Herr Gast, seit Kurzem haben Sie Ihre KI-basierten Services bei VON POLL IMMOBILIEN weiter ausgebaut. Können Sie uns Näheres dazu erläutern?
Wolfram Gast: Wir erweitern unser KI-Ökosystem um einen KI-gestützten Finanzierungsservice, den wir gemeinsam mit Europace entwickelt haben. Ziel ist es, Kaufinteressenten früh eine fundierte Orientierung zur Finanzierung zu geben. Der Service ist direkt in unsere Website integriert und ermöglicht es, Fragen intuitiv und dialogbasiert zu stellen. Nutzer erhalten in Echtzeit verständliche Einschätzungen zu Budget, monatlicher Belastung oder Finanzierungsmöglichkeiten.
Auf Exposé-Seiten werden Objektdaten automatisch einbezogen, sodass direkt eine realistische, objektspezifische Einordnung entsteht. Technologisch kombinieren wir Sprachmodelle mit der Europace-Plattform, um Szenarien zu simulieren und Finanzierungsmöglichkeiten transparent aufzuzeigen.
Wie läuft die Nutzung des Tools konkret ab? Welche Daten müssen Nutzer eingeben?
Wolfram Gast: Die Nutzung ist bewusst einfach und niedrigschwellig. Idealerweise startet sie direkt auf der Detailseite einer Immobilie, wo zentrale Objektdaten wie der Kaufpreis bereits übernommen werden. Alternativ kann der Service unabhängig davon genutzt werden, um sich grundlegend zu orientieren. Wir fragen nur wenige zentrale Eckdaten ab – etwa Eigenkapital, Einkommen oder bestehende Verpflichtungen. Ziel ist keine Antragstellung, sondern eine fundierte Ersteinschätzung.
Darauf aufbauend können Nutzer in Echtzeit Szenarien durchspielen und sehen, wie sich Veränderungen bei Parametern wie Eigenkapital, Laufzeit oder Tilgung auswirken. Auf dieser Basis führen dann die VON POLL FINANCE Experten im Anschluss eine umfassende Detailberatung durch.
Inwiefern hat sich das Informationsverhalten rund um das Thema Immobilienfinanzierung bei Kaufinteressierten in den vergangenen Jahren gewandelt? Welche Erkenntnisse gewinnen Sie aus der Nutzung des Tools über die Bedürfnisse heutiger Immobilienkäufer?
Wolfram Gast: Wir sehen, dass sich das Informationsverhalten deutlich verändert hat. Statt klassischer Beratung oder statischer Rechner erwarten Nutzer heute flexible, intuitive und dialogbasierte Lösungen. Mit der zunehmenden Nutzung von KI-Anwendungen verstärkt sich diese Erwartung. Nutzer wollen Fragen direkt stellen und sofort verständliche Antworten bekommen. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an früher Orientierung hoch – viele wollen zunächst eine Einschätzung zur Machbarkeit, bevor sie in eine detaillierte Beratung gehen.
Was unterscheidet den neuen KI-Finanzierungsservice von klassischen Finanzierungsrechnern?
Wolfram Gast: Klassische Rechner basieren auf starren Formularen und liefern statische Ergebnisse. Unser Ansatz ist dialogbasiert und deutlich flexibler. Nutzer können Fragen frei formulieren, Szenarien dynamisch anpassen und erhalten individuell zugeschnittene Antworten. Zudem geht der Service über reine Berechnungen hinaus: Er ermöglicht auch eine Einordnung von Abläufen, Voraussetzungen und Einflussfaktoren. In Verbindung mit konkreten Immobilien entsteht so eine realistische, kontextbezogene Einschätzung.
Können Sie bereits sagen, wie die Resonanz auf den Service ist?
Wolfram Gast: Wir befinden uns noch in der Beta-Phase, sehen aber eine sehr positive Entwicklung. Die Nutzung steigt kontinuierlich, und der Service wird zunehmend in die Immobiliensuche integriert. Gleichzeitig liefern uns die Interaktionen wertvolle Einblicke in konkrete Fragen und Bedürfnisse, die direkt in die Weiterentwicklung einfließen.
Wo sehen Sie die größten Vorteile eines dialogbasierten Ansatzes gegenüber einer herkömmlichen Eingabemaske?
