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24. Juni 2026
Leben: Assekurata prophezeit steigenden Wettbewerb um Vorsorgegelder
Leben: Assekurata prophezeit steigenden Wettbewerb um Vorsorgegelder

Leben: Assekurata prophezeit steigenden Wettbewerb um Vorsorgegelder

Die deutschen Lebensversicherer haben sich 2025 finanziell gefestigter gezeigt. Gleichzeitig prophezeit Assekurata, dass der Branche ein „Neuvermessen des Geschäftsmodells“ bevorsteht. Angesichts der Reform der privaten geförderten Altersvorsorge müssen Anbieter ihre Stärken gegenüber branchenfremden Wettbewerbern verständlicher und flexibler vermitteln.

Die Lage bei den deutschen Lebensversicherern ist entspannter als noch in den Vorjahren. „Insgesamt haben die Lebensversicherer wieder mehr finanzielle Bewegungsfreiheit“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.

Das Analysehaus verweist in seinem Marktausblick zur Lebensversicherung 2026 auf einige Entwicklungen, die zu einer „soliden Ausgangslage“ für die Branche führen: So stärken beispielsweise höhere Zinsen die Neuanlagerenditen und entlasten die Finanzierung der Garantien. Zudem ist der branchenweite Bestand in der Zinszusatzreserve (ZZR) der Lebensversicherer nach Berechnungen der Assekurata Ende 2025 erstmals wieder unter 80 Mrd. Euro gesunken – merklich unter dem historischen Höchststand von 96 Mrd. Euro aus dem Jahr 2021. Die durchschnittliche Solvenzquote lag Ende 2025 bei 380% – und übertraf damit das Vorjahresniveau von 298% deutlich.

Verwaltungskosten angestiegen

Auf der anderen Seite sind die Verwaltungsstückkosten angestiegen – aktuell kostet die Verwaltung einer Lebensversicherung aktuell 27 Euro pro Vertrag. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es rund 25 Euro, vor 15 Jahren weniger als 23 Euro. Gleichzeitig sank der Bestand an Lebensversicherungsverträgen in den letzten 15 Jahren um rund 10 Millionen auf zuletzt etwa 79 Millionen. Zwar geht die klassische Verwaltungskostenquote (in Prozent der Bruttobeiträge) langfristig eher zurück, die auf laufende Beiträge bezogene Quote stagniert oder steigt allerdings leicht – vor allem, weil das Neugeschäft 2025 durch Einmalbeiträge (+17%) wuchs, während die laufenden Beiträge nahezu unverändert blieben.

AV-Reform erhöht Wettbewerbsdruck

„Die verbesserte Ertragslage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Geschäftsmodelle auf der Kostenseite strukturell angespannt sind“, erklärt Heerman. Dieser Aspekt dürfte ab 2027 laut Einschätzung der Assekurata weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere angesichts der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Grund dafür ist, dass geförderte Vorsorgelösungen dann stärker über Kosten, Transparenz und digitale Abschlussfähigkeiten vergleichbar werden.

Assekurata erwartet, dass die Reform den Wettbewerbsdruck in der Branche erhöhen wird. Das neue Förderregime wird die Vergleichbarkeit mit Depot-, Fonds- und Plattformlösungen erhöhen und neben der Ansparphase auch die Rentenphase stärker in den Wettbewerb stellen. Künftig wird es neben einer lebenslangen Auszahlung auch die Option eines Auszahlplans geben.

Damit steigt der Druck auf die Versicherer, den Wert einer Leibrente verständlicher und flexibler zu vermitteln. „Die lebenslange Verrentung ist kein Relikt aus alten Zeiten, sondern ein Kernnutzen der Lebensversicherung“, so Heermann. Allerdings gerate sie stärker unter Erklärungsdruck und müsse im Kundengespräch plausibel erläutert werden.

„Value for money“ im Fokus

Nachverbesserungsbedarf sieht die Assekurata bei den Versicherern, wenn es um Kundenerwartungen an Kosten, Transparenz und digitale Bedienbarkeit geht. Hier haben laut den Analysten die Neobroker, Robo-Advisor und Fondsplattformen aktuell die Nase vorn. Kunden müssten transparent erkennen können, was sie für ihre Kosten als Gegenwert erhalten. Damit werde „Value for Money“ zunehmend zur Vertrauensfrage, so die Assekurata. Die Lebensversicherer sollten sich jedoch nicht als Gegenmodell zum Kapitalmarkt positionieren, sondern als „geeignete Alternative mit Beständigkeit, Risikoausgleich und bedarfsgerechten Ruhestandsschutz“.

Assekurata sieht staatliches Angebot kritisch

Das geplante staatliche Standardangebot sehen die Analysten kritisch: Ordnungspolitisch entstehe ein Spannungsfeld, wenn der Staat nicht nur die Förderregelungen setzt und den Markt reguliert, sondern zugleich mit einem eigenen Produkt als Anbieter fungiert. Um einen fairen Wettbewerb sicherzustellen, müssen für das Staatsprodukt die gleichen Anforderungen in den Bereichen Kapitalanlage, Kostentransparenz, Produkthaftung, Information und Wechselprozesse gelten wie bei privaten Anbietern. „Hier sind allerdings noch wesentliche konzeptionelle und operative Fragen offen, sodass wir derzeit nicht davon ausgehen, dass zu Jahresbeginn 2027 bereits ein staatliches Angebot verfügbar sein wird“, kommentiert Heermann.

Wechselimpulse von Kunden im Auge behalten

Die Analysten erwarten, dass die meisten Lebensversicherer bereits früh im neuen Jahr Produkte für die neue geförderte Altersvorsorge auf den Markt bringen werden; die Ausgestaltung werde sich allerdings von Anbieter zu Anbieter unterscheiden. Ein Vorteil bei den Versicherern gegenüber branchenfremden Mitbewerbern liege in den Erfahrungen, die man in der Riester-Welt gesammelt haben. Zugleich müssten sie Wechselimpulse von Kunden mit bestehenden Riester-Verträgen im Blick behalten, da hohe Abflüsse nicht nur die eigene Bestandsfestigkeit belasten können, sondern auch hohe Anforderungen an die Liquiditätssteuerung in der Kapitalanlage stellen.

Die solide finanzielle Lage bedeute keinen Automatismus für neues Wachstum, resümieren die Analysten. „Die Branche muss jetzt beweisen, dass sie ihre Stärken in eine einfachere, transparentere und kapitalmarktnähere Vorsorgelogik übertragen kann“, so Heermann. (js)

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