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Kryptoverwahrung: Bank schließt Kapilendo-Übernahme ab

Das Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe hat die Übernahme des Kryptoverwahrers Kapilendo Custodian abgeschlossen. Der Kryptoverwahrer soll in das bestehende Geschäft der Bank integriert werden. Hauck Aufhäuser Lampe ist bisher das einzige deutsche Bankhaus mit einer Erlaubnis zur Verwahrung von Kryptowerten.

Hauck Aufhäuser Lampe hat die Übernahme der Kapilendo Custodian AG, eines Kryptoverwahrers mit der Erlaubnis zur Verwahrung von Kryptowerten, abgeschlossen. Über Kapilendo bietet die Bank Services in der regulierten Verwahrung von Kryptowährungen, Token, Kryptowertpapieren und -fondsanteilen an. In einem ersten Schritt steht hierbei die Verwahrung von digitalen Assets in strukturierten Fondsprodukten im Vordergrund.

Verwahrung mithilfe von Private Keys

Die Verwahrung erfolgt laut dem Bankhaus in Form von kryptografischen Schlüsseln (Private Keys), die dazu dienen, digitale Assets wie Kryptowährungen zu halten, zu speichern oder zu übertragen. Die Anbindung an einen ebenfalls regulierten und lizensierten Handelspartner für Kryptowährungen ermögliche Kunden Zugang zu einer Vielzahl von Produkten und stelle das kurzfristige Onboarding neuer Token basierend auf bestehenden Standards sicher.

Alleinstellungsmerkmal für das Bankhaus

„Die Verwahrung von digitalen Assets sehen wir als ein wichtiges Element unseres Produktangebots – von der eigenen Krypto-KVG bis zur Verwahrstelle“, sagt Holger Sepp, Mitglied des Vorstands von Hauck Aufhäuser Lampe. „Damit ermöglichen wir Kunden eine integrierte Anbindung an diese neue Asset-Klasse. Als bisher einzige deutsche Bank mit einer Erlaubnis zur Verwahrung von Kryptowerten bieten wir dabei gewohnte Prozesse einer etablierten Privatbank gepaart mit einem verlässlichen und beaufsichtigten Zugang zu digitalen Assets.“

Kryptoverwahrung wird in Bankgeschäft integriert

Das Kryptoverwahrgeschäft werde in das Geschäft von Hauck Aufhäuser Lampe integriert und damit an bestehende Prozesse und Produkte zur Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette angebunden. Dabei werde auf die Bankinfrastruktur zur Bereitstellung von IT-Dienstleistungen auf gewohntem „Institutional-Grade-Level“ zurückgegriffen. (tku)

Bild: © Alexander Limbach – stock.adobe.com

 

Sanktionen gegen Russland: Marktturbulenzen halten an

Die europäische VTB-Tochter soll verkauft werden, Russland begleicht Zinszahlungen doch noch und die Börse Moskau hat den Handel wieder aufgenommen. Von Normalität dennoch keine Spur. Fondshäuser sitzen auf eingefrorenen russischen Titeln und ein Staatsbankrott Russlands ist weiterhin möglich.

Nachdem AssCompact zuletzt laufend die Auswirkungen der gegen Russland gerichteten Sanktionen auf die europäische Finanz- und Versicherungswirtschaft betrachtet hat, folgt mit diesem Beitrag eine kurze Zusammenfassung verschiedener Entwicklungen, die sich in den letzten Tagen ergeben haben.

VTB Bank Europe

Die VTB Bank Europe soll Informationen des Handelsblatts zufolge verkauft werden. Die EU-Tochter der von den westlichen Sanktionen betroffenen russischen VTB-Bank ist zwar in Frankfurt ansässig, nimmt seit Anfang März jedoch keine Privatkunden mehr an. Hintergrund ist laut Handelsblatt wohl ein Einlageaufnahmestopp, der von einer Finanzbehörde ausgesprochen wurde. Anscheinend soll auf diese Weise sichergestellt werden, dass über die Europa-Tochter der russischen VTB Bank kein Geld an den Sanktionen vorbei nach Russland transferiert wird.

Robo liquidiert

Bereits zuvor hatte die VTB Bank Europe ihren Robo-Advisor liquidiert und die Kunden vor die Wahl gestellt, sich das Guthaben auszahlen zu lassen oder das Depot auf den DJE-Robo Solidvest zu übertragen (AssCompact berichtete: VTB will Robo-Depots liquidieren).

Zinszahlungen auf russische Anleihen

Am 16.03.2022 wurden Zinszahlungen auf zwei russische Anleihen in US-Dollar fällig, die zunächst nicht bedient wurden. Vermutet wurde zu dem Zeitpunkt, dass Russland entweder nicht willens sei, die Zinszahlungen zu bedienen oder die westlichen Sanktionen die technische Abwicklung erschwert hätten. Dass die Devisenreserven Russlands ausreichen würden, um die Zinsen zu bedienen, stand außer Frage. Fällig war lediglich eine Zinszahlung von 117 Mio. US-Dollar geworden. Die Devisenreserven der Russischen Föderation beliefen sich im Januar 2022 laut Statista noch auf einen Gegenwert von knapp 500 Mrd. US-Dollar.

