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3. Februar 2026
Helmsauer-Rückzug: Stresstest für Konsolidierer?
Helmsauer-Rückzug: Ein Stresstest für Konsolidierer?

Helmsauer-Rückzug: Stresstest für Konsolidierer?

Kurz vor Weihnachten verabschiedete sich Bernd Helmsauer aus der Geschäftsführung der Helmsauer Gruppe. Der Grund: ein „strategischer Dissens“ mit dem Investor, Nordic Capital. Helmsauer ist ein Mann mit Namen im Maklermarkt. Was für ein Licht wirft das auf Investoren, auf Konsolidierer – und wie sehen diese eine derartige Entwicklung?

Kurz vor Weihnachten 2025 hat’s gekracht – und zwar in einer C-Suite im mittelfränkischen Nürnberg. Denn da ist Bernd Helmsauer aus der Geschäftsführung der Helmsauer Gruppe ausgestiegen. Bereits in den 60er-Jahren wurde das Unternehmen gegründet und machte sich seitdem als inhabergeführtes Maklerhaus in der Branche einen Namen.

2023 verschwommen die Grenzen ein wenig – denn da stieg der schwedische Private-Equity-Investor Nordic Capital mit einer Mehrheitsbeteiligung ins Unternehmen ein – und seit Ende 2025 geht man nun getrennte Wege. Ergänzend: Bernd Helmsauer ist nicht komplett aus dem Unternehmen ausgeschieden, sondern lediglich aus der Geschäftsführung. Er ist als Gesellschafter weiterhin beteiligt und verantwortet außerdem diverse der Gruppe zugehörige Gesellschaften, die nicht Teil des Versicherungsmaklergeschäfts sind.

Der Sündenbock?

Selbstverständlich weiß man nicht, was hinter den Kulissen passiert, doch Bernd Helmsauer selbst erklärte im AssCompact Interview Anfang des Jahres 2026, warum er sich eigentlich aus der Geschäftsführung zurückzog: Das Stichwort lautete „strategischer Dissens“. Man war sich uneins, wie sich eine Maklergruppe nachhaltig entwickeln lässt. Helmsauers Aufgaben hat nun Dr. Sven Tischendorf übernommen. Um beide Perspektiven abzubilden, hat AssCompact auch ein Interview mit Dr. Tischendorf angefragt. Diese Anfrage blieb allerdings unbeantwortet.

Wer eine Stellungnahme zur Verfügung gestellt hat, war der Investor, Nordic Capital, selbst. Zwar wollte man auf Interna nicht weiter eingehen und bedankte sich lediglich bei Bernd Helmsauer für seinen Beitrag zum Unternehmen. Spannend könnte es jedoch aus rechtlicher Sicht werden, denn Bernd Helmsauers Söhne, Steffen und Bastian, gründeten zum Jahresbeginn den Helmsauer Verbund – also ein Unternehmen mit nahezu dem gleichen Namen. Nordic Capital verkündete hier auf Nachfrage: „Helmsauer Group has been informed of plans by former employees and is carefully reviewing all legal options to protect its brand from confusingly similar imitations and against violations of competition law.”

Übersetzt also: Man prüfe derzeit alle rechtlichen Möglichkeiten, um seine Marke vor irreführend ähnlichen Imitationen und Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht zu schützen – was durchaus suggeriert, dass man mit dem Namen “Helmsauer Verbund” im Sinne des Markenrechts “not amused” ist.

Ein Imageproblem?

Fast noch wichtiger als die Faktenlage, woran es denn eigentlich lag, ist aber doch die Außenwirkung. Da sitzt im beschaulichen Nürnberg ein inhabergeführtes Maklerhaus, vor über 60 Jahren gegründet. 2023 steigt ein Investor ins Unternehmen ein – rückblickend so etwas wie der erste kleine Dominostein – und keine drei Jahre später verlässt jener Inhaber, dessen Nachname bis heute das Firmengebäude schmückt, die Geschäftsführung, weil er sich mit dem Investor nicht einig war, und darf aufgrund des Wettbewerbsverbots nicht bei Maklergeschäften mitwirken.

Welches Licht wirft das auf in der Maklerbranche aktive PE-Investoren, auf Konsolidierer? Auf die, die Kapital in kleinere Maklerunternehmen investieren, weil diese beispielsweise auf der Suche nach Bestands- und Nachfolgesicherung sind? Wie sehen diese Unternehmen eine derartige Entwicklung?

