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Die Wirkung der Corona-Krise auf die Kfz-Versicherung
22. April 2020

Die Wirkung der Corona-Krise auf die Kfz-Versicherung

Die Deutschen fahren weniger Auto in der Corona-Krise. Das bedeutet weniger Fahrleistung und weniger Schäden. Für Kfz-Versicherte wird es Rückzahlungen von den Versicherern geben. Und am Mobilitätsverhalten der Deutschen nach der Krise hängt auch die Zukunft der Kfz-Versicherung ab.


Die Deutschen fahren weniger Auto in der Corona-Krise. Das bedeutet weniger Fahrleistung und weniger Schäden. Für Kfz-Versicherte wird es Rückzahlungen von den Versicherern geben. Und am Mobilitätsverhalten der Deutschen nach der Krise hängt auch die Zukunft der Kfz-Versicherung ab.


Die Wirkung der Corona-Krise auf die Kfz-Versicherung

Die Corona-Krise hat auch Einfluss auf die Kfz-Versicherung. Die Deutschen legen aktuell weniger Kilometer im Auto zurück als zuvor. Und noch ist offen, wie sich das Mobilitätsverhalten verändern wird: Nutzen wieder mehr Deutsche das Auto, weil sie Angst haben, sich in öffentlichen Nahverkehrsmitteln anzustecken oder fahren sie weniger, weil sie im Home-Office bleiben? Führt eine Corona-Abwrackprämie zu mehr Neuzulassungen oder fördert sie gar den Wandel hin zum Elektroauto? Oder werden sich im Einklang mit dem Klimaschutz sogar Fahrrad und E-Bike durchsetzen? Diesbezüglich können die Führungsetagen der Versicherer bisher nur mutmaßen.

Feststellen dürften sie jetzt allerdings, dass die Unfall- und Kriminalitätstraten sinken und weniger Schäden gemeldet werden. So waren die Kfz-Unfälle seit dem Shutdown um bis zu 50% rückläufig, erklärte bereits Mitte April die aktuarielle Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss: „Bis Ende April kann die Branche so voraussichtlich mehr als 1 Mrd. Euro an Schadenaufwendungen einsparen“, schätzt der Versicherungsmathematiker Onnen Siems. Allerdings hört man jetzt auch schon wieder von verschiedenen Häusern, dass mit Lockerung des Shutdowns auch wieder mehr Schäden eintreffen.

Einige Versicherte wenden sich aber jetzt bereits an ihren Versicherer, weil sie weniger fahren und ihre vertragliche Jahresfahrleistung wohl nicht ausschöpfen werden. Sollten sie damit in eine niedrigere Kilometerstufe rutschen, kann das eine Ersparnis bringen. Wo das der Fall ist, kann der Versicherte je nach Vertrag die zu viel gezahlten Beiträge zurückbekommen, teilweise rückwirkend bis zum Jahresanfang.

Weniger Schäden, weniger Fahrleistung – so reagieren die Versicherer

Die Allianz kündigte laut Medienberichten bereits an, dass Kunden, die coronabedingt in diesem Jahr deutlich weniger fahren als geplant, am Ende ihres Versicherungsjahres Geld zurückbekommen werden.

Auch die HUK-Coburg will ihren Kunden bei weniger Schäden entgegenkommen. „Auch, wenn sich das Ausmaß der Reduktionen im Schadenaufwand durch Corona endgültig erst mit Ablauf des Geschäftsjahres 2020 bewerten lässt, wird die HUK-COBURG ihre Mitglieder und Kunden entsprechend ihrer Philosophie an diesem entlastenden Effekt partizipieren lassen“, stellt etwa Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandssprecher der HUK-COBURG, in Aussicht. Das gilt allerdings nur, wenn das Schadengeschehen im Laufe des Jahres, zum Beispiel aus Naturkatastrophen, wie Hagel oder Sturm, den Corona-Effekt nicht wieder aufhebe. Entsprechend muss abgewartet werden, wie hoch die Schadenaufwendungen am Ende des Jahres insgesamt tatsächlich ausfallen.

Die DEVK verweist – wie auch andere Versicherer – darauf, dass Rückzahlungen bei ihnen üblich seien. Rund 363.000 DEVK-Versicherte hätten Anfang 2019 in der Kfz-Vollkaskoversicherung von einer Rückvergütung profitiert. Über 144.000 Versicherte bekamen zudem 25% ihrer Kfz-Teilkaskobeiträge erstattet. Und fast 68.000 Bestandskunden erhielten Geld von ihrer Kfz-Unfallversicherung. Zur Corona-Krise sagt DEVK-Vorstandsvorsitzender Gottfried Rüßmann: „Aktuell können wir natürlich das Jahr 2020 noch nicht abschließend einschätzen. Aufgrund des schadenarmen Verlaufs der letzten Wochen erwarten wir aber am Ende geringere Aufwände. Daran wollen wir unsere Mitglieder und Kunden natürlich wieder teilhaben lassen.“ Aktuell betreut die DEVK rund 2,9 Millionen Kfz-Verträge.

Mehr Interesse an Telematiktarifen?

Auch ein noch junger Marktplayer meldet sich zu dem Thema zu Wort. Der digitale Versicherer FRIDAY verweist auf seinen „Zahl-pro-Kilometer Tarif“. Der Versicherer gewährt eine Beitragsabrechnung auf Grundlage tatsächlich gefahrener Kilometer. Die Rückzahlung erfolgt hier automatisch am Ende des jeweiligen Kalenderjahres. Bei vielen anderen Versicherern ist gerade das nicht der Fall. Hier müssen die Kunden selbst aktiv werden und sich beim Versicherer melden.

Vielleicht setzt das Corona-Virus sogar die Basis dahingehend, dass sich Autofahrer künftig doch mehr für Telematiktarife interessieren werden oder vermehrt auf andere innovative Modelle zurückgreifen werden.

Offen bleibt, welche Folgen die Corona-Krise mittelfristig auf die Kfz-Versicherung haben wird. Ob ein neuer Preiskampf droht, wird sich zeigen, wenn die sogenannte Wechselzeit heranrückt. Aktuell scheinen die Preise noch relativ stabil zu sein. (bh)

Bild: © Spartaq – stock.adobe.com




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