Einige Tage später erhielten die Inhaber der Anleihen ihre Zinszahlungen doch noch, wie die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters meldeten. Zwischenzeitlich bediente Russland noch weitere Zinszahlungen.

Seitdem sind die Augen der Marktbeobachter auf den 04.04.2022 gerichtet. An diesem Tag muss Russland eine Anleihe in Milliardenhöhe zurückzahlen und damit seine Zahlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Ab Mitte April dürfte die Bonität Russlands dann noch schlechter einschätzbar werden. Nach dem 15.04.2022 ist es Ratingagenturen dann nicht mehr gestattet, eine Einschätzung zur Zahlungsfähigkeit Russlands und russischer Unternehmen abzugeben, wie AssCompact bereits berichtete: Russland: Ratingagenturen müssen wegsehen).

Moskauer Börse öffnet wieder

An der Börse in Moskau ist man zwar noch weit vom Normalbetrieb entfernt, aber am 24.04.2022 öffneten sich die Tore der größten Börse Russlands zumindest für einen verkürzten Handelstag wieder. Handelbar waren zunächst lediglich 33 Titel. Leerverkäufe waren untersagt.

Am 28.03.2022 ließ Moskau dann wieder alle russischen Aktien zum Handel zu. Westlichen Investoren ist es jedoch weiterhin untersagt, Verkäufe zu tätigen. In Ländern, die sich den Sanktionen gegen Russland angeschlossen haben, sind russische Titel unverändert vom Handel ausgeschlossen.

Russischer Leitindex gestärkt (und gestützt)

Zum Handelsstart stieg der russische Leitindex zunächst kräftig an und legte dann abgesehen von einem kurzen Rücksetzer am 29.03.2022 weiter zu. Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass das Verkaufsverbot für ausländische Investoren, das Verbot von Leerverkäufen sowie die Angst russischer Investoren vor höheren Inflationsraten die Kurse stützten. Außerdem habe auch der russische Staatsfonds zur Börsenöffnung massiv Liquidität bereitgestellt. Ob dem so ist und wenn ja, welcher Einfluss diesem Faktor zukäme, bleibt unklar.

Fondsanbieter werden russische Papiere nicht los

Für Fondsgesellschaften und Privatanleger bleibt die Lage unverändert. Beispielsweise hatte der norwegische Staatsfonds nach Kriegsbeginn mitgeteilt, dass russische Titel aus dem Portfolio geworfen würden. Auch große Indexanbieter haben Russland aus ihren Indizes gestrichen. Aktuell werden die Fondsbetreiber die Werte aber aufgrund der Sanktionen und Handelsbeschränkungen nicht los. Sollten die Titel wieder handelbar werden, dürften allein die Verkäufe all der ETF-Anbieter, die aufgrund der geänderten Zusammensetzung ihrer Indizes verkaufen müssen, die Kurse weiter abrutschen lassen.(tku)

Bild: © Who is Danny – stock.adobe.com

 

ETF-Sparpläne könnten sich bis 2026 vervierfachen

Eine Studie im Auftrag des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock prognostiziert, dass die Zahl der monatlichen Sparplanausführungen bis 2026 auf 20 Millionen steigen könnte. Das Anlagevolumen der deutschen Privatanleger in ETFs würde dann 350 Mrd. Euro betragen. Die Studie wirft jedoch auch Fragen auf.

Die Zahl der monatlich ausgeführten ETF-Sparpläne soll in den kommenden Jahren deutlich stärker steigen als bisher angenommen. Das geht aus einer Studie des Informationsdienstes extraETF im Auftrag des Vermögensverwalters BlackRock hervor.

20 Millionen Sparpläne pro Monat

In der Prognose geht extraETF davon aus, dass die Zahl der ETF-Sparpläne bis 2026 um 33% p. a. auf 20 Millionen steigen wird – aktuell sind es lediglich 4,9 Millionen. In vier Jahren würde dann statistisch gesehen auf jeden vierten Deutschen ein ETF-Sparplan entfallen. Das Anlagevolumen, das Privatanleger dann in ETFs halten würden, beziffern die Studienautoren mit 350 Mrd. Euro.

Anbieter mit großem ETF-Angebot
ETF-Sparpläne könnten sich bis 2026 vervierfachen

Verbraucherschützer, Finanzmedien und spezialisierte Finanzportale empfehlen Privatanlegern in der Regel ETFs als kostengünstiges Investitionsvehikel. An den Kapitalmärkten führe in Zeiten von Niedrig- oder Strafzinsen ohnehin kein Weg vorbei. Hinzu komme laut extraETF, dass das Aufkommen der Neobroker diesen Trend beschleunigt habe. Der Markteintritt von Anbietern wie Trade Republic oder Scalable Capital habe die Gebühren insgesamt gesenkt und bei Sparplänen auch zu gebührenfreien Modellen geführt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die schiere Zahl an besparbaren ETFs, die mittlerweile auf den verschiedenen Plattformen angeboten werden. Siehe nebenstehende Grafik.

