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22. Juni 2026
Braucht es noch die klassischen Maklerportale der Versicherer?

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Braucht es noch die klassischen Maklerportale der Versicherer?

Braucht es noch die klassischen Maklerportale der Versicherer?

Beispiel: Unterstützung bei Fachfragen

Besonders deutlich wird das bei fachlich anspruchsvollen Einzelfragen. Ein mögliches Szenario: Der Makler öffnet aus seinem Verwaltungssystem mit einem Klick den korrespondierenden Vertrag im Maklerportal des Versicherers. Er stellt eine konkrete Fachfrage zur Deckung. Die KI analysiert Vertragsdaten und Bedingungen, liefert eine belastbare Antwort und leitet – bei entsprechendem Schadenumfang – automatisch die nächsten Schritte ein. Der Schaden wird angelegt, ein Sachverständiger beauftragt, der Kunde zeitnah kontaktiert.

Der künftige Wert eines Maklerportals wird sich nicht daran entscheiden, wie viele Menüpunkte es enthält oder wie modern seine Benutzeroberfläche wirkt. Auch der Verweis auf Dokumente ersetzt keine belastbare Einordnung. Entschei­dend ist, ob es konkrete fachliche und prozessuale Probleme schneller, sauberer und verlässlicher löst als die heute üblichen Wege über E-Mail, Telefon, PDF-Dokumente oder manuelle Rückfragen.

Voraussetzungen

Damit solche Szenarien Realität werden, braucht es mehrere Voraussetzungen. Zentrale Bedeutung hat die nahtlose, berechtigungsgesteuerte Navigation aus Maklerprogrammen in die Maklerportale der Versicherer. Ein Maklerportal entfaltet seinen Nutzen nicht dadurch, dass Makler es zusätzlich aufsuchen müssen. Es wird dann relevant, wenn es sich aus dem Maklerverwaltungsprogramm, aus Plattformprozessen oder aus konkreten Geschäftsvorfällen heraus nahtlos nutzen lässt. Der Mehrwert entsteht im Arbeitsfluss, nicht daneben. Für Pools und Vertriebe ist entscheidend, dass Vermittler ausschließlich Zugriff auf ihre vermittelten Verträge erhalten – ohne Einsicht in fremde Bestände oder Provisionsdaten. Gleichzeitig müssen fachliche Dialoge revisionssicher dokumentiert und den jeweiligen Verträgen zugeordnet werden können.

Die eigentliche Frage: Welche Rolle sollen Portale spielen?

Die strategische Frage für Versicherer lautet daher nicht, ob sie 2026 noch ein Maklerportal brauchen. Sie lautet, welche Rolle dieses Portal künftig spielen soll. Wer es als digitale Nebenstelle für Standardservices begreift, wird seine Relevanz weiter sinken sehen. Wer es dagegen zu einem fachlich intelligenten und prozessnahen Knotenpunkt entwickelt, kann daraus einen echten Wettbewerbsvorteil machen.

Eine KI-Lösung muss Zugriff auf alle relevanten Vertrags-, Schaden- und Dokumentendaten inklusive Be­dingungen erhalten. Angestoßene Prozesse – etwa Vertragsänderungen oder Schadenmeldungen – müssen automatisiert oder nach fachlicher Freigabe im Bestandssystem verarbeitet werden können. Voraussetzung dafür sind jedoch saubere Datenhaltung sowie klare Berechtigungs- und Governance-Konzepte – denn KI ersetzt keine fehlenden Grundlagen, sondern verstärkt deren Qualität.

Spannend wird sein, ob Versicherer diesen Weg aktiv gestalten oder ihn primär Maklerplattformen überlassen. Wahrscheinlich ist ein hybrides Modell: KI-Lösungen der Versicherer und der Plattformen, die sich sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist, dass die Systeme miteinander kommunizieren können.

Die Zukunft liegt in vernetzten KI-Agenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Makler formuliert ein Anliegen – und im Hintergrund greifen Maklerverwaltung, Plattformen, Vergleicher und Versicherer nahtlos ineinander. Nicht als Vision, sondern als logische nächste Entwicklungsstufe der Zusammenarbeit.

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Ein Artikel von
Hermann Hübner