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Dividendenausschüttungen 2023: Allzeithoch in Europa erwartet

Allianz Global Investors, der zum Versicherungskonzern Allianz gehörende Vermögensverwalter, rechnet im Jahr 2023 in Europa mit Dividendenausschüttungen von rund 387 Mrd. Euro. Das würde nach dem Rekordwert von 2022 ein weiteres Allzeithoch bedeuten.

Nachdem die Dividendenausschüttungen vor der Corona-Pandemie stetig gesunken waren, ging es 2021 und 2022 wieder stark bergauf – und der Trend soll sich 2023 fortsetzen, wie die Experten des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AGI) prophezeien. Der im letzten Jahr aufgestellte Rekordwert von 382 Mrd. Euro Dividenden am MSCI Europe soll dieses Jahr gleich wieder überboten werden – um gut 1% bei Ausschüttungen im Wert von 387 Mrd. Euro.

In einer Studie untersuchte AGI die Entwicklung von Dividenden in den letzten Jahren. Fazit: Dividenden würden auch in unruhigen Zeiten für Stabilität sorgen.

Dividendenausschüttungen 2022 auf hohem Niveau

Einen „warmen Dividendenregen“ soll es 2023 bei europäischen Aktienanlegern geben. Am MSCI Europe wurden 2022 rund 382 Mrd. Euro an Anteilseigner ausgeschüttet – ein Rekordwert, meldet AGI. Und auch wenn die Dividenden aus den 2021 angefallenen Gewinnen gezahlt wurden und somit kein Abbild der Gewinnsituation von 2022 seien, wie es in der AGI-Studie heißt, zeige sich, dass 2022 ein weiterer Schritt auf dem „Weg zurück zur Normalität“ gewesen sei und den Unternehmen an einer stetigen, verlässlichen Dividendenpolitik liege.

 

Dividendenausschüttungen 2023: Allzeithoch in Europa erwartet

 

In Anbetracht all der Ereignisse sei die Bereitschaft zur Dividendenausschüttung etwas überraschend gewesen. Bei den drei Aktienindizes STOXX Europe 600, S&P 500 und Datastream Asien ex Japan sind in nahezu allen Branchen 2021 und 2022 die Zahlen der Dividendenzahlen gestiegen. Weiterhin gebe es vor allem in Europa auch historisch eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Im Zeitraum von 1978 bis 2022 waren in Europa fast 35% der gesamten Aktienerträge auf Dividenden zurückzuführen. In Nordamerika und Asien lagen die entsprechenden Werte bei rund 26,5% und 30,5%.

Dividendenrendite in Europa

Konkret erhöhte sich die Dividendenrendite in Deutschland und Frankreich von zuvor jeweils ca. 2,25% auf rund 3,5% bzw. 3%, in Italien und Spanien von knapp 3% auf 5% bzw. 4%. Hierbei habe zwar auch der 2022 auf breiter Front beobachtete Aktienkursrückgang eine Rolle gespielt, aber in allen genannten Ländern habe die Dividendenrendite weiterhin deutlich die Nominalrenditen zehnjähriger Staatsanleihen übertroffen.

Dr. Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei AIG und Autor der Studie, findet, dass vor allem in Jahren mit negativer Kursentwicklung Aktiendepots durch Dividenden Stabilität verliehen bekommen. „In derartigen Jahren können Dividendenzahlungen aus Anlegersicht Kursverluste zum Teil, manchmal sogar in Gänze, auffangen. Unseren Berechnungen zufolge liegt zudem die durchschnittliche Kursvolatilität von Dividendenzahlern signifikant und systematisch unter der der Nicht-Zahler.“ (mki)

Weitere Informationen zur Dividendenstudie 2023 von Allianz Global Investors: Dividendenausschüttungen 2023 in Europa: Weiterer leichter Anstieg auf 387 Mrd. Euro

Bild: © Dilok – stock.adobe.com

 

Kein Monat im Jahr 2022 mit Nettomittelabflüssen

Die FondsKonzept AG blickt trotz Börsenturbulenzen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2022 zurück. Das führt das Unternehmen unter anderem darauf zurück, dass die Makler ihren Kunden im Auf und Ab der Börse Orientierung bieten. Bei der Profilierung hinsichtlich Social Media leistet FondsKonzept derweil Schützenhilfe.

