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28. Juli 2021
Lehren aus Corona: Cyberpandemien absichern

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Lehren aus Corona: Cyberpandemien absichern

3. Überraschungen vermeiden

Wer vorbereitet ist, den kann auch in einem Extremfall so schnell nichts überraschen. In der Rückschau ist festzustellen, dass die Versicherungswirtschaft nicht optimal auf eine Pandemie vorbereitet war.

Daher müssen Bedingungen und Leistungen klar formuliert sein, damit im Schadenfall ein gleiches Verständnis hinsichtlich der Deckung vorliegt. Das bedeutet nicht, dass Versicherer möglichst viele Fälle von der Versicherung ausschließen sollten – dabei hat der Markt zuletzt überreagiert. Stattdessen muss ein Anbieter partnerschaftlich mit seinen Kunden zusammenarbeiten und genau die Risiken absichern, die sie real betreffen.

Wenn die Branche die Bedingungen dafür nicht klar definiert, wird mit „Silent Cyber“-Schäden zu rechnen sein. Das sind Schäden, die in der Police nicht ausdrücklich benannt sind, die aber mit der Cyberattacke zusammenhängen. Denn die können häufig ungeahnte Auswirkungen haben – wenn sie zum Beispiel ein Krankenhaus betreffen und lebenswichtige Geräte ausfallen. Über solche Fälle darf es in Zukunft keine Unklarheiten mehr geben. Dazu gehört auch, dass in der heutigen Zeit die Arbeit im Home-Office explizit mitversichert sein muss.

4. Prävention und Risiko­management müssen zum Standard werden

Immer wieder hört man den Satz „Cyber ist die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts“. Wenn dies stimmt, heißt es von Bewährtem lernen. Während in der Feuerversicherung regelmäßig der Brandschutz besichtigt und diskutiert wird, belassen es die Versicherer beim Thema IT-Sicherheit häufig bei einem Fragebogen. Dabei ist die Entwicklung in der IT-Sicherheit deutlich dynamischer als beim Thema Brandschutz.

Im gegenseitigen Interesse müssen Prävention und Risikomanagement viel stärker in den Fokus gerückt werden. Fragebögen sollten durch regelmäßige IT-Audits ersetzt werden – hier müssen die Versicherer in ihre eigenen Fähigkeiten investieren. Denn am Ende ist der wirksamste Schutz vor einer Pandemie immer noch, dass Viren am „IT-Immunsystem“ der Unternehmen abprallen und so die Verbreitung zum Stoppen kommt.

Was ist noch versicherbar?

Die Corona-Zeiten haben es gezeigt: In einer Pandemie können Versicherer an ihre Grenzen stoßen. Das Kollektiv kann die Schäden nicht mehr ausgleichen, weil die Mehrheit aller Kunden von einem Schadenfall betroffen ist. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Cyberattacken in den kommenden Jahren weiter stark zunehmen wird. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, muss darüber diskutiert werden, ob die Risiken überhaupt noch ver­sicherbar sind. Im Jahr 2020 hat die Branche laut GDV-Angaben 160 Mio. Euro an Prämien im Cyberbereich eingenommen. Ein möglicher Kumul-Schaden ist mindestens 20 Mal so hoch, möglicherweise sogar 50 Mal so hoch. Das ist heute noch nicht bedrohlich für die Branche – kann es aber zukünftig werden.

Deshalb ist es so wichtig, aus der Corona-Pandemie auch Lehren für Cyberversicherungen zu ziehen. Versicherer müssen sich auf die Prävention und das Risikomanagement konzentrieren, um die Gefahren möglichst klein zu halten. Sie müssen Bedingungen präzisieren, um böse Überraschungen („Silent Cyber“) zu vermeiden. Gleichzeitig müssen die Schadenprozesse der Versicherungen professionalisiert werden. Die Branche muss ihren Kunden aber auch weiterhin eine Absicherung für relevante Cybergefahren bieten. Denn eine Cyberversicherung muss im Fall der Fälle vor der unsichtbaren Gefahr schützen und damit essenziell für Unternehmen bleiben.

Den Artikel lesen Sie auch in AssCompact 07/2021, Seite 36 f., und in unserem ePaper.

Bilder: © Dr. Christian Gründl; oz – stock.adobe.com

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Ein Artikel von
Dr. Christian Gründl