Offene Immobilienfonds wurden lange als solide betrachtet. Doch bereits seit einiger Zeit befindet sich die Branche in einer besonders herausfordernde Marktphase, wie es auch die Ratingagentur Scope in einer aktuellen Analyse so beschreibt. Offene Immobilienfonds müssen seit Mitte 2023 teils deutliche Kapitalabflüsse hinnehmen. Vor Kurzem setzten zwei offene Immobilienfonds die Rücknahme der Anteile aus: der WERTGRUND WohnSelect D und der FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND . wie AssCompact berichtete. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit Mark Branson, dem Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), ging es unter anderem auch über offene Immobilienfonds und Risiken für Verbraucher.
Beratung oder Verkauf? Risikoeinstufung zu gering?
Dabei bezeichnet der BaFin-Chef Immobilienfonds als „legitime Produkte“, wirft aber auch die Frage auf, ob sie richtig und fair verkauft würden. Beratung sei eben nicht immer Beratung, sondern oft „vertriebsgetriebener Verkauf“, so Branson gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Branson äußerte sich außerdem kritisch zur Risikoeinordnung. So seien die Fonds meist in den Kategorien eins oder zwei auf der von der EU vorgegebenen Skala eingestuft, was ein sehr geringes Risiko bedeutet. Formal könne der Risikoindikator regelkonform berechnet sein. Doch Branson gibt zu bedenken, ob dieser Indikator aus Anlegersicht das Risiko umfassend abbilde.
Die Frage, ob er weitere Fondsschließungen ausschließen könne, beantwortete Branson gegenüber der Süddeutschen Zeitung wie folgt: „Das kann ich nicht. Bei kleineren Immobilienfonds gibt es ein erhöhtes Risiko.“
Als erfreulich bezeichnete der BaFin-Präsident im Interview die Tatsache, dass Teile der Branche überlegen würden, wie sich Produktinformationen so gestalten lassen, dass sie die Chancen und Risiken realistischer widerspiegeln. (tik)
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