AssCompact hat bei mehreren Unternehmen angeklopft und um deren Einschätzung gebeten. Die Ausbeute ist, wohl aufgrund der heiklen Sachlage, gemischt. Zur "Causa Helmsauer" hielten sich allesamt bedeckt, der Vorgang wollte nicht kommentiert werden. Gänzlich nicht auf Nachfrage geäußert haben sich der niederländische Konsolidierer Yellow Hive sowie die ATTIKON Finanz AG in Düsseldorf.

Was sagen die Konsolidierer?

Zwei Unternehmen jedoch gaben ihre Einschätzung zur Lage ab. Zum einen lieferte Ralph Rockel, Vorstandssprecher von MRH Trowe, folgendes Statement: „Den Vorgang als solchen können wir nicht kommentieren. Ich möchte aber richtigstellen, dass MRH Trowe sich nicht als ‚Konsolidierer‘ versteht. Unser Ziel ist nicht die Ansammlung von Größe, sondern die Entwicklung von Mehrwert für unsere Kunden durch die Breite und Kompetenz unseres Angebots sowie die regionale Abdeckung des Services für eine ganzheitliche Unterstützung in den Themen Insurance, Benefits und Finance. Nach meinem Eindruck schien das auch die Einschätzung von Bernd Helmsauer zu sein, nämlich dass die Integration von Leistungen Vorrang vor reinen Wachstumsambitionen hat.“

Ein weiteres Statement erreichte AssCompact von Moritz Rutt, CEO der GGW Group: „Zu dem Fall Helmsauer kann ich mich nicht konkret äußern. Für die Branche hoffe ich, dass Investoren und Unternehmer, bzw. Geschäftsführer von Maklergruppen und einzelnen Maklerunternehmen, ihn nutzen, um daraus zu lernen. Welche Fragen und Leitplanken müssen vor einer Partnerschaft geklärt sein? Wie geht man miteinander um, wenn die tatsächliche Entwicklung vom Plan abweicht? Wie geht man gemeinsam Veränderung an? In dieser Phase kann sich die Stärke eines Teams zeigen. Eine Trennung ist im Ergebnis für viele (Kunden, Mitarbeiter, Versicherer und Eigentümer) häufig eine suboptimale Lösung, die viel Energie kostet.“

Spannende Äußerungen. Bei Rutts Statement klingt durch, dass der Investor mit dem Investee zufrieden sein muss – aber eben genauso umgekehrt. Er erhofft sich also, dass die Branche eine solche Entwicklung als Learning mitnimmt, die Verständnis dafür schafft, worauf es bei einer derartigen Geschäftsbeziehung ankommt und wie man reagiert, sollte es nicht nach Plan laufen.

Auch Rockels Aussage liest sich interessant. Sie impliziert, dass MRH Trowe und Helmsauer ganz ähnliche Ansichten vertreten, nämlich, dass der reine Wachstumsgedanke sich nicht selbst bedingt, sondern nachhaltig erst durch Mehrwert für den Kunden und gute Unterstützung generiert wird. Und nicht weniger spannend: seine Distanzierung zum Begriff “Konsolidierer”. Manche Unternehmen gehen offen mit dieser Bezeichnung um und kommunizieren auch nach außen, dass sie Wachstum durch Aufkäufe hervorrufen wollen. Rockel allerdings sieht die Sache anders und betrachtet sein Unternehmen somit nicht in der rein kapitalistischen Position, dass sich mit viel Geld gleich Wachstum generieren lässt. Interessant und aussagekräftig also, dass in den Augen mancher der Begriff “Konsolidierer” eher negativ besetzt zu sein scheint und man sich dementsprechend damit auch nicht identifiziert.

Was kommt?

Es herrscht Bewegung im Makler- und im Konsolidierungsmarkt – Bewegung, die Wellen schlägt. Vor allem wird es aber spannend bleiben, was der weitere Fallout aus Helmsauers Ausstieg sein wird. Stehen wirklich rechtliche Schritte angesichts des fast gleichnamigen Helmsauer Verbunds an? Werden Konsolidierer es in Zukunft schwerer haben, Käufe zu tätigen, weil Makler es sich zweimal überlegen, von wem sie Kapital annehmen? Steht der Konsolidierungsmarkt somit vor seinem ersten großen Stresstest?

Der Blick in die Glaskugel wird mit der Zeit (hoffentlich) klarer werden. (mki)