<h5>Interview mit Alexander Lehmann, Vorstand Marketing & Vertrieb der FondsKonzept AG</h5><h5>Herr Lehmann, 2022 war ein hartes Jahr für Anleger. Sowohl Anleihen als auch Aktien kamen unter die Räder. Wie hat sich das auf die FondsKonzept AG ausgewirkt?</h5><p>Das administrierte Bestandsvolumen lag am 30.11.2022 bei 14,1 Mrd. Euro und ist damit gegenüber dem Stand von 15,8 Mrd. Euro zum Jahresultimo 2021 leicht gesunken. Beim Nettomittelaufkommen in Höhe von 785 Mio. Euro für Deutschland und Österreich liegen wir nach elf Monaten auf Kurs zu einem weiteren sehr guten Geschäftsjahr. Während beim Saldo aus Zuflüssen und Rückgaben der Investmentfondsanteile die Rück­gaben auf dem Vorjahresniveau liegen, rangieren die Zuflüsse aktuell noch gut 10% darunter. Wir sind jedoch überzeugt, die Lücke durch ein starkes Jahresend­geschäft verringert zu haben.</p><h5>Und wie sehen die Zahlen im Vergleich zu 2021 aus?</h5><p>In der unverbindlichen Vorausschau auf die Geschäftszahlen sollte das Jahr 2022 besser als 2020 sein, aber nicht das Niveau des Rekordjahres 2021 erreichen. So gab es im Jahr 2022 nicht einen Monat mit einen negativen Saldo beim Nettomittelaufkommen. Die Kunden der Maklerinnen und Makler haben die Turbulenzen an den globalen Märkten nicht zum Anlass genommen, panikartig zu verkaufen. Dies ist ein professionelles Verhalten, das auch die Beratungsleistung mit dem Fokus auf Langfristigkeit insbesondere bei Aktienfonds unterstreicht. Der FondsKonzept Konzern ist damit weiter auf einem gesunden Wachstumskurs. </p><h5>Und worauf führen Sie die guten Zahlen im vergangenen Jahr zurück?</h5><p>Die Ergebnisse lassen sich zu einem kleineren Teil auf die Aktivitäten neuer Maklerinnen und Makler zurückführen. Der größere Teil resultiert aus einer effektiven Ausschöpfung der Potenziale durch smartMSC als neueste Version des Maklerservicecenters und einem intensiven Support unsererseits sowie der Investmentfondsgesellschaften.</p><h5>Haben Sie bemerkt, dass bestimmte Produkte 2022 häufiger vermittelt wurden oder deutlich schlechter liefen?</h5><p>Auf den vorderen Plätzen beim Nettoabsatz standen Multi-Asset- und Aktienfonds. Bei den Aktienfonds dominierten die internationalen Produkte und weniger Regional- oder Themenfonds. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass Clean Shares ohne Provisionsanteile, die stattdessen über eine Servicegebühr oder ein Beratungshonorar vermittelt werden, in der Maklerwelt angekommen sind.</p><h5>Die Welt steuert 2023 aller Voraussicht nach auf eine Rezession zu. Wie sehen Sie Ihr Unternehmen auf diese weiterhin turbulenten Zeiten vorbereitet?</h5><p>Der FondsKonzept Konzern und die Tochterunternehmen der Muttergesellschaft FondsKonzept AG sind gut aufgestellt, um mit gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Risiken umgehen zu können. Das Gleiche gilt für die Maklerinnen und Makler, die von der Servicedimension des smartMSC und seinen ergänzenden Bausteinen FinanceCloud, FinanceApp, FinanceScreen oder dem optionalen FondsShop profitieren. Mit den genannten digitalen Tools gelingt es, Finanzberatung für die Kundinnen und Kunden zum Erlebnis werden zu lassen. Im Zusammenspiel mit dem Makler werden neue Kommunikations- und Informationswelten geschaffen, die sich über häufigere Kontaktpunkte und eine höhere Potenzialausschöpfung positiv auf alle Beteiligten auswirken.</p><h5>Das klingt ambitioniert. Was lassen Sie sich das kosten?</h5><p>Um eine solche Infrastruktur aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, sind jährliche Investitionen in die IT-Infrastruktur in Millionenhöhe erforderlich. Hierfür sind die im Marktvergleich überdurchschnittliche Eigenkapitalbasis bei der FondsKonzept AG und ein ordentlicher Cashflow für die Innenfinanzierung der genannten Investitionen eine gute Basis sowie ein stabiler Rückhalt.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Und welche Empfehlungen geben Sie Ihren Verbundmaklern für den Umgang mit Kunden, die sich von dem Auf und Ab an den Kapitalmärkten verunsichern lassen?--><h5>Und welche Empfehlungen geben Sie Ihren Verbundmaklern für den Umgang mit Kunden, die sich von dem Auf und Ab an den Kapitalmärkten verunsichern lassen?</h5><p>Wir können, wie zuvor gesagt, keine solche Verunsicherung bei den Kundinnen und Kunden feststellen. Die Absatzzahlen sprechen klar dagegen. Die Maklerinnen und Makler nutzen die digitale Infrastruktur, um Marktlagen zeitnah, individuell und objektiv zu erklären, was zu gut informierten Kunden führt. Darüber hinaus gelten die bekannten Regeln wie ein langfristiger Anlagehorizont und eine breite, internationale Streuung über verschiedene Anlageklassen. Wir stellen in diesem Zusammenhang seit einigen Jahren einen Trend zu fondsgebundenen Vermögensverwaltungen fest. Von den Vorteilen wie Risikostreuung, Handlungsschnelligkeit und Reduzierung der Haftungsrisiken profitieren Makler wie Kunde gleichermaßen.</p><h5>Noch in der ersten Jahreshälfte 2022 hatte Ihr Haus bekannt gegeben, den Vertrieb von alternativen Investmentfonds (AIFs) vollständig digitalisiert zu haben. Was ist das Besondere an diesem Angebot und wie wird es bisher angenommen?</h5><p>Die digitale Beratungsstrecke für alternative Investmentfonds wurde wie geplant in der ersten Jahreshälfte umgesetzt. Die Maklerinnen und Makler können seitdem auch bei alternativen Investmentfonds von der Erstinformation bis zum Vertragsschluss mit digitalen Prozessen arbeiten. Damit sind AIFs den Wertpapierfonds gleichgestellt und eröffnen den Partnern neue Möglichkeiten im Vertrieb. Die Potenziale werden nach aktuellen Zahlen gut genutzt. So sind inzwischen die Zeichnungssummen zweistellig, was zu weiteren Steigerungsraten in diesem Segment führen sollte.</p><h5>Sie hatten Anfang 2022 außerdem angekündigt, Ihr Dienstleistungsangebot im Bereich Online-Marketing auszuweiten. Wie sieht das Ergebnis aus und wie zufrieden sind Sie damit?</h5><p>Die digitale Vertriebsunterstützung durch smartMSC und unsere Vertriebsmanager vor Ort basiert auf zwei Säulen. Zum einen ermöglicht sie die operative Umsetzung sämtlicher Geschäftsprozesse über ein digitales Backoffice. Zum anderen profitieren die Maklerinnen und Makler von einer strukturellen sowie strategischen Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells in einer 360-Grad-Betrachtung. Im Zentrum steht ein hybrider Beratungsprozess aus traditioneller persönlicher Beratung und einer breiteren Sichtbarkeit in digitalen Schaufenstern. Hierzu gehört auch das Online-Marketing mit dem Angebot, die Webseiten des Maklers professionell nach den neuesten Standards zu gestalten. Es stehen drei Baukastenlösungen sowie eine komplett individuelle Gestaltung der Maklerwebsite zur Verfügung. Die Umsetzung der Präsenz der Makler auf Social-Media-Plattformen erfolgt über den System­anbieter und Datenlieferanten CAPinside als Partner.</p><h5>Helfen Sie den Maklern auch direkt weiter, wenn es um den Auftritt in den sozialen Netzwerken geht?</h5><p>Wie die Maklerinnen und Makler von den Social-Media-Aktivitäten am besten profitieren und wie sie sie in ihre Sales-Strukturen einbinden, zeigen wir ihnen über ein umfangreiches Schulungs- und Webinar­angebot. Ein Beispiel ist hier die Akademie mit Tobias Schmidt. Auch der FondsKonzept Konzern hat diesbezüglich seine Aktivitäten mit einer deutlich gesteigerten Social-Media-Präsenz ausgebaut.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 01/2023, s. 52 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © </i><i class="font-twelve-italic" >Alexander Lehmann, FondsKonzept AG</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/6AB40349-222E-48F6-AC29-8FEE93E362E5"></div>

 
Ein Interview mit
Alexander Lehmann

AXA IM rechnet mit mehr Klarheit bei Kosten und Gewinnen

AXA Investment Managers gibt einen Überblick, auf welche Themen Anleger in den nächsten Monaten besonders achten müssen. Gerade bei Aktien erwartet AXA IM einen starken Aufschwung – doch das erste Quartal könnte riskant werden.

Man stellt einen Trend bei den Marktkommentaren der letzten Wochen fest. Die meisten blicken, z. B. angesichts der Erholung der Inflation, der steigenden Zinsen und der Wiederöffnung Chinas, vorsichtig optimistisch auf den Börsenmarkt im Jahr 2023 – so auch AXA Investment Managers, der Investment-Arm der AXA Gruppe.

