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23. Februar 2026
Helmsauer Gruppe und Nordic Capital: Einzelfall oder Signal?
Helmsauer Gruppe und Nordic Capital: Einzelfall oder Signal?

Helmsauer Gruppe und Nordic Capital: Einzelfall oder Signal?

Der Bruch zwischen Bernd Helmsauer und Nordic Capital sorgt für Diskussionen im Konsolidierungsmarkt. Doch ist der Fall ein Signal für strukturelle Probleme bei Private-Equity-Beteiligungen – oder das Ergebnis persönlicher Dynamiken?

Ein Beitrag von Norbert Noehrbass, selbstständiger Berater und ehemaliger Geschäftsführer bei Ecclesia

Ist der Fallout bei der Helmsauer Gruppe und die Reaktion des Private-Equity-Mehrheitseigners Nordic Capital (NC) ein Gamechanger im Markt? Ist dies gar ein Zeichen für eine Veränderung des Marktes und einen bevorstehenden Rückzug von PE als Käufer?

Definitiv nein! Denn die Ereignisse sind nicht in der DNA eingebaute Ergebnisse, sondern aus unserer Sicht ein „hormonelles Ergebnis“ der konkreten Umstände und Temperamente und insofern ein Weckruf, an den goldenen Regeln für Erfolg mit frischer Einsicht und Tugend festzuhalten.

Jeder Unternehmenskauf birgt Risiken – das wissen Private-Equity-Investoren eventuell besser als andere Käufer. Versicherungsmakler sind besondere Unternehmen. Dies wiederum verstehen häufig selbst Insider und Investoren nicht wirklich oder glauben in erfolgsverwöhnter Arroganz dass man durch Management-Ansätze alle Hindernisse verändern und überwinden kann. Hier beginnt für uns Berater dann der Weg meist schwierig zu werden, denn nur im Weltall hebt sich die Schwerkraft auf.

Zwei Werte entscheiden

Makler haben auf den Punkt gebracht – im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen – nur zwei Werte: ihren Kundenbestand und ihre Leistungsträger. Der Rest ist Beiwerk, „nice to have“, aber maximal allenfalls fördernd, nicht unverzichtbar oder unsubstituierbar.

Nehmen wir diese simple Tatsache ernst, dann muss uns spätestens jetzt klar sein, dass ein Zusammenbrechen der Gesprächs- und Kompromissbasis zwischen Gründer Management/Verkäufer und PE-Investor/einem Käufer auf Zeit, ein Super-GAU werden kann und nicht vorkommen darf.

Wie auch die Ereignisse nach wenigen Wochen bzw. Monaten bei Helmsauer zeigen, kann sich ein PE-Investor diesen GAU normalerweise weniger leisten als die Verkäuferseite. Um ein Beispiel von der Insel zu bringen: Die PE-Investoren Carlyle und Apax waren beim englischen Großmakler PIB Group sensibel und „cool headed“ genug, um genau diese Marktintelligenz auf den Tisch zu legen und zähneknirschend auf ein etwas erratisches, anmaßendes Management mit Palmwedeln einzuschwenken. Mittlerweile arbeiten beide Streithähne wieder an der Notwendigkeit, ein wertvolles/wertvolleres Unternehmen aufzubauen und dann erfolgreich zu verkaufen.

Stress, Timing, Persönlichkeiten

David Samuelson, der Leiter des beachteten Evolution MidCap Investment Teams bei NC, hat nach unserer Ansicht diese Diplomatie und Leidensfähigkeit nicht rechtzeitig ausgespielt und hat nun einen Worst Case. Einen Case, den es im Interesse der Kapitalgeber nicht geben sollte, da hier ja keine Fehlverhalten, sondern Temperamente und Ansichten aufeinander geprallt sind.

Sehr gut verkörpert die berühmte Bullen-Plastik des italienisch -amerikanischen Künstlers Arturo Di Modica aus 1989 an der Wall Street in New York die Kräfte, die ein „Charging“ (Hörnerkreuzen) hervorruft. Eigentlich sind weder die bodenständigen Franken, noch die für kühle Köpfe bekannten Skandinavier „Bullen“, aber der 62-jährige Bernd Helmsauer und die 25 und 28 Jahre alten Söhne, die man als „Burschen“ abkanzelte, waren wohl nicht bereit, von einem gestressten 40+-jährigen Akademiker mit hektischem Terminkalender Befehlssätze anzunehmen.

