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28. Oktober 2026
Hat die Versicherungsbranche ein „Mutproblem“?

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Hat die Versicherungsbranche ein „Mutproblem“?

Hat die Versicherungsbranche ein „Mutproblem“?

Wird die Versicherungsbranche in Deutschland weniger relevant? Oder haben es die Versicherer zuletzt nur nicht geschafft, die Menschen hierzulande zu erreichen? Und was hat das mit dem AV-Depot zu tun? Darum drehte sich die als „Elefantenrunde“ bekannte Diskussion in der Speaker’s Corner auf der DKM 2026.

Wird die Versicherungswirtschaft im gesamtwirtschaftlichen Umfeld weniger relevant? Mit dieser Frage konfrontierte AssCompact Chefredakteur Dr. Alexander Ströhl die vier hochkarätigen Teilnehmer der als „Elefantenrunde“ bekannten Diskussionsrunde, die am Mittwochmorgen auf der DKM in der Speaker’s Corner stattgefunden hat, gleich am Anfang. Schließlich sei die Versicherungsdurchdringung, also der Anteil der Versicherungsbeiträge an der gesamtwirtschaftlichen Leistung, in den letzten 15 Jahren von 7% auf 5,5% gefallen. Wie diese Entwicklung einzuordnen sei, wollte Ströhl von Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Lebensversicherung und Co-Vorstandsvorsitzender der DIE SÜD-Versicherungsgruppe, Christoph Bohn, Vorsitzender der Vorstände der ALH Gruppe, Tamara Pagel, Chief Business Officer Broker im Vorstand der Generali Deutschland und CEO der Dialog Versicherungen, sowie Jens Warkentin, Vorstandsvorsitzender HDI Deutschland, wissen.

Während man in der Schaden- und Unfallversicherung zwar einen Preisanstieg, aber keinen Rückgang sehe, sei vor allem die Lebensversicherung betroffen, erklärte Warkentin. „Sparbeiträge gehen nicht mehr dominant in die Lebensversicherung. Und der Trend wird sich auch nicht mehr umkehren“, fürchtet er.

Vor allem Neobroker etablierten sich an der Kundenschnittstelle und machten Versicherungslösungen erklärungsbedürftiger, so Pagel. Bader sah die Entwicklung weniger negativ. Er stimmte zu, dass es der Versicherungsbranche nicht gelungen sei, ihre Produkte sinnvoll zu positionieren. Für die deutsche Lebensversicherung gebe es jedoch „durchaus noch viel Platz und Möglichkeiten nach oben“, vor allem mithilfe qualifizierter Beratung.

Die Beratung und das „Mutproblem“

Dass Beratung der richtige Weg ist, um Menschen wieder stärker für Versicherungslösungen zu gewinnen, zog sich als roter Faden durch die Diskussion. Pagel sieht dabei kein Relevanzproblem, sondern eher ein Mutproblem: „Wir verwalten Billionen an Geldern, wir sichern Wohlstand. Und trotzdem haben wir das Gefühl, wir müssen uns wieder in eine Position hineinkämpfen, die wir doch eigentlich nie verlassen haben“, so Pagel. Wenn jemand wisse, wie Altersvorsorge funktioniere, dann schließlich die Versicherungswirtschaft. Das müsse die Branche mutiger in die Debatte einbringen.

Dabei müsse man unterscheiden: Bei der Absicherung von Erwerbsbiografien sei die Branche unstrittig stark, so Warkentin. Beim Sparen und Vermögensaufbau sei der Markt in den vergangenen zwei Jahrzehnten breiter geworden. Die Versicherer müssten deshalb ihr Alleinstellungsmerkmal – die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos – besser vermarkten.

Das im Januar 2027 an den Start gehende Altersvorsorgedepot biete eine gute Gelegenheit, die private Altersvorsorge wieder stärker ins Bewusstsein der Kunden zu rücken. Gleichzeitig verschärfe der Wettbewerb mit Neobrokern den Druck auf die Versicherer, den Mehrwert ihrer Angebote zu erklären. Denn Altersvorsorge sei mehr als der reine Vermögensaufbau: Auch Garantien und die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos spielen eine Rolle.

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