Annahmen der Studie

Die jährlich erscheinende Prognosestudie wurde im Mai 2020 zum ersten Mal von BlackRock und extraETF erstellt. Die der Prognose zugrundeliegenden Annahmen sind nachvollziehbar, aber doch nicht unumstritten. Sie lauten im Einzelnen:

  • Es besteht weiterhin ein Mangel an sinnvollen Sparalternativen.
  • Die Zinsen bleiben bleiben weiterhin niedrig. Sparen auf Tagesgeld bleibt unattraktiv.
  • ETF-Sparpläne werden weiterhin kostengünstig angeboten (Neobroker, Rabattaktionen).
  • Die ETF-Anbieter unterstützen die Banken weiterhin bei Rabattaktionen.
  • Neue Sparangebote (FinTechs), die ETFs zum Vermögensaufbau nutzen, betreten den Markt.
Kritische Einordnung

Zum einen scheint es mittlerweile aber zumindest fraglich, ob die Zinsen tatsächlich weiterhin so niedrig bleiben werden, angesichts der im Raum stehenden Leitzinserhöhungen der Notenbanken. Und zum anderen könnte ein länger anhaltender Bärenmarkt die Begeisterung der deutschen Investoren für ETF-Sparpläne nachhaltig erschüttern. Festzuhalten bleibt, dass es sich bei der Studie lediglich um die Fortschreibung eines erfreulichen Trends in die Zukunft handelt.

Des Weiteren ist unklar, welche Aussagekraft der Zahl der ETF-Sparpläne in Deutschland zukommt. Da Sparplanausführungen mittlerweile niedrige oder keine Kosten nach sich ziehen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass einzelne Sparer eine Vielzahl von ETFs besparen. Zur Verteidigung der Studie sei jedoch angemerkt, dass sie auch die Entwicklung des Sparvolumens insgesamt abbildet und dieses mit der Anzahl der Sparplanausführungen korreliert. (tku)

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ESMA schützt Anleger vor Greenwashing und Influencern

Die ESMA will der Finanzindustrie aufmerksamer auf die Finger schauen und entschlossen gegen Greenwashing vorgehen. Das ist einem Gespräch der Chefin der EU-Finanzmarktaufsicht mit dem Handelsblatt zu entnehmen. In dem Interview geht es außerdem um die aktuellen Turbulenzen an den Kapitalmärkten.

Zuletzt hatte sich die Finanzmarktaufsicht der EU (ESMA) mehrfach mit warnenden Worten an die Anleger gewandt. In einer dieser Warnungen, über die AssCompact berichtete, ging es auch um die Risiken von Investments in Kryptowährungen. In einer anderen stellte die ESMA bereits Mitte Februar erhebliche Marktkorrekturen in Aussicht – noch bevor der Einmarsch Russlands in der Ukraine die Märkte zum Wanken brachte (AssCompact berichtete).

Hohe Volatilität an den Rohstoffmärkten

Im Rahmen eines Interviews mit dem Handelsblatt hat ESMA-Chefin Verena Ross nun betont, dass die Risiken an den Märkten weiterhin hoch seien. Gerade an den Rohstoffmärkten ließen sich besonders große Kursschwankungen verzeichnen.

Liquiditäts- und Bewertungsprobleme

Ross macht aber noch auf ein weiteres Problem aufmerksam. Gerade bei Produkten, die eng mit dem russischen oder ukrainischen Markt zusammenhingen, gebe es derzeit nicht nur Liquiditäts-, sondern auch Bewertungsprobleme. „Es ist in der aktuellen Situation nicht einfach, eine angemessene Bewertung bestimmter Fonds darzustellen“, so die ESMA-Chefin. Weitere Informationen zum EU-Rating-Verbot sind hier zu finden.

Krieg, Inflation und Leitzinserhöhungen

Welche Auswirkungen es nach sich ziehen würde, wenn Russland in die Staatspleite schlittern würde, vermag Ross nicht abzuschätzen. Die aktuellen Marktturbulenzen dürften jedoch nicht nur mit dem Ukraine-Krieg erklärt werden. Auch die hohen Inflationsraten und mögliche Zinserhöhungen hielten die Volatilität hoch.

Neobroker und Influencer

Gefragt nach dem Einfluss von Neobrokern wie Trade Republic und Scalable Capital auf das Anlegerverhalten merkt Ross an, dass es zunächst zu begrüßen sei, dass die Digitalisierung mehr Anlegern den Weg an die Kapitalmärkte ebne. Allerdings erfülle es die ESMA mit Sorge, dass die Plattformen zum schnellen und häufig auch spekulativen Trading verleiteten. Ebenso kritisch sieht Ross den Einfluss von Influencern auf Investitionsentscheidungen von Privatanlegern.

Finanzindustrie stärker überwachen

Auch auf die Finanzindustrie kämen neue Herausforderungen zu. „Beim Verbraucher- und Investorenschutz sehe ich Handlungsbedarf für das gesamte Finanzsystem, das kann die ESMA nicht alleine lösen“, so Ross im Interview. „Vorschriften verpflichten Finanzfirmen bereits heute, im besten Interesse ihrer Kunden zu handeln. Aber die Einhaltung dieser Regeln muss intensiver überwacht werden.“

Kampf gegen Greenwashing

Und auch das Thema Greenwashing steht bei der ESMA weit oben auf der Agenda. Die Informationen, die Anlegern aktuell zur Verfügung gestellt werden, seien noch nicht ausreichend, sagt Ross. Die EU-Vorschriften, die im Kampf gegen Greenwashing erlassen werden, sollten demnach in den verschiedenen Mitgliedsstaaten einheitlich umgesetzt werden.

