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20. Januar 2026
FemSurance: Veränderung durch Community
FemSurance: Veränderung durch Community

FemSurance: Veränderung durch Community

Seit dem Jahr 2023 ist das Ziel der FemSurance, mehr Frauen für die Versicherungsbranche zu begeistern und Frauen in Führungspositionen zu unterstützen. Auf der DKM und in AssCompact ist sie seitdem fester Bestandteil und hat sich stetig weiterentwickelt.

Ein Artikel von Lisa Knörrer, Geschäftsführerin der bbg Betriebsberatungs GmbH. „FemSurance ist für mich ein Stück Haltung: die klare Überzeugung, dass gemischte Teams bessere Entscheidungen treffen, innovativer sind und Unternehmen resilienter machen“.

Wenn wir in unserer Branche über Frauen sprechen, wird das Thema noch immer zu oft belächelt. „Das machen wir doch schon seit Jahren“, „Bei uns werden alle gleich behandelt“ oder ganz direkt: „Warum sollten wir uns überhaupt auf Frauen fokussieren?“ Solche Sätze habe ich in den letzten Jahren immer wieder gehört. Gerade aus eher traditionell geprägten Strukturen kommt häufig genau dieser Reflex.

Potenzial oft immer noch wenig sichtbar

Gleichzeitig kämpft die Versicherungswirtschaft mit Fachkräftemangel, Transformationsdruck und der Frage, wie sie attraktiv für die nächste Generation bleiben kann. Wir sehen seit Langem, wie viel Potenzial in Frauen für unsere Branche steckt – und wie wenig sichtbar dieses Potenzial an vielen Stellen noch ist. Für mich ist deshalb klar: Wenn wir es mit der Zukunft ernst meinen, geht das nur mit mehr Vielfalt – und mit Frauen, die nicht nur „dabei sind“, sondern aktiv gestalten.

Mitgedacht, aber nicht mitgefragt

Ich bin in einem Familienunter­nehmen groß geworden, das seit vielen Jahren tief in der Versicherungsbranche verankert ist. Heute führe ich gemeinsam mit meinem Bruder die bbg in der nächsten Generation und habe mich ganz bewusst dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen und die Entwicklung des Unternehmens aktiv mitzugestalten. In Studium und Beruf habe ich immer wieder erlebt, wie schnell Frauen unterschätzt oder „mitgedacht, aber nicht mitgefragt“ werden.

Vertrieb ist männlich geprägt

Der Blick in die Zahlen bestätigt dieses Gefühl: In Deutschland wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil der kleinen und mittleren Unternehmen von einer Frau geführt. Beim Thema Unternehmensnachfolge geht nur ein Bruchteil der Übergaben an Frauen – obwohl es genügend qualifizierte und motivierte Kandidatinnen gäbe. Im Vermittlerbereich sind die Zahlen noch niedriger: Je nach Analyse kommen Frauen im Versicherungsvertrieb nur auf einen niedrigen zweistelligen Prozentanteil – der selbstständige Versicherungsvertrieb ist weiterhin klar männlich geprägt.

FemSurance: Veränderung durch Community

Wie FemSurance entstand

Ich habe mir damals selbst ein Netzwerk von Frauen gewünscht, die in ähnlichen Situationen sind: als Gründerinnen, Nachfolgerinnen, Führungskräfte oder als junge Talente mit Ambitionen. Aus diesem Wunsch ist FemSurance entstanden: als Ort, an dem Frauen sich gegen­seitig stärken, Erfahrungen austauschen und sichtbar werden können – in einer Branche, in der das noch längst nicht selbstver­ständlich ist.

Weibliche Vorbilder und starke Netzwerke

FemSurance ist für mich ein Stück Haltung: die klare Überzeugung, dass gemischte Teams bessere Entscheidungen treffen, innovativer sind und Unternehmen resilienter machen. Ich habe selbst viel Unterstützung – auch von männlichen Wegbegleitern – erfahren, weiß aber genauso, wie wertvoll weibliche Vorbilder und starke Netzwerke sind. Es ist wichtig, den eigenen Platz am Tisch auch wirklich zu nutzen – gerade dann, wenn man eine Position mit Einfluss erreicht hat. Wenn ich heute die Möglichkeit habe, mitzugestalten, dann möchte ich diese Chance nutzen – nicht nur für mich, sondern für viele andere Frauen in unserer Branche.

