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17. Mai 2026
Kfz-Versicherung: Makler kritisieren Preisnachlässe für Neukunden
Kfz-Versicherung: Makler kritisieren Preisnachlässe für Neukunden

Kfz-Versicherung: Makler kritisieren Preisnachlässe für Neukunden

In der Kfz-Versicherung profitieren Neukunden häufig von Rabatten, während Bestandskunden vielerorts tiefer in die Tasche greifen müssen. Verbraucherschützer und auch die Bafin stehen dieser Praxis kritisch gegenüber. Doch was halten Versicherungsmakler davon?

Kfz-Versicherer locken Neukunden häufig mit deutlich günstigeren Einstiegstarifen. Bestandskunden hingegen zahlen im Vergleich dazu oft spürbar mehr. Wer seinem Versicherer also über Jahre hinweg treu bleibt, wird preislich nicht selten schlechter gestellt. Die Differenz kann nach Marktbeobachtungen bei 5 bis 20% liegen, vereinzelt werden sogar bis zu 30% genannt. Und dass ihre Kfz-Versicherungsverträge teurer werden, haben Bestandskunden in den vergangenen Jahren deutlich zu spüren bekommen.

Vor dem Hintergrund einer ohnehin hohen Wechselbereitschaft in der Kfz-Versicherung hat diese Praxis spürbare Folgen. Bestandskunden werden schnell zu Neukunden bei einem anderen Anbieter. Aus Sicht der Versicherungsmakler handelt es sich dabei häufig um reine Umdeckungen, die jährlich wiederkehren und den Markt zusätzlich in Bewegung halten.

Makler-Kritik: Marktverzerrung und Mehrbelastung im Vertrieb

Wie Makler diese Entwicklung bewerten, zeigt die AssCompact AWARD-Studie „Kfz- & Flottenversicherung 2026“ deutlich: Die überwiegende Mehrheit steht den Neukundenrabatten kritisch bis ablehnend gegenüber. Immer wieder fällt in den Aussagen der Befragten auf, dass die Preisgestaltung als unfair und kaum nachvollziehbar empfunden wird.

Viele Makler kritisieren grundsätzlich, dass treue und oft schadenfreie Bestandskunden schlechter gestellt werden als Neukunden. Diese Praxis sei „nicht richtig“. Einige Befragte sprechen von einer „Unart des Marktes“, die dazu führe, dass besonders preisaffine Versicherungsnehmer nahezu jährlich den Anbieter wechseln. Das sei weder für Versicherer noch für Vermittler wirtschaftlich sinnvoll. Kurios wird es aus Maklersicht insbesondere dann, wenn ein Fahrzeugwechsel innerhalb eines bestehenden Vertrags teurer ist als die Vermittlung eines identischen Fahrzeugs als Neukunde beim selben Versicherer.

Mehrere Makler beschreiben die Situation als „Hamsterrad“ und sprechen von „unnötiger Mehrarbeit“, die durch diese Tarifpolitik zusätzlich entstehe. Die Vielzahl an Umdeckungen binde Zeit und Ressourcen. Kurz gesagt: Würden Bestandskunden stärker von günstigeren Konditionen profitieren als Neukunden, würde dies aus Sicht der Makler zu mehr Kundenzufriedenheit und einer höheren Bindung führen und damit auch den administrativen Aufwand reduzieren.

Gleichzeitig geht es aber eben auch um das Tagesgeschäft. Wenn Kunden aktiv nach günstigeren Alternativen fragen, oder ein Wechsel aus Maklersicht sinnvoll erscheint, wird dieser begleitet und umgesetzt. In diesem Zusammenhang berichten einige Makler, dass die Tarifunterschiede sogar ein willkommener Anlass sein können, häufiger in den Kontakt mit den Kunden zu treten.

Verbraucherschützer und Bafin alarmiert

Verbraucherschützer sehen in der Ungleichbehandlung von Neu- und Bestandskunden ein flächendeckendes Problem im Kfz-Versicherungsmarkt. Immer wieder weisen sie darauf hin, dass langjährige Versicherte im Vergleich zu Neukunden häufig schlechtere Konditionen erhalten, und raten daher regelmäßig zu Tarifvergleichen. Aus Sicht der Versicherungswirtschaft lässt sich diese Entwicklung vor allem durch den intensiven Preiswettbewerb in der Kfz-Versicherung erklären. Neukundentarife liegen dabei nicht selten bewusst unter den Prämien bestehender Verträge, um Marktanteile zu gewinnen und wechselbereite Kunden anzusprechen.

Mittlerweile haben die ausgeprägten Preisnachlässe jedoch auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf den Plan gerufen, die die Entwicklungen im Markt und mögliche Auswirkungen auf die Tarif- und Wettbewerbsgerechtigkeit verstärkt im Blick hat. Im Rahmen der Wohlverhaltensaufsicht soll sichergestellt werden, dass Versicherer ein faires und nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Einerseits will sie sich wiederholte Prämienerhöhungen ansehen, die ihre Ursache weder in Änderungen des versicherten Risikos noch bei den Kosten des Versicherers haben, andererseits Preisnachlässe für Neukunden, die aus ihrer Sicht oftmals wenig transparent sind.

Was bringt die Wechselsaison 2026?

Für die Wechselsaison 2026 in der Kfz-Versicherung gehen Branchenprognosen weiterhin von steigenden, allerdings etwas moderateren Prämien aus als in den Vorjahren. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb im Markt wohl intensiv, sodass verschiedene Anbieter wieder gezielt mit Neukundentarifen werben, um Marktanteile zu sichern. Dadurch bleibt die Spreizung zwischen Neu- und Bestandskundenpreisen wohl bestehen. (bh)

Informationen zur Studie

Die Online-Befragung zur Studie „AssCompact AWARD – Private Kfz- & Flottenversicherung 2026“ wurde vom 03.02.2026 bis 15.02.2026 durchgeführt. Nach einer Qualitätsprüfung flossen die Stimmen von 275 Vermittlerinnen und Vermittlern aus der Finanz- und Versicherungsbranche in die Stichprobe ein, die ein sehr gutes Abbild der Assekuranz- und Finanzvermittlerinnen und -vermittler hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsstruktur darstellt. Die Studie kann zum Einzelpreis von 2.500 Euro zzgl. MwSt. erworben werden. Weitere Informationen, u. a. zum Ansprechpartner, entnehmen Sie dem Studienflyer.