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22. Oktober 2026
Allianz zum AV-Depot: „Wir sind zum 1. Januar startklar“
Allianz zum AV-Depot: „Wir sind zum 1. Januar startklar“

Allianz zum AV-Depot: „Wir sind zum 1. Januar startklar“

Die Allianz erhofft sich von der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge Wachstumsimpulse für den Vorsorgemarkt und zusätzliche Chancen für Vermittler. Im Interview spricht Allianz Leben-Vorstand Dr. Volker Priebe über die neuen Produkte, die künftige Vermittlervergütung und die Bedeutung persönlicher Beratung.

Interview mit Dr. Volker Priebe, Vorstand Privatkunden und Produkte der Allianz Lebensversicherung
Herr Dr. Priebe, die DKM 2026 steht kurz bevor. Erwarten Sie, dass das Altersvorsorgedepot auch bei den Gesprächen mit Vermittlern eine zentrale Rolle spielen wird?

Ja, absolut – das sehen wir jetzt schon in den laufenden Gesprächen mit Vermittlerinnen und Vermittlern und unseren Geschäftspartnern. Die DKM ist als etablierte Branchenmesse zentraler Treffpunkt und der richtige Ort für Orientierung und fachlichen Austausch. Ich freue mich auf intensive Diskussionen darüber, welche Chancen die Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge mit Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in der Altersvorsorge eröffnet, welche Erwartungen Vermittlerinnen und Vermittler haben und wie sich die neuen Rahmenbedingungen auf Beratung und Vertrieb auswirken werden. Damit wirkt die Messe wie ein Brennglas: Sie verdichtet auf zwei Tage die Themen, die Versicherer und Vermittler in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin beschäftigen.

Es geht jetzt aber um mehr als rein fachliche Aspekte, neue Produkte und gesetzliche Regelungen. Wir spüren vielmehr neue Impulse für die gemeinsame Aufgabe, Millionen Menschen für die private Altersvorsorge zu gewinnen. Es ist an uns, es ist an den Vermittlerinnen und Vermittlern im persönlichen Gespräch, die politische Initiative der Reform der geförderten Altersvorsorge in eine echte Aufbruchsstimmung zu überführen, für mehr Vorsorge und Vermögensaufbau in Deutschland.

Eine aktuelle Assekurata-Studie zeigt, dass viele Anbieter bei der Reformumsetzung noch vor Herausforderungen stehen. Die Allianz plant ab Januar 2027 Angebote in allen drei förderfähigen Produktkategorien. Sind Sie dabei auf Kurs? Und gibt es noch regulatorische Unklarheiten?

Allianz Leben arbeitet intensiv an der Entwicklung eines umfassenden Portfolios auf Basis des Altersvorsorgereformgesetzes und wir sind bereits auf der Zielgeraden. Wir werden unseren Kundinnen und Kunden ab 01.01.2027 attraktive Angebote in allen drei förderfähigen Produktkategorien machen: Für den Altersvorsorgevertrag mit 80% Beitragsgarantie, das Altersvorsorgedepot und das Standarddepot.

Die Schwierigkeiten für manche Marktteilnehmer möchte ich so einordnen: Altersvorsorge und vor allem die staatlich geförderten Varianten sind eben weit mehr als ein digitales Depot mit Ein- und Auszahlfunktion. Wir haben mehr als 100 Jahre Erfahrung in der privaten Altersvorsorge und sind bestens vertraut mit den Prozessen der staatlichen Zulagenförderung. Wir setzen mit unserem Vorsorgekonzept InvestFlex ein jahrelang bewährtes und bei den Kunden beliebtes Angebot ein und etablieren unsere Angebote in engem Schulterschluss mit unserer Schwestergesellschaft Allianz Global Investors.

Auf regulatorischer Seite gibt es allerdings in der Tat noch Unklarheiten, etwa fehlt noch die finale Fassung einer Verordnung zu Kostenansätzen und Informationspflichten. Das stellt die Branche durchaus auf der Zielgeraden noch vor Herausforderungen.

Aber: wir sind zum 1. Januar startklar. Und zwar startklar, um unsere Kundinnen und Kunden über Jahrzehnte in der Ansparphase zu begleiten und für sie später ein lebenslanges Einkommen sicherzustellen.

Wird der Markt in der privaten Altersvorsorge durch die Reform größer werden oder wird es zunächst vor allem zu einer Umverteilung zwischen den bestehenden Produktanbietern und -kategorien kommen?

2027 wird das Jahr der Altersvorsorge. Ich erwarte tatsächlich, dass der Markt größer wird. Zugleich werden die Menschen in Deutschland auf eine Vielzahl von Angeboten treffen. Die Allianz und die Versicherungsbranche sehe ich für diesen Wettbewerb gut aufgestellt.

