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15. Dezember 2022
D&O – Wer nur auf den Preis schielt, springt zu kurz

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D&O – Wer nur auf den Preis schielt, springt zu kurz

Manager müssen sich jetzt absichern

Umso mehr kommt es für Manager jetzt darauf an, Vorsorge für Rechtsverteidigung in einem potenziellen Zivil- und Strafverfahren zu treffen und sich entsprechend abzusichern. Dabei liegt es auf der Hand, dass sich im aktuellen Umfeld keine Schnäppchen erzielen lassen. Doch wer nur auf den Preis schielt, springt ohnehin zu kurz.

Mindestens ebenso entscheidend sind die D&O-Vertragsklauseln im Detail. Beispielsweise schließen Versicherer in Zeiten hoher Nachfrage und steigender Schadenbelastung häufig die Deckung für bestimmte Pflichtverletzungen sukzessive aus. Umso wichtiger ist es in diesen Fällen, dass sogenannte Kontinuitäts­klauseln enthalten sind. Sie stellen zumindest sicher, dass diese Deckungsausschlüsse nur auf künftige Pflichtverletzungen Anwendung finden. Für etwaige Pflichtverletzungen in der Vergangenheit kommen sie hingegen nicht zum Tragen – was für den Manager ein erhebliches Stück zusätzliche Sicherheit bedeutet. Genau aus diesem Grund sind Kontinuitätsklauseln wesentlicher Bestandteil der hendricks D&O- und Strafrechtsschutzpolice.

Die persönliche D&O

Ebenso lohnend ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit einer zusätzlichen individuellen Absicherung (Personal D&O). Über 90% der D&O-Verfahren enden in einem Vergleich. Gerade im Insolvenzfall, aber auch bei außergerichtlichen Vergleichen müssen sich die Organe einer Gesellschaft oft mit einem bisweilen hohen Eigenbetrag beteiligen oder sehen im Schadenfall, dass der Ver­sicherer einen weitgehenden Insolvenzausschluss aufgenommen hat. Hier offenbart sich dann oftmals die mangelnde Absicherung und Beratung des Managers, denn seine Selbstbehaltspolice deckt nur bei einem rechtskräftigen Urteil den Selbstbehalt, nicht aber bei einem Vergleich. Auch folgt die Selbst­behaltspolice der Konzernpolice, die möglicherweise aber eben einen Insolvenzausschluss beinhaltet. In dieser Situation – keine Deckung über Konzernpolice und fehlende Abdeckung des persönlichen Eigenbetrags – hilft nur eine individuelle Personal D&O-Versicherung, die diese Risiken abdeckt. Ein weiterer Vorteil: Die oftmals angepriesene Selbstbehaltspolice wird hinfällig.

Fazit in drei Punkten

Unter dem Strich lassen sich damit drei zentrale Punkte für die kommenden Monate festhalten.

Erstens: Eine weitere Entspannung im D&O-Markt ist nicht absehbar, vielmehr spricht derzeit vieles für einen erneuten Preisanstieg. Dies gilt umso mehr, als die Versicherer den zentralen Fehler der jüngeren Vergangenheit noch vor Augen haben – es wurden Risiken zu Dumping-Preisen gezeichnet.

Zweitens: In den kommenden Quartalen wird der Besitz einer D&O-Police für Manager so wichtig wie selten zuvor werden, was die Nachfrage und Schadenzahlen tendenziell weiter ansteigen lassen wird.

Drittens – und auch auf die Gefahr der Wiederholung hin: Wer nur auf den Preis schielt, springt zu kurz. Denn hohe Preise sind kein Garant für optimalen Schutz. Die Konditionen der einzelnen Anbieter variieren im Detail nach wie vor signifikant. Eine kompetente und erfahrene Beratung kann Managern hier erhebliche Vorteile sichern. Denn eines ist klar: Wer viel Geld für seine D&O ausgeben muss, möchte zumindest sicher sein, dass er im Schadenfall nicht im Regen steht.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 12/2022, S. 30 ff., und in unserem ePaper.

Bild: © lassedesignen – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Marcel Braun