ESG mit mehr S und G

Demnächst werde es hinsichtlich der EU-Taxonomie aber nicht mehr nur um Umweltaspekte bei der Bewertung von Investments gehen. Auch soziale Aspekte sowie jene der Unternehmensführung würden künftig verstärkt miteinbezogen, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit gehe. „Ich bin überzeugt, dass sich die Taxonomie weiterentwickeln wird“, so Ross zu diesem Punkt.

Das Interview in voller Länge kann hier nachgelesen werden. (tku)

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Multi-Asset-Ansatz trifft Nachhaltigkeit

Franklin Templeton und Standard Life haben einen aktiv gemanagten ESG-Mischfonds aufgelegt. Was es mit der engen Kooperation auf sich hat, wie die Unternehmen sicherstellen, dass ihr Fonds die Welt ein Stück weit besser macht und wie es um weitere Kooperationen steht, erklären Christian Nuschele und Martin Stenger.

<h5>Interview mit Christian Nuschele, Head of Sales & Marketing bei Standard Life, und Martin Stenger, Director Sales Business Development Insurance & Retirement Solutions bei Franklin Templeton</h5><h5>Herr Nuschele, was hat Standard Life und Franklin Templeton dazu bewogen, gemeinsam einen Fonds aufzulegen?</h5><p><b>Christian Nuschele</b> Die Auflage des Fonds war das Ergebnis eines sehr offenen Dialogs und einer sehr intensiven Zusammenarbeit. Das erste Gespräch fand am Rande eines Kongresses statt. Es war nicht so, dass Franklin Templeton auf uns zukam und alle bestehenden Lösungen vorgestellt hat. Martin Stenger hat ganz offen gefragt, was aus unserer Sicht Kundinnen und Kunden im Fondspolicen-Angebot vermissen könnten. Wir kamen recht schnell zum Ergebnis, dass ein aktiv gemanagtes ESG-Multi-Asset-Port­folio im Fondspolicenmarkt fehlt. Wir haben danach gemeinsam die Anforderungen an den Fonds immer weiter konkretisiert und Franklin Templeton hat mit seinen ESG- und Portfoliomanagement-Experten eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt. Mit der Auflage des Franklin ESG-Focused Balanced Fund haben wir also ganz gezielt eine bestehende Angebotslücke geschlossen. </p><h5>Weshalb haben Sie sich bei Auflage des Fonds gerade für eine Multi-Asset-Lösung entschieden?</h5><p><b>CN</b> Wir sehen seit Jahren, dass sich Kundinnen und Kunden für aktiv gemanagte Multi-Asset-Lösungen entscheiden und den Asset-­Managern die Zusammenstellung bzw. die Anpassungen des Portfolios überlassen wollen. Gleichzeitig sehen wir eine deutliche Entwicklung hin zu nachhaltigen Fonds. Umso überraschender ist es, dass es im Bereich der Aktien- oder Anleihefonds zwar gute Einzellösungen gibt, die unter Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung einsortiert werden können, eine überzeugende aktiv gemanagte Multi-Asset-­Lösung aber gefehlt hat. Diese Lücke haben wir mit dem neuen Fonds geschlossen. Der Multi-Asset-Fonds legt ausgewogen an, also gleichgewichtet in Aktien und Anleihen, wobei der jeweilige Anteil je nach Marktsituation um 10 Prozentpunkte angepasst werden kann. Die erwartete Volatilität liegt im niedrigen zweistelligen Bereich, maximal bei 15%. All dies passt ganz hervorragend zum Bedarf langfristig orientierter Vorsorgekunden und macht den Fonds zum passenden nachhaltigen Core-Investment für Anlegerinnen und Anleger.</p><h5>Herr Stenger, Fondsgesellschaften wird immer wieder vorgeworfen, mit dem Label ESG nur Greenwash­ing betreiben zu wollen – zuletzt beispielsweise von der Bürger­bewegung Finanzwende. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihr Fonds wirklich „grün“ ist?</h5><p><b>Martin Stenger</b> Wir schauen auf allen drei Ebenen – Umwelt, Soziales und Governance – sehr genau hin, was im Fonds stattfinden darf, und das Forum Nachhaltige Geldanlagen, kurz FNG, hat die hohe Qualität unseres Ansatzes mit zwei Sternen attestiert. Auf der Aktienseite beziehen wir nicht nur ESG-Daten von mehreren Dienstleistern, sondern kategorisieren und priorisieren diese auch je nach Relevanz für unser Portfolio. Das ist aufwendig und erfordert viel „in house“-­Expertise, unterscheidet uns aber von anderen. Auf der Anleihenseite haben wir uns auf europäische Anlagen konzentriert, um die Qualität in Bezug auf den ESG-Ansatz hoch zu halten. Dies ist ein wichtiger Punkt, der in den jüngsten Überlegungen zur EU-Taxonomie vertieft wurde und uns im Nachhinein in unserem Ansatz bestätigt hat.</p><h5>Blicken wir einmal tiefer in den Anlageprozess: Wie wird die ESG-Strategie konkret umgesetzt?