Wolfram Gast: Der größte Vorteil liegt in der intuitiven Nutzung. Nutzer können ihre Fragen in eigener Sprache stellen, ohne sich durch komplexe Eingabemasken arbeiten zu müssen. Wir führen durch den Prozess, stellen gezielte Rückfragen und passen Antworten individuell an. Dadurch sinkt die Einstiegshürde deutlich. Zudem entsteht ein dynamischer Prozess, in dem Szenarien flexibel verändert und Zusammenhänge besser nachvollzogen werden können.
Inwiefern profitieren die Berater?
Wolfram Gast: Kunden sind oft besser vorbereitet, weil sie sich vorab mit ihrer finanziellen Situation und möglichen Szenarien beschäftigt haben. Das macht Gespräche effizienter und zielgerichteter. Gleichzeitig entstehen strukturierte Vorinformationen, auf denen die Finanzierungsberater aufbauen können. Perspektivisch wird KI auch unsere VON POLL FINANCE Experten im Beratungsprozess stärker unterstützen, etwa durch Analysen und Handlungsempfehlungen.
Wo ziehen Sie bewusst die Grenze zwischen digitaler Erstorientierung und persönlicher Beratung?
Wolfram Gast: Wir sehen die KI bei VON POLL IMMOBILIEN und VON POLL FINANCE klar als Einstieg: Sie hilft, schnell Transparenz zu schaffen und erste Szenarien zu verstehen. Sobald es um konkrete Finanzierungsstrukturen, individuelle Situationen oder Entscheidungen geht, bleibt die persönliche Beratung entscheidend. Die digitale Erstorientierung und die persönliche Beratung greifen dabei ineinander und bauen aufeinander auf.
Herr Heiserowski, welche konkreten Mehrwerte bringt denn nun die Anbindung an die Europace-Plattform? Wie aktuell sind die im Tool berücksichtigten Finanzierungsangebote und Konditionen?
Thomas Heiserowski: Europace schafft Markttransparenz in Echtzeit. Konditionen sind nicht tages-, sondern sekundenaktuell – und exakt auf die finanzielle Situation des Nutzenden und seinen Immobilienwunsch zugeschnitten.
Der entscheidende Mehrwert liegt darüber: Wir bewegen uns weg vom einzelnen Tool hin zum Betriebssystem. Daten, Angebote und Prozesse greifen nahtlos ineinander. Updates und Optimierungen erfolgen eigenständig, weil die Systeme mit jeder Transaktion lernen. Das reduziert Reibung, erhöht Abschlusschancen immens und macht Beratung deutlich effizienter.
Wie beurteilen Sie den Status quo der Digitalisierung – und wo hakt es noch?
Thomas Heiserowski: Als marktführende Plattform tragen wir die Verantwortung, in Sachen Digitalisierung den Takt anzugeben und ich behaupte, das ist uns in den letzten Jahren gelungen. Viele Prozesse, die bis vor einiger Zeit noch manuellen Aufwand verursachten und viele Ressourcen gebunden haben, sind heute automatisiert – sei es die Qualifizierung von Leads, Bonitätsprüfung oder die Objektbewertung.
Ziel muss sein, die komplette Wertschöpfungskette in einem Data Stream abzubilden, und das verlässlich und regulatorisch sauber. Niemand darf zwischen den Systemen verloren gehen; aufgrund der großen Tool-Landschaft am Markt ist das heute leider noch zu oft der Fall. Kurz gesagt: Wer den einfachsten, durchgängigen Prozess bietet, gewinnt. Convenience is key.
Wie beurteilen die Berater die wachsende Unterstützung durch KI und digitale Tools?
Thomas Heiserowski: Der Markt ist geteilt: Die einen vertrauen auf ihre Erfahrung und ihre etablierten Werkzeuge, die anderen nutzen KI gezielt als Hebel. Wer beides zusammen denkt, wird im zusehends komplexen Finanzierungsmarkt langfristig erfolgreich sein. Denn KI entfaltet ihren Wert im System – wenn sie Prozesse vereinfacht, indem sie Daten verlässlich analysiert, transportiert und damit die Produktivität erhöht. Von diesen Skalierungseffekten profitieren alle. Berater:innen, Kreditinstitute und diejenigen, um die es am Ende wirklich geht: Die Menschen, die Eigentum erwerben möchten.
News rund um den Immobilienmarkt und den Bereich Baufinanzierung finden Sie in unserer Rubrik „Immobilien“.
Porträtfoto Wolfram Gast © von Poll Immobilien GmbH
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