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13. Juli 2026
AV-Reform: Fünf Punkte, auf die Kunden, Vermittler und Anbieter achten sollten
 AV-Reform: Fünf Punkte, auf die Kunden, Vermittler und Anbieter achten sollten

AV-Reform: Fünf Punkte, auf die Kunden, Vermittler und Anbieter achten sollten

Mit dem AV-Reformgesetz wird die privat geförderte Altersvorsorge neu gestaltet, wobei der Erfolg der Reform maßgeblich von angebotenen Produkten, Beratung sowie Entscheidungen der Sparer und den daraus entstehenden Chancen und Herausforderungen für Anbieter, Vermittler und Kunden abhängt.

Ein Artikel von Dr. Andreas Kick, Geschäftsführer Institut für Vorsorge und Finanzplanung

2027 soll eine neue Generation geförderter Altersvorsorgeprodukte an den Start gehen. Die neue Förderung orientiert sich künftig stärker an den tatsächlich geleisteten Beiträgen. Gleichzeitig entfällt der bisherige Garantiezwang und auch bei der späteren Auszahlung erhalten Anbieter und Kunden deutlich mehr Flexibilität. Damit öffnet sich die geförderte Altersvorsorge für neue Produktkonzepte und neue Anbieter.

Die Reform schafft damit einen neuen Rahmen für die geförderte private Altersvorsorge in Deutschland. Die politische Arbeit ist weitgehend abgeschlossen. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt jedoch erst jetzt. Ob die Reform erfolgreich wird, entscheidet sich nicht allein im Gesetz, sondern in den Produkten, die daraus entstehen, in ihrer Einordnung durch die Beratung und letztlich in den Entscheidungen der Kundinnen und Kunden.

Fünf Punkte erscheinen dabei besonders wichtig.

1. Vorbereitung schlägt Schnellschüsse

Die Reform eröffnet neue Möglichkeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass bestehende Riester-Verträge automatisch an Attraktivität verlieren. Gerade ältere Verträge können Garantien oder günstige Vertragsmerkmale, etwa eine attraktive Garantieverzinsung oder vorteilhafte Verrentungskonditionen, enthalten, die auch künftig wertvoll sein können. Für viele Kundinnen und Kunden wird deshalb die Frage relevant werden, ob sie ihren bestehenden Vertrag unverändert oder mit neuer Fördersystematik fortführen oder einen Wechsel in die neue Produktwelt prüfen sollten.

Pauschale Antworten wird es darauf nicht geben. Umso wichtiger ist, dass Beraterinnen und Berater ihre Bestände frühzeitig analysieren und mögliche Handlungsoptionen für unterschiedliche Kundengruppen vorbereiten. Die Reform braucht keine Wechselstimmung um jeden Preis, sondern eine individuelle Betrachtung der bestehenden und künftigen Möglichkeiten. Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Verträge auszutauschen, sondern für jeden Kunden die passende Lösung zu finden.

2. Gute Reformen garantieren keine guten Produkte

Mit der Reform stehen die grundlegenden Leitplanken fest. Ob daraus attraktive Altersvorsorgelösungen entstehen, hängt nun von der konkreten Umsetzung ab. Das gilt insbesondere für das Altersvorsorgedepot, das derzeit mit hohen Erwartungen verbunden wird. Mehr Renditechancen, mehr Flexibilität und niedrigere Kosten klingen vielversprechend. Wie sich diese Erwartungen in den konkreten Produkten widerspiegeln werden, lässt sich heute noch nicht abschließend beurteilen. Das wird sich erst in der Praxis zeigen.

Entscheidend wird sein, wie Anbieter die neuen Möglichkeiten nutzen. Kosten, Kapitalanlage, Transparenz und die Ausgestaltung der Auszahlungsphase werden maßgeblich darüber entscheiden, ob die Reform bei den Kundinnen und Kunden als Erfolg wahrgenommen wird. Die Reform schafft deshalb nicht die eine richtige Lösung für alle, sondern eröffnet einen Qualitätswettbewerb. Davon können Kundinnen und Kunden profitieren, wenn die neuen Spielräume für tatsächlich bessere und verständliche Lösungen genutzt werden.

