Interview mit Julian Becker, CEO des Darmstädter Start-ups a68
Herr Becker, wie hat sich Versicherungsbetrug in den vergangenen Jahren verändert und welche neuen Betrugsmuster entstehen aktuell durch den Einsatz generativer KI?
Versicherungsbetrug ist professioneller, einfacher zugänglich und skalierbarer geworden. Die Einstiegshürde sinkt, weil auch Personen ohne technische Spezialkenntnisse massenweise realistische Bilder, Belege, Rechnungen oder Schadenbeschreibungen erstellen oder manipulieren können. Dadurch steigen Qualität und Menge der Betrugsversuche. Gerade bei kleineren Schäden entsteht dadurch ein Risiko, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen oft nur eingeschränkt manuell geprüft werden können. Betrüger wissen diese Bagatellgrenzen auszunutzen.
Wie stark verändern sich dadurch die Herausforderungen für Versicherer?
Der KI-Einsatz verändert die Herausforderungen erheblich. Erstens sinkt die Einstiegshürde für Betrug. Zweitens steigt die Zahl potenzieller Fälle, weil Unterlagen automatisiert und in großer Menge erzeugt werden können. Drittens steigt die Qualität der Betrugsversuche, weil KI-generierte oder manipulierte Nachweise professionell und konsistent wirken. Für manuelle Prüfprozesse wird es dadurch schwieriger, echte von manipulierten Fällen zu unterscheiden. Deshalb braucht es auch auf Versichererseite KI-gestützte und forensische Prüfverfahren.
Welche organisatorischen Weichen müssen Versicherer heute stellen, um mit der zunehmenden Professionalisierung von KI-basiertem Betrug Schritt halten zu können?
Versicherer müssen Betrugserkennung stärker als strategische Aufgabe verstehen. Organisatorisch wird es wichtig, manuelle Prüfkapazitäten gezielter einzusetzen. Nicht jeder Schadenfall kann detailliert geprüft werden. Gleichzeitig wird es riskanter, kleinere Schäden ungeprüft durchlaufen zu lassen, weil Bagatellgrenzen ausgenutzt werden.
Versicherer sollten sich technisch so aufstellen, dass jeder Schadenfall automatisiert auf Betrugsindikatoren geprüft werden kann. Das bedeutet keine automatische Ablehnung, sondern eine vorgelagerte Risikoprüfung: unauffällige Fälle werden effizient bearbeitet, auffällige Fälle früh erkannt und weitergeleitet.
Mit Ihrem Start-up a68 wollen Sie die Betrugserkennung in der Versicherungsbranche optimieren. Welchen Ansatz verfolgen Sie dabei?
a68 automatisiert Betrugserkennung und macht sie nachvollziehbarer. Versicherer müssen immer mehr Unterlagen prüfen, können aber nicht jeden Schadenfall manuell tief analysieren. Genau hier setzen wir an. Wir betrachten jeden Schadenfall aus der Perspektive eines Betrugsabwehr-Spezialisten, nur vollautomatisiert.
Seite 1 Kampf gegen Versicherungsbetrug: Neue KI-gestützte Ansätze
Seite 2 Wie darf man sich das Konzept konkret vorstellen?
Seite 3 Wie steht es um das wichtige Thema Datenschutz?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können