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28. Mai 2026
Als Geschäftsführerin Bewährtes erhalten und neue Impulse setzen
Als Geschäftsführerin Bewährtes erhalten und neue Impulse setzen

Als Geschäftsführerin Bewährtes erhalten und neue Impulse setzen

Ulla Dörfler wird ab Juli Teil der Geschäftsleitung bei der vfm-Gruppe. Dort hat sie schon ihre Ausbildung gemacht. Was hat ihre Karriere geprägt? Und wie blickt sie auf das Thema „Frauen im Vertrieb“ – besonders in Führungspositionen?

Interview mit Ulla Dörfler, Prokuristin bei der vfm-Gruppe
Frau Dörfler, wenn Sie auf Ihren bisherigen Weg zurückblicken – von der Auszubildenden 2008 bis zur künftigen Geschäftsführerin ab Juli 2026: Welche drei Worte beschreiben diese Reise am besten?

vfm-Familie, Engagement, Leidenschaft.

Sie sind einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen: Aufstieg im selben Unternehmen über fast zwei Jahrzehnte. Was hat Sie bei vfm gehalten? Und was entgegnen Sie denen, die sagen, man müsse heute wechseln, um Karriere zu machen?

Bei vfm hat mich vor allem die Möglichkeit gehalten, mich innerhalb des Unternehmens immer weiterentwickeln zu können. Es kam nie das Gefühl auf, auf der Stelle zu treten. Im Gegenteil: Mit jeder Phase kamen neue Aufgaben und neue Verantwortung dazu. Die letzten 18 Jahre waren doch sehr dynamisch.

Ich war nie der Mensch, der darauf gewartet hat, dass sich ein Schritt von selbst ergibt, sondern habe immer versucht, Dinge anzupacken und Impulse zu setzen. Genau das war entscheidend: mitgestalten zu können. Deshalb war mein Weg bei vfm nie Stillstand, sondern immer Entwicklung, die glücklicherweise gesehen und unterstützt wurde.

Auch die Unternehmenskultur spielt darin eine wichtige Rolle – wir haben den Hashtag vfm-Familie geprägt. Das ist nicht nur ein nettes Wort, sondern beschreibt unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Vertriebs- und Produktpartnern sehr konkret.

Und zu der Frage, ob man wechseln muss, um Karriere zu machen: Aus meiner Sicht gibt es darauf keine pauschale Antwort. Ein Wechsel kann sinnvoll sein. Aber die eigene Weiterentwicklung entsteht nicht automatisch durch einen Wechsel, einen neuen Namen oder Titel auf der Visitenkarte. Entscheidend ist doch, ob man lernen, wachsen und gestalten kann und anpacken möchte. Wenn ein Unternehmen einem diese Möglichkeiten gibt, kann auch ein langer Weg im gleichen Unternehmen sehr erfüllend sein. Genau das war hier der Fall.

Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Das ist mein Weg, der Vertrieb ist mein Zuhause?

Das war weniger der eine große Moment als vielmehr eine Entwicklung. Nach der Ausbildung begann der Weg im Kompetenzcenter Komposit, zunächst mit fachlicher Zuarbeit für unsere Vertriebspartner. Stück für Stück kamen dann immer mehr Einblicke in Richtung Außendienst dazu. In der Zeit wurde mir immer klarer, wie sehr mir der Vertrieb liegt, weil hier Fachlichkeit, Beziehung und unternehmerisches Denken zusammenkommen. Mir ging es schon immer darum, Menschen zu verstehen, Lösungen zu entwickeln und gemeinsam etwas voranzubringen.

Dieses Zusammenspiel aus Nähe zur Branche, Verantwortung und Gestaltung gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern hat mir sehr früh gezeigt: Hier bin ich richtig.

Frauen im Vertrieb – erst recht in Führungspositionen – mit einer Karriere wie Ihrer, sind in der Branche weiterhin die Ausnahme. Was war auf Ihrem Weg die größte Hürde, die Sie als Frau nehmen mussten? Und was hat Ihnen geholfen, sie zu überwinden?

Ich habe meinen Weg nie mit dem Anspruch betrachtet, als Frau eine Sonderrolle einzunehmen. Einsatz, Leistung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, standen immer im Vordergrund. Die Überzeugung dahinter ist klar: Mit Engagement, Verlässlichkeit und fachlicher Stärke lässt sich viel bewegen.

