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15. April 2021
ETFs: Die passive Revolution
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ETFs: Die passive Revolution

Einst als Nische belächelt, erobern ETFs immer mehr Bereiche der Geldanlage, und das nicht nur wegen ihrer niedrigen Kosten. Ihre Einsatzgebiete gehen längst über Standardindizes hinaus – und so haben sie auch für Berater, Versicherungen und Vermittler großes Potenzial.

John Bogle ist den meisten Deutschen wohl kaum ein Begriff. Dabei hat er 1976 eine Revolution losgetreten. Eine Revolution, die die Finanzwelt heute mehr denn je aufhorchen lässt. Bogle legte 1976 den ersten Fonds auf, der einen Börsenindex nachbildet. Was mit einem Produkt auf den S&P 500 begann, hat die Fondswelt wie kaum eine andere Neuentwicklung verändert. ETFs sind die größte Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Zuletzt lagen die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten bei 20%. Insgesamt haben ETFs rund ein Fünftel des gesamten Fondsmarktes erobert.

Kosten, Kosten, Kosten

ETFs punkten vor allem mit einem Argument: Kosten. Fallen für aktiv verwaltete Fonds in aller Regel über 1% und oft sogar über 2% pro Jahr an, fangen die Jahresgebühren für ETFs schon im Promillebereich an. Selbst exotische Investments oder smarte Portfoliolösungen kosten weniger als 1% pro Jahr. Dieses Argument überzeugt immer mehr Anleger und hat dadurch einen massiven Preiswettbewerb in der Fondsbranche ausgelöst.

Mehr als nur Standardindizes

Selbst komplexe Investmentansätze lassen sich über Indexinvestments abbilden. Smart Beta lautet hier oft das Zauberwort. Auch Nachhaltigkeit spielt bei ETFs natürlich eine immer wichtigere Rolle. Große Indexanbieter wie MSCI, S&P oder die Deutsche Börse arbeiten bei solchen speziellen Ansätzen oft direkter Zusammenarbeit mit den Fondsgesellschaften zusammen und entwickeln passgenaue Indizes. Dadurch lassen sich selbst recht enge thematische Investments wie etwa in Cannabis oder digitale Bildung realisieren.

Wie gemacht für Versicherungen

Doch nicht nur das Spektrum der abgebildeten Indizes hat sich deutlich erweitert, sondern auch die Einsatzgebiete. ETFs sind heute längst nicht mehr nur als Direktanlage oder Sparplan gefragt – wenngleich gerade letztere stark boomen. Auch in der Provisionsvermittlung haben sie noch immenses Aufholpotenzial. Zudem sind sie bereits ein fester Bestandteil vieler fondsgebundener Lebensversicherungen, denn gerade mit Versicherungslösungen sich die günstigen und breit gestreuten ETF-Investments clever kombinieren.

Bereit für die nächste Evolutionsstufe

Bei allen Vorzügen haben ETFs aber natürlich auch Nachteile. So nimmt der überwiegende Teil der passiven Produkte Abwärtsbewegungen eins zu eins mit. Das ist vor allem psychologisch problematisch, da viele Anleger dann in Panik im schlechtesten Moment aus ihren Investments aussteigen: wenn es an den Märkten kracht. Dieser Herdentrieb liegt in der Natur des Menschen. Er lässt sich daher nicht abschaffen. Er lässt sich aber begrenzen, wenn man den Auslöser der Panik eindämmt: die Verluste. Abhilfe können etwa Vermögensverwaltungen oder Dachfonds auf ETF-Basis leisten. Insbesondere bei den digitalen Vertretern sind die passiven Fonds beliebt. Kombiniert mit Algorithmen oder künstlicher Intelligenz wollen sie die Abwärtsrisiken der ETFs reduzieren. Gelingt das langfristig nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, dürften ETF die nächste Evolutionsstufe zünden und der von John Bogle gestarteten Revolution zu noch deutlich höheren Marktanteilen verhelfen. (mh)

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