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23. Juli 2021
Corona verändert Wohnortpräferenzen

Corona verändert Wohnortpräferenzen

Einer Studie des ifo Instituts und der immowelt AG zufolge hat die Corona-Pandemie viele Deutsche dazu gebracht, über ihre Wohnsituation neu nachzudenken und sie gegebenenfalls zu verändern. Vor allem jüngere Menschen und Familien mit Kindern wollen demnach woanders einen Neuanfang.

Die Corona-Pandemie hat viele Deutsche dazu gebracht, ihre Wohnsituation zu überdenken. Mehr Wohnfläche und Zugang zur Natur sind plötzlich gefragter als quirliges Großstadtleben in Szenevierteln. Eine repräsentative Studie des ifo Instituts und von immowelt zeigt: Die Erfahrungen und Folgen der Corona-Pandemie prägen die Entscheidungsfindung in Sachen Umzug. Wer kurz- oder mittelfristig umziehen möchte, tut dies laut Studie überproportional häufig unter den noch frischen Eindrücken der Corona-Krise: Fast jeder zweite Befragte, der seine Wohnsituation innerhalb der kommenden zwölf Monate grundlegend verändern will, gab an, dass das Virus einen Einfluss auf die Entscheidung hatte. Je längerfristiger der Umzugsplan ist, desto geringfügiger ist die Rolle der Corona-Pandemie bei der Entscheidung.

13% der Großstädter wollen die Großstadt verlassen

Durch Home-Office und Online-Shopping könnten in der Theorie zunehmend auch wieder mehr Menschen in ländlichen Räumen leben, ohne täglich lange Pendelzeiten in Kauf nehmen zu müssen. Laut der ifo-Studie verlieren die urbanen Zentren, also Städte über 500.000 Einwohner, tatsächlich für einige Menschen an Reiz: 5% der befragten Großstädter planen, binnen des nächsten halben Jahres aus der Großstadt wegzuziehen. Weitere 8% haben einen Wegzug innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate ins Auge gefasst. 13% der Großstädter planen somit, innerhalb der nächsten zwölf Monate die Großstadt zu verlassen.

Jüngere Menschen und Familien mit Kindern sind umzugsbereiter

Die Umzugsbereitschaft wird laut Studie auch vom Alter beeinflusst: Von den 18- bis 29-Jährigen wollen 18% ihren Wohnsitz in der Stadt in den nächsten zwölf Monaten aufgeben. Auch 19% der 30- bis 39-Jährigen haben diesen Plan. Bei den 60- bis 69-Jährigen (11%) und den über 70-Jährigen (5%) kommt ein Wegzug hingegen seltener infrage. Kinder im Haushalt regen ebenso zum Nachdenken über die Wohnverhältnisse an: Kinderlose Großstädter planen nur zu 10% einen Wegzug aus der Stadt binnen der nächsten zwölf Monate. Bei einem Kind im Haushalt steigt der Wert auf 18% und bei zwei oder mehr Kindern verdoppelt er sich auf 22%. Vor allem junge Menschen in der Familiengründungsphase und Familien planen also vermehrt, den städtischen Raum zu verlassen.

Die Gründe, dem Stadtleben den Rücken zu kehren, sind oftmals die naheliegenden: Eine geringere Siedlungsdichte ermöglicht auf dem Land eine größere Wohnung und höhere Chancen auf einen eigenen Garten. Den Wunsch nach mehr Naturnähe und einer Aufwertung der eigenen Wohnverhältnisse geben jeweils fast zwei Drittel der befragten Großstädter als Grund für die konkreten Umzugspläne an. Störfaktoren am bisherigen Wohnort, der Wunsch nach mehr Wohnfläche sowie ein besseres Wohnumfeld für die Familie werden in der urbanen Zielgruppe ebenfalls häufig als Umzugsgrund genannt.

Trotz allem keine große Stadtflucht in Sicht

Eine große Stadtflucht deutet sich in Deutschland laut ifo und immowelt aber nicht an. Die abgeschiedene Idylle auf dem Land sucht von den Städtern kaum jemand. Wer kurz- oder langfristig einen Umzug aus der Großstadt plant, möchte vorrangig in eine kleinere Großstadt ziehen oder im Speckgürtel bleiben. Nur 11% der befragten Großstädter, die konkrete Umzugspläne hegen, wollen aufs Land ziehen. Es sind also vor allem die suburbanen Räume und Städte zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern, die verstärkt ins Blickfeld der urbanen Bevölkerung rücken. Diese Gebiete versprechen durch die zumeist weniger dichte Bebauung eine bessere Wohnsituation, bieten aber zugleich die Vorteile einer urbanen Infrastruktur und schnelle Erreichbarkeit urbaner Oberzentren. (ad)

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