Gleichzeitig ist spürbar, dass es in unserer Branche noch nicht überall selbstverständlich ist, Frauen in Vertriebs- und Führungsrollen gleich zu betrachten. Die Hürden sind dabei oft gar nicht immer offen sichtbar. Es sind eher Erwartungen oder Denkmuster, die noch mitschwingen – wer als besonders durchsetzungsstark gilt, wem Führung intuitiv zugetraut wird oder wer sich häufiger erst einmal zusätzlich beweisen muss. Umso wichtiger ist es, den eigenen Weg klar zu gehen und sich nicht kleiner zu machen, als man ist. Auch für mich war das ein langer Entwicklungsprozess, bei dem ich genau das Beschriebene über die Jahre hinweg selbst lernen durfte.

Geholfen hat vor allem, sich davon nicht verunsichern zu lassen, sondern den eigenen Weg konsequent weiterzugehen und vor allem „man selbst“ zu bleiben. Entscheidend ist doch, bei sich als Mensch zu bleiben und nicht darauf zu warten, dass einem etwas zugeschrieben wird.

Wer hat an Sie geglaubt, als Sie selbst vielleicht (noch) nicht daran geglaubt haben? Gab es Menschen, die für Ihre Entwicklung entscheidend waren?

Ja auf jeden Fall! Ich bin ein absoluter Familienmensch, daher sind mein Partner, meine Familie und engen Freunde bis heute ein wichtiger Rückhalt und haben mir indirekt immer wieder Stärke gegeben und mich geerdet.

Aber auch beruflich entwickelt man sich nie allein. Über viele Jahre mit Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, die einen fördern, fordern und einem Vertrauen entgegenbringen, prägt natürlich. Ich bin sehr dankbar für dieses Zusammenspiel – teilweise seit über 18 Jahren – aus persönlichem Rückhalt und beruflichem Miteinander.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach gesellschaftlich und in der Branche ändern, damit Fragen wie die vorherige(n) irgendwann überflüssig sind?

Wir sind dann einen großen Schritt weiter, wenn Karrierewege von Frauen nicht mehr als Besonderheit erzählt werden müssen, sondern als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Dafür braucht es mehrere Dinge: Sichtbare Vorbilder, faire Entwicklungschancen und vor allem den Abbau von unbewussten Rollenbildern.

Sie kommen selbst aus der Ausbildung. Heute stehen junge Frauen am selben Punkt, an dem Sie 2008 standen. Was sagen Sie ihnen, was Sie sich damals selbst gern gesagt hätten?

Traut euch! Man muss nicht auf den perfekten Moment warten, denn den gibt es meistens nicht. Oft wächst man genau an den Aufgaben, die zunächst ein bisschen größer wirken als das, was man sich selbst schon ganz sicher zutraut.

Welche Werte oder Überzeugungen prägen Ihren Führungsstil – und woher kommen diese?

Ich tue mich ehrlich gesagt schwer damit, einen Führungsstil in klassische Schlagworte zu fassen. Ich habe Führung nie als etwas verstanden, das man besonders inszenieren muss. Wichtig ist doch, dass Dinge funktionieren, dass Menschen gut und gerne zusammenarbeiten und dass unsere Vertriebspartner sich auf uns verlassen können.

Besonders prägend ist dabei schon unser hoher Dienstleistungs- und Servicegedanke – nach außen hin genauso wie im Team. Positiv zu bleiben, lösungsorientiert zu denken und für das Team eine verlässliche Ansprechpartnerin zu sein, gehört ganz wesentlich dazu.

Führung zeigt sich deshalb weniger in großen Begriffen als ganz konkret im Miteinander: daran, ob Vertrauen da ist, Zusammenarbeit gelingt und sich gemeinsam etwas entwickeln kann.

Worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle am meisten – und was nehmen Sie sich vor, auch außerhalb der Karriere nicht aus dem Blick zu verlieren?

Ich freue mich vor allem darauf, die Zukunft von vfm in neuer Verantwortung aktiv mitzugestalten und dabei eine wichtige Schnittstelle zwischen Vertrieb und Fachlichkeit zu bilden – gemeinsam mit dem vfm-Team und mit dem Blick auf das, was unsere Vertriebspartner wirklich brauchen. Besonders spannend wird die Verbindung aus Kontinuität und Weiterentwicklung, also das zu bewahren, was vfm stark macht, womit wir gewachsen sind und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.

Im Privaten möchte ich mir ganz bewusst das bewahren, was mir persönlich Kraft gibt und Bodenhaftung verleiht: die Zeit mit meinem Partner, meiner Familie und Freunden, aber auch die Leidenschaft für den Bergsport. Gerade in einer verantwortungsvollen Rolle ist es wichtig, Dinge zu haben, die einen aus dem Alltag herausholen, einen bei sich selbst halten und den Kopf freipusten. Für mich sind die Berge genau dieser wichtige Ausgleich.

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