Chris Iggo, Chief Investment Officer Core Investments bei AXA IM, gibt in einer Mitteilung des Unternehmens Auskunft über die Aspekte, die beim Blick auf die Börse seiner Meinung nach beachtet werden sollten.

Inflation schwächt ab

Iggos Einschätzung zufolge solle man in jedem Fall die abschwächende Inflation im Auge behalten. Diese lasse zusätzliche Zinserhöhungen weniger notwendig werden. Eingepreist seien 5% für den Leitzins der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), 3,25% bis 3,5% für den Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB) und 4,5% für den Leitzins der Bank of England (BoE).

In den USA erreichten sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation der Verbraucherpreise (im Jahresvergleich) im Juni bzw. September letzten Jahres ihren Höhepunkt. Bei der Erzeugerpreisinflation sei dies, so Iggo, bereits im März der Fall gewesen, die Gesamtverbraucherpreisrate in der Eurozone war jedoch erst im Oktober über den Berg, während die Kernrate im Dezember 2022 immer noch stieg. Die Inflation in den meisten großen Volkswirtschaften und einer Reihe von Schwellenländern soll im Jahr 2023 gegenüber den durchschnittlichen Inflationsraten von 2022 zurückgehen.

Ein Inflationsrückgang tue den Märkten meist nur gut. Bei einem weiteren Rückgang in den kommenden Monaten dürften die Anleihen und Aktien in Sachen Rendite profitieren. Gerade bei Aktien sei durch die größere Preisstabilität mit mehr Klarheit bei Kosten und Gewinnen zu rechnen. Die Folge: Mehr Vertrauen in die Gewinnprognosen.

Risiken im ersten Quartal

In der ersten Jahreshälfte komme es in der Regel zu den höchsten monatlichen Preissteigerungen, da Löhne und Preise angehoben werden. Daher gebe es bei der aktuellen Arbeitsmarktsituation in Europa einige Aufwärtsrisiken. Auch die Wiederöffnung Chinas könnte zu höheren globalen Energie- und Rohstoffpreisen führen. Aber: Der Trend zu einer niedrigeren Inflation dürfte überwiegen, was für die weitere Marktentwicklung ausschlaggebend sein werde, sagt Iggo.

Niedrigere Realrenditen

Die Realrenditen sind im vergangenen Jahr gestiegen, was auf die Straffung der Geldpolitik und das baldige Ende der Anleihekäufe der Zentralbanken zurückzuführen sei. Vor allem in den USA, wo die zehnjährige Realrendite immer noch bei 1,3% liegt, erwartet AXA IM keine schnelle Umkehrung. In Deutschland und Frankreich liegen die Realrenditen bei 0% und im Vereinigten Königreich bei 0,15% für den zehnjährigen Teil der inflationsgebundenen Anleihekurve.

Bei steigenden Realrenditen gebe es tendenziell vonseiten des Value-Markts eine Outperformance (wie auch 2022). Niedrigere Realrenditen spiegeln laut dem CIO eine Verringerung des Abzinsungssatzes für künftige Erträge wider, was sich positiv auf Aktien mit soliden langfristigen Ertragserwartungen auswirke. In den USA seien die Realrenditen noch nicht weit genug gesunken, um die Outperformance von Value gegenüber Groth umzukehren. Doch in der ersten Januarhälfte habe Growth wieder besser performt.

Wiederöffnung Chinas

Auf China entfallen zwischen 15% und 20% des weltweiten BIP, sodass eine Verdopplung der Wachstumsrate in diesem Jahr das weltweite Wirtschaftswachstum erheblich steigern könnte. Zu beachten gilt es hierbei jedoch, dass China die Nachfrage nach importierten Waren und Dienstleistungen erhöht, wodurch es „indirekte Multiplikatoreffekte“ geben werde – ein Grund für die Outperformance der europäischen Aktien in den letzten Wochen, erläutert Iggo. Das Engagement in chinesischen Aktien von globalen und lokalen asiatischen Anlegern dürfte somit nach oben gehen.

Energiewende vorantreiben

Auch der Inflation Reduction Act der Biden-Regierung in den USA werde Iggos Einschätzung zufolge ihren Einfluss auf den Markt haben. Dieser habe zum Ziel, Subventionen in Höhe von bis zu 465 Mrd. US-Dollar in erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Halbleiter und andere Technologien bereitzustellen. Außerdem sei vorgesehen, dass ein Großteil der Komponenten in den USA produziert werden muss.

Zwar werde die Gesetzespolitik als protektionistisch und globalisierungsfeindlich angesehen, aber die Ausgaben, die dadurch entstehen könnten, würden für die US-Unternehmen wahrscheinlich ein bedeutendes, jahrelanges Thema sein.

Aufschwung von Aktien

US-Aktien würden von den Anlegern derzeit wohl untergewichtet. Insbesondere in Technologieaktien mit hoher Marktkapitalisierung gebe es aktuell wohl weniger Vertrauen. Die Bewertungen seien stark gesunken und in einigen Benchmark-Indizes für Wachstums- und Substanzaktien seien große Technologiewerte aus dem Wachstumsuniversum herausgenommen worden.

Die sinkende Inflation und die niedrigeren Realrenditen wirken sich laut Iggo positiv auf Wachstumsaktien aus. Das Gleiche gelte für die Demografie. Enge Arbeitsmärkte und allgemein teure Arbeitskräfte sowie ständige Innovationen in Bereichen wie künstliche Intelligenz dürften die langfristigen Aussichten für Teile des Technologiesektors verbessern. Iggo gehe davon aus, dass Unternehmen, die in diesem Jahr ein stetiges Gewinnwachstum vorweisen können, durch höhere Aktienkurse belohnt werden. Die weltweit besten Aussichten auf ein stabiles langfristiges Gewinnwachstum gebe es bei Unternehmen in Sektoren Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und IT. (mki)

Bild: © m.mphoto – stock.adobe.com

 

Neuer nachhaltiger Laufzeitfonds von Franklin Templeton

Franklin Responsible Income 2028 – so heißt ein neuer Artikel-8-Fonds von Franklin Templeton. Er soll bis Januar 2028 laufen und hauptsächlich in auf Euro lautende Staats- und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und starken Nachhaltigkeitseigenschaften investieren.

Franklin Templeton geht mit einem neuen Nachhaltigkeitsfonds an den Start. Der Franklin Responsible Income 2028 Fund ist ein Teilfonds der in Irland registrierten Legg Mason Global Funds plc (LMGF) und wurde für den Vertrieb in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Belgien, Irland, Griechenland und Zypern registriert. Die Zeichnungsfrist läuft vom 23.01.2023 bis zum 23.07.2023.

