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3. September 2021
Klaus Math: Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor

Klaus Math: Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor

In dieser Folge des Digital Insurance Podcast spricht Digital-Experte Jonas Piela mit Dr. Klaus Math, Vorstand bei der LV 1871 über die Relevanz der Kernnutzenstiftung und warum die Digitalisierung nicht von entscheidender Bedeutung für einen Lebensversicherer ist.

Die LV 1871 ist ein mittelständischer Lebensversicherer mit 850 Mio. Euro Beitragseinnahmen und spezialisiert auf Berufsunfähigkeitsversicherung und private Altersvorsorge. Gerade in der Lebensversicherung, wo wenige Transaktionen stattfinden, sind digitale Prozesse laut Dr. Klaus Math zweitrangig. Stattdessen fokussiere man sich auf die Kernnutzenstiftung des Unternehmens. In diesem Versicherungsbereich spiele die Digitalisierung von Prozessen und Abläufen ohnehin nur eine geringfügige Rolle dabei, sich einen Wettbewerbsvorteil am Markt zu erringen, erzählt er weiter.

Klaus Math sieht die digitale Transformation eher als Notwendigkeit an, denn als große Profitchance. Mithalten sei die Devise, doch digitale Vorreiter seien andere. Für die LV 1871 ginge es stattdessen um Themen, wie die Finanzstärke des Unternehmens, Produktservice und einen günstigen Versicherungsschutz.

Einen wichtigen Schritt hin zur Stabilität des Unternehmens sieht Klaus Math in der Unabhängigkeit von Kapitalmarktschwankungen. Zu diesem Entschluss sei die LV 1871 Anfang der 2000er Jahre gekommen. Die anhaltenden Verwerfungen am Markt, Finanzkrisen und der Rückgang der Zinsen haben den Eindruck verfestigt, dass diese Entwicklungen keine einmaligen Vorkommnisse seien, sondern von Dauer sein könnten. So habe man den eigenen Bestand an biometrischen Versicherungen in diesem Zeitraum aufgestockt und liege hier bis heute über dem Marktdurchschnitt. Von dem hohen Druck die höchste Überschussbeteiligung erzielen zu müssen, hat man sich zugunsten der Kernnutzenstiftung befreit, meint Math.

Wichtig sei auch der frühe Einsatz von Daten gewesen, wenn es um die Analyse der Geschäftspartnerbeziehungen geht. Hier werde mit eigens programmierter Software gearbeitet, um Daten bis auf die Mikroebene hin gewinnen und einsetzen zu können: Wie hoch ist das Storno-Risiko eines Vertrags? Kann der Break-Even Point der Lebensversicherung noch erreicht werden? Ist der aktuelle Geschäftsjahrgang profitabel? Dieses Vorgehen sei notwendig, um den langfristigen Erfolg des Geschäfts gewährleisten zu können. „Heute würde man es Data Science nennen“ sagt Math. Ziemlich einzigartig sei damals auch die aus den Daten gezogenen Erkenntnisse in die Vertriebssteuerung gewesen. Ist eine Geschäftsbeziehung nicht ausreichend profitabel, habe das Konsequenzen – bis zum Abbruch der Verbindung. Auch das könne man als eine Form der Digitalisierung bezeichnen, meint Klaus Math. Die Verknüpfung von IT-Ressourcen, Daten und dem Willen die nötigen Entscheidungen auf politischer Ebene durchzusetzen sei von zentraler Bedeutung.

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter https://pielaco.com/podcast und https://dkm365.de/.