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Erster Flugzeugfonds fällt der Corona-Pandemie zu Opfer
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Erster Flugzeugfonds fällt der Corona-Pandemie zu Opfer

Die Corona-Pandemie hat die Luftfahrt so hart getroffen wie kaum eine andere Industrie. Das hat nun auch erstmals Konsequenzen für einen Flugzeugfonds. Der Asset-Manager Doric hat Anlegern mitgeteilt, dass für den betroffenen Fonds zeitnah ein Insolvenzantrag gestellt werden soll.

Die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie setzen dem Flugverkehr hart zu. Zeitweise ist die Zahl der Flüge weltweit um 70% eingesackt. Zuletzt lag die Zahl der Starts noch immer um über 40% unter dem Vorjahreswert, in Deutschland sogar um über drei Viertel. Dieser starke Rückgang des Passagieraufkommens hat zahlreiche Airlines in Schieflage gebracht. Das gilt auch für Air Mauritius, die sich seit April 2020 in einem Restrukturierungsprogramm befindet.

Flugzeugfonds 2 vor Insolvenz

Die Misere der Airlines hat nun auch erstmals Konsequenzen für Anleger von Flugzeugfonds. So hat der Asset-Manager Doric den Anlegern des Flugzeugfonds 2 mitgeteilt, dass die Fondsgeschäftsführung voraussichtlich zeitnah einen Insolvenzantrag für den Fonds stellen wird. Dem Fonds gehört ein Airbus A330, der seit 2007 an Air Mauritius verleast ist.

Air Mauritius in staatlichem Restrukturierungsprogramm

Aufgrund des Restrukturierungsprogramms hat Air Mauritius laut Doric nicht nur die Möglichkeit, Leasingzahlungen auszusetzen, sondern auch, das Flugzeug zu behalten. Die Fondsgesellschaft erhält daher nicht nur keine Leasingraten. Zusätzlich kann sie auch nicht über den A330 verfügen. Auf der anderen Seite muss sie aber den Kapitaldienst für die Fremdfinanzierung weiter erbringen, da das Flugzeug etwa zur Hälfte fremdfinanziert wurde.

Bankenkonsortium kündigt Stillhalteabkommen auf

Doric konnte zwar mit einem von der Norddeutschen Landesbank geführten Bankenkonsortium vergangenes Jahr ein Stillhalteabkommen über den Kredit in Höhe von 33 Mio. Euro treffen und hat seither niedrigere Tilgungsraten gezahlt. Diese Vereinbarung läuft aber Ende Februar aus. Zudem hat das Bankenkonsortium sie zum 16.02.2021 aufgekündigt, da das Restrukturierungsverfahren von Air Mauritius bis Juni 2021 verlängert wurde. Somit wurden alle gestundeten Tilgungen fällig gestellt.

Keine ausreichende Liquidität mehr

Die Fondsgeschäftsführung habe zwar noch versucht, das Darlehen zu einer Quote von 40 bis 50% abzulösen, die Banken lehnten das aber ab. Somit dürfte der Fonds bis mindestens Ende Juni keine Leasingraten erhalten und den Flieger auch nicht anderweitig nutzen können. Weil gleichzeitig die Bankschulden beglichen werden müssen, fehle ausreichend Liquidität, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Vor diesem Hintergrund erscheine ein Insolvenzantrag unausweichlich.

Anlegern droht Kapitalverlust

Laut Doric beläuft sich der Schuldenstand des Fonds aktuell auf rund 9 Mio. Euro. Der 2007 aufgelegte Fonds sah im Prospekt einen Erlös von 27 Mio. Euro aus dem Verkauf des A330 im Jahr 2024 vor. Das wären rund 40% des Kaufpreises gewesen. Das Eigenkapital der Fondsanleger liegt bei 31,3 Mio. Euro. Nachdem davon jährlich 7% ausgezahlt wurden, stehen davon noch rund 7,2 Mio. Euro zur Verfügung. Um einen Kapitalverlust zu vermeiden, müsste mit einem Verkauf des Fliegers mindestens 16,2 Mio. Euro erzielt werden. (mh)

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