Es kommen allein schon fast 4 Millionen Selbstständige und Freiberufler hinzu, die erstmals von der staatlichen Förderung profitieren. 15 Millionen Riester-Kunden stehen vor der Frage, wie sie ihren Vertrag weiterführen, ob ein Wechsel in die neue Förderung oder gar in die neue Produktwelt sinnvoll ist und ob sie die Vorsorge weiter ausbauen. Und viele Millionen Menschen hatten bislang noch keinen Riester-Vertrag abgeschlossen – diese können mit der künftig vereinfachten Förderung und den attraktiveren Angeboten jetzt eher erreicht werden.

Es ging im Vorfeld der Reform häufig um die Kosten insbesondere des Standarddepots. Ist dieser Blick zu kurz gegriffen?

Der Blick rein auf die Kosten und der Kostenwettbewerb um das Standarddepot greift tatsächlich zu kurz, in mehrerlei Hinsicht.

Ich möchte den Spin der Diskussion mal auf diese schräge Erkenntnis verkürzen: “Welche Altersvorsorge ist die beste? Die billigste!” Niemand würde bei einem auf Jahrzehnte angelegten Produkt so entscheiden! Entscheidend sind Kundenbedarf und Preis-Leistungs-Verhältnis, also welcher Anbieter langfristig attraktive Ertragschancen, verlässliche Leistungen und eine dauerhaft tragfähige Kalkulation bieten kann.

Hinzu kommt, dass sich damit die Debatte im Moment fast ausschließlich auf das Standarddepot und seine Kosten konzentriert. Die Menschen brauchen aber eine Vorsorgestrategie, die zu ihrer persönlichen Lebenssituation passt, die Chancen und Sicherheit ausbalanciert und sich im Laufe der Zeit an veränderte Bedürfnisse und Lebensumstände anpasst. Altersvorsorge ist keine Produktentscheidung für den Moment, sie reduziert sich nicht auf ein einziges Depot mit zwei vorgegebenen Fonds über die gesamte Laufzeit. Und: Die geförderte Altersvorsorge ist zwar für viele der Einstieg und ein wichtiger Baustein, aber eben nur einer von mehreren.

Welche Chancen ergeben sich durch die Reform für den Vertrieb und dadurch auch für Vermittler?

Die große Chance für Vermittlerinnen und Vermittler besteht darin, dass wieder über Altersvorsorge gesprochen wird, Vorsorge ganz oben auf der gesellschaftlichen Agenda steht. Mit der Reform rückt nun wieder stärker die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen aktiv für ihre finanzielle Zukunft vorsorgen können, gerade weil Marktforschungen zeigen, wie genau die Menschen in Deutschland um die Defizite im Rentensystem wissen.

Für die Vermittler eröffnet sich damit die Möglichkeit, ihre besondere Stärke auszuspielen: persönliche Beratung, die konkrete Lebenssituation der Kundinnen und Kunden immer im Blick, mit Lösungen für Vorsorge, Vermögensaufbau und Absicherung für sich und die Familie.

Und das heißt auch: Es geht in 2027 und in den kommenden Jahren nicht allein um die Produkte der geförderten Vorsorge. Wir erwarten uns Impulse für die private Vorsorge generell, für die betriebliche Altersvorsorge, für alle Fragen rund um Geldanlage und Vermögensaufbau.

Auch die Vergütung der Vermittler bei den neuen Produkten ist ein zentraler Diskussionspunkt. Welche Vergütungsmodelle hat die Allianz geplant? Wird es bei bestehenden Riester-Kunden eine courtageneutrale Wechseloption geben?

Wir möchten die neue geförderte Altersvorsorge attraktiv und erfolgsorientiert umsetzen, für Kundinnen und Kunden und auch für Vermittlerinnen und Vermittler. Deshalb entwickeln wir Vergütungsmodelle, die qualifizierte Beratung auch künftig angemessen berücksichtigen und gleichzeitig den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechen. Und mit denen die geförderten Angebote so attraktiv sind, dass sie junge Menschen zum Einstieg ermutigen und Vermittlern Gesprächsanlässe und Beratungsmöglichkeiten eröffnen.

Wir starten daher beim Altersvorsorgevertrag und beim Altersvorsorgedepot mit zwei Modellen, die einen praktikablen Ausgleich zwischen einmaliger Abschlussvergütung und laufender Komponente bieten.

Bei bestehenden Riester-Verträgen werden wir Wechselmöglichkeiten verantwortungsvoll gestalten. Nicht jeder Wechsel ist automatisch sinnvoll. Deshalb setzen wir auf individuelle Beratung statt auf pauschale Empfehlungen. Wenn Kundinnen und Kunden von einem Wechsel profitieren können, sollen sie gemeinsam mit ihrem Vermittler die passende Lösung finden. Die konkreten Regelungen für interne Wechselprozesse werden derzeit final ausgestaltet.

Allianz zum AV-Depot: „Wir sind zum 1. Januar startklar“

 

Welche Optionen bestehende Riester-Kunden bei der Allianz haben, wenn die neue Förderung in Kraft tritt, ist der Grafik zu entnehmen.
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