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Fondseinstufungen nach Artikel 8 und 9 SFDR kein Gütesiegel

Das IVA untersucht nachhaltige Finanzprodukte und -dienstleistungen und zeigt auf, warum einige nachhaltige Fonds viele Kunden befremden. Bei der Einstufung der Fonds nach Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung z. B. gibt es keine ganzheitliche Betrachtung. Das führt zu enttäuschten Kunden.

<h5>Ein Artikel von Dr. Dirk Rathjen, Vorstand der Institut für Vermögensaufbau (IVA) AG</h5><p>Nachhaltigkeit in der Geldanlage ist ein Thema, das die Finanzbranche derzeit umtreibt wie kaum ein anderes. Eine große Frage ist, welche Finanzprodukte, insbesondere Fonds, eigentlich nachhaltig sind. Viele Fondsgesellschaften bieten Fonds an, die zwar als nachhaltig beworben werden, sich bei genauem Hinschauen jedoch als Mogel­packungen erweisen.</p><p>Um dieses „Greenwashing“ zu vermeiden, suchen unter anderem Versicherer und Berater nach verlässlichen Indikatoren, welche Fonds wirklich nachhaltig sind. Ein naheliegendes Kriterium ist die Einstufung des Fonds nach Offenlegungsverordnung (SFDR). Wenn Fonds nach Artikel 8 (ökologische oder soziale Merkmale werden beworben bzw. gefördert) oder 9 (eine nachhaltige Investition wird angestrebt) der SFDR kategorisiert sind, sollten Anleger sicher sein können, nachhaltig zu investieren. Dennoch gibt es regelmäßig Berichte, dass viele der nach Artikel 8 oder 9 eingestuften Fonds nicht nachhaltig seien.</p><h5>Was ist die Ursache des Problems?</h5><p>Wie so häufig ist es eine Frage der Definition. Die meisten Menschen haben eine diffuse Vorstellung, was sie sich unter „Nachhaltigkeit“ vorstellen sollen. Andere haben zwar klare Vorstellungen, diese unterscheiden sich aber massiv. Anleger, die unter „Nachhaltigkeit“ primär die Bekämpfung des Klimawandels verstehen, finden eine Aktie wie Tesla nachhaltig, weil das Unternehmen Elektroautos herstellt. Wer unter „nachhaltig“ hingegen den fairen Umgang mit Mitarbeitern und Kunden versteht, ist über solch ein Unternehmen mög­licherweise entsetzt. Wer beides berücksichtigt, kann zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Wenn also ein Fonds, der Climate Change im Namen trägt und nach Artikel 9 klassifiziert ist, in Tesla investiert, kann dies nach seiner Definition nachhaltig sein, für viele Anleger aber ein Grund zur Empörung. Dies hat nichts mit Greenwashing zu tun, sondern mit den zahllosen völlig unterschiedlichen Definitionen von „Nachhaltigkeit“. Der Climate-Change-Fonds zielt nicht auf ganzheitliche Nachhaltigkeit ab, sondern nur auf einen einzelnen Teilaspekt. Ganzheitlichkeit ist ein Schlüssel zur Auflösung der Missverständnisse.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Woran krankt die Einstufung in der Praxis?--><h5>Woran krankt die Einstufung in der Praxis?</h5><p>Die EU hat im Rahmen ihres Green Deals eine Reihe von Verordnungen erlassen, die sich mit Nachhaltigkeit befassen. In Artikel 2 Absatz 17 der Offenlegungsverordnung steht: „… nachhaltige Investition (bezeichnet) eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines Umweltziels beiträgt … oder eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines sozialen Ziels beiträgt … vorausgesetzt, dass diese Investitionen keines dieser Ziele erheblich beeinträchtigen.“</p><p>Bei der Definition gibt es drei große Knackpunkte:</p><ul><li>„eines Umweltziels“ – In der Praxis heißt das beispielsweise: Ein Solarzellenhersteller, der besonders viel Wasser verbraucht und überdurchschnittlich viele Arbeitsunfälle hat, ist für einen Fonds, der nur den Klimawandel bekämpfen soll, gut geeignet. Er darf nur keinen „erheblichen Schaden“ anrichten. Was genau „erheblicher Schaden“ bedeutet, darf jeder Produktanbieter einstweilen selbst entscheiden. Ganzheitlichkeit ist nicht vorgegeben. </li><li>„wirtschaftliche Tätigkeit“ – Die EU klassifiziert nicht Unternehmen als solche, sondern ihre wirtschaftlichen Aktivitäten wie die Produktion von Stahl oder Strom. Da es zehntausende Produkte und Dienstleistungen gibt, die Taxonomie der EU aber nur für einen kleinen Bruchteil Nachhaltigkeit spezifiziert, lassen sich nur wenige Unternehmen nach der Taxonomie vollständig bewerten, rund 5%. Für die übrigen 95% ergibt die Anwendung der Taxonomie Ergebnisse wie „3% der wirtschaftlichen Aktivitäten sind nachhaltig, 2% nicht nachhaltig, 95% nicht nach Taxonomie einstufbar“. Hinzu kommt: Die Taxonomie existiert bisher erst für Umweltaspekte. Für soziale Aspekte liegt sie noch gar nicht vor. Es lässt sich somit einstweilen kein einziges Unternehmen nach der Taxonomie als sozial nachhaltig einstufen. Deshalb können sich Fondsgesellschaften schlecht auf die Taxonomie in ihrem jetzigen unfertigen Zustand stützen. Eine Analyse von Morningstar aus dem Juli 2022 zeigte entsprechend, dass nur 27% der Artikel-8/9-Fonds überhaupt einen Mindestanteil taxonomiekonformer Investments angaben. Von diesen wiederum bezifferten 90% der Fonds diese Quote auf null. </li><li>Die Klassifizierung wird von den Produktanbietern selbst vorgenommen, nicht von einer neutralen Instanz. Sie ist also kein Gütesiegel. Artikel 8 und 9 stammen aus der Offenlegungsverordnung, nicht aus einer Green-Label-Verordnung. Die Klassifizierung ist somit nicht als Qualitätsstempel zu verstehen.</li></ul><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Sind Artikel-9-Fonds nicht strenger als Artikel-8-Fonds?--><h5>Sind Artikel-9-Fonds nicht strenger als Artikel-8-Fonds?</h5><p>Die DVO 2022/1288 stellt klar, dass Fonds, die Nachhaltigkeit anstreben (Artikel-9-Fonds) nur nachhaltige Investitionen tätigen sollen, während Artikel-8-Fonds auch andere Investitionen tätigen können. Allerdings wird hier keine ganzheitliche Nachhaltigkeit verlangt. Ein Fonds, der das Umweltziel Klimawandel anstrebt, muss Aspekte wie Wasserverbrauch, Abfall oder Behandlung von Menschen nur so weit berücksichtigen, dass kein „erheblicher Schaden“ angerichtet wird.</p><p>Artikel 9 fordert nicht, dass Investitionen ganzheitlich nachhaltig sein sollen. Im Rahmen der Auswertungen der Fondspaletten deutscher Lebensversicherer für den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ wies das Institut für Vermögensaufbau (IVA) nach, dass die angebotenen Artikel-9-Fonds bei ganzheitlichen ESG-Bewertungen im Durchschnitt nicht besser abschnitten als die Artikel-8-Fonds. Ein Handelsblattartikel vom 13.06.2022 stellte ebenfalls fest, dass die für ihn vom IVA untersuchten Artikel-9-Fonds aus ganzheitlicher Perspektive nur auf mittelstrenge Nachhaltigkeit kamen.</p><h5>Was tun?</h5><p>Ganzheitliche ESG-Ratings anschauen. Sie basieren auf hunderten von Kriterien, unter anderem den 64 PAIs der EU bzw. vergleichbaren Indikatoren. Die ganzheit­lichen ESG-Ratings von ISS finden sich zum Beispiel auf <a href="https://www.fondsweb.com/de&quot; target="_blank" >fondsweb.de</a>, die von Sustainalytics auf <a href="https://www.morningstar.de/de/&quot; target="_blank" >morningstar.de</a>. Die Noten der einzelnen Unternehmen und daher auch der Fonds unterscheiden sich mitunter sehr stark, daher sollte man jeweils mehrere ESG-Ratings für jeden Fonds anschauen. Einige Versicherer lassen ihre Fondsportfolios vom Institut für Vermögensaufbau nach einer Vielzahl von ESG-Ratings durchleuchten und bewerten. Die Portfolios bekommen zwischen einem und fünf Bäumen. Zusätzlich gibt es einen Prüfbericht, der erläutert, wie die Noten zustande kommen.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 54 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Vlad Chorniy– stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/123DD38A-908E-4C7F-949F-8FB053B0F780"></div>

