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Daniel Bahr: „Wir brauchen mehr Vernetzung im Gesundheitssystem“
23. August 2018

Daniel Bahr: „Wir brauchen mehr Vernetzung im Gesundheitssystem“

Vor Kurzem haben mehrere Krankenversicherer mit „Vivy“ eine gemeinsame elektronische Gesundheitsplattform auf den Weg gebracht. Im Interview erläutert Daniel Bahr, Mitglied im Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung, die das Projekt initiiert hat, welche Idee dahinter steckt.


Vor Kurzem haben mehrere Krankenversicherer mit „Vivy“ eine gemeinsame elektronische Gesundheitsplattform auf den Weg gebracht. Im Interview erläutert Daniel Bahr, Mitglied im Vorstand der Allianz Private Krankenversicherung, die das Projekt initiiert hat, welche Idee dahinter steckt.


Daniel Bahr: „Wir brauchen mehr Vernetzung im Gesundheitssystem“
Herr Bahr, die Allianz gilt als Antreiber in Sachen digitaler Gesundheitsakte, die sich nun als Vivy am Markt präsentiert. Die Allianz ist zu 70% an dem Unternehmen beteiligt. Was ist Ihnen wichtig daran? Soll der Patient Herr seiner Daten sein, ein besseres Leben führen oder was ist der Hintergrund?

Die Allianz hatte die Entwicklung von Vivy initiiert – dabei lag der Fokus von Anfang an darauf, eine offene Plattform zu schaffen. Auch gesetzliche und andere private Krankenversicherungen sollten die App für ihre Kunden nutzen können. Dieses Ziel haben wir erreicht: Über 90 Versicherungen könnten demnächst Vivy ihren rund 25 Millionen Kunden anbieten – und es sollen noch mehr werden. Wir sind von Vivy begeistert, weil Vivy für gesunde Menschen, die ihre Fitness steigern wollen, genauso interessant ist wie für kranke Menschen, die in enger Zusammenarbeit mit ihrem Arzt ein Mehr an Gesundheit und Lebensqualität erreichen wollen.

Auf Regierungsseite wird schon lange an einer elektronischen Gesundheitskarte herumgedoktert. Warum tut man sich damit so schwer?

Das hat die unterschiedlichsten Gründe. Für uns als Allianz war jedoch wichtig, dass unsere Versicherten möglichst bald eine Lösung zur Hand haben, die ihnen den Zugang zu ihren ganz persönlichen Daten ermöglicht, und für sie gleichzeitig weitere Dienste rund um die Gesundheit bereithält. Jeder einzelne von uns managt doch seine Gesundheit. Die Ärzte helfen uns. Aber wir sind die, die sich um unser Wohlbefinden kümmern müssen. Dazu fehlen uns oft unsere eigenen medizinischen Daten. Teilweise sind diese nicht ganz einfach einzuordnen und wir brauchen qualitätsgesicherte und allgemein verständliche Erklärungen. Vivy hilft hier.

Was genau ist Vivy?

Vivy ist nicht nur eine elektronische Gesundheitsakte, mit der Versicherte ihre persönlichen Gesundheitsdaten einfach und bequem per App verwalten können und immer zur Hand haben. Vivy ist auch eine digitale Gesundheitsassistentin, gibt Tipps und klärt auf.

Welche Funktionen bietet die App?

Über Vivy kann jeder Versicherte einfach und sicher Arztbriefe, Befunde, Laborwerte, Medikationspläne, Notfalldaten, Röntgenbilder, Impfungen speichern – alles, was ihm medizinisch wichtig ist. Bei Bedarf kann dann der Kunde entscheiden, welche Daten er etwa mit einem Arzt oder einer Klinik teilen will. Wechselt man beispielsweise seinen Orthopäden, hat man seine Röntgenbilder gleich parat und kann sie dem Mediziner in wenigen Sekunden per Smartphone übermitteln. Gleichzeitig erinnert Vivy an Arzt- oder Zahnarzttermine, meldet, wenn eine Impfung fällig ist, und prüft Medikamenten-Wechselwirkungen. Zusätzlich kann man mit Vivy einen Gesundheitscheck machen und Daten unterschiedlichster Geräte vom Fitnesstracker über die Waage bis zum Blutdruckmesser eingeben und auswerten lassen. Immer neue Services werden dazu kommen.

Wie kommt die App denn nun zu Ihren Versicherten?

Wir von der Allianz Private Krankenversicherung schreiben unsere Kunden an und stellen ihnen Vivy kostenlos zur Verfügung. Die Nutzung ist selbstverständlich freiwillig.

Einerseits kann der Kunde seine Daten nun einsehen. Die Frage stellt sich aber, wer noch?

Allein der Vivy-Nutzer hat über sein Smartphone Einblick auf seine Daten. Kein anderer kann auf die Daten zugreifen – weder Versicherer, noch Vivy. Nur der Nutzer kann entscheiden, ob und mit wem er Daten bei Bedarf teilen möchte. Sowohl die Speicherung der Daten als auch die Übertragung wird verschlüsselt. Die Daten in der elektronischen Gesundheitsakte werden mit einer asymmetrischen Ende-zu-Ende Verschlüsselung abgesichert. Das Lesen der Daten erfordert den privaten Schlüssel, der auf dem Endgerät des Kunden abgespeichert ist und nicht übertragen wird. Dadurch sind die Daten vor unbefugtem Zugriff sicher und nur der Kunde kann sie einsehen.

Welches Ziel verfolgt die Allianz oder auch andere PKV-Anbieter konkret mit der App? Wird sie irgendwann Auswirkungen auf Tarife, Prämien, Leistungszahlungen o. Ä. haben?

Aus unserer Sicht war es überfällig, dass jeder seine persönlichen Gesundheitsdaten immer bei sich haben kann. Das ist ein Service, den wir unseren Kunden bieten wollten. Wir von der Allianz wollen aber per se keine Tarife anbieten, die beispielsweise daran gekoppelt sind, wie viel Sport man treibt. Kleinteilige Kollektive passen nicht in die private Krankenversicherung. Die Solidargemeinschaft funktioniert über den Ausgleich in der Gruppe: Die Gesunden stehen für die Kranken ein, und das funktioniert nach dem Gesetz der großen Zahlen umso besser, je größer die Anzahl der Personen ist.

Andere Versicherer bieten ihren Kunden ein digitales Archiv für medizinische Unterlagen auf Basis einer IBM-Plattform. Sinnvoll wäre ja aber eine einheitliche übergreifende Lösung. Warum nun also wieder verschiedene Lösungen?

Wir brauchen mehr Vernetzung im Gesundheitssystem, genau wie Sie sagen. Weg von Insellösungen, hin zu offenen Schnittstellen. So haben wir Vivy konzipiert. Vivy ist so gebaut, dass sie leicht an anderen Lösungen angeschlossen werden kann.

Lesen Sie hierzu auch: Krankenversicherer starten gemeinsame digitale Gesundheitsakte




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