Die „State of Claims Automation 2026” ist die aktuelle Studie aus dem Hause Adacta zum Thema Schadenbearbeitungsautomatisierung in der europäischen Versicherungsbranche. Sie basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage unter 110 leitenden Entscheidungsträgern der Versicherungsbranche aus fünf europäischen Regionen und beleuchtet den aktuellen Stand sowie die Zukunftsaussichten der Schadenautomatisierung. Fast 50% der Teilnehmer auf C-Level kamen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die Ergebnisse machen deutlich: DACH-Versicherer verfolgen dasselbe Automatisierungsziel wie der Rest Europas, setzen jedoch andere Schwerpunkte, so Adacta. Besonders stark ist die Region demnach bei der digitalen Schadenannahme, der Betrugserkennung und einer ausgeprägten Kundenorientierung. Zudem messen Versicherer in der DACH-Region Kennzahlen zur Kundenzufriedenheit und Betrugsaufdeckungsraten eine größere Bedeutung bei als der europäische Durchschnitt.
Schwachstelle KI
Gleichzeitig zeigt der Bericht eine klare Schwachstelle: Bei der regulatorischen Vorbereitung auf KI liegt die DACH-Region hinter dem Gesamtmarkt zurück. Nur 12% der Befragten in DACH sehen ihr Unternehmen als sehr gut vorbereitet auf neue Vorgaben wie den EU AI Act – im Vergleich zu 19% in der europäischen Gesamtstichprobe. Mehr als ein Viertel gibt an, bislang nur über ein begrenztes Bewusstsein oder wenige konkrete Maßnahmen zu verfügen. Das deutet, so Adacta, auf eine relevante Compliance-Lücke hin, obwohl die Regulierung bereits in Kraft ist.
Und auch beim Thema generative KI agieren DACH-Versicherer vorsichtiger als andere europäische Marktteilnehmer. Zwar geben 93% an, generative KI bereits zu nutzen, zu testen oder sich dafür zu interessieren. Gleichzeitig ist der Anteil jener höher, die die Entwicklung zunächst beobachten wollen, statt schon heute aktiv neue Anwendungsfälle voranzutreiben. Diese Zurückhaltung passt zum regionalen Fokus auf Präzision, Verlässlichkeit und kontrollierte Umsetzung.
Trotz aller Unterschiede gibt es aber auch klare Gemeinsamkeiten mit dem europäischen Gesamtmarkt: Rund die Hälfte der Versicherer nennt veraltete IT-Systeme als größtes Hindernis für mehr Automatisierung. Gleichzeitig planen rund 80%, ihre Investitionen in Automatisierung in den kommenden zwei Jahren zu erhöhen. Keiner der Befragten plant Kürzungen. (mki)
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