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30. März 2026
„Eine ganze Branche hat sich unter Wert verkauft“

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„Eine ganze Branche hat sich unter Wert verkauft“

„Eine ganze Branche hat sich unter Wert verkauft“

Eine historische Chance bleibt ungenutzt

Der derzeit spürbare Reformwille hätte genutzt werden können, um eine grundlegende Neubewertung der Rolle des Versicherungsvermittlers zu etablieren. Weg vom reinen Produktvermittler, hin zum strategischen Berater, der langfristig zur finanziellen Stabilität von ganzen Haushalten beiträgt. Stattdessen wird die Diskussion nahezu ausschließlich auf Kostenaspekte verengt.

Damit wird nicht nur eine falsche Priorität gesetzt, sondern auch eine strukturelle Chance vergeben: die Chance, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beitrag qualifizierter Altersvorsorgeberatung sichtbar zu machen und institutionell zu verankern.

Eine Reform, die primär auf Kostensenkung abzielt, ohne den Wert der Beratung zu definieren, führt zwangsläufig zu einer weiteren Erosion des Berufsbildes.

Gerade an dieser Stelle wäre ein geschlossenes Auftreten der Branche erforderlich. Verbände und Entscheidungsträger müssten die Diskussion aktiv erweitern und klar herausstellen, welchen Beitrag qualifizierte Beratung zur Vermeidung von Altersarmut leistet. Es geht nicht darum, sich gegen Regulierung zu stellen, sondern darum, die Bewertungsmaßstäbe zu korrigieren: Qualität, Wirkung und langfristiger Nutzen müssen stärker in den Mittelpunkt rücken als kurzfristige Kostendebatten.

Konkret bedeutet das, den eigenen Leistungsumfang klar zu definieren, transparent zu kommunizieren und selbstbewusst zu vertreten. Altersvorsorgeberatung ist keine transaktionale Dienstleistung, sondern eine kontinuierliche, strategische Begleitung mit erheblicher gesellschaftlicher Relevanz.

Die Folge: Eine Zwei-Klassen-Altersvorsorge

Sollte die Reform in ihrer derzeitigen Ausgestaltung umgesetzt werden und die Branche ihre Position nicht grundlegend nachschärfen, sind die langfristigen Folgen absehbar. Es droht die schleichende Etablierung einer Zwei-Klassen-Altersvorsorge.

Auf der einen Seite werden diejenigen stehen, die bereit und in der Lage sind, für qualifizierte Beratung ein angemessenes Honorar zu zahlen. Sie erhalten Zugang zu professioneller Finanzplanung und kontinuierlicher Begleitung. Diese Gruppe wird eine realistische Chance haben, ihre Rentenlücke zu schließen.

Auf der anderen Seite wird eine wachsende Gruppe von Verbrauchern zurückbleiben, die entweder keinen Zugang zu Beratung erhält oder diesen bewusst meidet, weil der wahrgenommene Gegenwert nicht nachvollziehbar bzw. zu teuer ist. Diese Menschen werden sich, wenn überhaupt, auf den isolierten Erwerb einzelner Produkte beschränken, ohne übergeordnetes Konzept und ohne langfristige Strategie. Die Folge wird eine immer weiter steigende Altersarmut sein.

Bereits heute zeigt sich, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung ohne fundierte Beratung keine ausreichende Altersvorsorge aufbaut. Wird dieser Entwicklung nicht aktiv entgegengewirkt, verschärft die jetzige Altersvorsorgereform das bestehende Problem, anstatt es zu lösen. Und wir sind selbst mit schuld.

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Um die Reform der privaten Altersvorsorge geht es auch beim Makler-Summit Süd-West 2026 am 29. April in Kornwestheim. Weitere Informationen zu dem Event finden Sie auf asscompact.de/makler-summit-2026.

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