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3. Juli 2023
Die acht Prinzipien zur Entwicklung digitaler Services
Die acht Prinzipien zur Entwicklung digitaler Services

Die acht Prinzipien zur Entwicklung digitaler Services

Im Rahmen des Digital Insurance Podcast hat sich Digital-Experte Jonas Piela in einem Monolog mit dem Digital Insurance Services Framework beschäftigt, das es Verantwortlichen in der IT ermöglichen soll, digitale Services aufsetzen zu können.

Ich berate Versicherer dabei, digitale Services, Anwendungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie groß die Herausforderungen in den Unternehmen sind. Es gibt eine Reihe struktureller und systematischer Hürden zu bewältigen. Aktuell arbeite ich an dem Digital Insurance Services Framework. Hierbei geht es darum, Verantwortliche in der IT in die Lage zu versetzen, moderne digitale Services aufsetzen zu können. Doch wie entwickelt man derartige Services und Anwendungen? Und wie lässt sich die Kundenperspektive einbringen? Um darauf Antworten zu finden, folgen hier die acht Prinzipien zur Entwicklung digitaler Services.

Prinzip 1: Standardisieren

Bei der Entwicklung digitaler Services sind mehrere Schritten zu gehen: Angefangen bei der Analyse der Kundenbedürfnisse über den Designprozess, den Prototypen bis zur Fertigstellung und den Release.

  • Es ist wichtig, dass es ein standardisierter Prozess ist, der bei der Analyse der Bedürfnisse dessen, was die Nutzer haben wollen, anfängt.

Bei der gesamten Entwicklung handelt es sich eher um einen kontinuierlichen Prozess als um ein einmaliges Projekt. Es ist wichtig, möglichst viele Abläufe zu standardisieren, um die Effizienz der Schritte zu erhöhen. Auf diese Weise ist ein höherer Output bei gleichem Input möglich.

Prinzip 2: Modularisieren

Die schnelle Entwicklung von Code ist kein neues Thema. Spätestens mit NeXTStep, der von Steve Jobs entwickelten Programmierumgebung, die in den 80er Jahren auf den Markt kam, hat das Thema an Zulauf gewonnen. Ganze Bibliotheken mit vorgefertigtem Code zu haben, hat in unserer Branche etliche Vorteile. Grafik-Designer, UX-Designer usw. können sich die entsprechenden Module einfach herausziehen und interaktive Systeme schaffen, ohne jeden einzelnen Button neu programmieren zu müssen.

Prinzip 3: Komplexität reduzieren

An der Entwicklung von Anwendungen sind viele Leute und Abteilungen beteiligt. Je einfacher die Prozesse gestaltet sind, desto besser. Bei jedem Prozessschritt stehen die Fragen: Brauche ich diesen Schritt unbedingt oder lässt er sich zumindest effizienter gestalten? Und werden wirklich so viele Leute für die Entwicklung benötigt? Generell gilt: je weniger Leute, desto besser.

  • Immer, wenn ich darüber nachdenke, wie wir die Entwicklung neuer Services verbessern können, denke ich darüber nach: Wie kann ich die Komplexität reduzieren?
Prinzip 4: Kommunikation vereinfachen

Eine gute Kommunikation ist der Schlüssel zu guter Teamarbeit. Die Kollegen brauchen möglichst viel Kontext zu ihrer Aufgabe, damit ihnen keine Fehler unterlaufen und effizientes Arbeiten möglich ist. E-Mail ist in der heutigen Zeit zu langsam und asynchron. Besser eignen sich Chat-Räume für eine transparente Kommunikation. Somit lässt sich die Entscheidungsfindung jedes einzelnen Mitarbeiters verbessern.

Prinzip 5: Automatisierung

In jedem der hier aufgeführten Prozessschritte kann ich ein hohes Maß an Automatisierung einbauen – zum Beispiel bei der Bereitstellung von Software-Code. Das Stichwort hierzu lautet „Deployment Pipelines“. Dabei handelt es sich um ein System zur Automatisierung von Prozessen, um schnell neuen Code zu implementieren. Das ständige manuelle Schreiben von Code gehört hier der Vergangenheit an. Damit lassen sich schnellere Releases bewerkstelligen. Statt einzelner riesiger Updates lassen sich inkrementelle Verbesserungen hochladen. Außerdem treten seltener Fehler auf und die Time to Value ist geringer.

Prinzip 6: Organisation der Zusammenarbeit

Die Kooperation unter den Mitarbeitern muss möglichst effizient gestaltet werden. Es gibt einige Tools, die das gemeinsame Werkeln an Präsentationen fördern. Diese gilt es zu nutzen, um asynchrones Arbeiten zu ermöglichen. Es gibt nichts Schlimmeres als Dateien, die nicht aktuell sind. Stattdessen setze ich auf einzelne Elemente mit einer Veränderungshistorie.

  • In meiner Welt existieren keine Dateien mehr.
Prinzip 7: Daten nutzen

Die zentrale Frage beim Thema Daten lautet: Welche Daten brauche ich wofür? Angefangen beim User Research bis zum Deployment ist zu messen: Wie lange dauert die Implementierung eines neuen Features? Welcher Schritt dauert wie lange? Welchen Nutzwert bringt jeder einzelne Schritt? Lassen sich Kosten einsparen oder an der Kundenzufriedenheit schrauben? Gibt es Anwendungen und Systeme, die ich nicht mehr benötige? Zur Beantwortung all dieser Fragen werden Daten benötigt. Ich muss wissen, welche ich hierfür benötige, muss sie aufbereiten, darstellen, verteilen und korrekt interpretieren, um sie schlussendlich für Entscheidungen zu nutzen.

Prinzip 8: Fähigkeiten aufbauen

Die hierfür nötigen Kompetenzen befinden sich oftmals nicht in der Organisation. Diese Fähigkeiten lassen sich auf unterschiedliche Art und Weise aufbauen. Diese Schritte ein paar Mal zu gehen, hilft dabei, diese Fähigkeiten aufzubauen. Darüber hinaus sind kompetente Leute einzustellen und weiterzuentwickeln. Die genauen Anforderungen hängen jedoch vom jeweiligen Set-up der Organisation ab. Viele Unternehmen unterschätzen meiner Erfahrung nach, wie viel man hier investieren muss.

Hier geht es zur aktuellen Podcast-Episode.

Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Jonas Piela Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter pielaco.com/podcast und dkm365.de.