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Deutsche Sparer verschenken 200 Mrd. Euro
28. September 2016

Deutsche Sparer verschenken 200 Mrd. Euro

Die Allianz hat die siebte Ausgabe des „Global Wealth Reports“ vorgestellt. Er analysiert die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern. Die fetten Jahre im Vermögenswachstum gehören demnach der Vergangenheit an. Die Deutschen haben derweil durch ihr vorsichtiges Sparverhalten rund 200 Mrd. Euro verschenkt.


Die Allianz hat die siebte Ausgabe des „Global Wealth Reports“ vorgestellt. Er analysiert die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern. Die fetten Jahre im Vermögenswachstum gehören demnach der Vergangenheit an. Die Deutschen haben derweil durch ihr vorsichtiges Sparverhalten rund 200 Mrd. Euro verschenkt.


Deutsche Sparer verschenken 200 Mrd. Euro

2015 ist das weltweite Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte laut dem „Global Wealth Report“ der Allianz um 4,9% gewachsen. Damit lag die Zuwachsrate, nur noch knapp über der Wachstumsrate der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit. In den drei Vorjahren war das Vermögen noch im Schnitt um 9%. „Für die Sparer wird die Frage nach der richtigen Vermögensanlage immer schwieriger“, erläutert Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Offensichtlich verliere die extrem expansive Geldpolitik auch als Treiber der Wertpapierpreise langsam an Wirkung. Ein wichtiger Faktor des Vermögenswachstums der letzten Jahre falle damit weg.

Verlangsamtes Wachstum in Industrieländern

Vom Rückgang des Vermögenswachstums waren vor allem Westeuropa, die USA und Japan betroffen. In Westeuropa (3,2%) und den USA (2,4%) reduzierte sich 2015 die Zuwachsrate gegenüber 2014 auf weniger als die Hälfte. Am anderen Ende der Skala steht die Region Asien (ex Japan) mit einem Zuwachs von 14,8%.

Verbindlichkeiten behalten Wachstumstempo bei

Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte sind 2015 hingegen in etwa im selben Tempo wie im Vorjahr. Insgesamt legten sie um 4,5% auf 38,6 Bio. Euro zu. Damit lagen sie gut ein Viertel über dem Wert vor Ausbruch der großen Finanzkrise. Auch hier verlief die Entwicklung in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. In Asien (ex Japan) beschleunigte sich das Schuldenwachstum. In Lateinamerika und Osteuropa verlangsamte es sich hingegen deutlich und in Nordamerika und Westeuropa war kaum eine Veränderung zu erkennen.

Kräftiger Vermögensanstieg in Deutschland

In Deutschland ist das Brutto-Geldvermögen im vergangenen Jahr um 4,6% gewachsen und damit mehr als doppelt so schnell wie die privaten Verbindlichkeiten (+2,2%). Daraus resultiert ein kräftiger Anstieg des Netto-Geldvermögens um 5,7%, der in Europa nur von Dänemark und Schweden und im Euroraum nur von Irland übertroffen wird. Hohe Sparleistungen und strikte Schuldendisziplin machen sich der Allianz zufolge bezahlt. Die deutsche Schuldenstandsquote ist hinter Österreich die zweitniedrigste in Europa.

Absolut nur auf Platz 18

Insgesamt rangiert Deutschland beim Netto-Vermögen auf Platz 18, beim Brutto-Vermögen fiel die Bundesrepublik sogar auf Platz 20 zurück. Insbesondere die weitgehend fehlende Kapitaldeckung der Rentenansprüche räche sich in der Vermögensstatistik. Neu in den Top 10 ist hingegen die Niederlande, die der Allianz zufolge weltweit über eines der besten Pensionssysteme verfügt, in dem die betriebliche Altersvorsorge eine große Rolle spielt.

Vorsicht kostet 200 Mrd. Euro

Beim Vergleich der realen Vermögensrenditen im Euroraum schneidet Deutschland neben Österreich am schlechtesten ab. Während die reale Rendite in Deutschland für diesen Zeitraum bei 2,3% lag, erreichen Italien und Spanien Renditen von deutlich über 4%. Grund ist das vorsichtige Sparverhalten der deutschen Haushalte. Sie haben laut der Allianz in den letzten vier Jahren etwa 40% ihres Geldvermögens bei Banken geparkt, bei einer realen Rendit von durschnittliche minus 0,4%. Hätten die Deutschen nur 30% in Bankeinlagen gehalten und 10% ihrer Mittel je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um nahezu einen vollen Prozentpunkt höher ausgefallen. Die deutschen Haushalte hätten damit zusätzliche Vermögenseinnahmen von rund 200 Mrd. Euro erzielen können. (mh)




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