David Samuelson ist ein Star bei NC und im Markt, er ist einer der erfolgversprechenden Treiber, die den Plan, NC zu den Top 12 sprinten zu lassen, tragen. Die Probleme und der Kollaps der Kompromissbereitschaft fielen in die Zeit der heißen Phase beim gerade verkündeten Zukauf der NC, der Schweizer 1741 Gruppe. Die 1741 Gruppe ist ein Überraschungs-Coup in der PE-Stratosphäre und ein Meisterbrief für den weiteren Aufstieg von David Samuelson, denn dieser Dienstleister für Fondsstrukturierungen, -administration und -management mit über CHF 23 Mrd verwaltetem Vermögen ist ein Koh-i-Noor-Diamant, der NC enorme Marktzugänge und Vorteile bringen wird und über Jahre außergewöhnliche Wachstumsraten sichern sollte.

Die 1741 Group ist der 14. Zukauf, der von David Samuelson geführten Einheit seit ihrer Gründung 2021. Vor diesem Hintergrund darf man die Meinung vertreten, dass der Fallout bei der Helmsauer Gruppe kein systemischer, Marktumständen oder -veränderungen geschuldeter Vorfall ist und eine Ansteckungsgefahr schlicht nicht besteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Entwicklungen bei anderen Maklern zwischen Verkäufern und PE-Investoren wiederholen, sind heute so gering wie gestern oder morgen. Das Risiko ist stress- und performance-abhängig, aber am stärksten persönlichkeits- und ego-sensibel und normalerweise sind Makler-Persönlichkeiten bei der Balance von Ungleichgewichten sehr geübt und hart im Nehmen. Ich vermute nicht, sondern bin sicher, dass auch bei vielen anderen Konsolidierern nicht jeden Tag die Jubelglocken läuten, sondern auch die Alarmglocke häufiger mal tönt. Dies ist normal, solange man die Zeit findet, Normalität wieder herzustellen.

Was nun auf dem Spiel steht

NC war juristisch nicht gut beraten, mit dem Helmsauer Verbund, der nun den Namen „Helmsauer Brüder Verbund“ trägt, über die Verwendung des Namens zu streiten oder über die Abwerbung von Mitarbeitern. Sichere Niederlagen sollte man vermeiden und sich dafür auf Abwehrstrategien und Risikoanalyse konzentrieren. Insofern hat der Fallout sicher sehr bald auch für die Bewertung deutliche Konsequenzen, wenn der Helmsauer Brüder Verbund nicht nur 100 der 300 Leistungsträger, sondern auch deren Verbindungen an sich binden kann. Interessant wird sicher auch, wann Bernd Helmsauer sich seiner Schachtel (25%) Rechte bedient und das Feuer erwidert, und inwieweit Marktgerüchte, dass spezielle Dienstleister für Kunden der Helmsauer Gruppe nicht unter dem gesellschaftsrechtlichen Dach der Gruppe, sondern im Direkteigentum der Familie stehen, dann sogar deutliche Wettbewerbsvorteile bei dem Helmsauer Brüder Verbund aufzeigen. Der Markt erwartete für die Helmsauer Gruppe 2025 einen Umsatz von mindestens 75 Mio. Euro. Es wird sich leider sehr schnell zeigen, dass 1+1 nicht immer das mathematisch erwartete Ergebnis bringt, insbesondere wenn auf zwei unterschiedlichen Blättern gerechnet wird.

Persönlich gehe ich davon aus, dass die „Burschen“ in diesem Fall eher dem biblischen David nacheifern können wie der „Super David“ aus dem Norden, denn noch schätzen Kunden den persönlichen Kontakt. Diese Bodenständigkeit ist nicht so locker flockig substituierbar wie in einer Systemgastronomie, und ein Rettungsanker durch Aufnahme eines Miteigentümers, der eventuell zu einem späteren Zeitpunkt die ganzen NC-Anteile übernimmt, ist zwar gute Theorie, setzt aber voraus, dass dieser Wettbewerber bereit ist, in ein fallendes Messer zu greifen und mehr Energie einzusetzen, als seinem Anteil zumutbar. Der Preisabschlag wäre massiv, der Helfer riskiert mehr, als er gewinnen kann. Eine Johanna von Orleans ist nicht in Sicht, da bleibt Nordic Capital ein baldiger Austritt oder ein recht langer Atem eigentlich nicht der Masterplan für Private Equity. Permira bei GGW, AnaCap und TA bei MRH, Castik bei Global, Astorg bei Attikon und Bridgepoint bei HBC werden genau wie Makler, die Kapital für Investments suchen, sehr genau beobachten, wie es weiter geht, in Deutschland hat es solche Fälle bisher in dieser Größenordnung nicht gegeben und Fallouts bei Makler-vs.-Makler-Käufen wurden in der Regel mit Geld zugedeckt.

 

Alles zum Ausstieg der Familie Helmsauer aus der Helmsauer Gruppe: