AssCompact suche
Home
Assekuranz
11. März 2021
LV-Standmitteilungen: Vollständig, aber wenig verständlich

LV-Standmitteilungen: Vollständig, aber wenig verständlich

Zum dritten Mal hat sich Policen Direkt die jährlichen Standmitteilungen deutscher Lebensversicherer näher angeschaut. Die Infos für die Kunden werden zwar weitgehend vollständig und gesetzeskonform geliefert, allerdings bleibt die Verständlichkeit auf der Strecke.

Die Corona-Krise und ihre Folgen führen zu erhöhtem Liquiditätsbedarf. Nicht nur deshalb sind Verbraucher im Moment besonders darauf angewiesen, fundierte Entscheidungen zu ihren Lebensversicherungsverträgen treffen zu können. Doch wie steht es um die Transparenz in den jährlichen Infobriefen, die die deutschen Lebensversicherer an ihre Kunden versenden? Inzwischen vermitteln sie laut Policen Direkt zwar größtenteils einen guten Eindruck vom Wert des Vertrages. Die gesetzlichen Vorgaben nach der Neufassung des §155 VVG werden weitgehend erfüllt. Henning Kühl, Leitender Aktuar von Policen Direkt und Versicherungsmathematiker (DAV), gibt jedoch zu bedenken: „Vollständigkeit der Werte bedeutet nicht Verständlichkeit. Sehr oft fehlen weitere Angaben, um die Vertragsentwicklung auch nachvollziehen zu können.“ Bei der Verständlichkeit gibt es also noch Luft nach oben, konstatiert Policen Direkt in ihrer aktuellen, bereits zum dritten Mal durchgeführten Transparenzstudie, die die Standmitteilungen der deutschen Lebensversicherer genauer unter die Lupe nimmt.

Demnach gebe es bei den Bewertungsreserven und den im Vertrag enthaltenen Zusatzversicherungen oder Anwartschaften noch immer Erklärungsbedarf, da hier die Darstellung weiter im Ermessen des Versicherers liege und es oft keine ausreichenden Erklärungen gebe, obwohl diese Komponenten einen großen Einfluss auf den Vertragswert haben.

Immer mehr Infos zur Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage

Besonders transparente Gesellschaften weisen laut Policen Direkt, selbst Policenaufkäufer,in ihren Standmitteilungen auch auf Alternativen zur Kündigung hin. Wenige Gesellschaften nutzen die Gelegenheit für einen Hinweis auf ihr Covid-19-Serviceangebot. Immer mehr informieren hingegen in immer größerem Umfang auch zur Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage.

Insgesamt erfüllen der Transparenzstudie zufolge 66 von 74 untersuchten Unternehmen (2020: 66 von 76) die seit 2018 geltenden gesetzlichen Mindestanforderungen für alle untersuchten Verträge vollständig. 49 (Vorjahr: 34) erfüllen dazu sämtliche BaFin-Anforderungen zu den Bewertungsreserven. 17 (Vorjahr: 9) Lebensversicherer teilen ihren Kunden diese Pflichtangaben und sämtliche notwendigen Angaben mit. Zehn Versicherer informieren zur Nachhaltigkeit bei den Kapitalanlagen.

Ertragsquellen wenig nachgefragt

Auch in diesem Jahr hat Policen Direkt im Rahmen der Transparenzstudie untersucht, ob gesetzeskonform mit den Standmitteilungen auch über die Beteiligung an den Ertragsquellen informiert wird, denn immerhin lasse sich mit diesen Zahlen illustrieren, wie ein Unternehmen aktuell angesichts der Garantielast seinen finanziellen Verpflichtungen nachkomme. Das Ergebnis: 70 von 74 Unternehmen (2020: 64 von 76) kommen dieser Pflicht ordnungsgemäß nach. Bei diesen Versicherern seien diese Angaben direkt zu finden. Bei vier untersuchten Gesellschaften seien die Hinweise wenig oder überhaupt nicht hilfreich. Laut Mindestzuführungsverordnung (MindZV) §15 sind die Kunden auf diese Veröffentlichung unter Angabe der elektronischen Fundstelle hinzuweisen. Einige Gesellschaften weisen im Zuge dieser Pflicht laut Policen Direkt zudem darauf hin, wo ihre CSR-, Solvenz- und Geschäftsberichte zu finden sind.

Allerdings würden diese wichtigen Infos von Kunden wohl nur in geringem Maße direkt abgerufen. Denn oftmals seien im Zuge der Transparenzstudienerstellung nicht funktionierende Verlinkungen zu den Ertragsquellen erst aufgefallen und dann nach einem Hinweis der Studienautoren von den Versicherern umgehend korrigiert worden.

Je einfacher, desto höher der Informationsgehalt

Generell zeige sich 2020, so Henning Kühl: „Auch wenn eine hohe Punktzahl noch keine Garantie für eine verständliche Standmitteilung ist: Je einfacher und einheitlicher die Darstellung, desto besser ist auch der Informationsgehalt.“

Im Policen-Direkt-Bewertungssystem gibt es für eine Standmitteilung 87 Punkte für den Fall, dass alle gesetzlichen und notwendigen Informationen enthalten sind. Aber auch, wenn eine Gesellschaft nicht all diese Infos offenlegt, kann sie unter Umständen 87 Punkte erhalten, da Policen Direkt auch für Bonus-Angaben Punkte vergibt. Beispielsweise für Angaben zu Vertragskosten, Höhe der Überschussbeteiligung oder Ablaufleistungen zu verschiedenen Abrufterminen. Insgesamt kommen so der aktuellen Transparenzstudie zufolge 36 (2020: 34) Gesellschaften auf 87 Punkte. Der Durchschnitt beträgt 85 Punkte.

Zur Policen-Direkt-Studie „Standmitteilungen“ geht es hier.

Bild: © peterschreiber.media – stock.adobe.com

 

Leserkommentare

Gespeichert von Wilfried Stras… am 11. März 2021 - 10:36

Permalink

Interessant und AUSSAGEKRÄFTIG für die wahrscheinlich erreichbare Rendite wäre der für höherwertige Anlagen, nach allen-auch Garantiekosten-verbleibende Anteil der Beiträge, vielleicht 30%? Dann könnte, ich gehe davon aus, dass diese Idee niemals umgesetzt wird, jeder Bürger fiktiv dargestellte Berechnungen auch mit Fonds/ETF auf Erreichbarkeit der dargestellten Zahlen beurteilen.

Wenn dann auch noch mögliche Dividendenabzüge und Rentenfaktoren dargestellt werden, wäre ja fast schon totale Transparenz erreicht. Das würde auch die angeblich hohe Provision relativieren, vielleicht auch im Vergleich mit den Kosten eines durchschnittlichen Angestellten in der Versicherungsbranche-incl. Altersversorgung und der Makler.

Wenn man, das ist jetzt an die Verbraucherschützer den BdV, Medien und Politiker gerichtet, die lebenslangen Kosten für einen durchschnittlichen Beamten als Vergleich aufführen würde, würde man GARANTIERT den Druck aus dem Kessel nehmen. Kein Geschwafel von zu hohen Provisionen und Haftungszeiten bis 8 Jahre etc. mehr. Eher eine Aufwertung, wenn man die wahrscheinlich deutlich höheren Renditeergebnisse nach Beratung durch Makler definieren würde, ohne Versorgungskosten dreibioeurodefizit für Beamte der Jugend zu überlassen……

Für Makler wegen der unbegrenzten Haftung ebenfalls von Bedeutung. Was schreibt man in die Beratungsprotokolle?