Ein Kommentar von Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter
Kaum ein Thema in der privaten Altersvorsorge wird derzeit so intensiv diskutiert wie das Altersvorsorgereformgesetz. Das wird sich auch bis weit ins nächste Jahr hinein nicht ändern. Meist geht es in der Diskussion um die neuen Produkte (vor allem das Altersvorsorgedepot), die geänderten Fördermechanismen oder Garantien. Ich finde jedoch, dass das zu kurz greift. Für mich lautet die eigentliche Botschaft der Reform: Der Staat traut den Menschen künftig mehr Kapitalmarkt und damit auch mehr Eigenverantwortung zu.
Das ist absolut der richtige Weg. Höhere Renditechancen entstehen nicht durch höhere Garantien, sondern durch einen größeren Anteil chancenorientierter Kapitalmarktanlagen. Genau dafür schafft die Reform bessere Voraussetzungen. Gleichzeitig gilt aber auch: Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Verantwortung. Und genau deshalb wird die Rolle qualifizierter Vermittlerinnen und Vermittler künftig noch wichtiger. Hatten die Deutschen doch bisher schon großen Beratungsbedarf bei diesen Entscheidungen für das Alter.
Ein richtiger Schritt trotz immer noch zu hoher Komplexität
Dass die Reform die starren Garantievorgaben lockert, halte ich für einen wichtigen Fortschritt. Immerhin plädiere ich schon seit rund 15 Jahren für geringere Garantien und mehr Kapitalmarkt in der geförderten privaten Altersvorsorge. Endlich wird dieser Gedanke auch vom Gesetzgeber aufgegriffen.
Hinzu kommt, dass die Förderung verständlicher ausgestaltet und der Kreis der Förderberechtigten deutlich erweitert wird. Gerade Selbstständige erhalten neue Möglichkeiten, staatlich geförderte Altersvorsorge zu betreiben. Das ist ein echter Gewinn.
Wie leider so oft bleibt dennoch ein Wermutstropfen. Deutschland schafft es leider immer wieder, sinnvolle Reformen unnötig kompliziert zu machen. Unterschiedliche Produktausprägungen, verschiedene Garantieniveaus, Wahlmöglichkeiten zwischen lebenslanger Rente und Auszahlplan, ein staatliches Standardprodukt sowie bestehende Sonderformen wie Wohn-Riester machen das System nicht einfacher. Vieles davon hätte man konsequenter vereinfachen können.
Dennoch fällt mein Fazit positiv aus: Die Reform, das neue System, ist deutlich besser als das heutige Riester-System. Es eröffnet zusätzliche Chancen. Aber zugleich erhöht sich auch die Komplexität der Entscheidungen.
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Seite 2 Mehr Wahlfreiheit erhöht den Beratungsbedarf
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