</h5><p><b>MS</b> Wichtig für Anleger ist es zu wissen, dass die Integration von ESG-Daten an mehreren Stellen der Portfoliokonstruktion passiert, und zwar bei Aktien, Staats- sowie Unternehmensanleihen. Für das Aktienportfolio identifiziert das Portfoliomanagement Unternehmen mit starken ESG- und fundamentalen Eigenschaften, die durch unsere proprietäre Scoring-Methode untermauert werden. Aufseiten der Staatsanleihen kommt ebenfalls ein proprietäres ESG-Ratingmodell zum Einsatz, bei dem Länder auf Basis ihrer Exposition gegenüber bestimmten Risiken bewertet werden. Bei den Unternehmensanleihen werden die Manager von dem fundamentalen ESG-Research der Sektor­experten innerhalb von Franklin Templeton unterstützt. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Warum haben Sie sich gegen eine kostengünstigere Lösung basierend auf nachhaltigen ETFs entschieden?--><h5>Warum haben Sie sich gegen eine kostengünstigere Lösung basierend auf nachhaltigen ETFs entschieden?</h5><p><b>CN</b> Es war eine ganz bewusste Entscheidung für einen Asset-­Manager, der von Anfang an auf den Bedarf unserer Kunden und Vermittler eingegangen ist und diesen ganz gezielt umgesetzt hat. Franklin Templeton bietet ja auch passive Lösungen an. Im Rahmen der Entwicklung des Konzeptes sind wir aus unterschiedlichen Gründen zum Entschluss gekommen, dass ein aktiv gemanagtes Portfolio die bessere Lösung für unsere Kundinnen und Kunden ist. Natürlich haben wir bei der Entwicklung auch darauf geachtet, dass wir den Fonds zu einem sehr günstigen Preis anbieten können. Dank spezieller Vorzugskonditionen ist der Fonds in unseren Fondspolicen zu einer TER (Gesamtkostenquote) von nur 0,35% p. a. verfügbar. Kundinnen und Kunden erhalten damit einen aktiv gemanagten Multi-­Asset-Fonds auf dem Preisniveau eines ETFs.</p><h5>Anbieter trimmen aktuell große Teile ihres Produktportfolios auf Nachhaltigkeit. Ist das eine Reaktion auf die anziehende Nachfrage oder wird hier nur ein Marketing-Trend bedient?</h5><p><b>MS</b> Das Thema nachhaltiges Investieren wird aufgrund von zwei Effekten immer bedeutender: aufgrund des Push-Effekts, da die Regulatorik hier immer weiter voranschreitet und immer mehr Standards setzt, und aufgrund eines Pull-Effekts, da das Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen in der Breite der Anlegerschaft gestiegen ist. Beides zusammen genommen ist weit mehr als ein Marketing-Trend. Ich glaube, es ist nicht vermessen zu behaupten, dass echte nachhaltige Fonds dabei helfen, unsere Welt ein Stück weit besser zu machen. </p><h5>Die EU macht beim Thema ESG Druck. Auch Berater müssen sich künftig verstärkt der ESG-Thematik stellen. Welche Rolle kann hierbei Ihre neue Fondslösung spielen?</h5><p><b>MS</b> Vermittlerinnen und Vermittler sollten sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Aktuell ist das zwar eher noch etwas für Spezialisten, aber über kurz oder lang wird an dem Thema kein Weg mehr vorbeiführen. Und das nicht nur, weil Nachhaltigkeitspräferenzen voraussichtlich ab August 2022 bei der Beratung angesprochen werden müssen, sondern vor allem auch, weil die Nachfrage weiter steigen wird. Der neue Fonds ist speziell für den Bedarf nachhaltig orientierter Kundinnen und Kunden entwickelt, er erfüllt die regulatorischen Anforderungen und die Nachhaltigkeit wird von unabhängigen Institutionen wie dem FNG bestätigt. Darüber hinaus ist Multi-Asset ein zentrales Investmentthema der vergangenen Jahre. Umso erstaunlicher ist es, dass es noch sehr wenige Fonds gibt, die beides – Nachhaltigkeit und Multi-Asset – sinnvoll miteinander kombinieren. Die Berater sind damit bestens aufgestellt, die großen Investmentchancen mit nachhaltigen Aktien und Anleihen für sich und ihre Kunden zu nutzen.</p><h5>Gehen Sie davon aus, dass Ihr Vorgehen Schule machen wird und es zu weiteren Partnerschaften zwischen Versicherern und Fondshäusern kommen wird?</h5><p><b>CN</b> Fondspolicen sind mehr als nur eine Alternative zum Depot – sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Altersvorsorge und der Finanzplanung unserer Kunden. Um den Besonderheiten eines Versicherungsproduktes gerecht zu werden, sind maßgeschneiderte Konzepte nötig – und diese entstehen durch enge Partnerschaften. Das wird in der Zukunft immer häufiger passieren, da bin ich mir sicher.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 03/2022, S. 62 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-03-2022/66454067&quot; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Pcess609 – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/3DED7DB7-CDD3-49BC-A33A-51E07197091F"></div>

 
Ein Interview mit
Christian Nuschele
Martin Stenger

Finanzsektor pumpt 740 Mrd. US-Dollar in Öl, Kohle und Gas

Aus dem Finanzsektor fließen immer noch gewaltige Geldsummen in die Finanzierung des Geschäfts mit fossilen Energieträgern. Das zeigt eine aktuelle Studie des Think Tanks InfluenceMap. Demnach haben 2020/21 allein die 30 größten Finanzinstitute mindestens 740 Mrd. US-Dollar investiert.