Dabei war uns von Anfang an wichtig, FemSurance nicht als separate „Frauenveranstaltung“ zu verstehen, sondern als integrierten Bestandteil unserer bestehenden Formate. FemSurance ist heute Teil der DKM und der AssCompact – und damit bewusst mitten in der Branche verankert. Für mich war es schlicht Zeit, dieses Thema nicht mehr als Sidekick zu behandeln, sondern als strategischen Erfolgsfaktor.

Darum geht es

Worum geht es dabei konkret? Um Sichtbarkeit, um Vorbilder – und darum, Lebensrealitäten abzubilden: sowohl die der Vermittlerinnen und Vermittler als auch die der Kundinnen und Kunden. Ein anschauliches Beispiel für blinde Flecken ist die oft zitierte Einführung der Gesundheits-app in iOS 8 im Jahr 2014: Man konnte damals von Vitaldaten über den Blutzuckerspiegel bis hin zu Schlafphasen fast alles erfassen – nur der weibliche Zyklus war nicht vorgesehen. 51% der Bevölkerung wurden schlichtweg vergessen.

Ähnliche Muster sehen wir auch in der Finanz- und Versicherungswelt. Studien zeigen, dass Frauen in der Finanzberatung teilweise anders angesprochen werden, häufiger auf Sicherheit reduziert und seltener konsequent in Richtung Vermögensaufbau und langfristiger finanzieller Unabhängigkeit beraten werden. Gleichzeitig sind Frauen – trotz hoher Verantwortung für Familien­finanzen – in wichtigen Absicherungsprodukten wie Lebens-, Berufsunfähigkeits- oder Einkommensschutzversicherungen zum Teil deutlich unterrepräsentiert.

Beispiel Rente

Das zeigt sich auch in harten Zahlen: In Deutschland erhalten Männer im Schnitt deutlich höhere eigene Rentenansprüche als Frauen. Und selbst dort, wo betriebliche oder private Vorsorge aufgebaut wird, liegen Frauen häufig zurück – etwa, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten, Care-Arbeit übernehmen und Erwerbsbiografien unterbrechen. In vielen betrieblichen Zusatzrenten fallen die Leistungen von Frauen im Schnitt deutlich geringer aus als die von Männern.

Warum auf Frauen fokussieren?

Was ist die ehrliche Antwort auf die Frage „Warum sollten wir uns auf Frauen fokussieren?“?

  • Weil Frauen einen erheblichen Teil der finanziellen Entscheidungen im privaten Umfeld treffen und gleichzeitig in vielen Produkten und Beratungsprozessen unteradressiert sind – wer das ignoriert, verschenkt Umsatz.
  • Weil Unternehmen, die gezielt weibliche Talente in Vertrieb und Führung gewinnen, dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen und bessere, viel­fältiger abgesicherte Entscheidungen treffen.
  • Weil „alle gleich behandeln“ nur dann funktioniert, wenn unterschiedliche Lebensrealitäten zuerst bewusst wahrgenommen und mitgedacht werden – sonst profitieren in der Praxis vor allem diejenigen, auf die die bisherigen Standards zugeschnitten wurden.
  • Und weil Vielfalt kein Wohlfühlthema ist, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor für die Zukunftsfähigkeit unserer Branche.

Wir sind mit FemSurance noch lange nicht am Ziel – im Grunde stehen wir erst am Anfang. Auf der DKM werden wir das Format weiter ausbauen. In der AssCompact ist es neben dem Jungmakler eine feste Rubrik. Schritt für Schritt bauen wir rund um FemSurance zudem eine Community für Frauen und Verbündete in der Versicherungsbranche auf – mit Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Projekte. Unser Ziel ist klar: FemSurance soll kein „Event-Label“ sein, das einmal im Jahr kurz aufpoppt, sondern ein dauerhafter Motor für Vernetzung, Sichtbarkeit und Veränderung in der Branche.

Bühne frei!

Und ich bin sicher: Die stärksten Impulse werden dabei von den Frauen selbst ausgehen, die diese Bühne nutzen – und von den Unternehmen, die das aktiv unterstützen. Ich freue mich, wenn Sie FemSurance auf diesem Weg begleiten – als Leser:in, als Verbündete:r und vielleicht irgendwann auch als Teil dieser wachsenden Community.

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Ein Artikel von
Lisa Knörrer