3. Das AV-Depot ist ein Baustein, keine Strategie

Das AV-Depot kann für viele Kundinnen und Kunden ein attraktiver Baustein sein. Es wird jedoch weder für jeden die passende Lösung sein noch die individuelle Vorsorge- und Finanzplanung ersetzen. Genau diese Einordnung wird in den kommenden Monaten wichtig werden, weil die öffentliche Diskussion leicht den Eindruck erwecken kann, als ließe sich die Vorsorgefrage künftig mit einem einzigen Produkt beantworten.

Das deutsche Alterssicherungssystem basiert nicht ohne Grund auf drei Schichten. Von der Basisversorgung, zu der neben der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Basisrente zählt, über die betriebliche Altersversorgung bis hin zur privaten Vorsorge erfüllen die einzelnen Schichten unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich gegenseitig. Daran ändert auch die AV-Reform nichts. Die neuen Möglichkeiten erweitern den Werkzeugkasten der privaten Altersvorsorge, sie ersetzen aber nicht die individuelle Analyse der persönlichen Versorgungssituation.

4. Die größte Chance der Reform liegt nicht im Produkt

Die vielleicht größte Chance der Reform liegt nicht im einzelnen Produkt, sondern in der Aufmerksamkeit, die das Thema Altersvorsorge derzeit erhält. Selten wurde so intensiv über private Altersvorsorge diskutiert wie aktuell.

Entscheidend wird nun sein, diese Aufmerksamkeit zu nutzen. Wenn die aktuelle Diskussion dazu beiträgt, Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und Menschen stärker für ihre finanzielle Zukunft zu sensibilisieren, kann die Reform weit über neue Produktabschlüsse hinaus wirken. Die Reform wird nicht allein daran zu messen sein, wie viele neue Verträge abgeschlossen werden. Sie sollte auch daran gemessen werden, ob sie Menschen wieder stärker dazu bringt, sich mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen.

5. Orientierung schafft Vertrauen

Die Reform schafft neue Möglichkeiten. Ob daraus bessere Entscheidungen entstehen, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob Kundinnen und Kunden diese Möglichkeiten verstehen und einordnen können. Orientierung, Transparenz und Vergleichbarkeit werden deshalb wichtiger denn je.

Dafür braucht es gute Beratung, verständliche Informationen und geeignete Orientierungshilfen. Das IVFP begleitet die Entwicklung unter anderem mit Ratings und Softwarelösungen wie dem Fördervergleichsrechner, die Transparenz schaffen und unterschiedliche Lösungswege vergleichbar machen. Solche Instrumente ersetzen keine Beratung. Sie können jedoch dazu beitragen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Kundengespräche auf eine belastbare Grundlage zu stellen.

Auch Anbieter werden sich daran messen lassen müssen, ob sie Orientierung schaffen oder lediglich Produktversprechen formulieren. Wer verständlich kommuniziert, für wen eine Lösung geeignet ist und für wen nicht, stärkt Vertrauen. Vertrauen ist in der Altersvorsorge mindestens so wichtig wie Renditechancen – vielleicht sogar wichtiger.

Fazit: Die Reform ist eine Chance, aber kein Selbstläufer

Ob die Reform ihr Potenzial entfalten kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend ist, wie die neuen Spielräume genutzt werden und ob die Reform Menschen tatsächlich dazu bewegt, sich stärker mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen.

Das Ziel sollte nicht sein, möglichst vielen Menschen möglichst schnell ein neues Produkt zu vermitteln. Das Ziel muss sein, möglichst viele Menschen anständig für das Alter aufzustellen. Wenn die Reform dazu beiträgt, wäre sie mehr als ein Nachfolger der Riester-Rente.

Der neue Rahmen steht. Ob daraus bessere Altersvorsorge entsteht, entscheidet sich jetzt.

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Ein Artikel von
Dr. Andreas Kick