Investition in nachhaltige Staats- und Unternehmensanleihen

Der neue Artikel-8-Fonds soll bis zur Fälligkeit im Januar 2028 gehalten werden und zielt über Investitionen in auf Euro lautende Staats- und Unternehmensanleihen mit starkem Nachhaltigkeitsfaktor und Investment-Grade-Rating darauf ab, regelmäßige Kupon-Ausschüttungen und Kapital zu erhalten. Die Anleihen können in Industrie- oder Schwellenländern begeben werden.

Der Fonds wendet, so Franklin Templeton, einen eigenen ESG-Anlageprozess an, der Investitionen in Emittenten bevorzugt, die als ökologisch führend gelten, und gleichzeitig Investitionen in Emittenten vermeidet, die in schädliche oder kontroverse Aktivitäten verwickelt sind. Bei der Auswahl der Wertpapiere liegt der Schwerpunkt auf der Minimierung des Ausfallrisikos, der Erzielung kontinuierlicher Ausschüttungen und der Rückgabe von 100% des Anfangskapitals am Ende der Laufzeit, teilt Franklin Templeton mit.

Renditen für Investment-Grade-Anleihen auf 14-Jahres-Hoch

Verwaltet wird der Franklin Responsible Income 2028 in London von David Zahn, Head of Sustainable Investing and European Fixed Income, und Rod MacPhee, Vice President und Portfoliomanager der Franklin Templeton Fixed Income Group. Unterstützt werden durch das Investmentteam von Franklin Templeton Fixed Income, zu dem auch ein ESG-Team mit sechs in Europa ansässigen Investmentanalysen gehört. Die europäische Fixed-Income-Gruppe verwaltet seit 2017 ESG-ausgerichtete Strategien.

Laut Zahn sei das Marktumfeld für europäische Festverzinsliche „wohl so überzeugend wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr.“ Die Renditen für Investment-Grade-Anleihen befänden sich auf einem 14-Jahres-Hoch. Mit der auf Euro lautenden Strategie, die Franklin Templeton mit dem Fonds weiter aufgreifen will, werde europäische Anleger wahrscheinlich auch vor Währungsrisiken schützen. (mki)

Bild: © Tinnakorn – stock.adobe.com

 

Wealth Management: Wie neue Erwartungen erfüllt werden können

Im Wealth Management vollzieht sich ein bedeutender Wandel: sowohl im Hinblick darauf, wer Geld verwaltet, als auch darauf, wessen Geld verwaltet wird. Welche Herausforderungen kommen auf Vermögensberater zu? Und welche Erwartungen haben neue Kundenschichten an Beratungsleistungen?

<h5>Ein Artikel von Zlatko Vucetic, CEO bei Infront</h5><p>In vielen alternden Gesellschaften steht in der Gruppe der wohl­habenden Menschen ein Generationswechsel an. Eine der zentralen Herausforderungen dabei ist die Gewährleistung der Kontinuität des Beratungs-Know-hows von einer Generation von Beratern zur nächsten. Ein weiteres wichtiges Anliegen besteht darin, genügend Berater mit einem neuen „Mindset“ zu haben, um auf die Bedürfnisse einer neuen Generation von Anlegern eingehen zu können. Schließlich haben die neuen Anleger oft andere Vorstellungen und Prioritäten. Damit steht Wealth Management an einem Scheideweg: Nur wer sich anpasst, kann die Chancen dieses Generationswechsels für sich nun nutzen. </p><h5>Der größte Vermögenstransfer unserer Zeit </h5><p>Der derzeit wichtigste Trend besteht darin, dass die Wohlhabenden immer jünger werden. Die Baby-Boomer und die vorige „Silent Generation“ werden ihren Kindern, die größtenteils zu den Millennials gehören, allein in den USA 30 bis 68 Bio. US-Dollar hinterlassen. </p><p>Doch wer sind die Millennials als Anleger? Insgesamt sind sie eine vielfältigere Gruppe von vermögenden Privatpersonen, als es die Branche gewohnt ist. So gibt es in dieser Kohorte eine wachsende Anzahl von Frauen und Menschen aus (ehemaligen) Schwellenländern. Allein in Deutschland sind im Jahr 2021 bereits 48,7% von den insgesamt 15,88 Mio. Millennials Frauen. </p><p>Wichtig für Vermögensverwalter ist hier jedoch nicht nur, mit wem sie bald in Meetings sitzen werden, sondern auch, was diese neue Generation will und wie Berater dies in konkrete Dienstleistungen umsetzen können. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Erwartungen der Millennials an Beratungsleistungen--><h5>Erwartungen der Millennials an Beratungsleistungen</h5><p>Dabei dürfte es keine Überraschung sein, dass viele Millennials digitale Angebote im Wealth Management erwarten. Schließlich nutzen Millennials meist eine Vielzahl von Apps, in denen sie ihr Leben organisieren und mit denen sie ihre Fortschritte in vielen Bereichen verfolgen – und sie setzen sich natürlich auch Wohlstandsziele mit Apps wie MoneyControl, Monkee oder Finanzguru. Dies ist das Fundament ihrer Erwartungen an Berater. Zudem investieren sie ihr Geld heute sehr zielorientiert. </p><p>Diese Art der Investitionen dient dazu, bestimmte Lebensziele zu verwirklichen – ein Haus zu kaufen, ein paar Jahre Urlaub zu machen und zu reisen oder eine Familie oder ein Unternehmen zu gründen. Für das Beratungsgespräch ist es daher besonders wichtig zu wissen, dass es möglicherweise nicht ausreichend ist, sich im Gespräch lediglich auf Investitionen zu konzentrieren. Vielmehr sollten auch die Ziele erörtert werden, weil sich daraus wichtige Bausteine für die langfristige Entwicklung des Beratungsangebots ergeben. Zudem hilft es, diese anspruchsvolle Gruppe bei der Stange zu halten, um Vertrauen aufzubauen. </p><p>Derzeit versagen viele Berater in dieser Hinsicht, denn weniger als ein Drittel der Millennials hat das Gefühl, dass ihre Berater sie tatsächlich kennen. Hinzu kommt der Trend, dass Vermögensberater für Millennials längst nicht mehr die erste Anlaufstelle sind, da diese neue Generation häufig eigenständig im Internet recherchiert und das Thema Geldanlage selbst durchdenkt. Dies führt dazu, dass Kunden heute von Beratern hochgradig individuelle Gespräche und maßgeschneiderte Lösungen erwarten.</p><p>Bei der Anlage selbst haben viele Millennials heute ihre eigenen Prinzipien, die sie als unabdingbare Voraussetzung betrachten: Etwa ein Drittel legt sein Geld ausschließlich oder vorwiegend in Anlagen mit ESG-Kriterien an. Die aktuellen Datenlösungen, die den Vermögensverwaltern zur Verfügung stehen, erfüllen diese Nachfrage und liefern zunehmend vollständigere und zuverlässigere Daten. So können Vermögensverwalter den Kunden allgemeine Hinweise zum ESG-Niveau einer Anlage geben und spezifische Informationen über wichtige Kriterien wie Geschlechtervielfalt, Arbeitsrechte und CO<sub>2</sub>-­Emissionen liefern. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Alternde Berater--><h5>Alternde Berater</h5><p>Während die Kunden immer jünger werden, werden die Berater immer älter. Tatsächlich ist der durchschnittliche Berater 51 Jahre alt, während nur 10% unter 35 Jahre sind. Über 20% planen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand zu gehen und sie wissen nicht, wer sie ersetzen wird. Dies setzt die Berater unter erheblichen Druck, insbesondere wenn man bedenkt, dass 80% derjenigen, die das Vermögen ihrer Eltern erben werden, einen Beraterwechsel planen. </p><p>Was können Anlageberater also tun, um die Erwartungen der Millennials zu erfüllen und zugleich den Erfolg des eigenen Unternehmens langfristig zu sichern?</p><h5>Wie man Kontinuität sicherstellt </h5><p>Bei der Lösung dieser Frage gibt es keine Quick Fixes für das Wealth Management. Wer Kontinuität und Langlebigkeit für sein Geschäft sucht, muss das Thema schrittweise angehen. Um mehr und jüngere Mitarbeiter zu gewinnen, gilt es, im Recruiting kreativ zu werden. Da sich die Vermögenden selbst immer weiter ausdifferenzieren, könnte es hier ein Ansatz sein, Personen zu rekrutieren, die noch unterrepräsentiert sind, zum Beispiel Angehörige von Minderheiten. </p><p>Ein anderer möglicher Hebel, um junge Berater anzuziehen und zu halten, besteht darin, die Vergütung an den Aufbau von Geschäftsbeziehungen und die Erweiterung des Wissensstandes zu knüpfen – statt „bloß“ an den Vermögenszuwachs; dies ist eine Investition in die Prioritäten dieser Generation. Und es schafft weitere Anreize für Angehörige von Minderheiten und Menschen mit niedrigerem Einkommen.</p><p>Ein anderes Problem ist der Unterschied in den Vorstellungen alternder Anleger und jüngerer Kunden. Um diese Kluft zu überbrücken, muss die Ausbildung verbessert werden, um neue Methoden und Instrumente, insbesondere im Bereich der Technologie, einzubeziehen. Technologie kann auch die Fähigkeiten der Unternehmen in Bezug auf Regulierung und Einhaltung von Vorschriften erheblich verbessern, sodass sie mehr Zeit haben, sich mit den Kunden zu beschäftigen. Hilfreich ist auch eine Nachfolgeregelung lange vor der Pensionierung. </p><p>Um Kunden zu halten, ist ein Teamansatz für das Management erforderlich. Die Teams müssen generationenübergreifend sein, um sicherzustellen, dass Wissen und Fähigkeiten von den ausscheidenden Beratern an ihre jüngeren Kollegen weitergegeben werden und umgekehrt. Außerdem sollten sich die Teams auf den Aufbau von Beziehungen zwischen den verschiedenen Generationen ihrer Kunden konzentrieren. All dies gewährleistet Kontinuität zwischen den ausscheidenden Beratern und denjenigen, die ihre Aufgaben übernehmen werden, und erleichtert es der neuen Generation von Beratern, Kunden, die wie sie aussehen, sprechen und denken, selbstbewusst zu beraten.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 01/2023, S. 54 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © PaeGAG – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/F010E06F-8366-43D3-85AC-19A3E83040F7"></div>

