Interview mit Alexandra Bielecki, Assistentin der Geschäftsleitung, und Pia SophiE Schmidt, Leiterin Kundenservice, beide bei der Hagen & Kruse GmbH & Co. KG
Frau Bielecki, Frau Schmidt, Sie beide werden die Geschäftsführung bei Hagen & Kruse übernehmen. Das ist keine familieninterne Übergabe, wie oft üblich in der Branche. Würden Sie sagen, schon das macht es zu etwas Besonderem?
Alexandra Bielecki Wir werden die Geschäftsführung in zwei Schritten übernehmen. Ich selbst trete zum 01.08.2028 als geschäftsführende Gesellschafterin ein. Pia Sophie Schmidt wird ebenfalls zu diesem Zeitpunkt Teil der Geschäftsleitung und folgt zum 01.01.2031 als Gesellschafterin. Die Übergabe ist bewusst langfristig geplant worden. Die vierte Generation hat uns über Jahre hinweg in alle Verantwortungsbereiche eingebunden und so für Kontinuität und Sicherheit für das Unternehmen und unsere Kunden gesorgt.
Eine nicht-familieninterne Nachfolge ist in der Branche nach wie vor eher die Ausnahme. In vielen Fällen führt das zum Verkauf des Bestandes oder zu einem Zusammenschluss mit größeren Marktteilnehmern. Bei uns war es ein klarer Wunsch der Eigentümer, die Unabhängigkeit zu erhalten und die Unternehmenswerte in guten Händen zu wissen.
Pia Schmidt Dass zwei externe Nachfolgerinnen die Führung übernehmen, zeigt jedoch, dass es auch jenseits klassischer Familiennachfolgen nachhaltige, wertorientierte Modelle gibt.
Zudem werden Sie die ersten Frauen sein, die die Leitung des Maklerhauses übernehmen. Sehen Sie sich da als Vorbilder in einer Branche, die stark von männlichen Führungskräften geprägt ist?
AB Dass wir die ersten Frauen in einer über 125-jährigen Unternehmensgeschichte sein werden, ist natürlich ein besonderer Moment. Diese Vision hatten aber bereits die jetzigen geschäftsführenden Gesellschafter im Jahr 2017, als sie ihr erstes Erfolgsbild für das Jahr 2025 verfasst haben.
PS Wir sehen uns nicht bewusst als Vorbilder, wissen aber, wie wichtig Sichtbarkeit ist. Wenn unser Weg andere Frauen ermutigt, freut uns das.
AB Obwohl Führungsrollen in der Branche weiterhin männlich dominiert sind, beeinflusst uns das im Alltag wenig. Es zeigt jedoch, dass noch Raum für mehr weibliche Perspektiven in einem Beruf besteht, der stark von Kommunikations- und Beziehungskompetenz lebt.
Was macht aus Ihrer Sicht die Maklerbranche für Frauen mit beruflichen Zielen attraktiv? Und wo hakt es auch noch?
PS Wir erleben im beruflichen Alltag, dass Vertrauensarbeit, Empathie und Dialogfähigkeit – Fähigkeiten, die vielen Frauen zugeschrieben werden – im Maklerberuf enorm wichtig sind.
AB Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Führungsverantwortung und Privatleben nur mit modernen Arbeitsmodellen gut vereinbar sind – genau daran arbeiten wir aktiv und ermöglichen so viel Freiheit und Gestaltungsraum. Netzwerke in der Branche sind historisch sehr männlich geprägt. Das mag auf manche Frauen abschreckend wirken. Wir haben jedoch die Erfahrung machen dürfen, dass man uns immer offen begegnet ist.
Ihr Maklerhaus arbeitet mit einem sogenannten „Erfolgsbild“. Können Sie uns dazu mehr erzählen?
AB Unser Erfolgsbild ist kein klassischer Strategieplan, sondern ein konkretes Zukunftsbild: Wir beschreiben das Unternehmen aus der Perspektive eines zukünftigen Datums, als sei die Vision bereits Realität. Das macht es greifbar, emotional und konkret. Entstanden ist es erstmals unter der vierten Generation. Wir haben jetzt unser eigenes Erfolgsbild für das Jahr 2033 formuliert und an unsere Ziele angepasst. Dabei fließen Unternehmenswerte, Markttrends und persönliche Ziele aller Beteiligten ein. Ein schönes Beispiel: Bereits 2017 wurde im damaligen Erfolgsbild eine Firmenreise nach Mallorca beschrieben – lange bevor klar war, ob das wirklich stattfinden wird. Und jetzt können wir mit allen Mitarbeitenden von einem tollen, gemeinsamen Wochenende im März 2026 auf Mallorca für hoffentlich noch lange Zeit zehren.
Zahlt das Erfolgsbild aus Ihrer Erfahrung auf das Finden und Binden von Fachkräften ein? Und werden Sie darauf auch von Kundenseite angesprochen?
PS Gerade junge Talente wollen ein konkretes Bild davon, wie ein Unternehmen in Zukunft arbeitet. Genau das beantwortet unser Erfolgsbild. Für unsere Mitarbeitenden ist es Motivation, gibt Sicherheit und schafft ein Wir-Gefühl.
AB Auch Kunden sprechen uns darauf an. Wir haben es im Konferenzraum visualisiert und als großes Bild an der Wand hängen. Viele sind überrascht, wie klar wir unsere Zukunft beschreiben können, und nehmen es als ein Zeichen von Stabilität wahr.
Seite 1 Wie Makler die nicht-familieninterne Nachfolge schaffen
Seite 2 Also wohin steuert Hagen und Kruse unter Ihrer Leitung? Welche Visionen haben Sie? Und was machen Sie anders als Ihre Vorgänger?
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