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Kostenfalle: Beschäftigung von Mitarbeitern auf 450-Euro-Basis
03. Juli 2020

Kostenfalle: Beschäftigung von Mitarbeitern auf 450-Euro-Basis

Beschäftigungsverhältnisse zu Versicherungsmaklern erfolgen häufig in Teilzeit oder auf geringfügiger Basis bis 450 Euro. In den meisten Fällen gibt es keine konkreten Vorgaben zur Arbeitszeit oder die Einteilung der Arbeitszeit erfolgt flexibel. Das kann jedoch ein Kostenrisiko sein, erklärt Fachanwältin Stephanie Has.

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Beschäftigungsverhältnisse zu Versicherungsmaklern erfolgen häufig in Teilzeit oder auf geringfügiger Basis bis 450 Euro. In den meisten Fällen gibt es keine konkreten Vorgaben zur Arbeitszeit oder die Einteilung der Arbeitszeit erfolgt flexibel. Das kann jedoch ein Kostenrisiko sein, erklärt Fachanwältin Stephanie Has.


Kostenfalle: Beschäftigung von Mitarbeitern auf 450-Euro-Basis

Der Änderung des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) zum 01.01.2019 wurde trotz weitreichender wirtschaftlicher Folgen für den Versicherungsmakler als Arbeitgeber nur wenig Beachtung geschenkt.

Sollstundensatz muss vereinbart werden

Hierbei geht es um die Frage, ob für sämtliche Geringverdiener oder auch sonstige Teilzeitkräfte ein wöchentlicher oder monatlicher Sollstundensatz schriftlich vereinbart werden muss, damit die gesetzliche Grundlage des § 12 Abs. 1 TzBfG eingehalten wird. Fehlt eine entsprechende Vereinbarung im Hinblick auf die wöchentliche Arbeitszeit, so geht das Gesetz vorliegend von einer vereinbarten Arbeitszeit von 20 Stunden in der Woche aus.

Mindestlohn und Geringfügigkeitsgrenze

Problematisch wird die Regelung für den Versicherungsmakler dann, wenn ein geringfügig Beschäftigter auch im Hinblick auf den Mindestlohn von aktuell 9,35 Euro in der Stunde tatsächlich einen Anspruch auf eine Vergütung in Höhe von 20 Stunden wöchentlich hat. Die Folge wäre in diesem Fall, dass er nicht mehr unter die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro fällt und entsprechend die Lohnsteuer sowie Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen sind.

Abrufarbeitsverhältnis

Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass es sich tatsächlich um ein Abrufarbeitsverhältnis handelt. So heißt es in § 12 Abs. 1 TzBfG:

(1) Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat (Arbeit auf Abruf). Die Vereinbarung muss eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeitszeit festlegen. Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart. Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinanderfolgende Stunden in Anspruch zu nehmen.

Arbeitgeber legt Arbeitszeit einseitig fest

Ein Abrufarbeitsverhältnis im Sinne des § 12 TzBfG liegt vor, wenn die Lage der im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeit von der Konkretisierung seitens des Arbeitgebers durch Abruf der Arbeitsleistung abhängt und der Arbeitnehmer aufgrund des Abrufs zur Leistung dieser Arbeit verpflichtet ist. Werden im Teilzeitarbeitsverhältnis die Dauer und/oder Lage der Arbeitszeit einseitig durch den Arbeitgeber festgelegt, findet § 12 Anwendung.

Beidseitige Vereinbarung schließt Abrufarbeitsverhältnis aus

Ein Arbeitsverhältnis auf Abruf liegt dann vor, wenn der Mitarbeiter seine Arbeitsleistung somit nach Aufforderung durch den Versicherungsmakler entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat. So hat jedoch bereits das LAG Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 10.04.2011, Az. 5 Sa 637/10, entschieden, dass Arbeit auf Abruf nicht vorliegt, wenn die Arbeitsleistung nicht auf Aufforderung des Arbeitgebers hin zu erbringen ist, sondern der Arbeitseinsatz nur nach beidseitiger Vereinbarung stattfinden soll. Dies ist beispielsweise bei freiwilliger Eintragung in den Dienstplan der Fall.

Seite 1 Kostenfalle: Beschäftigung von Mitarbeitern auf 450-Euro-Basis

Seite 2 Arbeitgeber muss Stundenkontingent einseitig abrufen können




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