Während in vielen IT-Abteilungen der Versicherungswirtschaft noch über Governance Boards gebrütet wird, schafft Die Haftpflichtkasse unlängst messbare Fakten. In einer neuen Folge des Digital Insurance Podcast berichtet IT-Vorstand Sascha Quillet über einen radikalen Wandel im Unternehmen: Durch den konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz und modernen Cloud-Tools verzeichnet der Spezialversicherer eine Outputsteigerung von 600% in der Softwareentwicklung. Quillet räumt dabei mit teurer Standardsoftware auf und setzt stattdessen auf maßgeschneiderte, in Rekordzeit selbst entwickelte Lösungen.
Google Workspace als Gamechanger für die Versicherungswelt
Als einer der wenigen Versicherer im Markt hat Die Haftpflichtkasse Microsoft den Rücken gekehrt und die gesamte Infrastruktur auf Google Workspace umgestellt. Laut Quillet bringt dieser Wechsel massive Vorteile, da die generative KI direkt in die täglichen Arbeitswerkzeuge integriert ist. Anstatt isolierte Chatbots per Copy-Paste zu füttern, nutzen die Mitarbeitenden den KI-Assistenten nativ in ihren E-Mails und Dokumenten. Das System agiert dabei wie ein digitaler Junior-Kollege, der beispielsweise im Chat automatisch Zusammenfassungen liefert oder klare Aufträge und Protokolle aus Videokonferenzen filtert. Diese Automatisierung spart im Arbeitsalltag enorm viel Zeit und erhöht die Produktivität flächendeckend.
Agentic AI bricht klassische Entwicklungszyklen auf
Besonders in der Softwareentwicklung zeigt sich das enorme Potenzial der neuen Technologie. Mithilfe von Tools wie Claude Code und dem Konzept des „Wibe Coding“ können selbst Fachbereiche ohne tiefe Programmierkenntnisse funktionale Prototypen und Automatisierungen entwerfen. Die Abstimmungszyklen zwischen Business und IT werden dadurch drastisch verkürzt. Wo früher monatelange Sprints nötig waren, entstehen heute in wenigen Tagen passgenaue Lösungen – wie eine intern gebaute Ressourcenplanung, die in nur drei Tagen realisiert wurde. Quillet betont, dass Software-Engineers dadurch keineswegs überflüssig werden. Ihre Rolle verschiebt sich vielmehr hin zur Qualitätskontrolle, Architekturplanung und Absicherung des Codes, was sie um ein Vielfaches effizienter macht.
Unternehmenskultur und „Einfach Machen“ als Erfolgsfaktoren
Der Schlüssel zu diesem digitalen Sprung liegt für Quillet in einer agilen Unternehmenskultur und dem Rückhalt im gesamten Vorstand. Statt schwerfällige Data-Teams zu gründen, die bürokratische Hürden aufbauen, setzt Die Haftpflichtkasse auf sogenannte „KI-Enabler“. Diese unterstützen die Mitarbeitenden direkt in der Praxis und räumen Barrieren aus dem Weg. Das übergeordnete Ziel ist es nicht, Personal einzusparen, sondern bei gleichbleibender Teamgröße das Servicelevel, die Produktvielfalt und die Geschwindigkeit für die Kunden massiv zu erhöhen. Rückstände in der Bearbeitung gehören bei der Haftpflichtkasse damit fast vollständig der Vergangenheit an.
Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast
Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.
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