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23. April 2026
BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial
BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial

BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial

Für Menschen mit Diabetes bleibt der Zugang zur Berufsunfähigkeitsversicherung bis heute schwierig – trotz medizinischer Fortschritte und besserer Risikokontrolle. Neue Technologien könnten jedoch eine bislang verschlossene Zielgruppe für Versicherer und Vermittler erschließen.

Ein Beitrag von Dr. Bernd Reinhold, Gründer und Geschäftsführer von Diabsurance

Die Absicherung der Arbeitskraft zählt zu den zentralen Themen der Personenversicherungen. Für Menschen mit Diabetes bleibt der Zugang zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Dies betrifft sowohl Typ-1-DiabetikerInnen (umgangssprachlich: Jugenddiabetes) als auch Typ-2-DiabetikerInnen (Altersdiabetes).

Bessere Risikokontrolle dank neuer Technologien

Vielen Versicherern ist diese Kundengruppe weiterhin zu riskant. Wir bei Diabsurance sehen durch neue Technologien und Therapien, die es schon heute gibt bzw. die in den nächsten 10 bis 20 Jahren verfügbar werden, ein erhebliches Marktpotenzial. Moderne Medikamente (z.B. GLP-1-Rezeptoragonisten), kontinuierliche Glukosemessung (CGM) und automatisierte Insulinsysteme (AID) ermöglichen heute bereits eine deutlich bessere Stoffwechseleinstellung. Dadurch wird eine differenziertere Risikobewertung und bessere Risikokontrolle möglich – und Menschen mit gut eingestelltem Diabetes werden zu deutlich günstigeren Bedingungen versicherbar. Eine Neuevaluation der Risiken von diesen gut eingestellten DiabetikerInnen mit CGM-Sensoren wird gerade durchgeführt (Stand: April 2026).

In diesem Beitrag berichten wir von Diabsurance über die Ergebnisse einer von uns durchgeführten Umfrage unter Betroffenen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes zu Ihren Erfahrungen und Erwartungen rund um das Thema „Berufsunfähigkeitsversicherung und Diabetes“ (45 TeilnehmerInnen, Stand April 2026).

Kaum Zugang zur BU nach Diagnose „Diabetes“

85% der UmfrageteilnehmerInnen ist oder wäre eine BU-Absicherung wichtig. 75% der Befragten verfügen allerdings über keine Berufsunfähigkeitsversicherung (Abb. 1), obwohl Versuche dazu unternommen wurden. Von den verbleibenden 25% haben:

  • nur 5% eine BU nach Ihrer Diabetes-Diagnose erhalten,
  • 14% vor der Diabetesdiagnose abgeschlossen, oder
  • über Kollektivverträge oder Aktionen ohne Gesundheitsprüfung eine BU erhalten (7%).

 

BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial

Dies deckt sich mit der derzeitigen Praxis der meisten Versicherer, Diabetes als hohes und schwer kalkulierbares Risiko einzustufen – mit der Folge von Ablehnungen oder sehr hohen Prämienzuschlägen (von 150 bis 200 %).

Hohe Bereitschaft für datenbasierte Risikobewertung

Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine hohe Offenheit gegenüber Ansätzen vergleichbar einer Telematik-Versicherung im Kfz-Bereich: Fast 90% der Teilnehmer wären bereit, einen auf CGM-Daten (Continuous Glucose Monitoring) basierenden Risiko-Score berechnen zu lassen.

Dies ist insofern relevant, als moderne Glukosesensoren eine kontinuierliche und lückenlose Bewertung der Stoffwechseleinstellung ermöglichen und dadurch für DiabetikerInnen, die diese Informationen aktiv im Alltag nutzen, zu einer verbesserten Glucose-Einstellung führen. Diese aktive Personengruppe kann über einen CGM-basierten Risiko-Score selektiert werden. Deren BU-Risiko nähert sich dem von Nicht-DiabetikerInnen an.

 

BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial

Die CGM-Daten würden kontinuierlich während der Vertragslaufzeit analysiert, um z. B. im Fall einer möglichen Verschlechterung der Glucose-Einstellung frühzeitig mit dem/der VersicherungsnehmerIn Lösungsoptionen finden zu können (diese Serviceleistung würde durch einen Dienstleister für den Versicherer erbracht).

Diskrepanz bei akzeptierten Prämienzuschlägen

Die Mehrheit der Befragten hält einen Prämienzuschlag von unter 25% oder 25% bis 50% für akzeptabel. Demgegenüber steht die aktuelle Marktpraxis:

  • Zuschläge von 150% bis 200% oder
  • komplette Ablehnung

Diese Differenz illustriert ein erhebliches Spannungsfeld zwischen aktueller Risikoeinschätzung der Versicherer und der Schmerzgrenze aus Kundensicht.

 

BU und Diabetes: Eine Nische mit hohem Marktpotenzial

Hier bietet sich dank Technologie und daraus resultierend geringerem BU-Risiko ein großes Marktpotenzial, das durch einen Data-Analytics-getriebenen Ansatz erschlossen werden kann.

Marktpotenzial und Fazit

In Deutschland leben rund 9 Millionen Menschen mit Diabetes, davon mehrere Millionen im erwerbsfähigen Alter. Dank moderner Therapie- und Monitoringtechnologien gibt es schon heute ein wachsendes Segment gut eingestellter DiabetikerInnen mit deutlich besser kalkulierbarem BU-Risiko. Schätzungen zufolge umfasst dieses Segment bereits heute 100.000 bis 200.000 potenzielle Kundinnen und Kunden mit einem jährlichen Prämienvolumen im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Mit einem Data-Analytics-getriebenen Ansatz wird dieses bisher kaum erschlossene Kundensegment versicherbar.

Über Diabsurance

Diabsurance ist ein spezialisierter Versicherungsmakler für Menschen mit Diabetes und deren Familien. Das Unternehmen unterstützt Betroffene dabei, Zugang zu Personenversicherungen – insbesondere zur Berufsunfähigkeitsversicherung – zu erhalten. Aufgrund eigener Betroffenheit sind wir eng in mehreren deutschen Diabetes-Communities eingebunden. Gleichzeitig haben wir einen datenbasierten Risiko Score für eine differenzierte und realistische Risikobewertung entwickelt und bieten diesen Versicherern an.

Über den Autor

Dr. Bernd Reinhold ist Gründer und Geschäftsführer von Diabsurance. Er ist selbst Typ-1 Diabetiker und seit vielen Jahren CGM-Sensor-Nutzer. Er hat lange Jahre im Bereich Datenanalyse und Sensorik im Automobilbereich gearbeitet. Er begeistert sich für Open Source, KI und neue Technologien und hat die rasante technologische Entwicklung im Diabetes hautnah miterlebt. Er nimmt regelmäßig an Community-Events in verschiedenen Diabetes Communities in Deutschland teil und hat 2022 an einem Forschungsprojekt der Charité mitgewirkt. In seiner Freizeit fährt er gerne Mountainbike und im Winter Ski.

 
Ein Artikel von
Bernd Reinhold