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6. Mai 2021
Corona-Krise vergrößert Angst vor Altersarmut in Deutschland
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Corona-Krise vergrößert Angst vor Altersarmut in Deutschland

Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) hat die aktuelle Ausgabe des Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV) vorgestellt. Demnach verunsichern Kurzarbeit und Arbeitsplatzängste die Bundesbürger zunehmend. Ein Drittel der Bürger sieht zudem sein Auskommen im Alter gefährdet.

Der aktuelle Altersvorsorge-Index des DIVA zeigt, dass sich die Corona-Krise zunehmend auch im Bereich der Altersvorsorge auf das Stimmungsbild der Bürger auswirkt. So ist der Index im Frühjahr 2021 gegenüber Herbst 2020 von –1,4 auf –2,0 leicht gesunken. Unter den Bundesländern ist die Stimmungslage zur Altersvorsorge am besten in Schleswig-Holstein, Schlusslicht ist Brandenburg. Das sind Ergebnisse der jüngsten Umfrage im Auftrag des DIVA, an der 2.000 Bürgerinnen und Bürger sowie über 800 Finanzberater teilgenommen haben.

Folgen für die Altersvorsorge werden zunehmend bewusst

„Bei fast jedem fünften der befragten Bürger (18,5%) hat sich die finanzielle Absicherung im Ruhestand in den letzten drei Jahren verschlechtert. Natürlich spielt dabei Corona eine Rolle“, kommentiert Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA die Entwicklung. „Denn durch Kurzarbeit verringern sich die Einzahlungen in die gesetzliche Rente. Das wird den Menschen zunehmend bewusst.“

Mehr als jeder Zweite erwartet Renteneinbußen

Beim Blick in die Zukunft geht für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre mehr als jeder Zweite (54,7%) von Einbußen bei der gesetzlichen Rente aus. „Hierin dürfte sich auch widerspiegeln, dass in einigen Bereichen wie zum Beispiel in der Hotelbranche in größerem Ausmaß Insolvenzen und Arbeitslosigkeit drohen“, meint Heuser. Wegen drohender Einbußen bei der gesetzlichen Rente nutzt aber immerhin gut die Hälfte derjenigen, die wegen Corona weniger ausgeben, dieses Geld für eine Aufstockung ihrer privaten Altersversorgung.

Selbstständige wollen nicht aufgeben

Auffällig ist dem DIVA zufolge, dass Selbstständige in vielen Fällen mehr finanzielle Stabilität als die Unternehmen haben. Das zeigt eine Sonderbefragung von bundesweit 510 Selbstständigen. 46,5% davon haben demnach durch Corona Umsatzeinbußen erlitten, die Hälfte davon mehr als 50% des Umsatzes. 10% der Selbstständigen wurde trotz Beantragung staatliche Hilfe verwehrt. Von den 26,3% der Selbstständigen, die solche Hilfen erhalten haben, geht die Hälfte (50,7%) davon aus, dass diese nicht ausreichen werden. Insgesamt erwägen dennoch nur 7,8% aller Befragten konkret den Wechsel ihrer beruflichen Tätigkeit.

Mehr staatliche Hilfe angebracht

Über 90% der Selbstständigen sehen in ihrer aktuellen Tätigkeit weiterhin ihre berufliche Zukunft. Zwar muss fast ein Drittel davon hierzu auf seine Altersvorsorge zurückgreifen. „Sie können aber ihre Existenz – anders als bilanzierende Unternehmen – eine ganze Weile auch durch Rückgriff auf Reserven im privaten Bereich aufrechterhalten“, sagt Heuser. Das sei ein starkes volkswirtschaftliches Argument für Selbstständigkeit. Es wäre daher wünschenswert gewesen, dass der Staat den Selbstständigen mehr unter die Arme greift – zumal die staatlichen Hilfen aus Steuermitteln finanziert werden, zu denen die Selbstständigen nicht unerheblich beitragen. (mh)

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