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18. März 2026
Die Bedeutung externer Informationen für die Produktauswahl

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Die Bedeutung externer Informationen für die Produktauswahl

Die Bedeutung externer Informationen für die Produktauswahl

Finanzstärkerating

Ursprünglich meint Rating die Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Für die Auswahlentscheidung des Maklers zwischen verschiedenen Anbietern ist die Beurteilung der Finanzstärke eines Versicherungsunternehmens angesichts der Entwicklung in den vergangenen Jahren (Mannheimer, AIG u. a.) immer wichtiger geworden. Für Makler kommt es dabei vor allem auf die Fähigkeit des Versicherungsunternehmens an, seine versicherungsvertraglichen Verpflichtungen erfüllen zu können. Kleine und mittelständische Makler können dies ohne externe Hilfe kaum einschätzen. Insoweit sind Finanzkraftratings von Versicherern (Insurer Financial Strength Ratings, IFSR) im Maklermarkt grundsätzlich unverzichtbar. In der Praxis haben sich zum Teil schon Usancen gebildet, nach denen Versicherer mit Ratings unter A bei der Auswahlentscheidung unberücksichtigt bleiben.

Produktratings

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Finanzstärkeratings trotz ihrer Bedeutung bedauerlicherweise aus dem Fokus geraten. Demgegenüber spielen Produktratings in der Praxis eine zunehmend bedeutende Rolle. Sie bewerten die Qualität eines Versicherungsprodukts in Form eines Vergleichs konkurrierender Produkte und berühren so die Kernkompetenz des Maklers, nämlich Markt-, Preis- und Produktkenntnis. Die bei Produktratings verwendeten Kriterien sind allerdings je nach Ratingunternehmen „individuell“. Das bedeutet, dass die Ergebnisse verschiedener Anbieter in der Regel nicht vergleichbar sind und der Makler sich so mit einer Vielfalt von Produktratings auseinandersetzen muss, die sich zum Teil sogar widersprechen. Ein kritischer Umgang mit Produktratings ist daher grundsätzlich angezeigt. Bei komplexen Produkten können sie aber als Instrument der Vorauswahl die Arbeit des Maklers unterstützen, wenn auch nicht die individuelle Auswahlentscheidung des Maklers ersetzen.

Sonstige Ratings, Gütesiegel, Kennzahlenvergleiche

Neben Produktratings stehen dem Makler bei seiner Auswahlentscheidung zahlreiche weitere „Hilfsmittel“ zur Verfügung. Gleichviel, ob es sich um Umfrageergebnisse oder neue „Qualitätskoeffizienten“ handelt: Die enthaltenen Informationswerte sollte jeder Makler kritisch hinterfragen.

Fazit für Makler

Das Hauptproblem für Makler im Umgang mit externen Informationen besteht darin, dass die Aussagekraft der Informationen und die Art ihrer Verwendung im Markt oft auseinanderlaufen. Es ist deshalb notwendig, dass Makler ein eigenes Bewertungsraster für den Umgang mit externen Informationen entwickeln. Dabei spielen Finanzstärkeratings eine herausragende Rolle, weil Makler die Beurteilung der Finanzstärke mit Ausnahme der internationalen Maklerhäuser selbst nicht leisten können. Der unreflektierte Umgang mit Produktratings birgt die Gefahr, dass Makler pauschale Urteile adaptieren und deswegen auf eine individuelle Beratung verzichten. Produktratings haben aber lediglich Indizwirkung und können deshalb den Makler nur bei der Vorauswahl der Produkte unterstützen, nicht aber seine Auswahlentscheidung ersetzen bzw. begründen. Sonstige Ratings und Gütesiegel können zusätzlichen Informationswert enthalten.

Generell gilt aber: Produktratings und sonstige Ratings entlassen den Makler nicht aus seiner Pflicht zur individuellen Beratung seiner Kunden. Hilfreich ist eine Art Funnel, der den Weg des Maklers vom Markt zum geeigneten Produkt stufenweise nach Maßgabe der fachlichen Kriterien abbildet und dabei eigenes Know-how des Maklers und externe Informationen verbindet.

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Hans-Ludger Sandkühler
Ein Artikel von