AssCompact suche
Home
Vertrieb
13. März 2026
Maklernachfolge: Teilverkauf birgt Risiken
Maklernachfolge: Teilverkauf birgt Risiken

Maklernachfolge: Teilverkauf birgt Risiken

Ist im Rahmen der Maklernachfolge der Teilverkauf das Beste aus allen Welten, fragt AssCompact Kolumnist Andreas Grimm. Welche Chancen und Risiken dieses Konstrukt für Verkäufer und Käufer hat, erläutert der Beitrag.

Ein Artikel von Andreas Grimm, Gründer des Resultate Institut

Am 09.12.2025 wurde im Handelsregister Nürnberg eine neue GmbH eingetragen. Stammkapital: 25.000 Euro. Gesellschafter: Steffen Helmsauer, Sohn von Bernd Helmsauer, dem Gründer der Helmsauer Gruppe. Der Name: Helmsauer Versicherungsmakler GmbH. Zu diesem Zeitpunkt ahnte kein Außenstehender, was diese Eintragung bedeutete.

Teilverkauf als das Beste aus allen Welten?

Die Helmsauer Gruppe gehört zu den Top 20 der Branche. 2023 holte Gründer Bernd Helmsauer zur Regelung seiner Nachfolge den schwedischen PE-Investor Nordic Capital als Mehrheitsgesellschafter ins Boot. Der Plan: frisches Kapital für Wachstum, er selbst bleibt CEO, seine beiden Söhne übernehmen perspektivisch als dritte Generation. Das Unternehmen sollte inhabergeführt bleiben. Wenige Tage nach jener Handelsregister- eintragung legte Bernd Helmsauer alle Mandate nieder. Die Entscheidung war offensichtlich längst gefallen. Einige Tage später wechselt Helmsauers zweiter Sohn Bastian zu seinem Bruder. Rund 80 Mitarbeiter der Helmsauer Gruppe wollen in der Folge zur Neugründung wechseln – aus eigenem Antrieb, wie es heißt.

Jeder Makler kennt das Dilemma: Was wird aus dem Lebenswerk? Die klassischen Optionen haben ihre Haken. Verkauf an einen Wettbewerber bedeutet Kontrollverlust. Bei der Übergabe an Mitarbeiter fehlt oft das Kapital. Und die eigenen Kinder? Wollen sie überhaupt? Können sie es?

Genau hier setzt ein Modell an, das scheinbar alles vereint: der Teilverkauf an einen Wachstumsinvestor. Liquidität heute, Wertsteigerung morgen und das Versprechen, dass das Familienunternehmen auch ein Familienunternehmen bleibt. Klingt nach dem Besten aus allen Welten.

Konstrukt birgt Risiken

Ich kenne die Familie Helmsauer nicht persönlich und habe keinen Einblick in die internen Vorgänge. Was ich bewerten kann, ist das Konstrukt selbst, und dieses birgt strukturelle Risiken – für beide Seiten, wie man sieht.

Für den Verkäufer: Wer die Mehrheit abgibt, gibt die Kontrolle ab – egal, was im Vertrag steht. „Inhabergeführt“ wird zum Etikett ohne Substanz. Dazu kommen divergierende Zeithorizonte: PE-Investoren denken in Exit-Zyklen von fünf bis sieben Jahren, Familienunternehmer in Generationen. Und das Finanzierungsmodell selbst ist fragil. Wachstum durch Zukäufe, finanziert über tilgungsfreie Kredite, funktioniert nur bei gigantischem Wachstum oder massiven Synergien. Beides ist in der fragmentierten Maklerbranche schwer zu realisieren.

Auch für den Käufer bestehen Risiken: Was, wenn die Inhaberseite arglistig handelt und den Ausstieg aus dem Ausstieg schon als Teil des Gesamtmodells geplant hat? Wir haben in unserer Beratungspraxis vor vielen Jahren einen solchen Fall kennengelernt, als ein Verkäufer sich nach dem Verkauf seiner Firma für zwei Jahre anderen Hobbys zugewendet hat, bis die Wettbewerbsklausel im Vertrag abgelaufen war – und er sich dann von anderer Stelle aus wieder um seine ehemaligen Kunden beworben hat.

Bei Helmsauer funktionierte das Vorhaben nicht wie geplant. Die Familie zog die Reißleine. Die Söhne gründeten ihre neue Firma – der Exit aus dem Exit könnte sich für Helmsauers gerechnet haben.

PE-Investoren haben einen klaren Plan. Dieser muss nicht mit dem übereinstimmen, was sie in der Akquisitionsphase sagen. Ist „PE und familiengeführt“ nicht ein Widerspruch in sich? Fairerweise: Manchen Unternehmen hat der Einstieg von PE gutgetan – Fokussierung, Professionalisierung. Aber es verändert die DNA. Unwiderruflich.

Über den Autor: Andreas W. Grimm ist Gründer des Resultate Institut und beleuchtet an dieser Stelle regelmäßig Aspekte zur Nachfolgeplanung. Gemeinsam mit AssCompact hat er den Bestandsmarktplatz initiiert.

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

 
Ein Artikel von
Andreas W. Grimm