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29. Februar 2024
LV-Überschussbeteiligung stärker gestiegen als im Vorjahr
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LV-Überschussbeteiligung stärker gestiegen als im Vorjahr

Das erhöhte Zinsniveau am Kapitalmarkt wirkt sich positiv auf die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer hierzulande aus. Wie die neue Marktstudie der Rating-Agentur Assekurata zeigt, hat sich die laufende Verzinsung gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht.

Zum mittlerweile 22. Mal hat die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur die Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer beleuchtet. Im Rahmen der jährlichen Marktstudie wird untersucht, wie lebensversicherungsförmige Altersvorsorgeverträge aus den Bereichen Klassik, Neue Klassik, Indexpolicen und Fondspolicen aktuell verzinst werden und mit welchen Renditen die Kunden rechnen können. Wie im Vorjahr haben 43 Unternehmen an der Untersuchung teilgenommen, die zusammen nach Prämieneinnahmen einen Marktanteil von 68% haben.

Merklich höhere Deklarationen für 2024

Nach der Zinswende 2022 haben sich die Kapitalmarktzinsen 2023 auf einem hohen Niveau eingependelt – mit positiven Auswirkungen auf die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer. „Trotz der aktuell unsicheren Zinsperspektive sind die Deklarationen für 2024 spürbar gestiegen“, sagte Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, bei der Vorstellung des Marktberichts.

Höchste Verzinsung im Neugeschäft weiterhin bei 3%

Im Neugeschäft zahlen die Lebensversicherer für klassische private Rentenversicherungen im Schnitt eine laufende Verzinsung von 2,46%. Im Vorjahr lag der Wert bei 2,26%. Die höchste Verzinsung beträgt laut Assekurata nach wie vor 3,00%.

Doch auch den Bestandstarifen kommen die gestiegenen Kapitalmarktzinsen zugute. So haben 27 Unternehmen die laufende Verzinsung für einen Referenztarif der privaten Rentenversicherung mit Garantiezins 1,25% erhöht. Neun Versicherer haben die Verzinsung beibehalten. Gesenkt hat keine Gesellschaft. Die laufende Verzinsung dieser Tarifgeneration ist im Schnitt um 30 Basispunkte auf 2,42% gestiegen. Der höchste Einzelwert bewegt sich derzeit bei 3,25%.

Überschussbeteiligung marktweit stärker gestiegen

Werden alle klassischen Produktarten und Tarifgenerationen aus der Studie mit einbezogen, so hat sich die laufende Verzinsung von 2,61% für 2023 auf 2,77% für 2024 erhöht. „Marktweit steigt damit die Überschussbeteiligung gegenüber dem Vorjahr stärker an als im Vorjahr. Aus Kundensicht ist dies eine erfreuliche Entwicklung“, erklärte Will. Dabei würden größere Versicherer tendenziell etwas höhere Überschussbeteiligungen gewähren, was sich im größengewichteten Durchschnitt von 2,88% (Vorjahr: 2,73%) ausdrücke.

Deklarierte Gesamtverzinsung

Auch bei der deklarierten Gesamtverzinsung zeigt sich das gleiche Bild: Für den Mustervertrag einer privaten Rentenversicherung ist sie im Branchenschnitt auf 3,12% gegenüber 2,83% im Vorjahr angestiegen. „Im Gegensatz zu früheren Jahren kommt bei den meisten Anbietern zum Vertragsende allerdings keine weitere Beteiligung an den Bewertungsreserven mehr hinzu“, merkte Lars Heermann an, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Hier wirken sich die stillen Lasten der Zinsanlagen in den Büchern der Lebensversicherer unmittelbar aus, wodurch häufig keine zu verteilenden Bewertungsreserven mehr vorhanden sind“, so Heermann weiter.

Erhöhtes Zinsniveau zahlt sich auch bei Neuer Klassik aus

Die Analysten von Assekurata haben auch das Segment der sogenannten Neuen Klassik (Modernen Klassik) betrachtet. Bei neuen klassischen Tarifen sind die Garantien im Vergleich zur klassischen Variante niedriger und in der Regel endfällig gestaltet. Laut Assekurata profitieren auch die neuen klassischen Tarife von den gestiegenen Zinsen am Kapitalmarkt. Bis auf drei Anbieter haben alle Versicherer die laufende Verzinsung für 2024 teils deutlich erhöht. Keine Gesellschaft hat die Deklaration abgesenkt. Die laufende Verzinsung der untersuchten Tarife beträgt momentan durchschnittlich 2,58% – im Vorjahr waren es 2,19% – und die Gesamtverzinsung 3,31% (2023: 2,89%). „Damit liegen die Überschussbeteiligungen für neue klassische Tarife über den Werten der Klassik, was angesichts der geringeren Garantien schlüssig ist“, sagte Heermann. Allerdings würden hier auch die Effektivkosten in den Produkten im Schnitt etwas höher ausfallen als in der Klassik.

Zinsanstieg wirkt sich noch stärker auf Einmalbeitragspolicen aus

Wie die Studie weiter zeigt, hinterlässt das erhöhte Zinsniveau noch deutlichere Spuren beim kürzer laufenden Einmalbeitragsgeschäft. So gewähren fast alle Studienteilnehmer bei Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag mit einer zwölfjährigen Aufschubzeit inzwischen dieselbe laufende Überschussbeteiligung wie bei längerfristigen Rentenversicherungen gegen wiederkehrenden Beitrag – anders als noch in der Niedrigzinsphase. „Der Zinsanstieg wirkt sich bei Einmalbeitragspolicen aktuell noch stärker aus als bei Versicherungen gegen laufenden Beitrag“, fasste Heermann zusammen. „Offenbar verfolgen die Lebensversicherer das Ziel, im Zinswettbewerb gegenüber Banken weiterhin bestehen zu können.“ (tik)

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