 
Ein Artikel von
Dr. Dirk Rathjen

Unternehmen sehen „Licht am Ende des Tunnels“ Ende 2023

2022 war eines der schwierigsten Jahre der jüngeren Geschichte für Unternehmen. Aktuell befinden sich einige Branchen schon in einer leichten oder schwereren Rezession, wie eine Analystenumfrage von Fidelity International zeigt.

Jedes Jahr führt der Finanzdienstleister und Vermögensverwalter Fidelity International eine Umfrage unter seinen Analysten zur erwarteten Wirtschaftslage durch. 2022 standen die Unternehmen vor vielen Herausforderungen und auch 2023 lassen hohe Preise und Zinsen zu Beginn nicht allzu viel Optimismus zu, wie es in der Mitteilung von Fidelity heißt.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Die Analysten rechnen zwar mit einem „Licht am Ende des Tunnels“ für 2023 – wenn auch die erste Hälfte des Jahres sich wirtschaftlich schwierig gestalten dürfte. 60% der Analysten seien überzeugt, dass sich ihre Branchen bereits in einem Abschwung, in einer leichten oder schwereren Rezession befinden. Laut der Umfrage, bei der Informationen aus rund 15.000 Interaktionen mit Firmen gesammelt werden, um zentrale Trends in den Unternehmen aufzuspüren, wird der Kostendruck in den meisten Branchen und Regionen in der ersten Jahreshälfte seinen Höhepunkt erreichen.

In den nächsten zwölf Monaten erwarten die Analysten einen Anstieg der Zahlungsausfälle und auch die zuletzt gestiegenen Ausschüttungen an die Aktionäre dürften ebenso zurückgehen wie Fusionen und Übernahmen. 73% der Fidelity-Analysten gehen davon aus, dass es sich bei den von ihnen erwarteten M&A-Transaktionen um kleinere, ergänzende Akquisitionen handeln wird. 74% gaben an, dass für die Unternehmenslenker bis auf Weiteres Kostensenkungen und Ankurbeln des Umsatzes im Vordergrund stehen statt Investitionen in Wachstum oder die Aktionärsrendite.

 

Unternehmen sehen „Licht am Ende des Tunnels“ Ende 2023

 

Bessere globale Konjunkturlage Ende 2023?

Sollte der „Wiedereröffnungspoker“, wie es Fidelity nennt, klappen, werde es in China einen Neustart geben. Da das „Reich der Mitte“ seine Null-Covid-Politik hinter sich lässt, scheint sich seine Wirtschaft in einer anderen Phase des Konjunkturzyklus zu befinden. Die meisten Fidelity-Analysten, die China und seine Unternehmen beobachten, erwarten für das Land in den nächsten zwölf Monaten das höchste Umsatzwachstum unter allen Regionen.