InfluenceMap hat eine umfassende Bewertung der 30 größten börsennotierten Finanzinstitute der Welt vorgenommen. Dabei hat der Think Tank unter anderem festgestellt, dass diese 30 Institute in den Jahren 2020 und 2021 zusammengenommen mindestens 740 Mrd. US-Dollar in die Finanzierung der Wertschöpfungskette fossiler Energieträger investiert haben.

Unterstützung und Widerstand zugleich

Dieses Ergebnis stelle eine deutliche Diskrepanz zwischen den Handlungen des Finanzsektors und den Zielen dar, die sich die Unternehmen selbst gesetzt haben. Obwohl 29 der 30 bewerteten Finanzkonzerne sich im Einklang mit der Initiative Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) auf Klimaziele für 2050 festgelegt hätten, seien alle untersuchten Unternehmen nach wie vor Mitglieder von Verbänden der Finanzindustrie, die sich gegen eine sich abzeichnende nachhaltige Finanzpolitik wehren – einschließlich der Offenlegungspflichten des Finanzsektors in der EU und der Anforderungen zur Berücksichtigung von ESG als Teil der Investitionspflichten in den USA.

Einige europäische Häuser sind progressiver

Darüber hinaus seien laut InfluenceMap 15 der 30 ausgewerteten Finanzinstitute Mitglieder von Branchenverbänden der Realwirtschaft, die direkt im Sinne der Fossilbrennstoff-Lobby agierten. Eine kleine Anzahl von Finanzinstituten, wie BNP Paribas, AXA und Allianz, widersetzten sich dem Branchentrend und engagierten sich mit zumeist ehrgeizigen Positionen für eine nachhaltige Finanzpolitik. Der größte Geldgeber für die Finanzierung fossiler Brennstoffe wiederum war 2020/2021 mit 81 Mrd. US-Dollar JP Morgan.

Berichterstattung lückenhaft

Es sei des Weiteren unklar, ob oder wie die Institute diese Diskrepanzen angehen wollten, da nur elf Finanzinstitute sich sektorübergreifende Ziele gesetzt hätten. Die klimabezogene Berichterstattung der Finanzinstitute weise aus diesem Grund durchweg erhebliche Lücken auf. Nur 7 der 30 Finanzinstitute hätten Pläne für den Ausstieg aus der Kraftwerkskohle im Einklang mit den 1,5°C-Richtlinien des IPCC aufgestellt. Lediglich Barclays, BNP Paribas, ING und Société Générale hätten sich verpflichtet, ihr Engagement im Öl- und Gassektor bis 2025 zu reduzieren. (tku)

Bild: © hramovnick – stock.adobe.com

 

BlackRock sieht das Ende der Globalisierung gekommen

Der Ukraine-Krieg belastet die Weltwirtschaft. Doch der Konflikt mit Russland wird auch helfen, die Energiewende zu beschleunigen und kann digitalen Währungen zum Durchbruch verhelfen, so BlackRock-Chef Larry Fink. Gleichzeitig markiere der Krieg das Ende der Globalisierung, wie wir sie kannten.

BlackRock-CEO Larry Fink hat den Ukraine-Krieg zum Anlass genommen, um sich in einem Aktionärsbrief an die Anteilseigner des weltgrößten Vermögensverwalters zu wenden. Darin bringt Fink aber nicht nur die Solidarität von BlackRock mit dem ukrainischen Volk zum Ausdruck, sondern konstatiert eine Zeitenwende.

Westen handelt entschlossen

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine markiere das Ende der Globalisierung, wie wir sie kannten. Gleichzeitig lobt der CEO die Entschlossenheit, mit der die westlichen Staaten und auch der Finanzsektor der russischen Aggression entgegengetreten sind.

„Decoupling“-Bestrebungen absehbar

Fink erwartet, dass die Abhängigkeit – gerade Europas – von russischem Erdgas, die uns aktuell vor Augen geführt wird, zu einem Umdenken von Firmen und Staaten führen wird bzw. bereits geführt hat. Es werde zu einer Entkopplung von Teilen der Weltwirtschaft kommen. Unternehmen werden Produktionsstandorte in ihre Heimatländer verlagern oder sie zumindest näher an ihre Heimatländer heranholen, glaubt der CEO. Das wiederum ziehe höhere Kosten nach sich und werde die Margen der betroffenen Unternehmen belasten.

Zahlreiche Belastungsfaktoren

Außerdem befeuere der Konflikt um die Ukraine auch Lieferengpässe und über Umwege die ohnehin bereits stark gestiegene Inflation, der die Notenbanken nur beikommen könnten, wenn sie die Leitzinsen drastisch erhöhten. Das könnte jedoch eine Verlangsamung der Wirtschaftsentwicklung zur Folge haben.

Entwicklung digitaler Währungen unter Hochdruck

Des Weiteren geht Fink davon aus, dass der Ukraine-Krieg auch die Entwicklung von digitalen Währungen beschleunigen werde. Er bezieht sich in diesem Zusammenhang jedoch hauptsächlich auf digitale Pendants zu physisch existierenden Währungen, wie einem digitalen US-Dollar oder dem digitalen Euro. Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. erwähnt Fink nur indirekt durch einen Hinweis auf die sogenannten Stablecoins – Kryptowährungen, die mit Fiatwährung hinterlegt sind.

