowohl etablierte Anbieter aktiv gemanagter Fonds wie PIMCO, Fidelity oder J.P. Morgan als auch reine ETF-Häuser wie Ossiam, VanEck oder First Trust. Seit der Scope-Untersuchung 2022 sind mit abrdn und AXA zwei Gesellschaften hinzugekommen.

Deutlicher Anstieg bei aktiven ETFs

Zunächst lässt sich festhalten, dass laut Scope das verwaltete Vermögen im Vergleich zur letzten Analyse im Juli 2022 deutlich gestiegen ist – von rund 18 Mrd. Euro auf rund 26 Mrd. Euro. Die Anzahl der aktiven ETFs lag letztes Jahr noch bei 50. Die meisten werden dabei von J.P. Morgan (17) und Fidelity (13) gestellt. Auf Platz 3 folgt die französische Gesellschaft Ossiam mit neun Produkten. Gemessen am verwalteten Vermögen liegt J.P. Morgan mit 32% des in aktiven ETFs allokierten Kapitals deutlich vorne. Auf Platz 2 liegt PIMCO mit 21%, dritter ist Ossiam mit 19%. Fidelity liegt auf Rang 4 mit 17%. Alle übrigen Anbieter haben der Untersuchung zufolge Marktanteile von weniger als 5%, vier davon sogar von weniger als 0,5%.

J.P. Morgen und Ossiam konnten ihre Präsenz in diesem Marktsegment deutlich ausbauen. Ossiam stellt mit dem „Shifter Barclays CAPE US Sector Value“ auch den größten aktiven ETF nach verwaltetem Vermögen (etwa 3 Mrd. Euro) PIMCO dagegen musste Abflüsse in Milliardenhöhe hinnehmen und verlor dadurch den Spitzenplatz aus dem Vorjahr. Fidelity konnte seinen Marktanteil weitgehend behaupten.

Darin investieren aktive ETFs

Die meisten aktiven ETFs finden Anleger in den Peergroups Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt, Aktien Nordamerika und Aktien Welt. Beim verwalteten Vermögen liegt die Peergroup Aktien Nordamerika mit 7,9 Mrd. Euro vorn, die sich auf sechs Produkte verteilen. Scope zufolge liege dies an den sehr guten Ergebnissen einiger Produkte, denen eine Outperformance gelungen ist, und die daher von den Anlegern mit Mittelzuflüssen belohnt werden. Renditetechnisch schlagen sich abgesehen davon auch Dividenden-ETFs sehr gut. Auf der Anleihenseite zeigen vor allem die Peergroups aus dem Kurzläufer-Bereich (Euro bzw. US-Dollar) ansehnliche Ergebnisse gegenüber Benchmark und Vergleichsgruppe.

Die Zukunft der aktiven ETFs

Dass sich aktive ETFs bislang nicht in der Breite durchsetzen konnten, hat nach Ansicht von Scope vor allem zwei Gründe. Zum einen fehle es bei vielen Produkten noch an einer ausreichenden Historie (26 von 62 analysierten Fonds sind weniger als drei Jahre alt). Dadurch könne man die Leistung schwerer beurteilen. Zum anderen seien die aktiven ETFs aufgrund fehlender Bestandsprovision und geringer Gebühren für Fondsgesellschaften und Finanzberater weniger lukrativ und geben daher wenig Anreiz, vertrieben zu werden. Nach Vorliegen einer Historie von mindestens drei, besser fünf Jahren allerdings könnten aktive ETFs künftig insbesondere für institutionelle Kunden und private Selbstentscheider sehr interessant werden, so Scope. (mki)

Weitere Informationen zu der Scope-Studie gibt es hier.

Bild: © AD – stock.adobe.com

 

Das Fondsspardepot im Mittelpunkt der Riester-Reform

Die mit dem Fondsspardepot verbundene Abschaffung von Renten- und Beitragsgarantie kann als größte Leistung des Riester-Reformvorschlags bezeichnet werden. Das Gesetz könnte als einer der bedeutendsten Reformerfolge seit Riester in die Geschichte eingehen, findet Franklin Templetons Martin Stenger.

<h5>Ein Artikel von Martin Stenger, Director Sales, Business Development Insurance – Germany, Austria & Switzerland bei Franklin Templeton</h5><p>Als Sozialminister Walter Riester im Jahr 2000 die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung auf den Weg gebracht hatte, lag der Leitzins bei 4,5% und der Höchstrechnungszins der Lebensversicherung bei 4%. Seitdem wurde über 20 Jahre lang nichts mehr am Rentenkonzept geändert, und das, obwohl die Zinsen seitdem auf eine beispiellose Talfahrt geschickt worden waren. Auch die aktuelle inflationsgegensteuernde Zinspolitik der Zentralbanken wird am Niedrigzinsszenario auf lange Sicht nichts ändern, das in Teilen auch mit der demografischen Grundstruktur begründet wird: Die Babyboomer gehen in Rente, das umlagefinanzierte System wird auch durch verstärkte Zuwanderung nicht aufrechterhalten werden können. Eine Alterung der Gesellschaft geht fast immer mit deflationären Tendenzen einher. </p><h5>Keine Garantien mehr</h5><p>Das deutsche Rentensystem liegt am Boden: Nach Angaben der OECD beträgt das Deckungskapital von betrieblicher und privater Altersvorsorge nur 8% des deutschen Sozialprodukts und liegt damit weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Die Anzahl der Riester-Verträge ist seit 2018 sogar rückläufig. Vorsorgesparer haben aktuell nicht nur das Problem, dass ihre Ersparnisse zu geringe Zinserträge abwerfen, um im Alter den Lebensstandard zu halten: Es geht auch zu viel durch Kostenbelastung verloren, wie sie etwa durch die Renten- und die Beitragsgarantie erzeugt wird. </p><p>Die Abschaffung dieser beiden Garantien, die sich positiv auf die Rendite auswirken wird, kann daher als größte Leistung der Riester-­Reform bezeichnet werden, wie sie durch den Abschlussbericht der Fokusgruppe Mitte Juli an das Kabinett übergeben worden ist. So heißt es in der Begründung der Fokusgruppe: „Gerade bei einem langen Vorsorgezeitraum bergen Garantien den Nachteil, dass sie Anbieter vorrangig zu einer sicherheitsorientierten Anlage verpflichten und dadurch geringere Renditechancen bieten.“ Künftig werden Vorsorgesparer vor Beginn der Auszahlungsphase innerhalb eines Spielraums flexibel über ihr Vorsorgevermögen entscheiden können. Das Langlebigkeitsrisiko soll dann nicht mehr über eine verpflichtende Leibrente, sondern etwa über die Möglichkeit von separaten Versicherungslösungen abgedeckt werden können. Dies liefert dem Verbraucher eine höhere Flexibilität, z. B. bei der Finanzierung von Heilbehandlungsmethoden, dem Erwerb von Immobilien oder der Finanzierung von altersgerechten Umbaumaßnahmen. Den unterschiedlichen Lebensverläufen wird so künftig besser Rechnung getragen. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Größter Reformerfolg seit Riester--><h5>Größter Reformerfolg seit Riester</h5><p>Wenn das Kabinett nach der Sommerpause dazu das Gesetz beschließen wird, haben wir hier nicht nur den größten Reformerfolg seit Riester zu verzeichnen, sondern erleben wahrscheinlich auch einen der bedeutendsten Erfolge der an positiven Nachrichten zuletzt nicht gerade gesegneten Ampelregierung. </p><p>Von Bismarck ist das Bonmot überliefert: „Wer weiß, wie Gesetze und Würste gemacht werden, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen.“ Einblicke in eine Wurst­fabrik mögen noch heute Schlafstörungen verursachen, das neue Gesetz zur Einführung von Fondsspardepots als Bestandteil der privaten Altersvorsorge wird dies ganz sicher nicht. Ein Blick in den Abschlussbericht räumt vor allem mit der Mär auf, Versicherungsgesetze würden von der Lobby der Versicherungswirtschaft gestrickt. Im Gegenteil: Die Vorstellungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden Versicherer dazu zwingen, den Allfinanzgedanken wieder in den Fokus zu rücken und über grundlegend neue Konzepte nachzudenken wie etwa die Einbeziehung von hochrentierlichen, aber illiquiden alternativen Investments in Versicherungslösungen sowie Anlageformen etwa aus den boomenden Bereichen Energie und Infrastruktur, die bislang nur großen institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Das Gesetz wird also auch dringend notwendige Reformen auf der Anlage­seite befeuern und damit neuen Industrien den Weg ebnen.</p><h5>Breite Zustimmung </h5><p>Zwar trägt der Bundesverband Investment und Asset Management e. V. (BVI) den Abschluss­bericht zu großen Teilen mit, dennoch kann man hier nicht von einer ausschließlichen Vollstreckung von BVI-Interessen sprechen, da sich der Konsens über viele Verbände und Parteien erstreckt, die an der Fokusgruppe mitgewirkt haben: allen voran die drei Parteien der Ampelkoalition selbst, die mit ihren Staatssekretären aktiv mitgearbeitet haben, aber auch Vertreter der Wissenschaft, z. B. Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen von der Universität Mannheim und ZEW, Prof. Dr. Oskar Goecke von der TH Köln oder Prof. Dr. Marlene Haupt von der Hochschule Ravensburg-Weingarten, um nur einige zu nennen. Auch Vertreter der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeiteten in der Fokusgruppe mit. Die wissenschaftliche Fundierung ist notwendig, um technische Nachbesserungen im Nachgang möglichst gering zu halten. Schließlich soll das Gesetz dazu führen, dass sich die private Altersvorsorge eines Großteils der Deutschen spürbar verbessert.</p><p>Als Blaupause des dem Kabinett vorgestellten Fondssparplans kann dabei durchaus das als 401K bezeichnete kapitalgedeckte Altersvorsorgemodell in den USA gelten, das immerhin zwei Drittel der US-Haushalte in Anspruch nehmen und aktuell einen Betrag von 41 Bio. US-Dollar verwaltet. Bereits die Riester-Reform konnte vor mehr als 20 Jahren mit einer Abdeckung von heute 54% einen beachtlichen Durchdringungsgrad erzielen. Ein derartiges Erfolgskonzept wie das 401K-­Depot in den USA kann nun als sehr gute Blaupause für Deutschland dienen und lässt einen optimistischen Ausblick für die heimische Altersvorsorge zu. Vor allem erlaubt es endlich eine bessere Vorsorge auch für mittlere und untere Einkommen.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 09/2023 und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Ralf Geithe – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/68325CF8-190A-4BE3-8E63-EB217F00D013"></div>

 
Ein Artikel von
Martin Stenger

Verwaltetes Vermögen nachhaltiger Fonds steigt

Der Fondsverband BVI hat neue Zahlen zum verwalteten Vermögen nachhaltiger Fonds in Deutschland veröffentlicht. Dieses ist im zweiten Quartal 2023 gestiegen und liegt jetzt bei über 800 Mrd. Euro. Deutsche Unternehmen stehen bei der Nachhaltigkeitsbewertung außerdem sehr gut da.

Im aktuellen BVI Fokus, der sich auf Nachhaltigkeit konzentriert, legt der Fondsverband die derzeitige Volumenentwicklung bei Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen dar. Zur Jahresmitte 2023 lag das verwaltete Vermögen demnach bei 849 Mrd. Euro, was einer Steigerung von 3,4% gegenüber Ende März entspricht. Davon entfielen 668 Mrd. Euro auf Publikumsfonds gemäß Artikel 8 bzw. Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung. Das sind 50% der von deutschen Anlegern in Publikumsfonds investierten Gelder. Spezialfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen verwalteten laut BVI 181 Mrd. Euro.

Zuletzt mehr nicht-nachhaltige Investitionen

Neu investierten die Deutschen im ersten Halbjahr 4,4 Mrd. Euro in Artikel-8- und -9-Fonds. Publikums- und Spezialfonds machten hierbei jeweils die Hälfte aus. Der Rest der Differenz (bei Publikumsfonds rund 16 Mrd. Euro, bei Spezialfonds etwa 7 Mrd. Euro) ist somit aus Bewertungsänderungen bereits erworbener Anteile entstanden. Insgesamt floss zuletzt mehr Vermögen in Fonds ohne Nachhaltigkeitsmerkmale (26,3 Mrd. Euro), was laut BVI vor allem damit zusammenhänge, dass Marktsegmente gefragt waren, die einen unterdurchschnittlichen Anteil an nachhaltigen Fonds aufweisen.

Insgesamt jedoch bleibe das Interesse am Thema Nachhaltigkeit in der deutschen Fondsbranche auf hohem Niveau. Auch in den fünf Quartalen zuvor stieg das verwaltete Vermögen an – zumindest bei den Publikumsfonds, welches in Q1 2022 noch bei 586 Mrd. Euro lag. Außerdem bewerteten im ersten Halbjahr 2023 mehr als zwei Drittel (68%) Fach- und Führungskräfte der Fondsgesellschaften nachhaltiges Investieren als einen wesentlichen Wachstumstreiber, wie eine Umfrage des BVI zeigt. Außerdem wollen 55% im Nachhaltigkeitsbereich weiter Personal aufbauen. Dies sei der höchste Wert aller Unternehmensbereiche, noch vor Vertrieb und IT. Beide Indikatoren sind allerdings im Vergleich zu einer ähnlichen BVI-Befragung Ende 2021 gesunken.

Deutsche Unternehmen gut aufgestellt

Der BVI beruft sich in seiner Mitteilung außerdem auf eine aktuelle Auswertung von MSCI-Indexdaten, die zeigt, dass deutschen börsennotierten Unternehmen gute Nachhaltigkeitswerte bescheinigt werden. Dabei gehe es sowohl um die Exposition gegenüber ESG-Risiken als auch darum, wie gut diese Risiken gemanagt werden. Im Bereich Umwelt liege das Rating deutscher Unternehmen bei 6,6 – und damit deutlich vor allen anderen betrachteten Regionen (Platz 2: „Übriges Europa“ mit 6,4 und Platz 3: USA mit 6,1). Die Punktzahl reicht von 0 (niedrigste) bis 10 (höchste).

Bei sozialen Aspekten und Governance-Themen ist Deutschland der Auswertung zufolge ebenfalls in der Spitzengruppe. Im Bereich „Soziales“ liegt lediglich Japan mit 5,5 vor Deutschland (5,3). Bei Governance ist „Übriges Europa“ mit 6,4 an der Spitze vor Deutschland (6,0). Für die Auswertung wurde der MSCI Germany verwendet, wo der BVI auf einen aktuellen Sonderfall hinweist: Die Volkswagen Gruppe ist laut MSCI Gegenstand „schwerwiegender Kontroversen“ in Bezug auf mögliche Menschenrechtsverletzungen bei chinesischen Joint Ventures. Um diesen Faktor bereinigt wäre der deutsche Ratingwert noch höher. (mki)

Bild: © chekart – stock.adobe.com

 

Deutsche Bank hat Scalable Capital im Visier

Laut einem Medienbericht hat die Deutsche Bank den Neobroker Scalable Capital ins Auge gefasst. Wofür genau, ist noch unklar. Die Gespräche befinden sich angeblich noch in einem frühen Stadium. Es wäre jedoch nicht die erste Zusammenarbeit von Scalable mit einer klassischen Bank.

In Frankfurt am Main sitzt das größte Kreditinstitut Deutschlands – die passenderweise genannte Deutsche Bank AG. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen herausgefunden haben will, blickt das Unternehmen derzeit etwa 400 km südöstlich in die bayerische Landeshauptstadt München. Diese ist die Heimat des Neobrokers Scalable Capital – direkter und größter Konkurrent von Trade Republic.

Laut Handelsblatt finden derzeit erste Gespräche zwischen den beiden Unternehmen zwecks einer möglichen Zusammenarbeit statt. Wie diese aussehen soll oder könnte, ist noch nicht bekannt.

Deutsche Bank mit Blick auf Scalable Capital

Den Angaben aus Finanzkreisen zufolge prüfe die Deutsche Bank aktuell, ob Scalable „für die Strategie des Instituts interessant“ sein könnte, sei es für eine Firmenbeteiligung oder als tatsächlicher Kooperationspartner. Aktuell beteiligt an dem Münchner Neobroker sind neben den Investoren Tengelmann Ventures und HV Capital auch einer der weltgrößten Vermögensverwalter, BlackRock, und der chinesische Internetkonzern Tencent.

Was steckt dahinter?

Bei dem Bericht und der derzeitigen Nachrichtenlage handelt es sich selbstredend nur um Spekulationen – auf Nachfrage von AssCompact wollte Scalable Capital die Gerüchte nicht kommentieren. Die Deutsche Bank ließ eine Nachfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Das Handelsblatt erwähnt allerdings, dass die Privatkundensparte der Deutschen Bank durchaus ein Interesse an Scalable Capital haben könnte. Die Bank arbeitet an einem App-basierten Angebot für Kunden mit Anlagebedarf, welches 2024 an den Start gehen soll. Der ehemalige Privatkundenchef der Deutschen Bank, Karl von Rohr, erläuterte bei der Ankündigung des Projekts, dass dieses sich an Menschen richten solle, die Wertpapiere online handeln und ihre Bankgeschäfte rein digital tätigen wollen. Weiterhin würde für die Stärkung der Aktivitäten im Bereich der Wertpapieranlage dafür sprechen, dass die Deutsche Bank sich stärker auf Geschäfte mit wenig Eigenkapitalverbrauch konzentriere und außerdem beim Baufinanzierungsgeschäft selektiver vorgehen wolle.

Scalable Capital seinerseits kooperiert bereits mit einigen Banken – die Deutsche Bank wäre also nicht die erste. Seit 2017 gibt es eine Zusammenarbeit mit der ING Deutschland, mit der 2021, so meldet das Handelsblatt, ING-Kunden rund 1,6 Mrd. Euro an Wertpapiervolumen bei dem Neobroker anlegten. Weiterhin arbeitet Scalable, wie eine Sprecherin auf Nachfrage von AssCompact mitteilt, mit der britischen Großbank Barclays, der spanischen Bank Santander und der Raiffeisen Bankengruppe in Österreich zusammen. Weitere Kooperationspartner sind die Targobank, Gerd Kommer Capital, Siemens Private Finance und Oskar. Eine eigene Banklizenz hat das Unternehmen allerdings nicht vorzuweisen. Die Konten und Depots liegen in der Obhut der Baader Bank.

Gut für Scalable?

Bei einer Übernahme oder einer Kooperation wären im Idealfall beide Parteien zufrieden. Die Geschäftszahlen bei Scalable waren jüngst nicht am höchsten Punkt der Skala. Zwar wächst das Kundenvermögen stetig (nach eigenen Angaben liegt es nun bei 15 Mrd. Euro, vergangenen Sommer waren es 10 Mrd. Euro), und auch die Umsatzerlöse konnten im Geschäftsjahr 2021 (neuere Zahlen sind derzeit nicht verfügbar) im Vergleich zum Vorjahr um knapp 135% auf 30,34 Mio. Euro steigen, so das Handelsblatt. Doch für 2021 meldete der Neobroker dennoch einen Jahresfehlbetrag von 51,18 Mio. Euro.

Weiterhin kommt auf die Neobroker wohl das Verbot von „Payment for Order Flow“, kurz PfOF, zu (AssCompact berichtete: Neues EU-Verbot bedroht Geschäftsmodell der Neobroker). Bei diesem Bezahlungsmodell leiten Neobroker und Direktbanken Aktienorders an einen Handelsplatz wie bspw. Gettex und anschließend an eine Handelsfirma weiter, die die Aktienorders ausführt und daraus Gewinn erwirtschaftet. Von diesem Gewinn erhalten die „Lieferanten“, also die Broker, einen Anteil, jenes „PfOF“. 2026 soll dieses Modell verboten werden, wodurch eine große Einnahmequelle solcher Anbieter wegfällt. (mki)

Bild: © JFL Photography – stock.adobe.com

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