Eine derart positive Stimmung zeigte sich auch in den jüngsten monatlichen Umfragen von Fidelity. Im Dezember und im Januar berichteten diese über eine positive Stimmung unter Firmenentscheidern. Im Dezember hatte China damit begonnen, seine strengen Corona-Auflagen zu lockern und die Weichen für eine Wiederöffnung zu stellen. Seitdem gehe es auch an den Aktienmärkten stark bergauf, sagt Fiona O’Neill, Leiterin des Bereichs Strategic Initiatives, Global Investment Research, bei Fidelity International. Gedämpft werde die Zuversicht allerdings von der Angst vor einem Wiederhochschnellen der Corona-Zahlen, da Peking eine 180-Grad-Wende von strenger Abschottung zu einer schnellen Wiederöffnung vollzogen hat. Kurzfristig also könnten die Geschäfte unter einem hohen Krankenstand leiden. Ein holpriger Neustart bis zur Normalisierung der Infektionszahlen wäre die Folge.

Fokus auf ESG

Die überwiegende Mehrheit der Fidelity-Analysten (90%) berichtet, dass ihre Unternehmen den ESG-Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung gleich viel oder mehr Aufmerksamkeit schenken als vor einem Jahr. Nur 8% der Analysten erwarten jedoch, dass die Unternehmen die von ihnen verursachten Belastungen für die Artenvielfalt an Land innerhalb der nächsten zwölf Monate verringern werden. Mit Blick auf die Biodiversität in den Ozeanen liege der Wert nur bei 6%. (mki)

Bild: © Rochu_2008 – stock.adobe.com

 

Spezialfonds mit „beachtlicher Wertentwicklung“ seit 2009

Der BVI Bundesverband Investment und Asset Management e. V. hat erstmals einen Index zur Wertentwicklung von offenen Wertpapier-Spezialfonds eingeführt. Ergebnis: Die ausgewerteten Fonds stellen sich als Anlagemöglichkeiten mit „stabiler Wertentwicklung“ heraus.

Im Dezember 2022 meldete das Beratungsunternehmen in seinem Quartalsbericht zu Spezialfonds noch einen starken Rückgang des Spezialfondsvolumens in Deutschland (AssCompact berichtete: Spezialfondsvolumen bricht ein). Die Versicherer waren damals die großen Verlierer mit einem Volumenrückgang von 117 Mrd. Euro bei Spezialfonds von Versicherungen.

Doch 2022 war an der Börsenfront durch den Ukraine-Krieg, die Inflation und die Energiekrise ein – diplomatisch ausgedrückt – anspruchsvolles Jahr. Langfristig und insgesamt betrachtet dürfte das Gesamtnarrativ nicht so negativ sein, was neu veröffentlichte Daten zu einem Wertpapier-Spezialfondsindex vom BVI Bundesverband Investment und Asset Management e. V. (BVI) nahelegen.

BVI-Spezialfondsindex blickt auf Wertentwicklung seit 2009

Mit dem Spezialfondsindex hat der BVI die Wertentwicklung von Wertpapier-Spezialfonds seit 2009 bis Ende November 2022 untersucht. Berücksichtigt wurden dabei die Daten 2.700 Fonds, wobei für den Index das arithmetische Mittel der Fondsrenditen herangezogen wurde. Derartige Wertpapier-Spezialfonds sind für deutsche institutionelle Investoren wie z. B. Altersvorsorgeeinrichtungen, Versicherer, Banken und Stiftungen „zentraler Portfoliobaustein“, heißt es in den Ergebnissen der BVI-Untersuchung.

Index in den letzten 13 Jahren gewachsen

Vom 31.12.2009 bis zum 30.11.2022 ist der Index durchschnittlich pro Jahr um 4,1% gestiegen. Euro-Staatsanleihen haben – gemessen am ICE BofA Euro Government Index – um 2,2% p. a. zugelegt. Europäische Aktien, gemessen am MSCI Europe, hatten ein durchschnittliches Wachstum von 7% p. a.

 

 Spezialfonds mit „beachtlicher Wertentwicklung“ seit 2009

 

Seit Ende 2009 seien die Schwankungen bei Fonds nicht nur deutlich geringer gewesen als bei vielen Aktienindizes, sondern auch im Vergleich zu Euro-Staatsanleihen, schreibt der BVI. Die Wertentwicklung der Spezialfonds sei trotz des „gut gesteuerten Risikos“ beachtlich. Ihre Sharpe Ratio liegt bei 0,98 und damit um Einiges besser als die von europäischen Aktien (0,57) oder Staatsanleihen (0,47).

Wertentwicklung „stabil“, aber im Vergleich zu Aktien „moderat“

Die Wertentwicklung bewertet der BVI als „stabil und gut“, aber im Vergleich zu Aktien als „moderat“, was wohl an der konservativen Ausrichtung der Portfolios liege. Die große Bedeutung von Anleihen hänge vor allem mit regulatorischen Vorgaben zusammen, denn durch regelmäßige Zinserträge würden Auszahlungsverpflichtungen sichergestellt, die für viele institutionelle Investoren (z. B. Versicherer) relevant seien.

Der BVI-Spezialfondsindex lässt sich auch für einzelne Anlegergruppen auswerten. Die höchste Wertentwicklung wiesen mit über 4% p. a. Fonds für Banken und Stiftungen aus. Diese investierten überdurchschnittlich stark in Aktien. Spezialfonds für Versicherungsunternehmen lagen durch die strenge Regulierung der Anlagepolitik bei jährlich 3,6%. Keine Anlegergruppe erzielte in den letzten fünf Jahren Verluste.

Sind Spezialfonds Alternative Investmentfonds?

Formal gelten die Spezialfonds nach EU-Recht als „Alternative Investmentfonds“ (AIF). So werden sie auch reguliert, obwohl, so der BVI, das eigentliche Regulierungsziel der AIFM-Richtlinie Hedgefonds und Private-Equity-Fonds seien. Der Verband will durch die Auswertung zeigen, dass Spezialfonds seiner Ansicht nach eben nicht zu dieser Gruppe von Fonds zählen. (mki)

Bild: © gopixa – stock.adobe.com; Grafik: © BVI

 

Wie nachhaltig kann ein ETF sein?