Langfristig wird die Energiewende beschleunigt

In puncto Kampf gegen den Klimawandel verbreitet der Aktionärsbrief des BlackRock-CEOs jedoch Optimismus. Kurzfristig werde der Ukraine-Konflikt die Bestrebungen der Weltgemeinschaft zwar verlangsamen, eine ausgeglichene Klimabilanz zu erreichen. Langfristig werde die Wende hin zu grüneren Energiequellen aber beschleunigt, zeigt sich Fink überzeugt. Dieses Umdenken sei in Europa bereits zu beobachten und beispielsweise in Deutschland besonders ausgeprägt. Der Wunsch nach Unabhängigkeit von Energieimporten aus autokratischen Regimen und die steigenden Energiepreise machten regenerative Energien zunehmend wettbewerbsfähig. (tku)

Bild: © Tada Images – stock.adobe.com

 

Solarisbank steigt in Wertpapierhandel ein

Die Solarisbank bringt eine White-Label-Lösung für Wertpapiergeschäfte auf den Markt. Unter dem Lizenzdach der Bank werden Partner dazu befähigt, den Handel mit Aktien, ETFs und Fonds zu betreiben. Das Angebot soll sukzessive ausgebaut werden.

Bei der Solarisbank handelt es sich nach eigenen Angaben um Europas führende Banking-as-a-Service-Plattform. Nun steigt die Bank auch in das Wertpapiergeschäft ein. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit dem Berliner Neobroker fina eingegangen, um eine White-Label-Lösung für Wertpapiergeschäfte auf den Markt zu bringen.

Kooperationspartner nutzen Lizenz der Solarisbank

Das neue Produkt soll Partnern über Programmierschnittstellen einen einfachen Zugang zum Wertpapierhandel bieten. Die Solarisbank erweitert damit ihre bestehende Plattform und ermöglicht ihren Partnern mit einer All-in-One-Lösung, am umkämpften aber boomenden deutschen Wertpapiermarkt zu partizipieren. Durch das Lizenzdach der Solarisbank ist es Partnern möglich, als gebundene Vermittler der Solarisbank den Handel mit Wertpapieren zu betreiben.

Zunächst Handel mit Aktien, ETFs und Fonds

Das Produkt werde den Zugang zu börslichen und außerbörslichen Handelsplätzen ermöglichen und in der Anfangsphase zunächst den Handel mit Aktien, ETFs und Fonds umfassen. Auch die Einrichtung von ETF-Sparplänen wolle man ermöglichen. Das Angebot soll in Zukunft noch ausgeweitet werden.

fina will finanzielle Inklusion erreichen

„Wir freuen uns, dass fina einer der ersten Partner in Deutschland ist, der die robuste und vollständig regulierte Infrastruktur der Solarisbank für das Wertpapiergeschäft nutzt“, sagt Léonie Rivière, CEO und Mitgründerin von fina. „Damit verwirklichen wir unsere Vision der finanziellen Inklusion. Das Produkt ermöglicht es uns, das Nutzererlebnis von Online-Brokerage neu zu definieren und Investitionen in diversifizierte Anlageklassen für eine neue Generation von Anlegern besser zugänglich und inklusiver zu machen.“ (tku)

Bild: © Solarisbank

 

Kaum aktienbasierte Geldanlagen bei Geringverdienern

Die Reform der Altersvorsorge soll auch durch kapitalmarktorientierte Elemente erfolgen. Auch wenn besonders Geringverdiener darauf angewiesen wären, besitzen sie kaum aktienbasierte Geldanlagen. Daher wird die Beratung durch Vermittler immer wichtiger, wie eine aktuelle Studie darlegt.

Die Altersvorsorge ist wohl ohne aktienbasierte Lösungen nicht mehr zukunftsfähig. Auch in weiten Teilen der Politik ist man inzwischen davon überzeugt, so weist doch der Koalitionsvertrag der Ampelregierung auf die Integration der Anlageklasse in allen drei Säulen hin. Wegen niedriger gesetzlicher Rentenansprüche sind dabei Geringverdiener besonders auf eine solche ergänzende Vorsorge angewiesen. Doch wie steht es um die Bedeutung aktienbasierter Geldanlagen in dieser Bevölkerungsgruppe?

Vielfach fehlen die Mittel für eine aktienbasierte Geldanlage

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), die AssCompact vorliegt, zeigt nun: Gerade einmal 15,2% der Geringverdiener verfügen über aktienbasierte Geldanlagen – deutlich weniger als Durchschnittsverdiener (33,1%) und Besserverdiener (51,7%). Mehr als die Hälfte der Geringverdiener (52,1%) gibt dazu an, nicht genügend Geld zur Verfügung zu haben. Knapp 35% der befragten Geringverdiener fürchten mit aktienbasierten Geldanlagen die Gefahr, die gesamte Anlagesumme zu verlieren. Zudem hält wiederum etwa ein Fünftel der befragten Geringverdiener aktienbasiertes Sparen für unattraktiv. „Das fehlende Interesse an aktienbasierten Anlageformen ist zumindest zu einem größeren Teil eine Folge fehlender Mittel“, schlussfolgert Prof. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA.

Ein Aktiensparzwang führt an Geringverdienern vorbei

Die Ergebnisse sollten der Politik aber zu denken geben, gibt Heuser angesichts der fehlenden Mittel bei Geringverdienern zu bedenken. Denn gerade Menschen, deren gesetzliche Rente nicht ausreicht, hätten auch keine Mittel für ergänzende eigene Vorsorge. Die Idee der Ampelkoalition, die Bürger beispielsweise mit einer verpflichtenden Einzahlung zusätzlich zu den Beiträgen zur gesetzlichen Rente zum Aktiensparen zu zwingen, gehe daher an Geringverdienenden vorbei. „Einem Bürger in die leeren Taschen zu greifen, wird wohl auf wenig Verständnis bei den Betroffenen stoßen. Und auch die EU-Kommission versucht, das falsche Problem zu lösen. Den Bürgern fehlt nicht der Zugang zum Kapitalmarkt, sondern schlicht das notwendige Geld“, so Heuser weiter.

Beratung durch freie Vermittler wird immer wichtiger

Bei der „letzten Meile zu den Finanzentscheidungen“ gewinnen für Geringverdiener Finanz- und Vermögensberater, die schlank aufgestellt und weiterhin in der Fläche präsent sind, vermehrt an Bedeutung, wie die Studienergebnisse zeigen. Mehr als ein Drittel (34%) und damit weit mehr als die Normal- und Besserverdiener (21% bzw. 25%) suchen ihren Rat. Die Studie schlussfolgert daher, dass persönliche Finanzberater zunehmend eine sozialpolitisch wichtige Aufgabe leisteten; sie würden Geringerverdiener bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge unterstützen und damit eine wichtige Unterstützung bei Finanz- und Anlageentscheidungen bieten. „Wenn gerade für Privatkunden mit niedrigen und mittleren Einkommen der Marktzugang verbessert werden soll, dann kommt es entscheidend auf die freien Berater an. Diese sind es, die den Bürgern die Möglichkeiten des aktienbasierten Sparens erklären und beim Abschluss von Verträgen helfen. Die immer stärkere Regulierung der Beratung und Diskussionen über die Provisionen sind deshalb kontraproduktiv“, kritisiert Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) und Träger des DIVA.

Zweifel an Expertise eines staatlichen Fondsmanagements

Allerdings: Auch wenn eine Zweidrittelmehrheit unter den befragten Aktienbesitzern der Meinung ist, dass ein Staatsfonds die gesetzliche Rente generell stabilisieren würde, bedeutet diese Zustimmung keinesfalls, dass man den Staat für den geeigneten Akteur in Sachen Aktien und Fonds hält. Im Gegenteil zeigen die befragten Aktionäre sehr deutliche Skepsis gegenüber dem Staat als Fondsmanager; die Geringerverdiener dabei noch etwas mehr als die höheren Einkommensgruppen. 51% haben nämlich Zweifel an der notwendigen Expertise beim Staat. Noch nüchterner fällt das Misstrauen gegenüber politischem Durchhaltevermögen aus: In allen Einkommensgruppen haben fast zwei Drittel (zwischen 60% und 64%) die Sorge, „dass die Politik Mittel des Staatsfonds auch für andere Zwecke als die Rente einsetzen könnte“.

Hintergrund der Studie

Empirische Grundlagen der Analyse sind eine repräsentative Bürgerbefragung des DIVA im November 2021 und eine repräsentative Befragung von Besitzern aktienbasierter Geldanlagen im Januar 2022. Dort definiert das DIVA „geringerverdienende Haushalte“ als solche mit einem monatlichen Nettohaushaltseinkommen bis 1.800 Euro. Sie umfassen rund zwölf Millionen Einheiten und damit etwa 30% aller Privathaushalte in Deutschland. (as)

Bild: © imaginando – stock.adobe.com

 

BMO wird zu Columbia Threadneedle

Columbia Threadneedle firmiert das Asset-Management-Geschäft von BMO für die EMEA-Region um. Ab Juli 2022 wird das übernommene Unternehmen ebenfalls als Columbia Threadneedle Investments auftreten. Der Name BMO verschwindet aus den Fondsprodukten und wird durch das Kürzel CT ersetzt.

2021 übernahm der Vermögensverwalter Columbia Threadneedle Investments das Asset-Management-Geschäft der Bank of Montreal (BMO) für die EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Afrika). Dadurch erhöhten sich die Assets under Management des Vermögensverwalters um 113 Mrd. Euro (AssCompact berichtete).

Auch Umbenennung der Fondspalette

Nun hat Columbia Threadneedle bekanntgegeben, dass das übernommene Unternehmen im Juli 2022 vollständig in Columbia Threadneedle Investments integriert werden wird. Der Name und die Marke BMO werden entfernt. Die übernommene Fondspalette erhält das Kürzel CT, um die Zugehörigkeit zu Columbia Threadneedle widerzuspiegeln.

US-amerikanische Fonds behalten ihre Namen

Die europäische Threadneedle-Fondspalette soll ab Juli ebenfalls das Kürzel CT erhalten, um die Konsistenz der offenen Publikumsfonds in Europa, dem Nahen Osten und im asiatisch-pazifischen Raum sicherzustellen. Eine Veränderung der Namensgebung in den USA (Columbia Fonds) ist hingegen nicht geplant. (tku)

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