 
Ein Artikel von
Zlatko Vucetic

J.P. Morgan bewirbt aktive ETFs

Auch wenn ETFs in den letzten Jahren einen großen Hype erfahren haben und die börsengehandelten Fonds immer mehr in Portfolios auftauchen, haben die „aktiven ETFs“ in Deutschland noch keine hohe Prominenz. Dieses Problems will sich J.P. Morgan annehmen.

Die Fondstochter von J.P. Morgan, J.P. Morgan AM, bietet nun schon seit mehreren Jahren aktiv gemanagte ETFs an. Börsengehandelte Fonds sind schon eine ganze Weile eine riesige Erfolgsgeschichte bei Privatanlegern, da sie gegenüber aktiven Fonds wesentlich günstiger sind und über die Abbildung eines Indexes über einen längeren Zeitraum weniger risikoreich ist – so zumindest die weitläufige Annahme.

J.P. Morgan AM sieht jedoch in aktiven ETFs die Möglichkeit, die Vorteile von aktiven Fonds und traditionell passiven ETFs zu vereinen, wie Christian Preussner, Leiter Investmentspezialisten für US-Aktien bei J.P. Morgan AM, in einem Webinar zum Thema mitteilte.

Aktive ETFs von J.P. Morgan AM

Bei passiven ETFs schätzen die Anleger, so Preussner, insbesondere die Transparenz und die Flexibilität, immer kaufen und verkaufen zu können und jegliche Meinungen vom und über den Kapitalmarkt sofort umsetzen zu können. Doch diese Charakteristika passiver ETFs seien auch bei einer aktiven Titelselektion möglich, weswegen J.P. Morgan AM versucht, seine seit Jahrzehnten angesammelten Erfahrungen und Daten mit diesen Eigenschaften zusammenzubringen.

Bei passiven ETFs werde versucht, ein vergleichsweise niedriges Risiko umzusetzen. Mit der 1:1-Abbildung eines Indexes gehe allerdings einher, dass man auch „nur“ einen 1:1-Ertrag erziele. Aktive ETFs gehen etwas mehr in die Risikorichtung. J.P. Morgan hoffe, so Preussner, zu wissen, welche Aktienunternehmen sich besser und welche sich schwächer entwickeln. Mit diesem Wissen biete es sich an, die stärker prognostizierten Unternehmen auch im ETF stärker zu gewichten, und die schwächeren wiederum schwächer.

„Research Enhanced“

J.P. Morgan AM bietet derzeit acht solcher „Research Enhanced Index“-ETFs für die verschiedenen Regionen auf der Welt an: JREC für den MSCI China A, JREE für den MSCI Europe, JREG für den MSCI World, JREM für den MSCI Emerging Markets, JREU für den S&P 500, JREA für den MSCI AC Asia Pacific ex Japan, JREJ für den MSCI Japan und JREZ für den MSCI EMU. Das niedrigste Fondsvolumen hat der JREC mit 13,86 Mio. US-Dollar, das höchste der JREU mit 2,15 Mrd. US-Dollar (jeweils Stand 26.01.2023).

