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28. Juli 2026
Global Gruppe: Überraschung oder Unfall?

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Global Gruppe: Überraschung oder Unfall?

Global Gruppe: Überraschung oder Unfall?

Castik Call

Bei aller Wertschätzung und Harmonie mit den Gründern musste Castik bemüht sein, einen „eigenen Mann“, einen unabhängigen Manager an Bord zu nehmen. Dies geschah im Juni 2024 mit der Einstellung von Thomas Wang, der zuvor primär bei Funk und Gallagher viele Jahre für Aufbauarbeiten eingesetzt und beauftragt war und darauf brannte, eine eigene Erfolgsspur im Markt zu setzen.

Für Insider war es eine überraschende, mutige und frische Wahl. Für Insider war es aber auch schon damals eine problematische Wahl. Thomas Wang war bzw. ist ein großes Talent, aber er war dennoch ein Außenseiter-Kandidat, den man dankend annahm, da man Global schon damals als einen Schleudersitz betrachten musste. Thomas Wang arbeitete hart, hatte überdurchschnittliche Erfolge und ersparte dem Investor die normalerweise bei solchen Konstellationen eingebaute Streit-Mediation mit den an Bord verbliebenen Gründern. Dennoch wurde schon nach den ersten Monaten deutlich, dass Florian Wilms Ambitionen hatte, CEO zu sein und Kai Wilms war sehr emsig, Makler aufzukaufen, um beim dritten Verkauf nochmals große Kohle selbst bei kleinem Anteil zu machen. Da er die Stellschrauben unter Umständen sogar besser beherrscht als die Herren der Zunft, konnte er „Obstacles“ kreativ lösen. Wang dürfte im wahrsten Sinne im Bermudadreieck gesessen haben.

Dennoch gab es große Erfolge, die auch Wang persönlich zuzurechnen waren, wie z. B. die Zukäufe in Österreich und in der Schweiz und der Ausbau der profitablen Kreditmakler.

Dritter Verkauf – Geplatzte Hoffnung

Ende Dezember 2025 war klar, dass Castik sich beim Weiterreichen ihrer erst zweijährigen Investition vergaloppiert hatte. Nachdem der größte PE-Investor gemäß Ranking 2025, KKR, bereits bei rd. 1,6 Mrd. Euro für die Global Gruppe die Reißleine gezogen hatte, waren primär die Nr. 2, die schwedische EQT, und die unter den 50 größten gelistete, in Paris ansässige PAI in den Verhandlungen verblieben. Erstaunlicherweise kam ein Angebot sehr nahe an die Mindesterwartung der Castik-Verhandler heran, blieb aber unter 2,2 Mrd Euro.

Viel Geld für 320 Mio. Euro Umsatz, selbst wenn 35% oder sogar 40% Einnahmen daraus gezogen werden. Wie so oft im Leben aber relativ, siehe Vergleich: Bridgepoint PE hat im Mai 2025 für HBC im Wesentlichen auf Basis von 220 Mio. Euro Umsatz und 29% Wachstum, allerdings nur 15 Mio. Euro EBITDA, eine Bewertung in Höhe von 700 Mio Euro akzeptiert.

Die geopolitische Entwicklung und die mittlerweile erkennbare deutliche Abkühlung des Marktes und Berichte über operative Herausforderungen bei mehreren Maklern, u. a. der GGW Group, führten zum Abbruch der Verhandlungen. Castik hatte zu lange gezaudert und das Handlungsfenster verpasst. Persönlich meine ich, dass dies zwar nicht falsch gewesen sein muss, aber im Hinblick auf die generelle Erwartung wegen 50 bis 80 Mio. Euro ein etwas gewagtes Spiel war oder, was wohl zutreffender sein könnte, eine dumme Panne bei der eigenen Positionsbestimmung. Der jährliche Zinsaufwand dürfte bereits deutlich teurer kommen als der nötige Preisabschlag, um den „Deal“ in trockene Tücher zu bekommen. Die erforderliche Refinanzierung hat die Verschuldung mittlerweile auf das Neunfache des EBITDA gedrückt und der Kapitalbedarf könnte anhalten. Das nächste Fenster für einen Verkauf ist im derzeitigen Marktumfeld wohl nicht wirklich vor Ende 2027 sinnvoll oder möglich.

Bauernopfer und Baustelle(n)

Thomas Wang ist mit Sicherheit ein erstes Bauernopfer für diese Verkaufspleite. Er fällt nicht nur publiziert, sondern auch aufgrund der Fakten über sich nunmehr doch an die Öffentlichkeit arbeitende Baustellen im Bauplan, Konstrukt, Geschäftsmodell und Wettbewerbsdefizit der Global Gruppe – deren Großmakler-Kompetenz.

Global ist eine Aneinanderreihung von Maklern und ein Master Case für die Optimierung der vom Versicherer geleisteten Vergütungen. Global ist auch ein in Umsatz gerechnet großer Makler, Global ist aber kein Großmakler und Global ist allenfalls mit ersten Legoblocks als Industriemakler gesichtet unterwegs. Wer nun schnell mitgedacht hat, erkennt, dass Wang dafür zwar seit knapp eineinhalb Jahren verantwortlich ist, nur dies ist nicht wirklich ein ausreichender Turnus. Und der Masterplan war von den Wilms-Gebrüdern gemalt. Dort liegt also eine deutliche Mitverursachung im Defizit und Mitverantwortung am Crash.