Nachhaltige ETFs orientieren sich an ökologisch und sozial ausgerichteten Indizes. Niedrige Gebühren in Kombination mit hohem Anspruch lautet das Versprechen. Anleger sollten genau prüfen, welche Unternehmen sich tatsächlich im Index wiederfinden. Auch andere Aspekte sollten sie im Blick behalten.

Ein Artikel von Dag Rodewald, Head ETF & Index Fund Sales Deutschland & Österreich bei UBS Asset Management

Bei der Frage, wie „nachhaltig“ ETFs überhaupt sein können, steht diese Anlageklasse vor dem gleichen Problem wie jede andere auch: Dem Mangel an einer einheitlichen und klaren Definition des Begriffs Nachhaltigkeit. Das Beispiel Atomenergie veranschaulicht dies sehr gut. Während sie in Deutschland schon seit vielen Jahren unter anderem vor dem Hintergrund der ungeklärten Endlagerthematik als nicht nachhaltig gilt, haben unsere Nachbarn in Frankreich und Polen durchaus einen wohlwollenderen Blick auf Kernenergie. Auch die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr Atomkraft und Erdgas als unter bestimmten Bedingungen klimafreundlich eingestuft.

ETF-Investoren haben unterschiedliche Ansprüche

Hinzu kommen unterschiedliche Ansprüche auf Investorenseite. Beispielsweise möchten manche Anleger unter keinen Umständen in Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe investieren. Andere wiederum sehen im „Engagement“ eine Chance zur Verbesserung der Situation und investieren in Unternehmen, die sich dazu verpflichten, ihren Kohlenstoffverbrauch im ersten Schritt zu reduzieren. Daher wird eine breite Diversifizierung von Indizes immer wichtiger. Sie unterscheiden sich vermehrt durch verschiedene Ausschluss- und Filterprinzipien, um die differenzierten Ansprüche abbilden zu können.

Institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen hingegen unterliegen oftmals strikten Vorgaben, vor allem im Hinblick auf die Abweichung vom Mutterindex. So darf oft der Trackingerror zum Mutterindex für diese Investorengruppen aus Rendite-Risiko-Abwägungen nicht zu hoch sein, was wiederum besonders strenge Auswahlkriterien, wie sie beispielsweise bei SRI-Indizes (Socially Responsible Investing) angewendet werden, ausschließen kann. Für die Vermögensverwaltungen wiederum kann ein ETF auf SRI-Grund­lage jedoch genau die richtige Nachhaltigkeitslösung darstellen, aber am Ende nur noch ein Viertel des ursprünglichen Anlageuniversums widerspiegeln.

Auf das G in ESG achten

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeits-ETFs sollten Anleger besonders die Unternehmensführung, das heißt das „G“, das in ESG-Investitionen (Environment, Social, Governance) steckt, immer im Blick haben. Analysen zeigen, dass Unternehmen, die in allen Bereichen gut und nachhaltig geführt werden, deutlich seltener in Unternehmensskandale verwickelt sind als Unternehmen, die hier weniger gut bewertet werden. Daher steht die Bewertung von „Governance“ bei vielen Nachhaltigkeitsanalysen an erster Stelle.

Für Anbieter von ETFs heißt das alles: Den „einen“ nachhaltigen ETF kann es nicht geben. Die Frage, was „nachhaltige“ Investitionen eigentlich sind, ist stark vom individuellen Anleger abhängig. Deshalb sind diese mit in der Verantwortung. Sie selbst müssen sich zuallererst fragen: Welche nachhaltigen Aspekte sind für mich bei meinen Investitionen am wichtigsten? Die ETF-Industrie ist mittlerweile so flexibel und breit aufgestellt, dass sie durch die Entwicklung unterschiedlichster Indizes eine große Bandbreite an Anlegerbedürfnissen abdeckt.

Orientierung für Anleger

Eine Orientierung schafft dabei die bisher vorhandene Regulatorik. Rahmenwerke wie die Offen­legungsverordnung oder das BVI-Verbändekonzept bieten einen ersten und guten Leitfaden – und dies sowohl für Investoren als auch für Produktanbieter. Eine Herausforderung für Produktanbieter ist allerdings, dass zahlreiche europäische Länder darüber hinaus zusätzliche, in einigen Fällen voneinander abweichende Nachhaltigkeitskriterien definiert haben. Daher kann es passieren, dass manche Produkte nicht in allen europäischen Ländern als nachhaltig gelten. Hier wäre eine länderübergreifende Harmonisierung sicherlich wünschenswert.

Nicht zu unterschätzen ist neben den bekannten Regelwerken auch die eigene Einflussnahme, die Investoren beim Kauf von ETFs auch zu Anteilseignern machen. ETF-Anbieter mussten sich in der Vergangenheit den Vorwurf gefallen lassen, dass sie von ihren Stimmrechten auf Hauptversammlungen nicht Gebrauch machen, obwohl sie aufgrund ihrer Größe ein enormes Gewicht hätten. Auch hier sehen wir in den letzten Jahren eine erfreuliche Umkehr. Viele ETF-Häuser entwickeln mittlerweile umfangreiche Stewardship-Richtlinien und setzen diese um. Anleger können die erreichten Ziele in regelmäßig veröffentlichten Stewardship Reports nachverfolgen. Auch gehen ETF-­Anbieter vermehrt in den Dialog mit Indexanbietern, um bestimmte Kriterien zusätzlich zum bereits bestehenden Regelwerk in die Indizes aufzunehmen.

