Kosten allein reichen für den Vergleich nicht aus
Ein weiteres Ergebnis betrifft den Kostenvergleich zwischen Depot- und Versicherungslösungen. Die Kosten waren ja eines der führenden Themen bei der genauen Ausarbeitung des Altersvorsorgedepots von politischer Seite. Auch aktuell werben vor allem die Neobroker offensiv mit geringen Kosten für ihre Produkte.
Im Musterfall der Studie mit 100 Euro Monatsbeitrag, 30 Jahren Laufzeit und 5% Bruttorendite erreicht ein Bankdepot mit 0,30% Effektivkosten ein Endkapital von 78.758 Euro. Bei einer Versicherungslösung mit 1,10% Effektivkosten sind es 68.181 Euro – ein Unterschied von 13,4%.
Dafür könne eine Versicherungslösung Leistungen bieten, die ein reines Depot nicht umfasst: insbesondere eine lebenslange Rente mit einem bereits bei Vertragsabschluss garantierten Rentenfaktor. Weiterhin schrumpft der beschriebene Kostenvorteil bei kürzerer Ansparphase deutlich: Bei zehn Jahren Restlaufzeit beträgt er nur noch 4,1%, bei fünf Jahren sogar nur noch 2,0%. Gerade für ältere Vorsorgesparer fällt der Kostenunterschied zwischen Depot und Versicherung damit wesentlich geringer aus.
Im berechneten Musterfall würde das Bankdepot eine monatliche Auszahlung von 362 Euro bis zum 85. Lebensjahr ermöglichen. Die Versicherungslösung käme dagegen auf 196 Euro monatlich, allerdings lebenslang. Die Berechnungen basieren auf Modellannahmen und Rentenfaktoren bestehender Tarife, nicht auf zertifizierten Altersvorsorgeprodukten für 2027.
Interessant ist auch der Vergleich mit beratenen individuellen Fondsprodukten. Diese kosten laut Studie mit 1,0 bis 1,5% teilweise ähnlich viel wie Versicherungslösungen, bieten jedoch keinen garantierten Rentenfaktor.
Riester-Bestandskunden sollten nicht vorschnell wechseln
Für Versicherungsmakler besonders relevant sind die Empfehlungen zu den rund 14,66 Millionen bestehenden Riester-Verträgen. Metzler Ratings rät grundsätzlich dazu, gute Altverträge zu behalten und gegebenenfalls die Fördersystematik umzustellen, statt direkt ein neues Altersvorsorgedepot abzuschließen.
Besonders erhaltenswert seien Verträge mit einem Rechnungszins von mindestens 2,25% oder einem garantierten Rentenfaktor von mindestens 30. Bei einem Produktwechsel könnten bestehende Garantien verloren gehen.
Allerdings müsse auch die Umstellung der Förderung individuell geprüft werden. Familien, die bisher mit einem geringen Eigenbeitrag hohe Zulagen erhalten, könnten durch die neue Fördersystematik schlechter gestellt werden.
Auch die Finanzstärke der Versicherer zählt
Wer eine lebenslange Rentenzusage gibt, muss diese möglicherweise über Jahrzehnte erfüllen. Metzler Ratings empfiehlt deshalb, neben dem Rentenfaktor insbesondere die Substanz des Versicherers zu prüfen.
Nach dem eigenen LV-Qualitätsrating erreichen lediglich neun der 30 größten deutschen Lebensversicherer die vom Ratinghaus definierte Mindestqualität von A. Dabei handelt es sich um ein auf Bilanzkennzahlen beruhendes Qualitätsrating, nicht um ein Bonitätsrating.
Zugleich warnt die Studie vor vorschnellen Abschlüssen. Zum Datenstand am 21.10.2026 lag noch kein zertifiziertes Altersvorsorgedepot mit verbindlichem Preisverzeichnis vor. Metzler Ratings plant, die neuen Vorsorgeprodukte im ersten Quartal 2027 erstmals in einem eigenen Rating zu bewerten. (mki)
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Seite 1 Altersvorsorgedepot: Studie sieht größtes Potenzial bei Versicherern
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