J.P. Morgan beschäftigt etwa 100 Analysten weltweit, die den Aktienmarkt jeden Tag analysieren und potenziell interessante Aktien nach Attraktivität sortieren. Die entsprechenden Unternehmen werden dann stärker oder schwächer im ETF gewichtet. Ziel des Ganzen sei es laut Preussner, das Risiko so gering wie möglich zu halten (zumal viele Anleger aus dem passiven Bereich kommen), aber noch etwas zusätzliche Rendite zu erzielen.

Renditepotenzial

Das Renditepotenzial verändere sich etwas, je nach Regionen. Das aktive ETF-Modell lohne sich vor allem für Länder mit weniger Transparenz. Für die US-Aktien-Seite erwarte JP Morgan etwa 40 Basispunkte nach Gebührenabzug. Auf der anderen Seite im globalen bzw. Emerging-Markets-Bereich liege die Rendite eher bei 90 bis 100 Basispunkten.

Nachhaltigkeit mit extra Kriterien

Beim Thema Nachhaltigkeit will J.P. Morgan AM eine extra Portion an Vorsorge nutzen. Die untersuchten Aktien in den ETFs werden nach Preussners Angaben mit einem internen ESG-Filter angeschaut und die Analysten müssen für jedes Unternehmen einen Fragebogen beantworten, mit dem die Firmen auf ESG-Basis bewertet werden. So können neben branchenüblichen Ausschlüssen wie Aktien, die aus der Rüstungsindustrie oder der Tabakbranche kommen, weitere Kriterien angewendet werden, um herauszufinden, welche Unternehmen sich positiver entwickeln, z. B. beim CO2-Verbrauch oder dem Gebrauch von Plastik.

Laut Preussner sind aktive ETFs nicht besser als passive, da es auch für letztere gute Gründe gebe. Die aktiven ETFs hätten sich allerdings überraschend positiv entwickelt mit einem Gesamtfondsvolumen von über 4 Mrd. (mki)

Bild: © valiantsin – stock.adobe.com

 

Scalable Capital bietet 2,3% Zinsen auf Tagesgeld

Nachdem Trade Republic Anfang Januar 2% Zinsen auf das Verrechnungskonto eingeführt hat, reagiert Scalable Capital nun mit einem Gegenangebot. Der Münchner Neobroker bietet nun 2,3% aufs Tagesgeld – aber nicht für alle Kunden.

Scalable Capital holt zum Gegenschlag aus. Erst Anfang Januar überraschte der Berliner Online-Broker Trade Republic mit einem Zinssatz von 2% p. a. auf das Verrechnungskonto – jedoch mit dem Haken, dass laut AGB das Geld wieder an das Referenzkonto zurückgeschickt werden kann, wenn es sich mehr als 30 Tage ungenutzt auf dem Verrechnungskonto befindet.

Die Münchner wollten dabei offenbar nicht tatenlos zusehen und haben nun ihr eigenes Zinsangebot auf die Beine gestellt, wie Scalable Capital am Donnerstag, 26.01.2023, mitteilt.

2,3% Zinsen bei Scalable Capital

Ab dem 01.02.2023 gibt es bei Scalable 2,3% Zinsen p. a. aufs Tagesgeld, und zwar ab dem ersten Euro bis 100.000 Euro. Die Zinsen werden quartalsweise ausgezahlt und gelten bis auf Weiteres. Beachtet werden sollte aber: Die Zinsen gibt es nicht für jeden Kunden, sondern für bestehende und neue Abonnenten des Tarifmodells PRIME+, welches für 4,99 Euro pro Monat erhältlich ist.

Laut dem Unternehmen handelt es sich hierbei nun um den „höchsten Zins in Deutschland.“ Die PRIME+-Mitgliedschaft sei so attraktiv, dass „es quasi unverantwortlich ist, nicht Mitglied zu werden“, gibt sich Scalable-Gründer Erik Podzuweit selbstbewusst.

Wie schlägt sich das Angebot von Scalable Capital?

Ob das Angebot von Scalable Capital schon länger geplant war, oder als reine Reaktion auf die neue 2%-Zinspolitik von Trade Republic zu verstehen ist, ist nicht bekannt. Auf den ersten Blick scheint der Münchner Neobroker die Oberhand gewonnen zu haben. Doch so einfach, wie sie sich vermeintlich liest, ist die Sachlage nicht. Denn auch wenn Scalable einen etwas höheren Zinssatz anbietet, muss man bei den knapp 60 Euro Ausgaben, die jährlich für das PRIME+-Abo aufkommen, erst einmal rechnen.

Als simples Rechenbeispiel: Bei 10.000 Euro Anlage bei Scalable Capital werden 230 Euro in Zinsen ausgezahlt. Die 59,88 Euro für den PRIME+-Tarif müssen hiervon natürlich abgezogen werden, sodass am Ende effektiv von den 230 Euro genau 170,62 Euro übrig bleiben. Bei Trade Republic zum Vergleich werden bei 2% Zinsen auf 10.000 Euro 200 Euro ausgezahlt. In solchen Bereichen also operiert man mit dem Zinssatz von Trade Republic effektiver. Auch wenn auf die Erträge eine Kapitalertragssteuer von 25% erhoben würde (was erst bei Erträgen von über 1.000 Euro der Fall wäre), wäre das Angebot von Trade Republic hier immer noch stärker.

Höhere Summen bei Scalable besser untergebracht?

Bei niedrigeren Beträgen also fährt man, rein vom Zinssatz ausgehend, besser mit Trade Republic. Allerdings behält sich Trade Republic, wie oben beschrieben, vor, das Geld vom Verrechnungskonto bei 30 Tagen Nichtnutzung wieder zurückzuüberweisen.

Die Online-Plattform t3n.de weist außerdem darauf hin, dass der 2,3%-Zinssatz bei höheren Beträgen durchaus interessant sein kann. Scalable Capital zahlt die Zinsen bis zu einer Summe von 100.000 Euro aus – Trade Republic seine 2% nur bis 50.000 Euro. Bei solchen größeren Beträgen, die bspw. aufgrund einer Sondersituation gelagert werden müssen, würde sich der Zinssatz auch im direkten Vergleich eher rechnen.

Scalable Capital mit schlauem Marketing

Aus Vermarktungssicht sieht sich Scalable Capital allerdings nun in einer guten Position unter den Neobrokern. Zum einen steht es nun mit dem höchsten Zinssatz da, zum anderen werden Kunden, die lediglich das „gewöhnliche“ PRIME-Abo für 2,99 Euro im Monat ihr Eigen nennen, möglicherweise dazu verleitet, ein Upgrade auf den PRIME+-Tarif vorzunehmen. (mki)

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BlackRock blickt mit Vorsicht auf den Aktienmarkt 2023

Die Aktienindizes legen zum Beginn des Jahres 2023 zu – doch wie ist dieser Aufwind zu interpretieren? Auch die sinkende Inflation sorgt für Hoffnung unter den Anlegern. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock blickt auf den Aktienmarkt und wie er sich entwickeln könnte.