Neben Regelwerken und Stewardship Reports gibt es noch einen weiteren Aspekt, der für Anleger von nachhaltigen ETFs wichtig sein kann. Es geht um die Frage, ob ein ETF physisch oder synthetisch repliziert sein sollte. Mit der zunehmenden Wichtigkeit für Engagement beantwortet sich diese Frage aber beinahe von selbst. Denn einen Zugang zu den Unternehmen bekommen Anleger nur, wenn sie tatsächlich Anteile am Unternehmen halten. Das heißt, physisch replizierte ETFs sind hier im Vorteil. Ein weiteres Selektionskriterium kann für einen Anleger sein, ob in einem Nachhaltigkeits-ETF Wertpapierleihe eingesetzt wird. Zahlreiche Anleger präferieren hier Lösungen, die die Wertpapierleihe per Prospekt ausschließen.

Der ETF der Zukunft

Für UBS Asset Management als ETF-Anbieter ist das Thema Nachhaltigkeit ein Aspekt, der sich in den letzten zehn Jahren zu einem festen Bestandteil des Produktangebots entwickelt hat. Seit 2011 wird auf Kundenseite ein steigendes Interesse beobachtet, was seit 2015 noch mal einen zusätzlichen Schwung bekommen hat – und nun, insbesondere durch den spürbaren Klimawandel, auch im täglichen öffentlichen Diskurs angekommen ist. Nachhaltige Investments bilden mittlerweile bei nahezu allen Kundensegmenten den Kern der jeweiligen Investments. Sie haben sich als das „New Normal“ etabliert.

Im Jahr 2023 werden Umweltkriterien und der Kampf gegen den Klimawandel sicherlich den Hauptfokus bei neuen ETFs darstellen. UBS geht sogar davon aus, dass wir in naher Zukunft keine Unterscheidung mehr zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen ETFs haben werden und dass dann wahrscheinlich nur noch nach Artikel 8 und Artikel 9 eingestufte Produkte gemäß der Offenlegungsverordnung angeboten werden.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 56 f., und in unserem ePaper.

Bild: © William W. Potter – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Dag Rodewald

BUX und BlackRock starten neues Angebot für ETF-Sparpläne

Der europäische Neobroker BUX und BlackRock, einer der weltweit größten Vermögensverwalter, bringen zusammen ein neues ETF-Sparplanangebot auf den Markt. In acht Ländern Europas sollen damit Portfolios bestehend aus iShares ETFs verwaltet werden können.

Seit dem 31.01.2023 gibt es bei dem Neobroker BUX ein neues Angebot zum Verwalten von ETF-Portfolios bestehend aus iShares ETFs. Das Angebot wurde in Zusammenarbeit mit einem der weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock aufgebaut und ist in acht europäischen Ländern verfügbar.

iShares-ETFs bei BUX verwalten

Künftig ermöglicht es BUX Anlegern, Portfolios mit iShares ETFs zusammenzustellen. Dabei steht den Nutzern ein globales Angebot an Anleihe- und Aktien-ETFs mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit, Themeninvestments, Sektoren und Stilfaktoren zur Verfügung.

BUX ist laut eigener Website der „am schnellsten wachsende Neobroker in Europa“. ETF-Sparpläne können dort ab 10 Euro pro ETF und Monat und einer Gebühr von 1 Euro pro Portfoliotransaktion erstellt werden. Mit dem neuen Angebot soll Anlegern in Europa die Möglichkeit gegeben werden, die Vorteile von ETFs zu nutzen und über ein leicht zugängliches, günstiges Tool an den globalen Märkten anzulegen, so Christian Bimueller, Head of Digital Distribution Continental Europe bei BlackRock.

Unzureichendes Wissen als größte Hürde beim Investieren

In einer von BUX in Auftrag gegebenen Umfrage, die zwischen Mai und Juni 2022 von Kantar bei 5.000 Befragten in fünf europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande und Spanien) durchgeführt wurde, gaben 42% „mangelnde Kenntnisse“ als Grund dafür an, dass sie ihr Geld nicht anlegen. 40% wüssten außerdem nicht, „wo sie anfangen sollen“. Obwohl langfristiges Investieren von zentraler Bedeutung für eine stabile finanzielle Zukunft sein kann und 39% der Befragten langfristiges Sparen als wichtigste Motivation für eine Geldanlage nannten, ergab die Umfrage, dass sich ein Großteil der Umfrageteilnehmer in Europa dafür zu unsicher fühlt.

Unsicherheit auch in Deutschland

Laut der Studie stehe bei 18% der befragten Anleger in Deutschland langfristiges Sparen im Vordergrund. 13% derjenigen, die keine Geldanlage tätigen, begründeten dies mit fehlendem Wissen. 12% erklärten, sie wüssten nicht, wo sie anfangen sollen. 27% der Anleger in Deutschland verfügen bereits über eine Geldanlage und 19% beschäftigen sich aktiv mit Möglichkeiten einer Anlage und wollen damit in den nächsten sechs Monaten beginnen.

Bild: © Nico Herzog/Wirestock – stock.adobe.com

 

ÖKORENTA meldet 2022 „herausragendes Geschäftsjahr“

Die ÖKORENTA-Gruppe, Asset-Manager im niedersächsischen Aurich, konnte trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen im letzten Jahr große Erfolge verbuchen. Mittlerweile verwaltet das Unternehmen Anlagen im Wert von fast 1 Mrd. Euro.

Unsicherheiten an den Märkten, die Energiepreisexplosion und die hohe Inflation machten 2022 zu einem sehr herausfordernden Wirtschaftsjahr. Doch auch in solchen Zeiten gibt es Unternehmen, die Erfolge verbuchen können, so z. B. der Vermögensverwalter ÖKORENTA, der sich auf nachhaltige Sachwertinvestments spezialisiert.

2022 hat das Unternehmen zwei alternative Investmentfonds (AIF) als Artikel-9-Produkte der höchsten EU-Nachhaltigkeitskategorie emittiert und insgesamt 35,44 Mio. Euro Eigenkapitalvolumen platziert, teilt ÖKORENTA mit.

