Falsche Anlageberatung: Wann Vorteile aus Zweitgeschäft anrechenbar sind | AssCompact – News für Assekuranz und Finanzwirtschaft
AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Whats App AssCompact - Whats App

Falsche Anlageberatung: Wann Vorteile aus Zweitgeschäft anrechenbar sind
19. November 2018

Falsche Anlageberatung: Wann Vorteile aus Zweitgeschäft anrechenbar sind

Ein Anleger zeichnet nach einer fehlerhaften Anlageberatung zwei Immobilienfonds. Einer entwickelt sich positiv, der andere negativ. Ob bei Rückabwicklung die Gewinne der einen auf den Schaden durch die andere Anlage angerechnet werden müssen, hat jetzt der BGH entschieden.


Ein Anleger zeichnet nach einer fehlerhaften Anlageberatung zwei Immobilienfonds. Einer entwickelt sich positiv, der andere negativ. Ob bei Rückabwicklung die Gewinne der einen auf den Schaden durch die andere Anlage angerechnet werden müssen, hat jetzt der BGH entschieden.


Falsche Anlageberatung: Wann Vorteile aus Zweitgeschäft anrechenbar sind

Zeichnet ein Anleger auf der Grundlage eines einheitlichen Beratungsgesprächs zwei verschiedene, ihrer Struktur nach aber gleichartige Anlagemodelle und trifft dabei eine einheitliche Anlageentscheidung, die aber auf dem entsprechend gleichen Beratungsfehler beruht, dann kann er die Geschäfte rückabwickeln. Auch kann er Schadensersatz vom Anlageberater einfordern, zum Beispiel wenn sich eine Anlage positiv, die andere jedoch negativ entwickelt. Allerdings muss er sich dann die Gewinne aus dem positiv verlaufenen Geschäft auf den Schaden durch die Zeichnung des Geschäftes, das Verlust bringt, anrechnen lassen. Das hat der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Urteil entschieden.

Hoch spekulative Immobilienfonds als „absolut sicher“ verkauft

Im zu Grunde liegenden Fall beteiligte sich der Kläger an zwei Immobilienfonds. Er behauptet, der Berater habe die gezeichneten Anlagen als „absolut sicher“ dargestellt. Dies habe auch seinem verfolgten Anlageziel, nicht aber der Realität entsprochen. Tatsächlich seien die beiden Anlagen hoch spekulativ und mit einem Totalverlustrisiko verbunden gewesen. Weiterhin habe der Berater ihn über weitere Risiken, u.a. die Haftung gem. § 172 Abs. 4 HGB und das Währungsrisiko, nicht aufgeklärt. Hätte er diese gekannt, hätte er beide Anlagen nicht gezeichnet.

Gewinne aus parallel gezeichneter Anlage werden angerechnet

Der BGH wies die Klage teilweise ab. Allerdings verpflichtete er das beklagte Unternehmen, den Kläger von den Schäden und Nachteilen freizustellen, die unmittelbar oder mittelbar auf der sich negativ entwickelnde Beteiligung beruhen und die ohne sie nicht eingetreten wären. Da der Kläger jedoch mit der anderen Anlage einen Gewinn erzielte, der über den Betrag hinausging, den er in den verlustreichen Fonds investierte, wird dieser Gewinn laut BGH auf den Schaden angerechnet.

Anrechnung von Renditen anderer Investments nicht einheitlich

Die Anrechnung von Renditen aus einem anderen Investment auf den geltend gemachten Schaden wird nicht einheitlich beurteilt. Hier muss laut dem Gericht jeweils der Einzelfall betrachtet werden. Im vorliegenden Fall ist vor allem entscheidend, dass beide Immobilienfonds Gegenstand eines einheitlichen Beratungsgesprächs waren.

Laut BGH stellen sich die Investments als „Paket“ dar, da sie in ihrer Struktur und gemäß ihren Risiken vergleichbar sind. Auch die Anlageentscheidung des Klägers erfolgte einheitlich, auch wenn die Anlagen nicht voneinander abhängen. Zudem habe der Anlageberater im Beratungsgespräch eine beide Anlagen betreffende Aufklärungspflichtverletzung begangen. Angesichts all dessen dürfe laut BGH aber auch eine Rückabwicklung der Geschäfte nicht getrennt erfolgen. Daher müsse die Entwicklung beider Fonds zusammen in die Berechnung des Schadens einbezogen werden. (tos)

BGH, Urteil vom 18.10.2018, Az.: III ZR 497/16




Ähnliche News

Eine Widerrufsbelehrung des Versicherers muss nicht auch auf die Folgen hinweisen, die eine eventuell falsche Belehrung nach sich ziehen würde. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. weiterlesen …
Die Mehrzahl der aktiv gemanagten Fonds schlägt den Markt nicht. Ob dieses häufig geäußerte Vorurteil in der Realität tatsächlich zutrifft, haben die Experten von S&P Dow Jones Indices nun für verschiedene Fondsklassen analysiert. weiterlesen …
Haften Versicherungsmakler auch für Wettbewerbsverstöße, die ein Leadlieferant begeht, der für sie arbeitet? Im vor dem Landgericht Frankfurt verhandelten Fall ging es um den Abschluss privater Krankenversicherungen. weiterlesen …


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.