„Es bleibt kompliziert“ – so schreibt es Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa beim US-Vermögensverwalter BlackRock, in seinem Kommentar zum Aktienmarkt 2023. Der Start im Januar verlief bekanntlich sehr positiv. Der MSCI World hat seit Jahresbeginn um 5% zugelegt, der DAX sogar um 8% und noch dazu machen die sinkenden Inflationsraten Hoffnung auf Unterstützung von den Zentralbanken.

In über 70% der Fälle habe es nach einem positiven Januar in den letzten 50 Jahren auch eine erfreuliche Gesamtjahresperformance gegeben, so Lück. Aber auch wenn 2023 definitiv besser als 2022 verlaufen dürfte – zu früh freuen sollte man sich nicht.

Warten auf die Rezession

Vielerorts wird aktuell eine Rezession erwartet, die aber noch nicht eingetreten ist. Laut Lück lasse sich dies darin begründen, dass geldpolitische Straffung, also Zinsanhebungen oder Liquiditätsverknappung, üblicherweise ihre Wirkungen in der Realwirtschaft nicht sofort zeigen. Somit sei es nicht verwunderlich, dass es noch etwas dauere, bis die in den USA im März und im Euroraum im Juli 2022 begonnenen Straffungsschritte messbare Bremsspuren hinterlassen, so Lück.

Es gibt jedoch einige Sektoren in der Volkswirtschaft, in denen sich z. B. Zinsanhebungen sofort auswirken, etwa am Immobilienmarkt. Genau dort habe man auch schnell einen Rückgang von Bautätigkeit und Immobilienumsatz in den USA gesehen, auch der Preisanstieg für Wohnungen und Häuser in deutschen Großstädten sei gedämpft worden. Im Dezember dann habe es auf dem Gebiet aber Entspannung gegeben und insbesondere der Häusermarkt in den USA habe eine schnelle Erholung signalisiert, was ein wichtiges Zeichen für eine ausbleibende oder zumindest abgeschwächte Rezession sei, sagt Lück.

Vorsicht beim Inflationsrückgang

Trotz der "Januarrallye" und der Hoffnung auf den Rezessionsausfall sollten Anleger dem BlackRock-Strategen zufolge beim Thema Inflation allerdings vorsichtig sein. An vielerlei Stelle erwarte man ein „Umschalten in den Unterstützungsmodus“ vonseiten der Zentralbanken, wenn die Inflation wieder im Griff ist. Zurzeit preise der Markt für die zweite Jahreshälfte rund 50 Basispunkte an Zinssenkungen seitens der Fed ein. Doch nur, weil in der Vergangenheit bereits kurz nach dem letzten Zinsschritt die nächste Lockerung eingeleitet wurde, solle man sich nicht in Sicherheit wiegen und davon ausgehen, dass es heute so weitergehen werde.

Längerfristig erwartete strukturelle Inflationstreiber wie Arbeitskräftemangel, grüne Transformation und Abschwächung des globalen Handels könnten sich nach einem starken, von Basiseffekten unterstützten Inflationsrückgang schneller auswirken als gedacht. Dadurch könne es sein, dass die Notenbanken in der Erwartung einer mittelfristig stärkeren Preisdynamik nicht bereit sind, die Zinsen schon bald wieder unter das neutrale Niveau zu senken. Lücks Ansicht nach deute die Kommunikation von Fed und EZB aktuell darauf hin.

Zusätzliche Unsicherheit durch Geopolitik

Doch Rezession, Inflation und die fragliche Unterstützungsbereitschaft der Zentralbanken sind nicht die einzigen Fragen, die am Aktienmarkt für Unsicherheit sorgen. Auch die Geopolitik erschwert den Blick in die Zukunft. Die Neuorientierung der Corona-Politik in Ostasien könnte zu einem stärkeren wirtschaftlichen Neustart in der Region und der Welt führen, gleichzeitig aber könnten sich Auseinandersetzungen mit dem Westen um Handels- und sonstige Politik verschärfen. Der Krieg in der Ukraine ist ein weiterer, schrecklicher Unsicherheitsfaktor. Ob all dieser schwierig einzuschätzenden Komponenten, die sich allesamt auf den Markt auswirken können, sollten Anleger Lück zufolge den erfreulichen Januar nicht allzu sehr als Maßstab nehmen und stattdessen die Lage mit Vorsicht genießen. (mki)

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200 Mrd. Euro Anleihen in nur zwölf Tagen: Rekordwert für Januar

Der europäische Anleihemarkt läuft diesen Januar zu Hochform auf – zumindest bei den Emissionen. Nach nur zwölf Geschäftstagen wurden Anleihen im Wert von mehr als 200 Mrd. Euro herausgegeben. Heute liegt der Wert der herausgegebenen Titel schon bei 240 Mrd. Euro.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) greift einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vom 18. Januar 2023 auf und meldet begebene europäische Anleihen im Wert von über 200 Mrd. Euro – und das nach nur zwölf Geschäftstagen, was einem Rekordwert für den Jahresanfang entspricht. 2022 und 2020 wurden die 200 Mrd. Euro nach 16 Arbeitstagen geknackt, 2021 nach 17 und 2019 nach 20 Arbeitstagen.

Nach Informationen von Bloomberg am Dienstag, 24.01.2023, sind die Veräußerungen von Anleihen noch einmal signifikant nach oben gegangen. Mittlerweile stünden sie bei 240 Mrd. Euro – es sei der „Busiest-Ever January“. Und das, obwohl der Anleihenmarkt erst im vergangenen Jahr herbe Verluste einstecken musste.

Banken greifen am Anleihenmarkt zu

Einen großen Anteil an den Emissionen hätten laut FAZ und Bloomberg die Banken. Diese hätten sich in der Corona-Krise Billigkredite von der Europäischen Zentralbank geliehen und bräuchten neue Mittel, um diese an die EZB zurückzuzahlen. Schaut man sich die internationalen Neuemissionen der letzten Tage an, entdeckt man entsprechend mehrere Banken in der Liste, so z. B. die Hamburger Sparkasse mit Emissionen im Wert von 75 Mio. Euro oder die Deutsche Pfandbriefbank im Wert von 500 Mio. Euro und 2,25% bzw. 2,875% Zinsen. Auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall beteiligt sich an den Emissionen mit einem Pfandbrief im Volumen von 500 Mio. Euro und einem Zinssatz von 2,875%.

Die Inflationsrate von 10% sei damit zwar nicht zu schlagen, so die FAZ – doch in der zweiten Jahreshälfte, so lautet jedenfalls die Annahme, soll die Inflation deutlich sinken.

