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10. Februar 2026
Altersarmut? Galadinner!
Altersarmut? Galadinner!

Altersarmut? Galadinner!

Die bAV muss von der Vermittlerschaft aus einer neuen Perspektive gedacht werden, meint Cordula Vis-Paulus: von den „Rändern“ der Gesellschaft, denen die Altersarmut droht. Genau diese Gruppe sollte auch am „Galadinner“ der Altersvorsorge teilhaben und nicht nur von außen zuschauen.

Ein Artikel der Versicherungsmaklerin und bAV-Expertin Cordula Vis-Paulus

Der 50-Euro-Vertrag ist das Aspirin der Altersvorsorge. Prickelt kurz, der Schmerz ist weg. Doch eine resiliente Gesellschaft braucht weniger Aspirin und mehr Holistik: neue Fragen, wirksamere Antworten. Also: Wie wird die bAV für Randgruppen zum heim­lichen Systemretter?

Rente, brennender Zukunftsnerv – die Junge Union hat es uns allen gezeigt. Den Kanzler haben sie unter Hochdruck an die Renten­reform getrieben. Was daraus wird? Zweifel sind erlaubt. Braucht es in der Altersvorsorgeberatung ein radikales Umdenken? Weg vom wohligen Durchschnitt hin zu den Rändern, an denen Armut, Überforderung und strukturelle Ungleichheit sichtbar werden?

Weg vom Durchschnitt hin zu den Rändern

Nicht der Durchschnittsverdienst entscheidet über die Stabilität des Systems, sondern diejenigen, die trotz jahrzehntelanger Arbeit auf eine Rente unterhalb der Armutsgrenze zusteuern. Wer unter etwa 3.500 Euro brutto verdient, bewegt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Richtung Altersarmut – auch bei langer Erwerbsbiografie. Besonders betroffen sind Teilzeitkräfte, Geringverdienende, Beschäftigte in kleinen Betrieben und schwachen Regionen, Menschen mit Sprachbarrieren und ohne starke Interessenvertretung. Sie alle sind die „Ränder“, die im Beratungsalltag zu oft unsichtbar bleiben – und später die Staatskasse mit Grundsicherung, Wohngeld und Co. sowie höheren Gesundheits- und Pflegeausgaben massiv belasten.

Die unterschätzte Gruppe der Teilzeit-Mütter

Die teilzeitberufstätige Mutter steht sinnbildlich für diese stille Mehrheit. Sie macht nur rund 20% der beschriebenen Gruppe aus, ist aber ein Brennglas für strukturelle Schieflagen: jahrzehntelange Teilzeit, geringere Löhne, begrenzte Aufstiegschancen – und am Ende eine Rente, von der allein man kaum existieren kann. Viele von ihnen werden später nicht nur auf ergänzende staatliche Leistungen angewiesen sein, sondern auch überproportional Gesundheits- und Pflegekosten verursachen, weil ein Leben lang finanzielle Unsicherheit Spuren hinterlässt. Wer wissen will, wer von „Altersarmut plus Stütze“ leben muss, darf sich nicht an Durchschnittswerten orientieren, sondern muss genau auf diese Ränder schauen.

Warum klassische Privatvorsorge hier versagt

Maklerinnen und Makler brauchen zahlungskräftige Kundschaft, um wirtschaftlich arbeiten zu können – das ist legitim. Doch genau die beschriebenen Gruppen gehören meist nicht dazu: niedrige Einkommen, kaum Spielraum im Budget, geringe Finanzbildung, wenig Zugang zu Anlage- und Investmentthemen. Privat finden sie selten den Weg in tragfähige Vermögensbildung, selbst wenn der Wille vorhanden wäre. Klassische Privatvorsorge sortiert damit ausgerechnet diejenigen aus, bei denen der Vorsorgebedarf am höchsten ist – mit fatalen Folgen für Betroffene und für den Staatshaushalt.

Die bAV als Galadinner – nicht als Fast Food

Betriebliche Altersvorsorge – die vielleicht einzige Vorsorgeform, die für die Gesellschaft wirklich den Unterschied machen kann?! Weil sie alle Beschäftigten erreichen könnte. Die „Menükarte“ der „bAV und Benefits“ muss einen ganzheitlichen Blick auf das Leben der Menschen ermöglichen:

  • Sie muss Teilzeiteinkommen und knappe Budgets berücksichtigen und gleichzeitig den massiv erhöhten Vorsorgebedarf durch Teilzeit abfedern.
  • Sie muss Sprach- und kognitive Hürden ernst nehmen, verständliche Angebote machen und Orientierung geben.
  • Sie muss zeigen, dass unterschiedliche Lebenslagen – Mütter, Väter, Migrantinnen und Migranten, Fachkräfte in körperlich anstrengenden Jobs, High Performer – bewusst mitgedacht wurden.

Menükarte: Der „Gruß aus der Küche“ holt alle ab – wie wäre es mit einem arbeitgeberfinanzierten Grundbaustein à la § 100 EStG? Bei den nächsten Gängen jubeln die Geschmacksknospen: knackige Rentenbausteine nachhaltig auf ETF-Essenz, ein Crunch an Invaliditätsschutz, zarte Pflegekomponenten, frische Gesundheitsakzente und ein sattes Plus an finanzieller Resilienz. Betriebliche Altersvorsorge ist wie ein Galadinner: alles drin, was das Leben stark macht – und gleichzeitig so angerichtet, dass man gar nicht anders kann, als begeistert Platz zu nehmen.

Alle sind eingeladen: Mütter, Manager, Leader, Akademiker, Abfall­entsorger, Dachdecker, Autoschrauber, Zimmer­leute. So sollte es sein. Faktisch aber ist es in Deutschland anders: Fast die Hälfte der Menschen hat weder eine bAV noch ein alterna­tives Ruhestandsdepot – sie stehen buchstäblich vor der Tür und schauen auf ein Fest, zu dem sie nie eine Einladung bekommen haben. Und die andere Hälfte zahlt oft viel zu wenig für ihr „Gala­dinner“: Wer für den halben Preis – etwa mit Bei­trägen von 130 Euro bei Männern und 98 Euro bei Frauen – antritt, bekommt am Ende eher Fast Food als eine ausge­wogene, tragfähige Altersversorgung.

Altersarmut? Galadinner!

Alle mitdenken!

Eine verantwortungsvolle „bAV- und Benefits-Menükarte“ betrachtet den Menschen als Ganzes – in seinem familiären, gesundheitlichen, beruflichen und kulturellen Umfeld. Angebote müssen als sinnstiftend, erleichternd, zuversichtlich, gesundheitsbewahrend und -fördernd erlebbar sein. Es geht nicht nur um Produkte, sondern um psychologische Sicherheit: „Hier werde ich auch als Mensch gesehen: Alles zusammen gibt mir das die Sicherheit, die ich mir und meiner Familie wünsche.“ Genau das macht den Unterschied für Frauen, für Teilzeitkräfte, für Care-­Verantwortliche und für all jene, die sonst durch das Raster fallen. Noch was: Wir brauchen mehr Beraterinnen als Rolemodels über alle drei Schichten: von der Vorspeise bis New York Super Fudge Chunk.

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