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22. Februar 2026
„Ich habe festgestellt, dass alle nur mit Wasser kochen“

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„Ich habe festgestellt, dass alle nur mit Wasser kochen“

„Ich habe festgestellt, dass alle nur mit Wasser kochen“

Wo hätten Sie gerne noch mehr geschafft bzw. welche besonders wichtigen Projekte sollte die VEMA auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren?

Beim Thema Geschäftsprozesse. Da wären alle Beteiligten in der Versicherungswirtschaft – sowohl Makler als auch VEMA und Versicherer – am liebsten noch weiter. Dass noch mehr Geschäftsprozesse automatisiert werden, ist eines der Zukunftsthemen, das uns begleitet. Das andere ist die Qualität der Versicherungs­produkte. Hier muss man wirklich sagen, dass durch den Gesetzgeber bzw. die VVG-Reform viel Gutes bewirkt wurde. Was unsere Deckungskonzepte betrifft, haben die Besonderheiten oft Einzug gehalten in die normale Produktentwicklung der Versicherer, was gut war. Hier sind wir insgesamt auf einem sehr guten Stand. Ein wesentliches Thema ist die Manpower in der Versicherungswirtschaft bei den Versicherungsmaklern. Wir werden immer mehr spüren, dass Personalressourcen knapp sind, was die Unternehmensentwicklung ausbremsen kann. Und das ist auch das Zukunftsthema: Wie gewinnen und halten wir Menschen in der Versicherungsbranche und vor allem auch in der Versicherungsberatung für den Kunden?

Der Wettbewerb unter Maklerpools und Verbünden wurde zuletzt intensiver, befeuert durch den Einstieg von Investoren. Warum ist aus Ihrer Sicht das bei der VEMA gelebte Genossenschaftsmodell im Vergleich zu Private-Equity-getriebenen Modellen überlegen?

Ich empfinde den Wettbewerb zwischen den Maklerpools und Verbünden noch nicht wirklich als intensiv. Vermutlich wird er auch nicht so intensiv wie in anderen Branchen. Es wird noch sehr viel Geschäft direkt von den Versicherungsmaklern ohne Pools und Verbünde abgewickelt. Ich schätze, dass das ungefähr die Hälfte des ganzen Geschäfts­volumens ist. Gleichwohl werden aber Maklerpools und Verbünde in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Das zeigen auch die Entwicklungen der letzten Jahre. Inwieweit sich dann bei einem knapper werdenden Markt der Wettbewerb unter den Pools und Verbünden weiter intensiviert, wird man sehen.

Den großen Vorteil der VEMA sehen wir darin, dass wir nicht die Finanzinteressen von Private-Equity-Unternehmen bedienen müssen, sondern als Genossenschaft wirklich nach unserer Satzung wirken können. An erster Stelle stehen da die Mehrwerte für die Mitglieder, der wirtschaftliche Erfolg der VEMA ist sekundär. Und obwohl es nicht der Hauptfokus ist, hatten wir in den letzten Jahren hervor­ragende wirtschaftliche Zahlen. Ich glaube, dass das auch den Unterschied macht zwischen einer Genossenschaft und einem Private-Equity-getriebenen Modell: dass wir in Jahren planen können und Private-Equity-Unternehmen in Quartalen denken.

Das heißt, das Konsolidierungsthema macht Ihnen gar nicht so große Sorgen?

Wir sehen es eher als Chance für die VEMA, weil wir der Meinung sind, wir haben insgesamt eine sehr günstige Kostenstruktur, gleichwohl nicht die Rendite­erwartungen. Und das wird sich auf Dauer auszahlen auf die gute Reputation, die wir am Markt haben, sowohl bei Maklern als auch bei Versicherern. Das sind Pfeiler, auf die wir den Erfolg weiter aufbauen können.

Sie haben der Versicherungsbranche viel Zeit Ihres Lebens gewidmet. Was hat sie Ihnen gegeben?

Es sind vor allem die menschlichen Kontakte. Ich habe mit den Kollegen und Mitarbeitern, mit den Berufskollegen und auch mit den Mitarbeitern der Versicherungsgesellschaften sehr interessante, aufschlussreiche Gespräche führen können und festgestellt, dass alle nur mit Wasser kochen. Und ja, die ständig neuen Heraus­forderungen halten im Endeffekt jung, auch wenn man körperlich schon älter wird.

Was hat sich in den zurückliegenden Jahren in der Maklerbranche wie bei den Versicherern Ihrer Meinung nach verkehrt entwickelt? Und was sind die Ursachen und Lösungsmöglichkeiten?

Im Vergleich zu den letzten 20 Jahren ist eines deutlich: Die Versicherungsbranche hat sich, ebenso wie viele andere Sektoren und die Gesellschaft insgesamt, bürokratisiert. Früher wurde sehr viel mehr in einem kurzen Telefonat geklärt, wo heute umfänglicher Schriftwechsel stattfindet. Oder auch die aktuell existierenden Dokumentierungspflichten gegenüber den Versicherungsnehmern. Lösungsmöglichkeiten wären meines Erachtens, wenn wir in unserem Denken und auch der Gesetzgeber von der Bürokratie abrücken und wir wie früher auch uns auf das gegebene Wort der Geschäftspartner verlassen können, ohne Rechtsbeistand und umfäng­liche Verträge.

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Seite 3 Können Sie ein Beispiel nennen, wo so etwas möglich wäre und wo Sie die Bürokratie als nicht sinnig betrachten?