Fast 1 Mrd. Euro Assets in der Verwaltung

Ende Juni 2022 wurde der ÖKORENTA Infrastruktur 13E, der erste Fonds für E-Ladeparks, mit einer Platzierungssumme von insgesamt 22,26 Mio. Euro (inkl. Agio) erfolgreich geschlossen. Anfang August startete der Vertrieb des dunkelgrünen Portfoliofonds ÖKORENTA Erneuerbare Energien 14, der bis Jahresende 16,91 Mio. Euro (inkl. Agio) eingesammelt hat, und Anfang November wurde der dunkelgrüne Spezial-AIF ÖKORENTA ÖKOstabil 15, der sich an professionelle und semiprofessionelle Anlegerinnen und Anleger richtet, in den Vertrieb genommen. Bis Jahresende wurden darin 5,44 Mio. Euro platziert.

Mittlerweile liegen bei der ÖKORENTA-Gruppe über 950 Mio. Euro Assets under Management. Der „Meilenstein“ von 1 Mrd. Euro an verwaltetem Kapital rückt näher, was ein riesiger Erfolg für die Unternehmensgruppe sei, kommentiert Jörg Busboom, geschäftsführender Gesellschafter der ÖKORENTA, den Erfolg.

Investitionsseitiges und personelles Wachstum

Das Ankaufsvolumen der Vorjahre an werthaltigen Assets aus den Bereichen Wind-, Solar- und E-Ladeparks für ihre Fonds konnte ÖKORENTA mit 53,5 Mio. Euro Eigenkapital bzw. 150 Mio. Euro Assets under Management deutlich überbieten, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Personell ist die ÖKORENTA-Gruppe ebenfalls gewachsen. Zum Hauptsitz Aurich kam im Juli 2022 ein Standort in Leer hinzu und die Münchener Niederlassung ist in größere Räumlichkeiten umgezogen, um auch auf weiteres Wachstum vorbereitet zu sein. (mki)

Bild: © malp – stock.adobe.com

 

Amundi startet Klima-ETF mit Green-Bond-Tilt

Der Vermögensverwalter und ETF-Manager Amundi will eine breite und granulare Palette an Klima-ETFs anbieten. Zu diesen gesellt sich nun ein weiterer Euro Corporate Bond ETF, der einen „Paris-Aligned Benchmark“ abbildet.

<p>Amundi EUR Corporate Bond Climate Net Zero Ambition PAB UCITS ETF – so lautet der Name eines neuen Euro Corporate Bond ETF aus dem Hause des europäischen Vermögensverwalters und ETF-Managers Amundi. Er ist laut einer Mitteilung des Unternehmens das Ergebnis eines Indexwechsels und der Umbenennung des Lyxor ESG Euro Corporate Bond (DR) UCITS ETF, die am 11.01.2023 stattfand.</p><p>Der ETF bildet den Bloomberg MSCI Euro Corporate Paris Aligned Green Tilted Index ab. Mit laufenden Gebühren von 0,14% und einem verwalteten Vermögen von über 900 Mio. Euro sei er laut Amundi der kostengünstigste und einer der größten ETFs auf diesen Index.</p><h5>Klima-ETF mit Green-Bond-Tilt</h5><p>Der Index biete ein Engagement in Euro-dominierten Investment-Grade-Unternehmensanleihen und schließe in kontroverse Aktivitäten verwickelte Unternehmen „strikt“ aus. Darunter fallen, so der Vermögensverwalter, Alkohol, Glücksspiel, Tabak, konventionelle Waffen, zivile Schusswaffen, Nuklearwaffen, unkonventionelles Öl- und Gasgeschäft, thermische Kohleverstromung sowie Förderung von Erdöl und Erdgas aus der Arktis.</p><p>Weiterhin erfülle der ETF die Anforderungen der Paris Aligned Benchmarks der EU, die eine Netto-Null-Welt bis 2050 und eine Begrenzung des globalen durchschnittlichen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius unterstützen. Außerdem verfolge der Index das Ziel, die absoluten Kohlenstoffemissionen jährlich um 7% zu senken und die Kohlenstoffintensität im Vergleich zum investierbaren Universum sofort um 50% zu reduzieren. Darüber hinaus habe der Index einen Green-Bond-Tilt. Green Bonds würden also übergewichtet und Unternehmen mit einem Finanzierungsbedarf für grüne Projekte bevorzugt. (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Picture Office – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/4E15DEE2-19E2-401F-999F-5735742F2460"></div>

 

Dividendenausschüttungen 2023: Allzeithoch in Europa erwartet

Allianz Global Investors, der zum Versicherungskonzern Allianz gehörende Vermögensverwalter, rechnet im Jahr 2023 in Europa mit Dividendenausschüttungen von rund 387 Mrd. Euro. Das würde nach dem Rekordwert von 2022 ein weiteres Allzeithoch bedeuten.

Nachdem die Dividendenausschüttungen vor der Corona-Pandemie stetig gesunken waren, ging es 2021 und 2022 wieder stark bergauf – und der Trend soll sich 2023 fortsetzen, wie die Experten des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AGI) prophezeien. Der im letzten Jahr aufgestellte Rekordwert von 382 Mrd. Euro Dividenden am MSCI Europe soll dieses Jahr gleich wieder überboten werden – um gut 1% bei Ausschüttungen im Wert von 387 Mrd. Euro.

In einer Studie untersuchte AGI die Entwicklung von Dividenden in den letzten Jahren. Fazit: Dividenden würden auch in unruhigen Zeiten für Stabilität sorgen.

