Die Versicherungsbranche befindet sich an einer historischen Bruchstelle. Während Hyperscaler die totale Disruption versprechen, kämpft die Realität in den Chefetagen oft noch mit der strategischen Skalierung verkrusteter IT-Strukturen. In einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion im „Digital Insurance Podcast“ räumte Moderator Jonas Piela gemeinsam mit Dr. Bogdan Werth (Microsoft), Christian Bokelmann (Insiders Technologies), Heinz B. Wietfeld (Hyland), Timm Hendrik Krieger (Signal Iduna) und Sebastian Schulz (Pentadoc) mit aktuellen Buzzwords auf, um die makroökonomische Marktrealität der Branche zu beleuchten.
Der Reifegrad 2026: Von Proof of Concepts zur Ausführung
Die Experten sind sich einig, dass der Reifegrad innerhalb der Branche stark divergiert. Dr. Bogdan Werth betont, dass man hierfür vor allem Marktbeobachtungen abseits reiner Technologie-Hypes betrachten muss, während Christian Bokelmann die oft noch große Lücke zwischen Vorreitern und Nachzüglern hervorhebt. Laut Sebastian Schulz reicht die Bandbreite derzeit von Beobachtern über Experimentierer bis hin zu denjenigen, die bereits skalieren. Die Runde stellt fest, dass das Jahr 2025 primär durch das Testen von Proof of Concepts (PoCs) geprägt war, während das Jahr 2026 nun ganz im Zeichen der echten Ausführung steht.
Geschäftsprobleme statt Technologie-Hype im Fokus
Ein zentraler Diskussionspunkt, den insbesondere Dr. Bogdan Werth einbringt, betrifft die zu starke Fokussierung auf die Technologie selbst. Anstatt endlos darüber zu debattieren, welches KI-Modell das neueste ist, müssen Versicherer von ihren konkreten geschäftlichen Schmerzpunkten ausgehen. Timm Hendrik Krieger unterstreicht in diesem Kontext, dass KI tief in die Kernprozesse etabliert werden muss, um echten monetären Nutzen zu stiften. Erfolgreiche Transformationsprojekte starten nicht mit der Technologie, sondern mit einem realen Problem – sei es in der Dunkelverarbeitung oder im Underwriting.
Intelligent Document Processing als Fundament
Da Versicherungen im Kern dokumentengetriebene Unternehmen sind, kommt dem Intelligent Document Processing (IDP) eine strategische Schlüsselrolle zu. Christian Bokelmann weist darauf hin, dass IDP ein unumgänglicher Hebel ist, um das tägliche Massenphänomen unstrukturierter Daten im Posteingang zu bewältigen. Dr. Bogdan Werth ergänzt, dass IDP die technologische Grundlage für die gesamte weitere KI-Reise bildet. Heinz B. Wietfeld untermauert dies aus Sicht des Content-Managements: IDP bietet klare, mathematisch messbare Erfolgskriterien, was es für Versicherer zu einem greifbaren und lohnenden Fundament macht.
Wandel der Führungskultur und Prozess-Redesign
Die eigentliche Transformation findet nach Ansicht der Expertenrunde jedoch auf der Ebene der Führung und Kultur statt. Sebastian Schulz betont, dass Führungskräfte die Fähigkeit entwickeln müssen, bestehende Abläufe im Zuge eines grundlegenden „Prozess-Redesigns“ neu zu denken, anstatt alte Prozesse nur schneller zu machen. Timm Hendrik Krieger hebt hervor, dass es hierfür die Befähigung braucht, da die Transformation ohne Vorbildfunktion der Führungsebene scheitert. Die zukünftige Herausforderung für das Management wird es laut Sebastian Schulz sein, neben menschlichen Mitarbeitern zunehmend auch autonome KI-Agenten erfolgreich zu koordinieren und zu führen.
Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast
Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.
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