19 Maklertransaktionen hat die Beratungsgesellschaft MarshBerry im zweiten Quartal in der DACH-Region beobachtet. Im ersten Quartal waren es noch 24 gewesen. Somit war der M&A-Markt in der Versicherungsvermittlung in der DACH-Region auch im zweiten Quartal 2026 in Bewegung. Laut MarshBerry setzten etablierte Konsolidierer ihre Akquisitionsstrategien fort. Neue Plattformen und strategische Käufer wiederum verschärften den Wettbewerb um attraktive Unternehmen noch zusätzlich. Und MarshBerry bemerkt zudem, dass die Konsolidierung längst über den klassischen Versicherungsmaklermarkt hinausreiche. So zeigt die reine Zahl der Transaktionen auch kein vollständiges Bild der Marktentwicklung. Entscheidender sei, wie sich das Käuferspektrum weiterentwickele, heißt es von der Beratungsgesellschaft.
Ein großer Teil der Akquisitionsaktivität kommt weiterhin von besonders aktiven Konsolidierern. Zugleich treten aber neue Plattformen in den Markt ein und strategische Käufer versuchen gezielt, ihre Position in der Versicherungsvermittlung auszubauen. Darüber hinaus gehen auch etablierte Käufer bei ihren Akquisitionen selektiver vor. Das heißt, neben reiner Größe zählen spezialisierte Expertise, starke Kundenbeziehungen, eine starke regionale Marktposition und der Zugang zu attraktiven Bereichen der Wertschöpfungskette stärker.
Als wichtigen Faktor im zweiten Quartal nennt MarshBerry den Markteintritt neuer Konsolidierungsplattformen. Er zeige, dass Investoren im weiterhin stark fragmentierten deutschen Versicherungsvermittlungsmarkt erhebliches Konsolidierungspotenzial sehen.
Inflexion und MoIn Group
So hat sich beispielsweise der Private-Equity-Investor Inflexion an Mittelstands-Assekuranz-Partner (MAP) beteiligt, einer neuen Versicherungsmaklerplattform mit Sitz in München. Der erste Anschluss ist bereits über die Bühne gegangen. Ein anderer neuer Player am Konsolidierungsmarkt ist die MoIn Group. Warburg Pincus ist hier Investor, erste Übernahmen fanden ebenfalls schon statt.
MarshBerry wertet den Markteintritt von MAP und MoIn als wichtiges Signal und folgert: „Der zunehmende Wettbewerb im deutschen Markt schreckt neues Kapital nicht ab.“ Investoren sehen im Gegenteil weiterhin die Möglichkeit, neue, differenzierte Plattformen aufzubauen. MarshBerry glaubt, für neue Marktteilnehmer werde es nicht ausreichen, sich allein über attraktive Bewertungen zu differenzieren. Entscheidend werden auch das Leistungsversprechen, das Betriebsmodell und die Fähigkeit, Unternehmern eine attraktive langfristige Perspektive für ihr Unternehmen zu bieten, so die Einschätzung.
Konsolidierer mit aktiven Buy-and-Build-Strategien
Was etablierte Konsolidierer mit aktiven Buy-and-Build-Strategien angeht, schloss Leading Brokers United der GGW Group drei Übernahmen ab., darunter u. a. das Maklerhaus Billerbeck. Bei blau direkt und Tjara kam es zu vier Maklertransaktionen, u. a. das Berliner Maklerhaus M&W Finanzoptimierung GmbH. Für ATTIKON werden zusammen mit den Aktivitäten im ersten Quartal im ersten Halbjahr 2026 neun Akquisitionen im DACH-Markt gezählt. Dazu gehört in Deutschland z. B. Wirth Assekuranzmakler. Bei Aventus wird die Akquisitionsstrategie etwa mit einer Mehrheitsbeteiligung an Corporate Pension Partner (CPP) fortgeführt. Die GLOBAL GRUPPE als weitere etablierte Plattform hat ACCURA übernommen. Außerdem hat die Gruppe eine bedeutende Refinanzierung abgeschlossen.
Gezielter Plattformaufbau
Die Refinanzierung verdeutlicht MarshBerry zufolge, wie weit der Konsolidierungszyklus inzwischen fortgeschritten ist. Akquisitionskapazität entstehe nicht mehr nur durch den Einstieg neuen Private-Equity-Kapitals. Größere etablierte Plattformen können mehr und mehr auf umfangreiche Private-Credit-Finanzierungen zurückgreifen, um ihre Kapitalstruktur neu aufzustellen und längerfristige Buy-and-Build-Strategien fortzusetzen. Mit zunehmender Größe der Plattformen dürften Finanzierungs- und Eigentümerfragen daher neben klassischen Maklertransaktionen eine immer wichtigere Rolle im DACH-M&A-Markt spielen, teilt MarshBerry mit.
In ihrer Gesamtheit zeigen die Akquisitionen einen zunehmend gezielten Plattformaufbau, meint die Beratungsgesellschaft. Führende Käufer nutzen M&A also nicht mehr allein für weiteres anorganisches Wachstum, sondern auch gezielt, um ihre regionale Marktposition zu stärken, spezialisierte Kompetenzen auszubauen und attraktive Kundensegmente zu erschließen.
Weitere bedeutende Transaktionen
Als weiteren wichtigen Bestandteil des Marktbildes für Q2 bezeichnet MarshBerry die angekündigte Übernahme der TELIS Group durch Swiss Life. Denn durch solche Transaktionen wird deutlich, dass sich das Interesse an der Versicherungsvermittlung längst nicht mehr auf klassische Maklerkonsolidierer und Private-Equity-gestützte Plattformen beschränke. (Da die Transaktion im Mai angekündigt wurde, zählt MarshBerry sie für Q2.)
Was das für Verkäufer bedeutet
Für Gesellschafter von Maklerunternehmen sei dieses breitere Käuferspektrum von erheblicher Bedeutung. Zu den potenziellen Erwerbern zählen heute nationale Konsolidierer, neue Private-Equity-gestützte Plattformen, internationale Maklergruppen, Versicherer und breiter aufgestellte Finanzdienstleister. Diese Käufergruppen verfolgen unterschiedliche strategische Ziele und können demselben Unternehmen daher auch einen unterschiedlichen Wert beimessen. Für die Bewertung, so MarshBerry, könne ein wesentlicher Hebel darin liegen, zu verstehen, für welchen Käufer das eigene Unternehmen den größten strategischen Wert besitze.
Konsolidierung erfasst das gesamte Versicherungsökosystem
Des Weiteren geht MarshBerry noch auf den Zusammenschluss von germanBroker.net und CHARTA Börse für Versicherungen sowie die Beteiligung der VEMA an BCA ein. MarshBerry ordnet dies wie folgt ein: „Zusammen mit weiteren Aktivitäten bei Dienstleistern und Versicherern im Laufe des Quartals zeigen diese Transaktionen, dass die Konsolidierung zunehmend das gesamte Versicherungsökosystem erfasst. Eigentümerstrukturen, Kooperationen und Serviceplattformmodelle entwickeln sich parallel zur klassischen Konsolidierung im Maklermarkt weiter, da Marktteilnehmer nach Skaleneffekten in Technologie und Infrastruktur sowie einem besseren Marktzugang suchen.“
Die Frage, die sich Makler stellen sollten
Für unabhängige Versicherungsmakler gehe es nicht mehr nur um die Entscheidung zwischen Unabhängigkeit und Verkauf. Zunehmend stelle sich die Frage, welche Plattform, welches Netzwerk oder welches Ökosystem langfristig die stärkste strategische Position biete.
Nächste Phase der DACH-Konsolidierung
Für MarshBerry weist alles darauf hin, dass die nächste Phase der DACH-Konsolidierung Gestalt annimmt. Aktivität ist weiterhin da und das Käuferspektrum wird breiter. Der entscheidende Punkt sei aktuell, dass sich die Zusammensetzung des Marktes verändert. Das Ergebnis ist laut dem Unternehmen ein Markt mit mehr Kapital, einer größeren Vielfalt an Käufermodellen und einem zunehmend intensiven Wettbewerb um attraktive Unternehmen. Für Verkäufer eröffne dies Chancen. Für Käufer werde der reine Zugang zu Kapital in Zukunft nicht ausreichen. In der nächsten Phase der DACH-Konsolidierung werde es darum gehen, die stärksten Plattformen aufzubauen und zu den Organisationen zu gehören, denen sich die besten Makler anschließen wollen, schließt MarshBerry. (lg)
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