Dividendenausschüttungen 2022 auf hohem Niveau

Einen „warmen Dividendenregen“ soll es 2023 bei europäischen Aktienanlegern geben. Am MSCI Europe wurden 2022 rund 382 Mrd. Euro an Anteilseigner ausgeschüttet – ein Rekordwert, meldet AGI. Und auch wenn die Dividenden aus den 2021 angefallenen Gewinnen gezahlt wurden und somit kein Abbild der Gewinnsituation von 2022 seien, wie es in der AGI-Studie heißt, zeige sich, dass 2022 ein weiterer Schritt auf dem „Weg zurück zur Normalität“ gewesen sei und den Unternehmen an einer stetigen, verlässlichen Dividendenpolitik liege.

 

Dividendenausschüttungen 2023: Allzeithoch in Europa erwartet

 

In Anbetracht all der Ereignisse sei die Bereitschaft zur Dividendenausschüttung etwas überraschend gewesen. Bei den drei Aktienindizes STOXX Europe 600, S&P 500 und Datastream Asien ex Japan sind in nahezu allen Branchen 2021 und 2022 die Zahlen der Dividendenzahlen gestiegen. Weiterhin gebe es vor allem in Europa auch historisch eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Im Zeitraum von 1978 bis 2022 waren in Europa fast 35% der gesamten Aktienerträge auf Dividenden zurückzuführen. In Nordamerika und Asien lagen die entsprechenden Werte bei rund 26,5% und 30,5%.

Dividendenrendite in Europa

Konkret erhöhte sich die Dividendenrendite in Deutschland und Frankreich von zuvor jeweils ca. 2,25% auf rund 3,5% bzw. 3%, in Italien und Spanien von knapp 3% auf 5% bzw. 4%. Hierbei habe zwar auch der 2022 auf breiter Front beobachtete Aktienkursrückgang eine Rolle gespielt, aber in allen genannten Ländern habe die Dividendenrendite weiterhin deutlich die Nominalrenditen zehnjähriger Staatsanleihen übertroffen.

Dr. Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei AIG und Autor der Studie, findet, dass vor allem in Jahren mit negativer Kursentwicklung Aktiendepots durch Dividenden Stabilität verliehen bekommen. „In derartigen Jahren können Dividendenzahlungen aus Anlegersicht Kursverluste zum Teil, manchmal sogar in Gänze, auffangen. Unseren Berechnungen zufolge liegt zudem die durchschnittliche Kursvolatilität von Dividendenzahlern signifikant und systematisch unter der der Nicht-Zahler.“ (mki)

Weitere Informationen zur Dividendenstudie 2023 von Allianz Global Investors: Dividendenausschüttungen 2023 in Europa: Weiterer leichter Anstieg auf 387 Mrd. Euro

Bild: © Dilok – stock.adobe.com

 

Kein Monat im Jahr 2022 mit Nettomittelabflüssen

Die FondsKonzept AG blickt trotz Börsenturbulenzen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2022 zurück. Das führt das Unternehmen unter anderem darauf zurück, dass die Makler ihren Kunden im Auf und Ab der Börse Orientierung bieten. Bei der Profilierung hinsichtlich Social Media leistet FondsKonzept derweil Schützenhilfe.