Zinskurve spricht für Rezession

Derzeit herrscht in Deutschland das Phänomen der inversen Zinskurve. Das heißt, dass die Zinsen für längere Laufzeiten unter denen der kürzeren liegen. Die zweijährigen Schatzanweisungen des deutschen Staats hätten laut FAZ aktuell eine Rendite von 2,4948% – der Marktzins der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 2,101%.

Eine solche inverse Zinskurve suggeriert an den Finanzmärkten für gewöhnlich eine kommende Rezession. Auch ein Konjunkturabschwung stehe in Aussicht. Doch die Landung dürfte angesichts der steigenden Kurse an den Börsen zu Jahresbeginn weich werden. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe habe ebenfalls zugelegt, wodurch die Rendite seit Jahresanfang um fast 0,5% gesunken ist.

Auch wenn der Anleihemarkt im Zuge der Zinswende letztes Jahr immer wieder starke Schwankungen aufzeigt, sollten Anleger die inverse Zinskurve im Blick behalten. Diese legt nahe, dass die langfristigen Zinsen dank Rezession und nachlassender Inflation wieder sinken dürften. Aktuell länger laufende Anleihenangebote, wie bspw. der neun Jahre und fünf Monate laufende Pfandbrief der Bausparkasse Schwäbisch Hall bei einem Zinssatz von 2,875%, könnten also ein interessanteres Angebot darstellen, als vielleicht zunächst gedacht. (mki)

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Unternehmensanleihen und europäische Aktien im Kommen

Die Frankfurter Aktiengesellschaft ODDO BHF AM sieht für 2023 im Investment-Bereich immer noch Nachwehen der Themen von 2022. Doch die Lage soll sich bessern. ODDO setzt im kommenden Jahr auf Unternehmensanleihen und insbesondere europäische Aktien.

2022 war für die Wirtschaft, für Anleger, für Unternehmen rundherum ein schwieriges Jahr. Der Ukraine-Krieg, die kräftig anziehende Inflation und der Energieschock waren belastende Faktoren im Investment. Aktien schnitten mit einem Verlust von durchschnittlich 15% zwar schwach ab, die Frankfurter Aktiengesellschaft ODDO BHF Asset Management findet aber: keine Katastrophe im Vergleich zu anderen Börsencrashs. Bei Anleiheninvestoren gab es jedoch Verluste von mehr als 17%.

Laurent Denize, Chief Investment Officer bei ODDO, sieht in erster Linie Anleihen und europäische Aktien auf dem Vormarsch, wie er in einer Mitteilung zur Investmentstrategie des Unternehmens schreibt.

So geht es 2023 vorerst weiter

Die Themen von 2022 werden selbstverständlich nicht vom einen Tag auf den anderen verpuffen. Die Inflation werde, so Denize, in den USA schneller sinken als in Europa. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Dinge seien die Kerninflationsraten, ohne Energie- und Lebensmittelpreise. Denn nur, wenn jene Kerninflationsrate fällt, sei es den Notenbanken möglich, von ihrem restriktiven Kurs abzurücken. Zusätzlich bergen die hohen Infektionszahlen in China derzeit Risiken für die Lieferketten. Auch ein Wachstums- oder Kostenschub in einem rezessiven Umfeld sei dabei möglich.

Erst Anleihen, dann Aktien

Die Kurzfristzinsen sind seit Monaten höher als die langfristigen Zinsen – normalerweise ein Signal für eine bevorstehende Rezession, was die Anleger dazu veranlasst, Zinssenkungen vonseiten der Fed, also des Zentralbanksystems der USA, zu erwarten. Ein Irrtum, wie Denize findet. Bei Staatsanleihen sei weiterhin Vorsicht geboten, Unternehmensanleihen böten jedoch wieder gute Renditechancen. Die Renditen liegen auf historischen Höchstständen und hätten demnach einen Puffer für den Fall weiterer, auch unerwarteter Zinserhöhungen.

Emittenten im Investment-Grade-Segment hätten ausreichend Liquidität zur Verfügung, um auch schwierigeren Phasen zu trotzen. Und: Auch Aktien seien jetzt attraktiver bewertet. Noch sei die Korrektur nicht ausreichend stark genug, um alle Überbewertungen abzubauen, heißt es von Denize. Insbesondere in den USA seien die Risikoprämien nicht allzu üppig, Europa dagegen erscheine für eine Phase weiter steigender Zinsen besser gerüstet. Denize findet, dass Anleger den Fokus zunächst auf Anleihen legen sollten. Im späteren Jahresverlauf könnten dann die Aktienquoten in einem zweiten Schritt erhöht werden.

So würde Oddo die Schwerpunkte setzen

Im Bereich Anleihen seien nach ODDOs Einschätzung sowohl Investment-Grade- als auch High-Yield-Anleihen interessante Einstiegsmöglichkeiten. Angesichts des „attraktiven Rendite-Risiko-Profils“ ist ODDOs Favorit das Euro-High-Yield-Segment. Selbst in extremen Negativszenarien seien hier noch positive Renditen herauszuholen.

Auf dem Gebiet der Aktien legt ODDO als Basisszenario eine moderate Rezession in Europa und eine globale Wachstumsabschwächung zugrunde. Dann hätten europäische Aktien, insbesondere die „weiterhin stark unterbewerteten Value-Aktien“, Kurspotenzial, findet Denize. Europäische Banken, die von steigenden Zinsen profitieren, würden ebenfalls mit einem Abschlag gehandelt, der sich nicht allein durch ihre im Vergleich zu US-Instituten schwächere Profitabilität rechtfertigen lasse.

Im Zuge der Digitalisierung fänden Anleger ODDO zufolge nun in Bereichen wie Zahlungsverkehr und Finanzdienstleistungen, E-Commerce oder KI/Cloud Computing marktführende Unternehmen zu Preisen, wie sie „schon lange nicht zu beobachten waren.“ Wie sich die derzeit schwächelnden Nebenwerte entwickeln, sei abzuwarten, bis die Zinsen ihren Höhepunkt erreicht hätten. An den Schwellenmärkten seien Bewertungen und Makro-Daten „selten so günstig“ gewesen.

Ausblick: Mit Geduld kommen die Chancen

2023 werde von den Anlegern Geduld fordern, denn der „Schock von 2022“ halle auch 2023 nach, findet Denize. Für eine signifikante Neupositionierung müsste die Inflation ihren Zenit erreichen und das Ende des Zinserhöhungszyklus in Sicht sein. Es bedürfte zudem einer Stabilisierung der Renditekurve. Weiterhin müssten zentrale Marktindikatoren ihren Tiefstand gesehen haben. Und die eine oder andere negative Überraschung bei der Inflation und der Geldpolitik sei auch nicht auszuschließen.

Insgesamt bleibt Denize aber hoffnungsvoll. Seiner Ansicht nach werde man sich als Anleger im Verlauf des neuen Jahres mehr auf die Anlagechancen als auf die Anlagerisiken konzentrieren können. (mki)

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