<h5>Interview mit Alexander Lehmann, Vorstand Marketing & Vertrieb der FondsKonzept AG</h5><h5>Herr Lehmann, 2022 war ein hartes Jahr für Anleger. Sowohl Anleihen als auch Aktien kamen unter die Räder. Wie hat sich das auf die FondsKonzept AG ausgewirkt?</h5><p>Das administrierte Bestandsvolumen lag am 30.11.2022 bei 14,1 Mrd. Euro und ist damit gegenüber dem Stand von 15,8 Mrd. Euro zum Jahresultimo 2021 leicht gesunken. Beim Nettomittelaufkommen in Höhe von 785 Mio. Euro für Deutschland und Österreich liegen wir nach elf Monaten auf Kurs zu einem weiteren sehr guten Geschäftsjahr. Während beim Saldo aus Zuflüssen und Rückgaben der Investmentfondsanteile die Rück­gaben auf dem Vorjahresniveau liegen, rangieren die Zuflüsse aktuell noch gut 10% darunter. Wir sind jedoch überzeugt, die Lücke durch ein starkes Jahresend­geschäft verringert zu haben.</p><h5>Und wie sehen die Zahlen im Vergleich zu 2021 aus?</h5><p>In der unverbindlichen Vorausschau auf die Geschäftszahlen sollte das Jahr 2022 besser als 2020 sein, aber nicht das Niveau des Rekordjahres 2021 erreichen. So gab es im Jahr 2022 nicht einen Monat mit einen negativen Saldo beim Nettomittelaufkommen. Die Kunden der Maklerinnen und Makler haben die Turbulenzen an den globalen Märkten nicht zum Anlass genommen, panikartig zu verkaufen. Dies ist ein professionelles Verhalten, das auch die Beratungsleistung mit dem Fokus auf Langfristigkeit insbesondere bei Aktienfonds unterstreicht. Der FondsKonzept Konzern ist damit weiter auf einem gesunden Wachstumskurs. </p><h5>Und worauf führen Sie die guten Zahlen im vergangenen Jahr zurück?</h5><p>Die Ergebnisse lassen sich zu einem kleineren Teil auf die Aktivitäten neuer Maklerinnen und Makler zurückführen. Der größere Teil resultiert aus einer effektiven Ausschöpfung der Potenziale durch smartMSC als neueste Version des Maklerservicecenters und einem intensiven Support unsererseits sowie der Investmentfondsgesellschaften.</p><h5>Haben Sie bemerkt, dass bestimmte Produkte 2022 häufiger vermittelt wurden oder deutlich schlechter liefen?</h5><p>Auf den vorderen Plätzen beim Nettoabsatz standen Multi-Asset- und Aktienfonds. Bei den Aktienfonds dominierten die internationalen Produkte und weniger Regional- oder Themenfonds. Darüber hinaus lässt sich sagen, dass Clean Shares ohne Provisionsanteile, die stattdessen über eine Servicegebühr oder ein Beratungshonorar vermittelt werden, in der Maklerwelt angekommen sind.</p><h5>Die Welt steuert 2023 aller Voraussicht nach auf eine Rezession zu. Wie sehen Sie Ihr Unternehmen auf diese weiterhin turbulenten Zeiten vorbereitet?</h5><p>Der FondsKonzept Konzern und die Tochterunternehmen der Muttergesellschaft FondsKonzept AG sind gut aufgestellt, um mit gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Risiken umgehen zu können. Das Gleiche gilt für die Maklerinnen und Makler, die von der Servicedimension des smartMSC und seinen ergänzenden Bausteinen FinanceCloud, FinanceApp, FinanceScreen oder dem optionalen FondsShop profitieren. Mit den genannten digitalen Tools gelingt es, Finanzberatung für die Kundinnen und Kunden zum Erlebnis werden zu lassen. Im Zusammenspiel mit dem Makler werden neue Kommunikations- und Informationswelten geschaffen, die sich über häufigere Kontaktpunkte und eine höhere Potenzialausschöpfung positiv auf alle Beteiligten auswirken.</p><h5>Das klingt ambitioniert. Was lassen Sie sich das kosten?</h5><p>Um eine solche Infrastruktur aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, sind jährliche Investitionen in die IT-Infrastruktur in Millionenhöhe erforderlich. Hierfür sind die im Marktvergleich überdurchschnittliche Eigenkapitalbasis bei der FondsKonzept AG und ein ordentlicher Cashflow für die Innenfinanzierung der genannten Investitionen eine gute Basis sowie ein stabiler Rückhalt.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Und welche Empfehlungen geben Sie Ihren Verbundmaklern für den Umgang mit Kunden, die sich von dem Auf und Ab an den Kapitalmärkten verunsichern lassen?--><h5>Und welche Empfehlungen geben Sie Ihren Verbundmaklern für den Umgang mit Kunden, die sich von dem Auf und Ab an den Kapitalmärkten verunsichern lassen?</h5><p>Wir können, wie zuvor gesagt, keine solche Verunsicherung bei den Kundinnen und Kunden feststellen. Die Absatzzahlen sprechen klar dagegen. Die Maklerinnen und Makler nutzen die digitale Infrastruktur, um Marktlagen zeitnah, individuell und objektiv zu erklären, was zu gut informierten Kunden führt. Darüber hinaus gelten die bekannten Regeln wie ein langfristiger Anlagehorizont und eine breite, internationale Streuung über verschiedene Anlageklassen. Wir stellen in diesem Zusammenhang seit einigen Jahren einen Trend zu fondsgebundenen Vermögensverwaltungen fest. Von den Vorteilen wie Risikostreuung, Handlungsschnelligkeit und Reduzierung der Haftungsrisiken profitieren Makler wie Kunde gleichermaßen.</p><h5>Noch in der ersten Jahreshälfte 2022 hatte Ihr Haus bekannt gegeben, den Vertrieb von alternativen Investmentfonds (AIFs) vollständig digitalisiert zu haben. Was ist das Besondere an diesem Angebot und wie wird es bisher angenommen?</h5><p>Die digitale Beratungsstrecke für alternative Investmentfonds wurde wie geplant in der ersten Jahreshälfte umgesetzt. Die Maklerinnen und Makler können seitdem auch bei alternativen Investmentfonds von der Erstinformation bis zum Vertragsschluss mit digitalen Prozessen arbeiten. Damit sind AIFs den Wertpapierfonds gleichgestellt und eröffnen den Partnern neue Möglichkeiten im Vertrieb. Die Potenziale werden nach aktuellen Zahlen gut genutzt. So sind inzwischen die Zeichnungssummen zweistellig, was zu weiteren Steigerungsraten in diesem Segment führen sollte.</p><h5>Sie hatten Anfang 2022 außerdem angekündigt, Ihr Dienstleistungsangebot im Bereich Online-Marketing auszuweiten. Wie sieht das Ergebnis aus und wie zufrieden sind Sie damit?</h5><p>Die digitale Vertriebsunterstützung durch smartMSC und unsere Vertriebsmanager vor Ort basiert auf zwei Säulen. Zum einen ermöglicht sie die operative Umsetzung sämtlicher Geschäftsprozesse über ein digitales Backoffice. Zum anderen profitieren die Maklerinnen und Makler von einer strukturellen sowie strategischen Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells in einer 360-Grad-Betrachtung. Im Zentrum steht ein hybrider Beratungsprozess aus traditioneller persönlicher Beratung und einer breiteren Sichtbarkeit in digitalen Schaufenstern. Hierzu gehört auch das Online-Marketing mit dem Angebot, die Webseiten des Maklers professionell nach den neuesten Standards zu gestalten. Es stehen drei Baukastenlösungen sowie eine komplett individuelle Gestaltung der Maklerwebsite zur Verfügung. Die Umsetzung der Präsenz der Makler auf Social-Media-Plattformen erfolgt über den System­anbieter und Datenlieferanten CAPinside als Partner.</p><h5>Helfen Sie den Maklern auch direkt weiter, wenn es um den Auftritt in den sozialen Netzwerken geht?</h5><p>Wie die Maklerinnen und Makler von den Social-Media-Aktivitäten am besten profitieren und wie sie sie in ihre Sales-Strukturen einbinden, zeigen wir ihnen über ein umfangreiches Schulungs- und Webinar­angebot. Ein Beispiel ist hier die Akademie mit Tobias Schmidt. Auch der FondsKonzept Konzern hat diesbezüglich seine Aktivitäten mit einer deutlich gesteigerten Social-Media-Präsenz ausgebaut.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 01/2023, s. 52 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © </i><i class="font-twelve-italic" >Alexander Lehmann, FondsKonzept AG</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/6AB40349-222E-48F6-AC29-8FEE93E362E5"></div>

 
Ein Interview mit
Alexander Lehmann